Das rote Sechseck zeigt das gültig verordnete "Flugbeschränkungsgebiet" - nur Austro Control, Wien und das Ministerium scheren  sich halt nicht darum!

BI gegen Fluglärm in Wien West deckt auf: Wien ist verordnetes „Flugbeschränkungsgebiet“!
BI informierte in der Bezirksentwicklungskommission - von den Fraktionen ist Lobbying erhofft! Ich hoffe mit!



Vorwahlzeiten machen allerhand möglich – denn irgendwas müssen PolitikerInnen ja BürgerInnen auf konkrete Probleme in unkonkrete Aussicht stellen können! Offenbar aus genau diesem Grund  durfte erstmals in der Geschichte der dezentralen Bezirksverwaltung in Penzing eine Bürgerinitiative in einer – sonst der Öffentlichkeit strikt verwehrten – Kommission der Bezirksvertretung den gewählten MandatarInnen über ihr Anliegen informieren, was eine absolute demokratiepolitische Premiere war!

In der Sitzung der Penzinger Bezirksentwicklungskommission vom 27.5.2010  war also der Bürgerinitiative gegen Fluglärm in Wien West und Wienerwaldgemeinden“ (wie man hörte nach einem Termin bei Frau Bezirksvorsteherin und auf deren Wunsch hin)  die Möglichkeit erlaubt, den aktuellen Stand zur Fluglärmproblematik über Penzing hoch fachkundig darzustellen und über sich daraus ableitende Forderungen zu berichten. Die BI nutzte das fulminant und informierte die Fraktionen auch an Hand aufschlussreicher Unterlagen auszugsweise über Folgendes (persönliche Anmerkungen meinerseits sind als solche leicht zu erkennen):

Niemand bestreitet, dass Wien einen Flughafen braucht
Die Bürgerinitiative bestreitet in bestem Realismus keinesfalls die für Wien gegebenen Notwendigkeit eines funktionierenden Flughafens, der selbstverständlich als wichtige Infrastruktureinrichtung unserer Metropole verstanden wird.
Was aber Westen Wiens  aus Sicht von Fluglärmbetroffenen nicht verstanden wird – und dieses Nichtverstehen teile ich völlig als gänzlich berechtigt – sind zahlreiche Umstände im Zusammenhang, deren negative Folgen allesamt der Bezirksbevölkerung schwer zur Last fallen.


Penzing zählt im betriebenen System zu den „Verlierern“

So habe sich in der betriebenen Form der Flugabwicklung  „ein System von Gewinnern und Verlierern“ etabliert, wobei Penzing zu den Verlierern zählt. Dies vor allem deshalb, weil der Flugverkehr ohne technische Notwendigkeit schon lange vor jenen 10 – 18 Kilometern Entfernung vom Flughafen auf jenen Leitstrahl gelenkt und aufgefädelt wird, der somit kerzengerade über Bierhäuselberg – Wolfersberg – Kordon - Baumgartner Höhe quer durch den Bezirk verläuft.
Tatsächlich müssten alle Flugzeuge beim Einflug aus dem Westen erst auf etwa der Höhe des Gürtels jenen Leitstrahl  erreichen, der sie im Sinkflug instrumentengestützt zur Landung führt.  Warum sie schon lang vorher diesem Punkt zufliegen und daher ganz konkret Penzing hauptbelasten, hat keineswegs technische   sondern politisch kalkulierte Ursachen! 


Denn als Ziel der Bündelung, die von der damaligen SPÖ-Umweltstadträtin Isabelle KOSSINA bekannt gemacht wurde  (und von der ich 2002 umgehend -  hier der Text - bei Bekanntmachung für Penzing gewarnt habe) ist nur eines auszumachen: Bündelung und – somit - Beschränkung der Fluglärmbeschwerden auf möglichst geringe Bereiche WIen!  Und genau das ist sogar mit SPÖ-Zustimmung Penzings im so genannten legendären „Mediationsverfahren“ des Flughafens zum Bau der 3.Piste vertraglich auch vereinbart worden. (Als Ursache für diese Sonderbelastung Penzings – und das ist meine persönliche Interpretation – sehe ich  seit jeher ein simples SPÖ-Kalkül: In Penzing spielten und spielen die massiven  Bürgerbeschwerden gegen Fluglärm der Zahl nach politisch kaum eine wirkliche Rolle! Penzing ist traditionell ein unangefochten roter Bezirk, vor allem im Bezirksosten - und in den hauptbetroffenen Bezirksrandgebieten, wo die SPÖ ohnehin wenig bis nichts zu gewinnen hat, überwiegt die ÖVP-Klientel !)

