
Laufend Bauvorhaben mitten auf einem Wienerwaldberg in gut 450 Metern Seehöhe - u.a.
zur
"Befriedigung des Verkehrsbedürfnisses der Bevölkerung" ! Rechts der
Touristenweg.
Seit
bald vier Jahren ohne Flächenwidmung- und Bebauungsplan besteht für die
Siedlung Augustinerwald eine Bausperre gemäß § 8 (1) der Bauordnung für
Wien, - und das mit gutem Grund!
Die Siedlung, die wohl seit der Jahrhundertwende auf dem Nordhang des
Rehgrabenberges (465 Meter) auf ehemaligen Waldflächen entstanden ist, ist nämlich
längst von einer Gartensiedlung mit bescheidenen Häuschen, die ehemals nur im
Sommer zu nutzen waren, zu einer exquisiten Wohngegend und einem Eldorado für
Immobilienspekulation im 14. Bezirk geworden. Das Hauptproblem der Siedlung, die
man von der Mauerbachstraße nahe der Hohen-Wand-Wiese aus erreicht, ist
allerdings deren enorm steile Hanglage, die es allein schon wenig ratsam
erscheinen lässt, weitere Siedlungstätigkeit zu fördern!
Die Hannbaumstraße bzw. Hühnersteigstraße – schmale Privatstraßen ohne
Gehsteige – durch die die Siedlung erschlossen sind, sind vielfach derart
extrem steil, dass sie an manchen Stellen im Winter selbst für FußgängerInnen
problematisch und für LkW überhaupt nicht geeignet sind, zumal sie über weite
Strecken auch nur eine Spur breit sind und jeder Begegnungsverkehr daher
zu einem Hasardmanöver wird.
Lkw fahren daher nicht selten mit Ausnahmegenehmigungen der Bundesforste über
die einzige Alternative zu, die auf einer unbefestigten (!) Forststraße durch
Waldgebiet von Purkersdorf aus auf den Berg führt, was nicht minder gefährlich
ist. In Purkersdorf weiß man noch lebhaft von einem Bundesheereinsatz zu erzählen,
durch den ein in den Wald abgestürzter Lkw geborgen werden musste! Aber selbst
mit herkömmlichen Pkw – die Siedler fahren dort fast ausschließlich mit
Allradantrieb – ist bei stärkeren Schneelagen an eine Befahrbarkeit der Straße
nicht zu denken: Man muss sich gelegentlich einen Urlaubstag nehmen und bleibt
dann einfach zu Hause, - wie man mir erzählt hat.
Allerdings dürfte für die Stadt Wien weniger die Straße als vielmehr die
geologische Situation der Liegenschaften und Bauplätze das Hauptproblem der
Siedlung darstellen, -
was nicht wundert: Für Unzulänglichkeiten einer Privatstraße kann Wien
entspannt jede Kompetenz von sich weisen, für solche in genehmigten Bausachen
allerdings keinesfalls! Daher soll – wie im Vorjahr von Seiten der MA 21A in
der Penzinger Kommission für Bezirksentwicklung informell zu erfahren war –
die Erstellung eines neuen Flächenwidmungsplanes seit Jahren daran scheitern,
dass man die obligate Vorlage von geologischen Gutachten durch Bauwerber
angeblich nicht a priori verlangen kann.
All
diese Probleme hindern aber Bauwerber seit Jahren keineswegs an exzessiver Bautätigkeit
auf diesem Wienerwaldberg, - Bausperre hin oder her!
Denn dazu ist lediglich ein Ansuchen um Baubewilligung gemäß § 8 (1)
der BO für Wien (für von Flächenwidmungsplänen und Bebauungsplänen
nicht erfasstes Stadtgebiet) nötig, das im Wiener Gemeinderat bewilligt werden
muss. Und selbstverständlich bewilligen SPÖ und ÖVP im Wiener Gemeinderat
derartige Ansuchen ohne jedes Bedenken – mit zum Teil abenteuerlichen Begründungen.
