Wohnbauvorhaben an der A1 südlich der Zimbagasse - Straße statt Fußweg Richard-Kuhn-Weg


Das nächste Großbauvorhaben und die nächste neue Straße im Auhof!
Ein Wohnbauprojekt mit Lärmschutzwand an der A1 - und neuerlich reine Anlasswidmung!




Noch ist der umstrittene neue Straßenbau im Auhof für die Attraktivierung  der SCA und die weiteren “Entwicklungen“ von Grundstücken im Industriegebiet nicht einmal in Bau, - und schon zeichnet sich das nächste Großbauvorhaben im Auhof ab!

Dies ist jedenfalls dem so genannten Gründruck – dem ersten Planungspapier für die Änderung einer Flächenwidmung in Wien -  für Teile des Industriegebietes (Plandokument 7920) zu entnehmen, den die MA21A vor wenigen Tagen bekannt gemacht hat!


Groteske Erklärungen für die Anlasswidmung

Demnach zeichnet sich neuerlich zwar weiterhin keine entsprechende Widmung des Einkaufszentrums Auhof ab, dafür gelingt es nun aber offenbar den Eigentümern der Liegenschaften rundum, ihre Grundstücke durch Umwidmungen zu vergolden, so wie ich das seit längerem berichte.

Konkret habe man, schreibt die MA 21A  unter der Überschrift maßgebliche Entwicklungen und Planungen um mögliche Alternativen zu rasch voranschreitenden Ausbreitung großflächiger MIV-bezogener Handelsnutzungen auszuloten ... Bebauungsstudien und eine Lärmuntersuchung für den Baublock südlich der Zimbagasse beauftragt“, wobei die „Zweckmäßigkeit einer Umnutzung zu Wohnen bei Realisierung einer Lärmschutzwand entlang der Westautobahn bestätigt wurde“.

Womit also quasi der Eindruck vermittelt werden soll, das ungezügelte Wuchern des SCA, das die MA 21A seit Jahren durch behördliche Untätigkeit eindeutig begünstigt , sei nur durch eine Wohnbaunutzung in den Griff zu bekommen!

Wer das glauben soll, ist mir schleierhaft, aber irgendwie hat man Formulierungen gefunden, um eindeutige Anlasswidmungen für den jeweiligen Nutznießer als allgemein schlüssige Überlegung darzustellen.  Wobei im konkreten Fall noch nicht bekannt ist, wer diesmal der Nutznießer aus der Immobilien- und Baubranche sein wird.


Zeitgemäßes Wohnen neben der Autobahn
Die in dem Planpapier ferner verschriftlichten Floskeln zur beabsichtigten Gestaltung und Entwicklung des Plangebietes sind die üblichen Textbausteine der Abteilung, die aber diesmal  - im Zwickel zwischen der B1 und der A1 besonders grotesk erscheinen. So werden auszugsweise insbesondere folgende Ziele bzw. Entwicklungen im Plangebiet  angestrebt“:  Die Vorsorge für Flächen für den erforderlichen Wohnraum unter Beachtung der Bevölkerungsentwicklung und der Ansprüche der Bevölkerung an ein zeitgemäßes Wohnen,  das ja neben der Autobahn und Lärmschutzbauten kaum zeitgemäßer sein könnte! 

Auch zur Erhaltung beziehungsweise Herbeiführung von Umweltbedingungen, die gesunde Lebensgrundlagen… sichern  oder dem größtmöglichen Schutz vor Belästigungen, insbesondere durch Lärm, Staub und Gerüche scheint ja kaum ein andere Bauplatz geeigneter als eine Liegenschaft im Auhof zwischen B1, A1 und dem ständig größer werdenden Verkehrschaos rund um das SCA!
Und weil auch in Wien jedes Verkehrschaos noch immer zu vergrößern ist und die MA21A ihr Ziel darin sieht, im Auhof „ Vorsorge für zeitgemäße Verkehrsflächen zur Befriedigung des Verkehrsbedürfnisses der Bevölkerung und der Wirtschaft zu treffen, sieht Planentwurf 7920 auch gleich den nächsten Straßenneubau vor.

Nächster Straßenneubau
Mit einer Aufweitung des Richard-Kuhn-Weges wird nun das Betriebsgebiet auch an die Hofjägerstraße angebunden, womit überdies auch für das in Planung befindliche Wohnbauprojekt auf der Liegenschaft der ehemaligen Stadt des Kindes eine ausgebaute Zufahrt vom Josef-Palme-Platz realisiert werden soll. Der Richard-Kuhn-Weg soll zu einer 8 Meter breiten Straße werden,  was nur unter Inanspruchnahme des Vorgartens des dortigen Kindertagesheimes möglich sein wird.