Dass die ständig zunehmenden Flugbewegungen über Penzing nämlich nur zwingende flugtechnische Ursachen haben, wie dies Austro Control und Flughafen Wien darstellen, ist längst als urbanes Märchen erkannt:  Bis zu Windstärken von 15 km/h – bis dahin ist  flugtechnisch Windstille – kann Austro Control jede Anflugrichtung auf den Flughafen wählen! Und weil man (spätestens seit dem Sommer 1993, hier der Text einer damaligen Anfrage ) zur Steigerung der Geschäfte begonnen hat, den Anflug über Wien aus dem Westen gezielt auszubauen, setzt man unverdrossen auf die Einflugschneise Penzing in der Hoffnung, die Bevölkerung würde sich daran gewöhnen und diese „Notwendigkeit“ irgendwann auch einsehen!



Flugverkehr wird „künstlich angelockt“

Von niemand eingesehen wird allerdings grundsätzlich, dass Flugverkehr nach Wien künstlich angelockt wird, wie das die BI richtig formuliert!

Ich persönlich vergleiche diesbezüglich den Flughafen mit einem Gewerbebetrieb, der zwar ein ausgewiesener Maßen hoch gefährliches und gesundheitsschädigendes Geschäft betreibt, dafür aber ständig mehr verdienen will und von niemand an seiner Expansion gehindert werden darf!  
In Wien und Niederösterreich wird genau diese Expansion ( derzeit durch Skylink und die geplante 3.Piste) noch dazu mit dubios vergeudeten Steuergeldern deshalb gefördert, weil neben den privaten Aktionären des Flughafens auch die Länder Wien und Niederösterreich (Anteile von je 22 %) laufend mehr Rendite schätzen.

Und diese sollen u.a. auch damit erreicht werden, dass der Flughafen Wien besonders als „Umsteigflughafen“ (HUB)  ausgebaut werden soll. Für Fluggäste, die nur zum Umsteigen in einen Weiterflug  nach Wien geflogen werden, erhalten die Airlines sogar finanziell Belohnung ! Ein Teil aller Fluggäste kommt also nicht für Kunst, Kultur, Urlaub, Sightseeing, Kongresse oder als wichtige Wirtschaftstreibende nach Wien, wie das SPÖ und ÖVP immer beschwören, um den Ausbau des Flughafens als unabdingbar darzustellen, sondern nur deshalb, um gleich weiter zu fliegen, was nur den AktionärInnen des Flughafens und einer bis zwei Airlines Geld bringt.

Und dass Airlines seit langem vielfach entweder hoch defizitäre Betriebe darstellen, an denen die Gewinne in guten Zeiten zumeist Wenige so lange abschöpfen, bis sie in schlechten Zeiten von den SteuerzahlerInnen nach abstrusen Verluste saniert werden dürfen, halte ich ja fast schon für eine Regel im ambitionierten Fluggeschäft. Von immer dubioseren Gesellschaften, die mit geborgten Geld irgendeine „Billigfluglinie“ in den Sand setzen, ehe die nächste oder dieselbe dasselbe schafft, - soll dabei hier zur Schonung unserer Nerven gar nicht die Rede sein.  Dass aber zahlreiche Spielregeln des derzeitigen Raubtierkapitalismus gerade auch in der Flugverkehrsbranche bestens gelten, ist für mich unbestreitbar.  Jedenfalls gilt nach meiner Einsicht der Grundsatz: Wenn irgendetwas Börsennotiertes einfach viel mehr Geld auch ohne jede Arbeit haben will – das wurde ja in jüngster Zeit bei der Rettung von Banken und der windigsten Finanzwirtschaft bestens gelernt - müssen halt alle anderen Menschen viele Nachteile widerspruchlos in Kauf nehmen! Im Fall der Luftgeschäfte somit: Mehr Lärm, mehr Gefahren!


