Umfassende BAWAG-Kundenkeilerei an Wiener Schulen - mit Teilnahmeverpflichtung!


Straffe BAWAG – Aquisition an Wiener Schulen

Werbeoffensive im Unterricht und bei Schulkonferenzen mit Unterstützung aus dem Wiener SSR!


Ein kräftiges Wachstum im Privatkundengeschäft hat sich – so Vorstandsdirektor Wolfgang Klein im KURIER vom 19.5. – die BAWAG-PSK vorgenommen, man wolle zu den 1,6 Millionen Kunden bis 2015 jedes Jahr 100.000 dazu gewinnen!  Für dieses ambitionierte Ziel sollen einerseits die ehemaligen Postämter herhalten. Zu den schon bestehenden 150 BAWAG-Bankstellen sollen weitere 370 Filialen eröffnet werden, was klare Konsequenzen hätte! Die Infrastruktur der Post würde weiter ruiniert und die Öffentlichkeit müsste sich zunehmend – ich habe zuletzt (hier mehr) von diesbezüglichen Planungen für Penzings berichtet – bei skurrilen „Postpartner“  an dessen geringster Postversorgung gewöhnen, die auch die Politik nicht mehr zu interessieren scheint.

Die Postkundschaft ist nämlich im Wesentlichen nur mehr als Subjekt der BAWAG-Expansion in Aussicht genommen. Dabei hat die Bank, 90%-Mehrheitseigentümer ist nach wie vor der US-Fonds Cerberus (weitere Anteile halten österreichische Unternehmen, so die Post, die Generali-Versicherung, Wüstenrot sowie die Industriellen-Gruppe rund um Hannes Androsch), klare Zielvorgaben! Angestrengt sei laut Wolfgang Klein die Spareinlagen bis 2015 um 14 % auf 16 Milliarden zu erhöhen und die Kreditvergaben um 89 % auf 1,96 Milliarden, - zudem soll es im Wertpapier- und Versicherungsbereich um 40% mehr klingeln.

Und weil es zu den hohen Zielen natürlich mehr Unterstützung braucht als die liebe Post bieten kann, hilft – wie sich neuerdings deutlich zeigt -  offensichtlich auch der Wiener Stadtschulrat der ehemaligen Gewerkschaftsbank in ganz erstaunlichem Ausmaß.

Denn die BAWAG hat offensichtlich bestens organisierten Zutritt in Wiener Schulklassen und zu Wiener LehrerInnen, damit auch dort Kunden systematisch akquiriert werden können!

In 4.Klassen Penzinger Hauptschulen waren dieser Tage drei sympathische junge BAWAG-Berater hoch umtriebig unterwegs, um die SchülerInnen selbstverständlich objektiv über Geldwesen und Bankleistungen zu informieren! Die Herrschaften nannten als Ermöglicher ihres Erscheinens den Wiener Stadtschulrat – und namentlich einen ranghohen SPÖ-Personalvertreter(!). Höhepunkt der leichthin entfallenen Unterrichtsstunde war jedenfalls ein Anmeldeformular für ein Jugendkonto,- und dass ein solches von manchen Eltern auch glatt unterschrieben retourniert wird, ließ sich unzweifelhaft feststellen!

Ähnlich praktisch für die BAWAG fanden – die Teilnahme war nämlich verpflichtend -  schon im Vorjahr Besuche eines BAWAG-Beraters bei LehrerInnenkonferenzen(!) in Penzing statt. Den entgeisterten LehrerInnen wurde unverblümt mitgeteilt, der SSR ermögliche diese Beratung! Angeboten wurde umgehend, den LehrerInnen auszurechnen, wie niedrig nach den jüngsten Gehalts- und Dienstrechtsverschlechterungen dereinst die Ruhebezüge ausfallen würden (der Dienstgeber SSR erstellt derartige Berechnungen erst nach der definitiven Beantragung des Pensionsantrittes!) und dass man, so der O-Ton eines BAWAG-Mannes in Anbetracht dieser Pensionen einen guten Magen braucht. Logische Konsequenz also: Die BAWAG könne durch private zusätzliche Pensionsvorsorge den gewohnten Lebensstandard sichern!

Derartige Zumutungen für SchülerInnen und LehrerInnen im Rahmen von Unterricht- oder Dienstverpflichtung über Vermittlung des Wiener Stadtschulrates scheinen mehr als bemerkenswert – auch wenn dies Lehrerinnen vereinzelt mit mit grimmigen Humor nahmen!
Man dürfe doch – so die gute Anregung eines erfahrenen Penzinger Pädagogen – immerhin froh sein, dass bislang noch kein offizieller Gesetzeszwang besteht, BAWAG-Kundschaft zu werden! Außerdem belege die Vorgangsweise einmal mehr, dass Schulpolitik und Schulverwaltungen zumindest zu Gunsten der Wirtschaft keineswegs untätig agiere!  Und was den Wiener SSR betrifft, so sei man wenigstens beglückt, dass dort noch nicht engere Geschäftsbeziehungen mit der Glücksspielindustrie so etabliert sind wie mit der BAWAG-PSK. Nicht auszudenken, Novmatic beispielsweise wünsche zu wachsen und neue Kundschaft zu erschließen! Und immerhin ist bislang noch niemand in 4.Hauptschulklassen für angeblichen Unterricht zu Wirtschaftskunde in Erscheinung getreten, um die Unterhaltung an einarmigen Banditen verantwortungsbewusst zu erklären oder wie man bei bwin-Internetwetten alles Nötige kaufmännisch bestens im Griff behält!

Man sieht jedenfalls einmal mehr: LehrerInnen sind ja oft leichthin schon mit geringsten Positiva zufrieden, weiß

Wolfgang Krisch, 22.5.2011
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