Nur mehr kleine öffentlich zugängliche Rest-Grünflächen „irrelevant“
Ferner wird die bisher gewidmeten Parkanlage  (!) im Bereich Josef-Palme-Platz /Wiengasse  der öffentlichen Verkehrsfläche zugeschlagen, was natürlich auch bestens begründet wird: Die Parkanlage ist nämlich eine ohnehin  nicht funktionell  nutzbare Fläche! Und generell heißt es zu den Freiflächen und Grünräumen wie folgt: Die öffentlich zugänglichen Grünräume innerhalb der Plangebietsgrenzen beschränken sich auf kleine Restflächen, was aber angesichts des unmittelbar angrenzenden und öffentlich nutzbaren Grüngürtels und der hohen Ausstattung mit halböffentlichen und privaten Grünflächen irrelevant! (sic!) ist.
Natürlich: Was braucht die Öffentlichkeit Grün- und Freiflächen, wenn halböffentliche und private vorhanden sind! Nicht vergessen darf dabei der Verlust an Freiflächen sein, den die Stadt Wien für die Privatisierung der Stadt des Kindes der Öffentlichkeit zugemutet hat!




Kreuzungsumbau Josef-Palme-Platz
Damit zeichnet sich jedenfalls eine ganz relevante Vergrößerung des Kreuzungsbereiches Josef-Palme-Platz samt einer eigenen Abbiegespur  in die Mühlberggasse ab, was offensichtlich auch den Kernpunkt jenes Verkehrskonzeptes darstellt, welches für das Wohnprojekt auf der Liegenschaft der ehemaligen Stadt des Kindes (252 Wohnungen) deshalb nötig ist, weil die bestehende Zufahrt vom Josef-Palme-Platz gänzlich unzulänglich ist.  (Das Konzept liegt seit mindestens einem halben Jahr vor, ist aber der Penzinger Verkehrskommission noch nicht präsentiert worden!) Die SteuerzahlerInnen dürfen aber – soviel ist sicher - für das neue Wohnprojekt auf der privatisierten Liegenschaft nun auch einen gewaltigen Umbau des Josef-Palme-Platzes und eine neue Zufahrt bezahlen!


Fehlende Infrastruktur: Keine Schulplätze -  ungenügender öffentlicher Verkehr
Gänzlich grotesk ist aber ferner, dass die MA21A  zur Infrastruktur des Plangebietes von „umfangreichen Einkaufsmöglichkeiten, einer Postfiliale und einer Apotheke und vier Fachärzte im Auhofcenter sowie von weiteren Fachärzte und Allgemeinmediziner  in  Hadersdorf“ weiß, nichts aber vom mittlerweile eklatanten Mangel an Schulplätzen im Bezirkswesten. Tatsächlich besteht schon derzeit ein absoluter Notstand an Schulplätzen besonders in Hadersdorf!  Die einzige Volksschule dort, ein Uraltgebäude, das längst nicht mehr zeitgemäß ist, platzt nämlich aus allen Nähten, obwohl man dort mittlerweile Container als Klassenräume sogar schon im Schulhof stapelt!  In Anbetracht der zahlreichen Wohnneubauten im Hadersdorf wird man mindestens einen großen Volksschulneubau brauchen, für den jedoch weder Planungen noch ein denkbarer Standort ersichtlich wäre. (Ich habe daher angefragt, welche Schulraumplanungen kurz- mittel- und langfristig von der Stadt Wien für den Bezirk verfolgt werden).

Ebenso völlig ungenügend ist selbstverständlich auch die Erschließung des Auhofs mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die S 50 liegt von der Zimbagasse fußläufig schon reichlich weit entfernt, - dazu wird aktuell von der ÖBB der Fahrplan ausgedünnt.  Bleibt somit eher der öffentliche Bus, dessen Fahrplan kaum attraktiv ist und der häufig in jenem üblichen Verkehrsstau steckt,  der durch die Ausbaupläne im Auhof durch die Stadt Wien ständig vergrößert wird.

Einzig erkennbares Ziel dieser neuen Flächenwidmung somit: Befriedigung der maximalen Gewinnabsichten von üblicher Grundstücksspekulation unter Mithilfe der Wiener Stadtplanung!

Wolfgang Krisch, 4.12.09
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