Fotomontage: Bauklasse IV (Bild :MA 18)

Horrible „Enwicklungsszenarien“ für die Westeinfahrt Wiens !
 
Eine S
tudie der MA 18 enthüllt konkrete Planungen für ein Einkaufszentrum mit Möbelhaus, Büros sowie einen „Cable-Liner“ im Auhof, - insgesamt  weit über 5000 (!) neue Stellplätze im Bezirkswesten !  

Unter Leitung der MA 18 (SR Dipl. Ing. Karl Glotter) hat die Stadt Wien in einer brandneuen Studie (fertiggestellt im Jänner 2002) „ Entwicklungsszenarien für die Westeinfahrt Wien“ untersucht. Als Anlaß für die umfangreiche Arbeit, an der auch zahlreiche andere Dienststellen beteiligt waren (Magistratsdirektion, MA 19, MA 21A,  MA 21B, MA 28, MA 45, MA 46, MA 49) sind kryptisch „ mehrere Anlassfälle in jüngster Zeit“ genannt, die es „notwendig“ erscheinen lassen, für den Bereich Auhof „ Spielräume für künftige Entwicklungsmöglichkeiten im Kontext dieser neuen Projektabsichten aufzuzeigen“.

Kern des Papiers sind vier „Entwicklungsszenarien“ auf folgenden „disponibel“ genannten „ Entwicklungsgebieten“:
Die „Stadt des Kindes“,
das Betriebsgebiet Auhof,
das Betriebsgebiet MAN,
der Autobahnknoten Auhof,
der Bereich Novotel
sowie der Bereich Wolf in der Au !

Graphik: MA 18
A= Stadt des Kinder, B=Betriebsbaugebiet Auhof, D=MAN, D1 =Autobahnknoten Nord, D"=Autobahnknoten Süd, E=Bereich Novotel, F=Wolf in der Au

·              Als „Szenario 1“ („RESERVEAUSSCHÖPFUNG – 08/15) wird die „weitere Nutzungsintensivierung innerhalb der bestehenden rechtlichen Voraussetzungen (Widmungen) in den Bereichen Betriebsgebiet Auhof, MAN und Stadt des Kindes“ untersucht,

·              als „Szenario 2“ (Fachmarktagglomeration) die darüber hinaus gehende „Verwertung der Flächen Autobahn-Knoten (Fläche Nord und Süd) Novotel und Wolf in der Au“.

·              „ Szenario 3(Stadtrandzentrum) meint eine Nutzung wie im Szenario 2 , „inklusive einer Nutzungsverdichtung im Bereich Autobahnknoten Auhof gemäß Projekt Park&Ride Auhof in Bauklassen IV/V,

·              „ Szenario 4“ („Extremverdichtung“)  zuletzt die Erweiterung des Szenarios 3 um eine „vollflächige Ausweisung der Bauklasse III in den Bereichen Betriebsbaugebiet Auhof (inklusive Ausweitung der Einkaufszentrum-Nutzung) und Novotel“.

Nachgerade sensationell sind dabei, im Bezirk gänzlich unbekannte, aber als „aktuelle Projekte im Bearbeitungsgebiet“ (!) beschriebene Vorhaben mit folgendem Höhepunkt (im Wortlaut zitiert):

Autobahnknoten Auhof (Projekt Atelier 4)
Innerhalb des Autobahnknotens Auhof der A1 ist eine Park&Ride Anlage (P&R) mit ca. 2.500 Stellplätzen und Geschäfts- und Büroflächen in einer Größenordnung von ca. 80.000 m² Bruttogeschossflächen (BGF) mit zusätzlich 2.000 Stellplätzen geplant. Die Zufahrt zur P&R Anlage soll direkt über die Autobahnabfahrt bzw. über die B1 erfolgen.
Folgende Gebäudehöhen sind vorgesehen: Nördlicher Bauteil:24 m (entspricht Bauklasse V), Südlicher Bauteil: 19 m (entspricht Bauklasse 4).

Zur besseren Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Errichtung eines Cable-Liners vorgesehen. Nach ersten Überlegungen soll der Cable-Liner, der eine geländeunabhängige, auf-geständerte und schienengeführte Kabinenstandseilbahn (Cable-Car, DCC) ist, zwischen den Endstellen U-Bahn Station Hütteldorf und Auhofcenter mit Stationen bei der geplanten P&R-Anlage und ev. bei Wolf in der Au verkehren. Die Fahrzeit von Auhof zur U-Bahn-Station Hütteldorf soll für die 2,9 km 6-7 Minuten betragen.“ 

Detaillierte Angaben („Projektbeschreibung Park and Ride Wien-Auhof“) finden sich im Anhang und machen erkennbar, wie weit bereits konkrete Planungsschritte der Architektengruppe ATELIER 4 abgeschlossen sind. Auszugsweise dazu nur so viel:

