Straßengeschenk der SteuerzahlerInnen für das Einkaufszentrum um rund 1,5 Millionen €



Umverteilung von Arm zu Reich
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Das Penzinger Bezirksbudget 2010 macht einmal mehr rechte SPÖ-Politik ersichtlich!


  

In der Sitzung vom 2.Dezember der Bezirksvertretung Penzing steht das Bezirksbudget für das kommende Jahr 2010 zur Debatte und Abstimmung!  Dass ich dieses Budget für eine Zumutung halte, zu der eine Zustimmung gänzlich ausgeschlossen ist, hat mehrere Gründe, zu denen diesmal primär gar nicht die üblichen Kritikpunkte zählen. Dass Wiens Bezirke nämlich grundsätzlich und seit jeher so wenig Finanzen aus dem Zentralbudget bekommen, dass eigene Gestaltungsspielräume für tatsächliche Anliegen der Bevölkerung nur marginal möglich sind, ist nun einmal die Vorgabe der SPÖ-Stadtregierung, mit der die Bezirke zu leben gewohnt sein müssen.


Ein Großteil der genau aufgelisteten Finanzkompetenzen, die der Bezirk wahrnehmen muss, sind somit vorgegebene Fixkosten, die kaum disponibel sind, wie beispielsweise die Erhaltung von Einrichtungen der Wasser- und Abwasserversorgung, von Kindertagesheimen, Schulen, Friedhöfen, Bedürfnisanstalten, Parks, Straßen und Straßenbeleuchtungen sowie technische Einrichtungen des  Straßenverkehrs. Dabei hat der Bezirk de fakto auch gar keine Möglichkeit die Plausibilität der Ausgabenhöhe zu überprüfen, die von den Fachdienststellen nach Ausschreibungen der Leistungen (oder ohne eine solche) zur bloß formalen Bewilligung dem Bezirk vorgelegt werden. Einziger Gestaltungsspielraum für den Bezirk ist dabei allenfalls eine Prioritätenreihung von Ausgaben, die nicht unmittelbar zu bestreiten sein müssen.


Dass bei derartiger Gebarung – wie in Penzing auch 2010 – die Verschuldung erklecklich ist, stört mich ja weniger, weil die Stadt Wien schließlich ohnehin haftet, sollten die Bezirk mit ihren zu geringen zugeteilten Mittel überfordert sein. Das aktuelle Ausmaß dieser Überforderung zeigt jeweils der veranschlagte „Schuldendienstersatz“! Für 2010 sind in Penzing dafür 784.400 € budgetiert, für die Folgejahre 2011 und 2012 auch schon 627.400 €.

Und dabei ist aber jederzeit mit stets mögliche Mehrausgaben zu rechnen, für die in Penzing keine Rücklagen mehr bestehen: So spürt der Wiener Magistrat derzeit den Ursachen von Wassereintritt in den Doppelschulstandort Kinkplatz 21 nach, zu denen nur gehofft werden kann, dass die Kosten dafür im Rahmen bleiben! Sollten sich diese Hoffnungen nicht erfüllen (Im schlimmsten Fall sind für derartige Sanierungen auch bald einmal Volumina von 500 000 € als möglich genannt worden), läuft mit einem einzigen derartigen Aufwand das Bezirkbudget (bei Gesamtmitteln für 2010 von 8 778 900 €)  natürlich völlig aus dem Ruder! Daher bemüht sich die Bezirksvorsteherin derzeit auch mit Vehemenz, dass die Erhaltung des problematischen Schulgebäudes auf dem Kinkplatz entweder zur Gänze aus dem Zentralbudget übernommen- oder sonstwie „gefördert“ wird.


Was aber tatsächlich von der SPÖ bisher gefördert wird, macht das eigentliche Übel des veranschlagten Bezirksbudgets aus: Gefördert werden hauptsächlich private Unternehmungen, ganz im Sinn der neoliberalen Faustregel: „Gewinne den Privaten – Verluste den SteuerzahlerInnen!“

Ganz in diesem Sinn dürfen z.B. Penzings SteuerzahlerInnen für die Förderung der Einkaufsstraßen Hütteldorfer Straße und Linzer Straße immerhin 20 000 € für „Weihnachtsbeleuchtung“ bezahlen, wobei keine Rolle spielt, dass für eine derartige milde Spende an die Wirtschaftstreibenden Wiens Bezirksvertretungen gar keine Rechtsgrundlage  haben. Leichter Ausweg für die SPÖ daher – übrigens offenbar in ganz Wien so gehalten:   Die Weihnachtsbeleuchtung gilt einfach als Kulturereignis (!) und wird aus dem Kulturbudget bezahlt!  (In der Penzinger Kulturkommission waren zuletzt übrigens – gegen die Stimmen der GRÜNEN - nur 10 000 € beschlossen worden, - wieso weitere 10 000€ nun veranschlagt sind, ist mir unklar!)

