Bürgerbeteiligungsverfahren
Verkehrskonzept Hütteldorf:
„ In 3 - 5 (!) Jahren einer Umsetzung zuzuführen !“

Die SPÖ denkt offensichtlich nicht daran, die Ergebnisse des Hütteldorfer Bürgerbeteiligungsverfahrens umzusetzen!


Die Ergebnisse monatelanger Arbeit im Rahmen des Bürgerbeteiligungsverfahrens „Verkehrskonzept Kernbereich Hütteldorf“ (hier im Volltext) liegen seit einem halben Jahr vor, - wer an deren Umsetzung glaubte, ist bislang herb enttäuscht worden!

Überaus aufschlußreich ist diesbezüglich ein Aktenvermerk der MA 21 über eine Dienststellenbesprechung „Betreffend Festlegung der weiteren Vorgangsweise zur Umsetzung der im Bürgerbeteiligungsverfahren Hütteldorf ausgewählten Schlüsselprojekte“, die am 15.3. statt fand und an der SPÖ-Bezirksrat Walfried ERTL für Penzing teil nahm.

Dabei wurden zu einer Vielzahl von Schlüsselprojekten – beileibe aber nicht von allen – höchst diffuse Anmerkungen zu ihrer Umsetzung gemacht, ohne daß auch sich auch nur die Realisierung eines einzigen Projekt konkret abzeichnen würde.


Grundtenor dabei sind in allen Fällen Formulierungen wie „ wurde vorbesprochen“, wird angedacht, muß abgestimmt werden“, „ wird überprüft “ , „ wird angestrebt“,
Gespräche sind im Gange“, „ wurde Entwurfskizze erarbeitet wird demnächst eine Ortsverhandlung ausgeschrieben, „ Überprüfung der Möglichkeit der Realisierung“, „Federführung noch zu klären“, „wäre erforderlich.
 
Höhepunkt der Konkretheit in dem Papier sind übrigens folgende Formulierungen: „ .. es gibt Zusagen, dass es großes Interesse gibt (was die ÖBB an der Mitfinanzierung eines Umbaus des Bahnhofsvorplatzes in Hütteldorf haben soll) bzw. „Wiener Linien hat Überprüfung zugesagt.“

Darüber hinaus ist offenbar gedacht, überhaupt nur mehr die Schlüsselprojekte anzusprechen, nicht aber jene Ergebnisse, die als „verfolgenswerte Projekte“ des Verfahrens mehrheitlich beschlossen wurden und ausgewiesen sind. 
Zahlreiche Ergebnisse des Verfahrens, die zwar mit höchster Priorität oder mehrheitlich als verfolgenswert gefordert sind, offenbar aber politisch nicht goutiert werden, scheinen nämlich in dem Aktenvermerk überhaupt nicht mehr auf! ( Z. B, zahlreiche Querungshilfen für FußgängerInnen, der Entfall der Gehsteigparkordnung in der Rettichgasse, die Entflechtung der Ausfahrten BAUHAUS-MERKUR in der Bergmillergasse, die Fahrplanverbesserungen für die VOR - Busse, die benutzeroptimierte Bus - Abfahrts- und Ankunftsverteilung an den Stationen Hütteldorf U-Bahn und Bergmillergasse usw . usf.)

Höchst erhellend ferner auch folgende Stellungnahme für den Bezirk (durch Bezirksrat Walfried Ertl) zur geforderten Temporeduktion und verkehrsorganisatorische Maßnahmen im Bereich Stockhammerngasse, Isbarygasse, Rettichgasse, Brudermanngasse: „Grundsatzbeschluß zur Einführung von Tempo 30-Zonen vorhanden, zur Einführung in diesem Gebiet ist pol. Beschluß im Bezirk erforderlich, es wird angedacht jedoch Priorität nicht vorrangig.“
( Womit SPÖ-Mandatar Ertl im Namen des Bezirks immerhin ein von den BürgerInnen einstimmig als prioritär beschlossenes Verfahrensergebnis als „nicht vorrangig“ höchst persönlich vom Tisch wischt!)
Zur Forderung nach „Abstellanlagen für Fahrräder an ausgewählten Orten im Gebiet“ wird dargestellt, sie würden ohnehin „ laufend durchgeführt“, - zu einer weiteren nachBegrünungsmaßnahmen und Umgestaltung der Straßenräume“, dies werde ohnehin "generell verfolgt“.
Generell
„ liest man „ wären Bezirksbeschlüsse zu allen Maßnahmen erforderlich, - aber selbst dort, wo seit Jahren der Beschluß einer Maßnahme vorliegt, die nun neuerlich von den BürgerInnen verlangt wird (Einführung von Sammeltaxis), gibt es keine Entscheidung für eine Umsetzung („ Gespräche sind im Gang“).

Wer jetzt noch an die Bereitschaft der SPÖ glaubte, die Ergebnisse des Verfahrens auch tatsächlich umzusetzen, wird auf folgende Festschreibung in dem Aktenvermerk verwiesen: Die MA 4 legte Wert auf die Feststellung, es sei zur Umsetzung der Maßnahmen keine Sonderfinanzierung vorgesehen“ (über die übliche Finanzierungsmöglichkeiten des Bezirkes sind die Maßnahmen völlig unerschwinglich!) und die MA 28 – die an den Verfahrensergebnissen beteiligt war - will „ Detailplanungen nur dann durchführen, wenn auch die Realisierung realistisch erscheint“. Abschließend wird (SR Dipl. Ing. Klaus VATTER) festgehalten „ dass zur Erfolgsabsicherung der Projektentwicklung von Seite der Bezirksvorstehung eines Evaluierung sinnvoll erscheint“. Was heißt, daß die Bezirksvorstehung die Projekte für eine Realisierung „bewerten“ ( = evaluieren ) soll ! Ganz sicher genau so werden sich die BürgerInnen ein  „Bürgerbeteiligungsverfahren“ vorstellt haben !
Mit der Evaluierung könnte sich Frau Bezirksvorsteherin Andrea KALCHBRENNER jede Menge Zeit lassen: SPÖ-Stadtrat Schicker hat den Auftrag erteilt die „ Schlüsselprojekt einer Umsetzung in den nächsten 3-5 Jahren zuzuführen“ ( was auch noch nicht heißt, daß die Projekte bis dahin umgesetzt sein sollen, - sie werden nur der Umsetzung „zugeführt“).
Der Bezirk hat mittlerweile in der Sitzung der Bezirksvertretung am 12.6. einen Grundsatzbeschluß zur Umsetzung der Verfahrensergebnisse gefaßt. Eine ursprünglich darin formulierte 3-5-Jahres-Frist exakt nach den Vorstellungen von Stadtrat Schicker für die „Zuführung einer Umsetzung“ wurde auf mein Betreiben entfernt !

Nutzen wird das natürlich dennoch nichts , - die Wiener SPÖ ist offensichtlich nicht gewillt, den Auftrag der BürgerInnen auch tatsächlich ernst zu nehmen! Sie wird aber folgendes ernst nehmen müssen: Ich werde die Umsetzung der Bürgerwünsche Punkt für Punkt über Anträge in der Bezirksvertretung einfordern , - man wird dann jeden einzelnen ablehnen müssen !

Wolfgang Krisch, 19.6.2002
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P.S.
Die Stadt Wien hat mittlerweile ein neuerliches Bürgerbeteiligungsverfahren initiiert ! Ein „Masterplan Verkehr“ soll erstellt werden ,- die BürgerInnen waren zu einer Startveranstaltung am 18.6. eingeladen! Die Begeisterung dafür in Hütteldorf wir sicher grenzenlos gewesen sein.....