8,7 Millionen € brutto nicht für SK RAPID, sondern für sämtliche „wahrzunehmenden Aufgaben“ durch Zwang der UEFA!
Das  "drittgrößte Sportereignis der Welt" berührt das Hütteldorfer Hanappi-Stadion nur im "Bedarfsfall", weil dieses über ein "bewährtes und funktionierendes System der organisatorischen Sicherheit verfügt"....

  

Erheblich differenzierter und dennoch nur wenig trostvoller stellen sich nun die Dinge im Fall der geplanten “Fanmeile Hütteldorf“ dar.

Der vom Nachrichtenmagazin Profil offenbar über Information durch den Penzinger ÖVP-Gemeinderat Mag. Wolfgang GERSTL lancierte Verdacht, Wien könnte dem SK RAPID für die Benutzung des Hanappi-Stadions die Kleinigkeit von 7 Millionen Euro spendieren, hat sich nach der gestrigen Sitzung des Ausschusses der Wiener SPÖ-Sportstadträtin Grete LASKA als stark unrichtig erwiesen (Hier dazu mehr über meine diesbezügliche Berichterstattung).
 

Richtig ist aber, dass 8,7 Millionen brutto an Steuergeld nötig werden, weil Wien diesbezüglich offensichtlich vollständig nach der Pfeife der UEFA zu tanzen hat und diesen Tanz erkennbar ohne Bedenken vertraglich eingegangen ist!


UEFA- „Richtlinien“ zu Folge - steht im Antragsakt wörtlich - war es bis 1.Feber des Jahres der Stadt nämlich „verboten, irgendwelche Möglichkeiten im Zusammenhang mit zusätzlichen Public Viewing -Veranstaltungen vor diesem Datum zu vermarkten", zudem hatten die UEFA-Vorgaben alle privaten Investoren von privaten Engagement bei der Durchführung des Fanmeilen-Diktates abgeschreckt. (Schön für die UEFA, wenn bei solchen Vorgaben immer gern auf SteuerzahlerInnen der Veranstaltungsstaaten zurück gegriffen werden kann! Für das – so heißt es im Antrag klangvoll – „drittgrößte Sportereignis der Welt“ gilt offenbar das ganz unausgesprochene Gesetz des üblichen Turbo-Kapitalismus ganz besonders: „Einnahmen stark privatisieren – Ausgaben das Restvolk stärker zahlen lassen“.


Die Zumutung – im Bedarfsfall -  für Hütteldorf ist aber noch dreister, denkt man sich beim Antragslesen nur das Nötigste! Denn „aufgrund des den UEFA-Sponsoren zu gewährenden Platzes“ (unglaublich so etwas!) ist jetzt nämlich „die Kapazität der offiziellen UEFA-Fanzone beschränkt“!

Und zwar „auf 70.000 – 76.000 Personen“, so der Wortlaut im Akt. Und weil man nach "Erfahrungen aus der FIFA WM in Deutschland" nun plötzlich knapp vor Beginn der EURO schon weiß, dass sich Fans erst spät zu einer Fanmeilenanreise entschließen (Tickets für die Stadien gibt es sowieso  keine mehr!) können von Wien die „exakten BesucherInnenströme erst knapp vor bzw. während dem Event tatsächlich realistisch eingeschätzt werden.“ Womit man ja beruhigt sein kann, dass man im schlimmsten Fall realistisch endlich dann schon prompt während dem Eventwird richtig "schätzen" können.

Somit, und um „die größtmöglichen Synergieeffekte bei der Gesamtabwicklung zu erzielen“ (wunderschönes Antragsziel) soll nun für eine „zweite Fanzone bzw. offizielles Public Viewing Vorsorge getroffen werden". Vorsorge!!!

Aber Vorsorge ist natürlich wirklich was Schönes, auch wenn sie je nach UEFA-Befehl ein paar Millionen mehr oder weniger kosten darf! Wie ist aber für Hütteldorf für den Fall der Fälle vorgesorgt? Auch dazu ist im Akt gut nachlesbar, dass als Standort für die zweite Fanzone in erster Linie das Gerhard Hanappi Stadion in Betracht kommt, „ zumal dasselbe nicht nur über die entsprechende Infrastruktur verfügt, sondern es sich vor allem auch um eine Veranstaltungsstätte handelt, die über ein bewährtes und funktionierendes System der organisatorischen Sicherheit verfügt“. Denn es bestehen nun einmal „hohe Anforderungen für "Public Viewing an die technische Sicherheit, wie „Vereinzelungsanlagen, Zählsysteme, Videoüberwachung, Einzäunung etc .

Welche hohen Anforderungen die HütteldorferInnen für ihre Vereinzelungsanlagen im häuslichen Bereich haben dürfen (schon im Fußballalltag- und  nur für private Entfernung bzw. Duldung von „Müll, Urin und Erbrochenem“ – so eine Bürgerin neulich) steht halt aber leider nicht im Akt!

Was in Hütteldorf rund um St. Hanappi bewährtist und „funktioniert“, selbst wenn RAPID nur schlecht besucht ist und unauffällig brav gewinnt, überlasse ich gern der Beurteilung des ganzen Bezirksteiles und weit darüber hinaus, - ersuche aber persönlich hier gleich alle Betroffenen, von zusätzlichen dramatischen Schilderungen an mich persönlich gnädig Abstand nehmen zu wollen. Ich kenne Hütteldorf seit mehr als 40 Jahren allerbestens – bitte vielleicht gerne nur SPÖ-Sportstadträtin Grete LASKA und die MA 51 anzusprechen, wenn Sie für Aufklärung sorgen wollen.

Kurzum: RAPIDs Bemühen um einen Ausbau des Stadions ist zwar wohl sicher aufrecht, die Millionen für Public Viewing-Kosten auf Grund der UEFA-Richtlinien sind jedenfalls für RAPID keinesfalls dafür disponibel!
Und – einzig mögliche Maßnahme zur Zeit: Hütteldorf muss ganz fest die Daumen drücken, dass sich die Fans nicht von der UEFA auf unseren Fanmeilen neppen lassen, sondern zu Hause vor ihren TV-Geräten "Privat Viewing" betreiben. Ist ja schön, wenn man immerhin wenigstens hoffen kann  -   und hinterher ist Planen für die Stadt Wien dann sowieso schon etwas leichter!

Wolfgang Krisch, 24.4.08
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