Noch ärgerlicher allerdings der warme Geldregen für den Betreiber des Shopping Center Auhofs und sonstiger Investoren von Liegenschaften im Industriegebiet: Die neue Straße zur Attraktivierung des Einkaufzentrums (ich berichte seit längerem darüber) soll der Penzinger Steuerzahler vorerst einmal mit etwa 700 000€  (!) finanzieren, wozu die jüngste Ankündigung grotesk ist, ein Anteil davon werde durch eine „Förderung“ übernommen. Denn schließlich stammen auch derartige „Förderungen“ aus Steuermitteln und nicht aus solchen der privaten Nutznießer.

Darüber hinaus durften die PenzingerInnen am Ankauf des Grundes ein zweites Mal noch einmal so viel bezahlen, - diesmal aber nicht als Penzinger sondern als Wiener SteuerzahlerInnen. Insgesamt sind Kosten von etwa 1,5 Millionen Euro für die kaum 500 Meter lange Straße abschätzbar! Und das alles, ohne dass das Einkaufszentrum über eine Flächenwidmung als Einkaufszentrum verfügt, womit man sich ab ovo erspart hatte, die seit jeher ungenügende verkehrliche Erschließung durch ein Gutachten nachgewiesen zu erhalten, dafür nun aber argumentieren kann, die Straße sei für die Öffentlichkeit nötig, die sie sich selbst bezahlen soll.

Der üblichen SPÖ-Darstellung, das Shopping-Center sei so wichtig für die „Arbeitsplätze“ im Bezirk, halte ich stets entgegen, dass nach meiner Einsicht allenfalls die üblichen „MacJobs“ und prekären Dienstverhältnisse geschaffen werden, die zwar den ArbeitnehmerInnen bei weitem nicht erlauben, ihre Existenz zu sichern, - den Arbeitgebern dafür aber allemal, ihre eigenen Steuerleistungen zur Gewinnmaximierung minimal zu halten!
 

Für mich stellt jedenfalls ein solches Budget eine Bankrotterklärung einer einstigen sozialdemokratischer Politik dar. Hier ist einmal mehr die Umverteilung von Arm zu Reich zum beschämenden Programm gemacht - und dieses gängige SPÖ-Engagement unterscheidet sich in keinem Jota mehr von üblicher ÖVP-Politik! Ein Bezirksbudget nach ÖVP-Vorgaben würde kein Bisschen anders aussehen! Für mich ist dazu nur verwunderlich, warum die SPÖ nicht erkennt, dass ihr allein wegen derartiger Politik schon die WählerInen in Scharen abhanden kommen! Auf den Punkt brachte das übrigens  dieser Tage der Kabarettist Werner Schneyder mit folgendem Bonmot: "Die SPÖ steht vor ihrer Ideologie wie die Nonne vor dem Pornokino!"
 

Der Penzinger Treppenwitz der Bezirksgeschichte ist dabei  obendrein, dass die SPÖ dennoch um die ÖVP-Zustimmung zu diesem Budget bangen muss. Angeblich verlangen die Bezirksschwarzen jetzt auch noch dreist eine Zusage zur U4-Verlängerung in den Auhof zur weiteren Förderung ihrer dortigen Klientel, um der SPÖ die nötige Stimmenmehrheit zu diesem Budget zu verschaffen!

Stimmt nämlich die ÖVP dem Budget nicht zu – die FPÖ darf nach Vorgabe der Landespartei seit Jahren nicht zustimmen – kommt es neuerlich auf die Stimmen der GRÜNEN an, ob sich Penzing ein derartiges Budget bieten lassen muss. Für mich führt kein Weg an einer Ablehnung vorbei!

Wolfgang Krisch, 27.11.09
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P.S. Bei der gestrigen Abstimmung musste ich krankheitshalber fehlen. ÖVP und FPÖ lehnten das Budget ab, für die nötige Mehrheit
sorgten ausgerechnet die GRÜNEN! Weshalb, ist unbekannt.
3.12.09