Fluglärm: 11,5 % von ständig mehr – nie Gegebenes, stark Überraschendes,
besondere Rahmenbedingungen …
Austro -
Control hofft auf "entsprechendes Verständnis", die SPÖ-Stadtregierung schweigt!
Die mehr als
berechtigten Dauerproteste von BürgerInnen aus Penzing ( und mehreren anderen
Bezirken)
gegen die Überflüge der Stadt in oft Halb-Minuten-Takten hatten auch ihr Gutes.
Als GRÜNER Mandatar lernte ich wenigstens viele Menschen kennen, die
nun zum Dauerfluglärm über Penzing genau das selbst erleben, was ich seit exakt
1993 ( damals hieß Wiens Umweltstadtrat Michael Häupl ) festgestellt hatte: Ganz
Wien soll zum Wohle des börsennotierten Flughafens an den Daueranflug über der
Stadt peu a peu gewöhnt werden. Als ich das vor Jahren in einem Leserbrief
öffentlich darstellt hatte, wollte mich umgehend ein Sprecher des Flughafens von
meinem „Irrtum“ überzeugen, nichts davon sei wahr, warum ich so böse schreiben
würde.
Heute, elf Jahre später, bin ich immerhin sicher, dass diese klar erkennbare
Strategie des Wiener Flughafens endgültig gescheitert ist! Die Bevölkerung gewöhnt
sich nicht ! Wie denn auch ?
Nachstehende APA-Aussendung von Austro - Control lässt mehr als schlüssig das
gewaltige Ausmaß des Protests aus der Bevölkerung erkennen, allerdings ebenso
eindeutig, dass man Wiens Bevölkerung den ständigen Dauerlärm nur
immer besser erklären oder schönreden möchte! Tatsächliche Problemeinsicht ist nicht gegeben,
und Wiens Bürgermeister Häupl sieht weiterhin nicht einmal einen Anlass zu einer Wortmeldung !
Folgenden Text hat also am 6.5. 2004 Austro Control übermittelt:
Erhöhte temporäre Belastung der südwestlichen Bezirke Wiens im April
Rückkehr zum Normalbetrieb steht unmittelbar bevor
Die Fluglärm-Belastung der südwestlichen Wiener Bezirke war im April 2004 ungewöhnlich hoch; das war und ist aber die Ausnahme. Die Gründe für diese Mehrbelastung waren eine Kette von gleichzeitigen eingetretenen besonderen Rahmenbedingungen.
1. Der Monat April war von konstanten Süd-Ost Windlagen gekennzeichnet, die es - solange die Aufzeichnungen der Austro Control zurückgehen - in diesem Ausmaß praktisch noch nie gegeben hat. Bei diesen Windlagen sind ausschließlich Landungen auf den Pisten 11 und 16 möglich. Und diese Anflüge führen über Wiener Stadtgebiet.
2. Darüber hinaus war der Monat April von Zuwachsraten im Anflugbereich Wien in einem Ausmaß von 14% gekennzeichnet - ebenfalls ein Effekt, der sich für die Bevölkerung bemerkbar gemacht hat.
3. Der Neubau des Towers am Flughafen Wien und die dadurch bedingten Behinderungen haben temporär einen gleichzeitigen Betrieb auf den Pisten 11 und 16 nicht zugelassen. Das heißt, jener Anteil des Verkehrs, der bei einem solchen Simultanbetrieb normalerweise auf der Piste 16 landen würde, musste zusätzlich von der Piste 11 bewältigt werden. Dies hat zu einem Verkehrsaufkommen geführt, das von der Bevölkerung im Südwesten Wiens zurecht als zusätzlich belastend empfunden wurde.
Dennoch wird Austro Control die im Teilvertrag zur Mediation zugesagte Quote von 11,5% im Gesamtjahr 2004 an Landungen auf der Piste 11 gewährleisten, daran wird nicht gerüttelt.
Zum letztgenannten Punkt, also Tower-Neubau, gründet sich der Optimismus auf die Tatsache, dass Austro Control kurz davor steht, zum "Normalbetrieb", also zur Normalverteilung, (Simultanbetrieb auf den Pisten 11 und 16 und/oder andere Maßnahmen) zurückkehren zu können. Selbstverständlich bei Aufrechterhaltung der maximalen Sicherheit.
Das Ausmaß der zusätzlichen April-Belastungen im Südwesten Wiens wird konsequenterweise bei der zugesagten Einhaltung des Mediationsvertrages durch entsprechende zusätzliche Entlastungen der Piste 11 bis Jahresende zu kompensieren sein. Das ist die gute Nachricht. Die weitere gute Nachricht besteht darin, dass das Nachtflugverbot zwischen 21.00 und 7.00 Uhr über dem
Südwesten Wiens selbstverständlich eingehalten und von vielen Einwohnern im Südwesten Wiens als deutliche Entlastung empfunden wird.
Austro Control wird in der nächsten Klausur im Rahmen des Mediationsverfahrens alle relevanten Einzelaspekte zum Thema Anflug auf die Piste 11 im April im Detail darstellen bzw. näher erläutern, damit diese Informationen von den Teilnehmern des Mediationsverfahrens an die betroffene Wiener Bevölkerung im Rahmen von Rückbindungsgesprächen weitergegeben werden können.
Austro Control entschuldigt sich bei der Wiener Bevölkerung für die im April entstandene Mehrbelastung einzelner Wiener Gemeindebezirke und hofft auf entsprechendes Verständnis.
Es sollte dabei auch nicht ganz vergessen werden, dass die ungeplante zusätzliche Belastung der Piste 11 andererseits auch eine deutliche Entlastung der Piste 16 im April bewirkt hat, die der dort wohnenden Wiener Bevölkerung zu Gute gekommen ist.