Letztes Beispiel: Ein Bauansuchen für eine dreistöckige (!) Villa am
Touristenweg! Der Bauplatz liegt mitten auf einer Wienerwaldkuppe an der Grenze
zu Purkersdorf
in etwa auf 450 (!) Metern an jenem Wanderweg, der auf dem Höhenzug
zwischen dem Mauerbachtal und dem Gablitztal von Hadersdorf durch den
Bürgerspitalwald und über den Hühnersteigberg durch den Purkersdorfer Forst
bis nach Mauerbach führt!
Dort sind zuletzt - trotz Bausperre - mehrere Prunkvillen entstanden und weitere Bauplätze mit zusätzlichen Schäden für die Natur zeichnen
sich ab!
Ferner sind mitten auf Waldflächen Kfz-Stellplätze entstanden ,
wie überall sonst auch in der Siedlung Grünflächen gefährdet sind. So
konnte ich vor Jahren nur mit Mühe die beantragte Rodung einer gesamten Waldfläche
verhindern, die ein Siedler mit der frei erfundenen Begründung versucht hatte,
die Bäume würden zu wenig Sonneneinstrahlung zum Betrieb von
umweltfreundlichen Sonnenkollektoren seines Hauses ermöglichen! Es ging um
uralten Hochwaldbestand, - die Behörde hatte den Wunsch ungeniert dem
Umweltausschuss der Penzinger Bezirksvertretung zur Bewilligung vorgelegt!
Auch für sonstige Bautätigkeit (beispielsweise dem Ausbau der Stiegengasse von
einem Fußweg zu einer befahrbaren Straße) war mehrfach zwar keinerlei
Gesetzesgrundlage – dennoch aber deutliche Unterstützung durch Wiens Baubehörde
erkennbar gewesen!
Am Touristenweg: "Befriedigung des Verkehrsbedürfnisses der Bevölkerung" im Wienerwald
SPÖ-Stadtrat Schicker sah die – im letzten Oktober genehmigte - Baubewilligung am Touristenweg dennoch mit den Zielen der Stadtplanung vereinbar, die mit wörtlich folgender, sagenhaften Begründung erteilt wurde:
Insbesondere
sollen für die gegenständliche Liegenschaft folgende Ziele erreicht werden:
Vorsorge für Flächen für den erforderlichen Wohnraum unter Beachtung der Bevölkerungsentwicklung und der Ansprüche der Bevölkerung an ein zeitgemäßes Wohnen
Vorsorge für zeitgemäße Verkehrsflächen zur Befriedigung des Verkehrsbedürfnisses der Bevölkerung
Berücksichtigung der Grundsätze des barrierefreien Planens und Bauens.“
Ich halte die Genehmigung von Bautätigkeit auf Wienerwaldkuppen zur „Vorsorge
für zeitgemäße Verkehrsflächen zur Befriedigung des Verkehrsbedürfnisses“(!)
allerdings keineswegs mit wünschenswerten Zielen der Stadtplanung vereinbar,
sondern lediglich als verrückte Förderung der üblichen Immobilienspekulation
und als eindeutige weiteren Beitrag zur Gefährdung und Zerstörung des Wienerwaldes!
Daher plädiere ich für restriktive Vorgaben eines rasch zu erstellenden neuen
Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes für die Siedlung Augustinerwald und werde
bei nächster Gelegenheit einen Lokalaugenschein der Kommission für
Bezirksentwicklung unter Beteiligung der zuständigen Magistratsdienststellen
anregen, - selbst auf die Gefahr hin, dass die Bergtour einige MandatarInnen
oder Beamte körperlich schwer überfordern könnte. Es ist nämlich offensichtlich,
dass derartige Genehmigungen für Bauvorhaben von MandatarInnen in
offensichtlich völliger Ortsunkenntnis erteilt werden, - ein Wienerwald-Wandertag
könnte da für gute Einsichten sorgen!
Wolfgang Krisch, 20.3.2010
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