An lauteren Flugzeugen verdient der Flughafen mehr Gebühren
Besonders grotesk stößt in Penzing den Fluglärmbetroffenen übrigens die Tatsache auf, dass der Flughafen  an lauteren Flugzeugen mehr an Gebühren verdient! Diese " Lärmgebühr" kommt aber natürlich nicht den dauernd gequälten Betroffenen zu Gute, sondern natürlich den FlughafenaktionärInnen. Diese Tarifgestaltung ( „Noise charge“ genannt)  soll zwar selbstverständlich als Lenkungsinstrument verstanden werden und Airlines dazu motivieren, mit leiseren Maschinen zu fliegen! Dass Anrainer das dennoch grotesk finden – die BI wies auch darauf richtig hin - finde ich äußerst verständlich!


Wien wäre nach gültiger Rechtsnorm ein „ Flugbeschränkungsgebiet “!

Keinerlei Verständnis kann man allerdings gegen laufende Missachtungen von Gesetzesnormen haben, welche zur Förderung des Flugverkehrs in Wien und der Republik ganz bewusst toleriert werden. So erläuterte die Sprecherin der BI, Rechtsanwältin Dr. Susanne Heger, dass Wien  nach gültiger ministerieller Verordnung des ein so genanntes. „Flugbeschränkungsgebiet“ (!)  ist, welches nach § 5 Absatz 1 Luftfahrtgesetz u.a. aus folgenden Gründen festgelegt wird:


a) im Interesse der Sicherheit der Luftfahrt, oder
b) zur Fernhaltung störender Einwirkung der Luftfahrt auf Personen oder Sachen



Ferner legt die gültige Luftverkehrsregel 2010  (LVR 2010)  in größtmöglicher Klarheit fest: Wenn es die Wetterlage und die Verkehrslage zulassen und Gründe der Sicherheit der Luftfahrt nicht entgegen stehen, ist auf dem Flughafen Wien-Schwechat in der Richtung nach Westen beziehungsweise nach Norden zu landen.  Heißt im Klartext:  Über Wien ist nur zu landen, wenn es nicht anders geht!

Viel weniger als Austro Control und die verantwortliche Bundesbehörde diese schon aus bloßen Sicherheitsüberlegungen bestens begründete Norm beachtet, kann man ein gültige  Verordnungen eigentlich kaum mehr beachten! (Ich werde dazu eine Anfrage an die Stadt Wien einbringen, wieso sie das seit Jahren zu Lasten ihrer BürgerInnen nicht stört!)


Missachtung von Gesetzesnormen bei der Erweiterung des Flughafens

Zum Ausbau des Flughafens wurden gesetzlich vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfungen unterdrückt. Das Problem des Flughafenstandortes in unmittelbarer Nähe von dicht besiedeltem Gebiet in dem gesetzlich vorgesehen Verfahren wurde nicht beleuchtet.
Dazu hat Dr. Susanne HEGER schon vor längerem ein EU-Verfahren gegen Österreich wegen Verletzung des Gemeinschaftsrechtes angestrengt, das auch eröffnet wurde. Die EU hat der Beschwerde Berechtigung zuerkannt. Weil aber die Erweiterungen längst gebaut sind, hat die österreichische Bundesregierung – wie, nach strengen Normen der EU, so man sie einhält, ist mir persönlich schleierhaft – kein Verfahren gegen Österreich eingeleitet, sondern eine nachträgliche (!) Umweltverträglichkeitsprüfung erlaubt! Dies zutreffend einen „Kuhhandel“ zwischen Österreich und EU-Kommission zu nennen (SPÖ-Staatssekretärin Christa Kranzl war seinerzeit nur in dieser Sache mehrfach in Brüssel), verbiet leider der Anstand. Allerdings hat der EU-Ombudsmann, an den sich zuletzt 27 Bürgerinitiativen  in der Sache gewandt hatten, unzweifelhaft Mängel in dem Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Österreich festgestellt, das bis dato noch nicht endgültig abgeschlossen ist.
Sollte auch der EU-Kommission gleichgültig sein, dass der Republik Österreich für den ungezügelten Ausbau des Flughafens Wien klare Rechtsnormen zu Lasten der Bevölkerung gleichgültig war, wünsche ich ihr besonders in Kreisen der Fluglärmbetroffenen viel Glück für das weitere EU-Renommee und die Akzeptanz der Europäischen Union in Österreich.