Rückfragehinweis: Dr. Heinz Sommerbauer
Austro Control
Tel. 051703.9100
Mag. Peter Schmidt
Austro Control
Tel. 051703.9120
Woraus
Penzing lernen darf: Weht der Wind ungünstig, und das tut der Böse Jahr für Jahr
zunehmend
( hier dazu mehr
aus 2002),
will der Flughafen mehr verdienen und am Airport überraschend einen neuen
Tower bauen, nennt man das eine „Kette von besonderen Rahmenbedingungen“.
Aber weil nicht „gerüttelt“ wird an der Belastungsgrenze von 11,5 % der
Flugbewegungen über den südwestlichen Bezirken, braucht man jetzt nur mehr auf
Kleinigkeiten hoffen:
Erstens natürlich, dass nicht alle Monate von 14 % - Zuwachsraten der
Flugbewegungen am Airport
"gekennzeichnet" sein müssen, denn sonst bedeuten 11,5 % einer unbekannten
Gesamtzahl stets mehr Flüge über Wien und Penzing. Und dann zweitens natürlich auch, dass
sich der Wind irgendwann richtig dreht und sich keine „besonderen
Rahmenbedingungen“ weiterhin "verketten" ! Und dass man den diversen
Fluglärm-Profiteuren auch ein Wort glauben kann !
Aber dafür darf man ja jetzt in der Nacht sogar schon ohne Fluglärm schlafen ! Und wenn untertags alle Stricke reißen, entschuldigt sich notfalls Austro Control und hofft auf "entsprechendes Verständnis" für ihre "gute Nachricht". Wenn dann nicht alles gut ist, wann dann ?
Wolfgang Krisch,
11.5.04
P.S.
Auf diesen Bericht hin hat sich BV-Stv. Robert PSCHIRER
gemeldet und einen Antrag an das "Mediationsverfahren" übermittelt, den
er als "unseren" bezeichnet. Er ist hier
nachstehend im vollen Wortlaut zu lesen. Koll. Pschirer habe ich aber
mitgeteilt, ich müsste dazu schon reflektieren, was "unser"
denn für Penzing bedeuten könne. Es ist ja immerhin bemerkenswert, wenn Wiens
SPÖ ihre FunktionärInnen in allen möglichen Gremien zur Fluglärmproblematik
zeitvertreibend herumstrudeln lässt, - die Wiener Landesregierung aber völlig
ungerührt davon bleibt. Das erweckt nämlich den Eindruck, man produziere nur
Papier, das den BürgerInnen falsche Tatsachen vorspiegelt. SPÖ-Gemeinderat Erich
VALENTIN ist mittlerweile sicherlich ein veritabler Fluglärm-Experte. Wenn seine
Papiere aber nur (vergeblich) dazu dienen sollen, GRÜNE Kritik zu widerlegen,
nicht aber Wiens SPÖ-Landesregierung endlich zu Problembewusstsein zu führen,
sind sie für Penzing ziemlich belanglos und nicht das Papier wert, auf dem sie
ausgedruckt sind.
Punktation und Antrag eingebracht bei der VIE
Mediationsklausur am 8. Mai 2004
Mit Bestürzung haben die Vertragsparteien Land Wien, Wiener Bezirke und andere Vertreter aus dem Raum Wien feststellen müssen, dass im Monat April statt rund 11 % der Landungen des Flughafen Wien Schwechat 31 % durchgeführt worden sind. Diese Überschreitung um 300 % stellt zwar rein formal keinen Vertragsbruch des ersten Teilvertrags der Mediation dar, widerspricht aber dessen Intentionen.
Es bedarf wohl keiner Beschreibung, um die Reaktionen der Betroffenen, rund 400.000 Bürgerinnen und Bürger vorzustellen, denen via Medien eine Verbesserung der Situation zugesagt wurde , die aber dann bis in den Mai hinein mehr Fluglärm erlebten als jemals zuvor.
Nicht verwunderlich, dass sich auch Medien dieser Problematik annahmen und dass der Glaubwürdigkeit des Projekts Mediation schwerer Schaden zugefügt wurde.
Unverständlich, dass diese Fehlentwicklung deren Ursache bei der ACG lag nicht
kommuniziert wurde. Unverständlich auch deshalb, weil allen
BeschwerdeführerInnen von der Beschwerdestelle deshalb nicht die Wahrheit gesagt
werden konnte. Bürgerinitiativen, Stellen der Stadt Wien, Politiker und Medien
wurden über ein Monat lang falsch informiert. Das wirft grundsätzliche Fragen
auf, erschüttert auch mühsam aufgebaute Vertrauensverhältnisse und erfordert
Veränderungen in der weiteren Vorgangsweise.
Festzuhalten ist auch, dass die Kommunikation auch im Bereich der Erklärungen bezüglich Flugaufteilung verbessert werden muss, da Anfragen seitens der Wiener Politik mit allgemeinen Phrasen wie „weil das Wetter es so erfordert“ oder „weil dieses System gerade geflogen wird“ beantwortet werden. Die Öffentlichkeit, aber auch anfragende Journalisten sind mit derartigen Beantwortungen nicht zufrieden zu stellen.
Hier geht es nicht um die Aufarbeitung eines Wiener Problems, sondern um die Korrektur im System, da der nächste „Problemfall“ in jeder anderen Region auftauchen kann.
Da fordern die Vertragsparteien Land Wien und Wiener Bezirke ein Zusammentreffen der Vertragsparteien, um folgende Punkte zu besprechen:
Erich Valentin/2004 05 08