Die Anlage teilt sich in den nördlichen und den südlichen Teil. Der nördliche Teil besteht aus 7 Ebenen. Die untersten 4 Ebenen werden als Parkdecks genutzt..... Ebene 1 und 1A fassen ca. 480 PKW’s, Ebene 2 und 3 jeweils 525 PKWs (ergibt 2010 PKWs). Auf Ebene 4 ist ein großes Gewerbeunternehmen vorgesehen, auf den Ebenen 5 und 6 sollen Büro eingerichtet werden..... Der südliche Teil ist der größere Teilbereich. In diesem Teil soll es sowohl Parkmöglichkeiten als auch einen großen Möbelhandel (Ikea) geben. In der untersten Ebene ist ein Parkdeck mit Raumhöhe 5,5 m vorgesehn. Dort sind Abstellmöglichkeiten für 60 Busse oder LKWs geplant... Insgesamt werden in der Anlage also 4030 PKWs abgestellt werden können, hinzu kommen noch 80 LKWs und Busse....“

Alarmierend scheint in dieser Projektbeschreibung nicht nur die detaillierte Ausarbeitung, die ein fertiges Planungspapier belegt, sondern auch die Übereinstimmung mit mir bekannten Wünschen des schwedischen Möbelhauses IKEA. Schon im Vorjahr hatte der Leiter der MA 21A, SR VATTER, in Hütteldorf bestätigt, IKEA suche für ein Möbelhaus einen Standort im Auhof ,- das jetzt bekannt gewordene „Projekt“ scheint daher weit mehr zu sein als eine theoretische Planspielerei! 
Bei einer Präsentation der Studie in der Penzinger Verkehrskommission sowie dem Bauauschuß am 24.4. bestätigte mir Ing. Glotter auf meine Anfrage zwar dieses Projekt, doch soll das noch nicht viel zu bedeuten haben. "Solche Projekte" – so Glotter wörtlich gelassen – gäbe es „in Wien viele“.
Seitens der MA 18 würden jedenfalls größte Bedenken bestehen, wollte man mehr realisieren, als das beschriebene „Szenario 1“ ! Schon ab dem „Szenario 2“  werde es „schwierig“, die Szenarien 3 und 4 würde man gänzlich ablehnen.
Daß dazu aller Grund besteht, stellen die errechneten Verkehrszuwächse völlig außer Frage: Allein schon das „Szenario 1“ würde täglich zusätzliche 7500 (!) Kfz-Fahrten im Plangebiet erwarten lassen, für die „ Szenarien 2 (3 bzw. 4)“ sind tägliche Verkehrszunahmen im motorisierten Individualverkehr um 26.500 (35.000 bzw. gar 44.000 !) Fahrten errechnet. 
( Als Einzugsgebiet für ein Einrichtungshaus nennt die Studie „ 50 - 80 Kilometer!)

Ausdrücklich hingewiesen ist zudem darauf, daß aus dem Norden des Plangebietes die einzige Zufahrt über die Badgasse möglich ist, für die zusätzliches Verkehrsaufkommen zwischen 50 % (Szenario 2) und 85% (Szenario 4) zu erwarten wären und daß ferner die Verkehrserschließung des Plangebietes mit öffentlichem Verkehr zu höchstens 10% (!) realisierbar wäre, woran auch die Errichtung eines Cable - Liners (eine Art Standseilbahn) nicht das geringste ändern würde.
Als weitere „aktuelle Projekte“ listet die Studie ferner die „Stadt des Kindes“ auf, für die derzeit eine neue Nutzungsmöglichkeit gesucht wird, zudem den Bereich „Wolf in der Au“ (Projekt Architekt Stanzel : „Lokalzentrum zur Nahversorung der angrenzenden Wohngebiete“ in Form eines „ Nutzungsmix von Geschäften, Büros, Sonderwohnformen und Park&Ride“ ) und selbstverständlich die seit Jahren umstrittene „P&R-Anlage Hütteldorf“, nunmehr „ Projekt Denkwerkstatt Grinzing“ genannt (ca. 1000 Stellplätze und ein Sport- und Fitnesscenter von ca. 5.000 m²), womit durch die „aktuellen Projekte“ insgesamt weit über 5000 (!) zusätzliche Stellplätze im Bezirkswesten geplant sind.

Daß die Studie nur bloß theroretische Überlegungen ohne konkreten Anlaß verfolgt, scheint wenig glaubhaft. Offensichtlich war Zweck ihrer Erstellung die Umsetzbarkeit konkreter, lukrativer Nutzungsabsichten der Stadtregierung zu prüfen, denen ich jedenfalls über detaillierte Anfragen in der Bezirksvertretung auch ganz konkret nachgehen werde.

Grund zur Entwarnung für Hütteldorf ist jedenfalls keiner zu sehen, zumal bei der Präsentation der Studie offen eingeräumt wurde, daß in Wien ganze Einkaufszentren auch ohne jede Planungsabsicht der Stadt Wien entstehen können. Das „ Shopping - Center - Auhof“, so SR Ing. Glotter, sei nicht als Einkaufszentrum geplant gewesen ,- das sei in den letzten Jahren halt so “gewuchert”.
Hütteldorf wird vor weiteren „Wucherungen“ auf der Hut sein müssen!

Wolfgang Krisch, 25.4.2002
zurück