Forderungen der Bürgerinitiative

sind bestens einsichtig und ergeben sich aus Penzinger Sicht schlüssig wie folgt: 

  1. Aufgabe der Westeinflugschneise durch gekurvten Anflug („curved approach“) nach dem in New York praktizierten Modell.
  2. Ende der Diskriminierung der Penzinger Bevölkerung durch Auflösung der ungerechtfertigten Fluglärmkonzentration über Penzing.
    Sofern sich die Austro Control dagegen sperrt, eine Alternative zur Westeinflugschneise zu finden, wird daher die Streuung der Anflüge vor allem nach dem Norden Wiens (der Süden ist durch die Starterroute ohnehin extrem belastet). Dazu wird gefordert, dass die Flugzeuge nicht bereits viel früher als nötig auf den Leitstrahl über Penzing gelenkt werden.
    Ebenso gefordert wird, dass „privilegierte Bevölkerungsgruppen“ – vor allem in Währing und Döbling nicht wie derzeit von Fluglärm gänzlich verschont bleiben. 
    (Vorbild wäre dazu das „Londoner Modell“, nachdem in London Flugzeuge auch ungeniert über die prominentesten Stadtteile geführt werden. 
  3. Und, nicht zuletzt: Einhaltung der Vorschriften der Luftverkehrsregeln über das Flugbeschränkungsgebiet Wien.


Wie die sehr fachkundigen Ausführungen in der hohen Penzinger Bezirksentwicklungskommission aufgenommen wurden, ist mir persönlich fraglich:  Die stark vertretene SPÖ-Fraktion schien zum Referat der BI sehr reserviert und verwies unverdrossen auf große SPÖ-Erfolge im Mediationsverfahren ( bei dem allerdings nach meinem sicheren Eindruck allein SPÖ-Gemeinderat Erich VALENTIN über bloße Vorgaben aus dem Wiener SPÖ-Allerheiligsten agierte!) Einmal mehr wurde auch die „4000 Arbeitsplätze“ am Flughafen Wien erinnert (zu denen ich persönlich gern einmal das Ausmaß der geringfügigen Beschäftigungen erfahren würde, - denn nicht jede/r muss übliche McJobs auch tatsächlich schon als wertvollen Arbeitsplatz ansehen.)
 
Ansonsten konnte die BI immerhin die Frage beantworten, was man sich denn von der Penzinger Kommission erwarte“!  „Lobbying“, so die goldrichtige EMpfehlung an die MandatarInnen, - es gehe doch hier immerhin um „Bezirksentwicklung“ und der Fluglärm entwickle den Bezirk negativ! Somit darf gehofft werden, dass in Penzing der Flugirrsinn viel zu vieler Tage tatsächlich bald einmal zu einer Aufgabe der Bezirksentwicklung werden könnte, - zu sehr viel diesbezüglicher Hoffnung sehe ich allerdings bislang sehr wenig Anlass.  Denn von der FPÖ war gerade ein einziger Mandatar (Mag. Loibl) anwesend, von der ÖVP auf Dauer der gesamten Sitzung gleich gar niemand!  Zufall war das keiner, - mit irgendeinem Tagesordnungspunkt wollten die ÖVP-KollegInnen offenbar nicht konfrontiert werden. Weshalb dem  ganzheitlich verhinderten ÖVP-Klub halt einmal hier meine Berichterstattung ans Herz gelegt werden darf, - denn es hilft ja immer gern, der GRÜNE

Wolfgang Krisch, 28.5.2010
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