Fluglärm: Flugautobahn über Penzing „aus technischen Gründen“ jetzt unmöglich !
SPÖ spricht von „heldenhaftem Widerstand“ der Stadt Wien, der Flughafen u.a. von "low noise "! Erfreulich, - auch vorab aller Überprüfungsmöglichkeit !


Aus Penzinger Sicht erfreuliche aber keineswegs überraschende Ergebnisse erbrachten offensichtlich tagelange Verhandlungen unter höchstem Zeitdruck einer illustren ExpertInnenrunde („ Bibliotheksrunde “) des Mediationsverfahrens zum Ausbau des Flughafens Wien!

Um für den 1. Schritt des bisher zweijährigen (!) Verfahrens, die Frage der Flugverkehrsverteilung aller An- und Abflüge möglichst viele Unterschriften aller „Vertragsparteien“ (VertreterInnen der Länder, Gemeinden, Wiener Bezirke, Bürgerintitiativen, Flughafen Wien, AUA, Austro Control etc.) zu einem s.g. „Vertrag“ zu bekommen, der alle Flugbewegungen möglichst penibel im Konsens quantifiziert und definiert, war offensichtlich tagelang rund um die Uhr verhandelt worden.

Als Ergebnis des allgemeinen Tüftelns um möglichst wenig Belastung durch Flugbewegungen allerorten wurde nun den Fraktionen des Wiener Landtages bei einer Besprechung am 13.5. erstmals ein konkretes Hand-out in Tabellen- und Stichwortform vorgelegt, das binnen zwei Wochen zu einem Vertragswerk textiert werden soll. Sofern sich für diesen Vertrag breiter Konsens finden läßt, würde erst danach das Mediationsverfahren zu noch weit schwierigeren Beratungen überhaupt fortgesetzt werden können. ( Kernfrage: Flughafenausbau samt Festlegung einer 3. Piste oder Kooperation mit Bratislava)

Stoßen die nun ausgearbeiteten Vorschläge zur Verteilung aller Flugbewegungen zum/vom Flughafen Wien jedoch auf gewichtige Widerstände, so ist ab Anfang Juni das Mediationsverfahren überhaupt gescheitert und jäh zu einem abrupten Ende gebracht! Dies würde allerdings FluglärmgegnerInnen keinerlei Grund zur Freude bieten: Der Flughafen Wien würde jedenfalls und trotz der tristen Zukunftsaussichten des globalen Flugverkehrs den Bau einer 3.Piste umgehend beantragen und bewilligt erhalten. ( Für die dann nötige Umweltverträglichkeitsprüfung des Großbauvorhabens könnte der Flughafen obendrein wohl noch Verhandlungsschritte des Mediationsverfahrens zur Verfahrensbeschleunigung geltend machen! )
 

Ob es daher zu einem positiven Abschluss und einer Unterzeichnung eines 1.Vertrages im Mediationsverfahren kommen wird, ist aus heutiger Sicht völlig unklar. Einserseits liegt der Vertragstext noch nicht vor , - andererseits werden die Wiener GRÜNEN zumindest eine Woche lang zur Prüfung der hochkomplexen, vielschichtigen Materie benötigen, die anderen Parteien können schwerlich schneller arbeiten.

Sollten aber die nun bekannten Vorstellungen zur Flugverteilung Realität werden, wäre Penzing (ab 2004) vergleichsweise deutlich begünstigt: Der Wiener SPÖ kam dabei zu Gute, daß die von ihr geforderte „Bündelung" aller Flugbewegungen über Penzing aufgrund des „Frankfurter Modells“ (ganz neu, politisch fantastisch!) ohnehin nicht realisiert werden kann. Anflüge aus dem Westen würden daher in „koordinierter Streuung“ („transition arrivals“) erfolgen.  Bei einer sehr geringen Zahl von Flugbewegungen kämen weitere Vorteile durch technische Möglichkeiten zum Tragen (die auszuführen hier allen Webspace sprengen würden). Darüber hinaus soll – von nötigen Ausnahmen abgesehen – ein nächtliches Flugverbot in der Zeit von 21.00 bis 7.00 gelten (bisher 23.00 bis 6.00!).

Sofern die Angaben des Flughafens Wien und der Austro Control tatsächlich überprüfbar werden sollten – man hofft halt innig im Glauben an das Wahre und die Versprechungen von Monitoring und Evaluation – sollte sich in Penzing die Zahl der Landeanflüge ab 2004 auf 11,6 % begrenzen lassen ( 2002 waren schon 15,4 % aller Anflüge über Penzings Wohngebiete gedonnert ! ) Hoch und heilig versprochen wäre damit eine „ Auslagerung“ von ca. 3500 Landeanflügen zugunsten des Bezirks! Maßgebend für die Wahl der Landepiste ist aber dennoch stets und immer die Windrichtung, - angeblich schon ab einer Dimension von lächerlichen 6 Knoten !

Da aber selbstverständlich das Jederzeitüberallhinfliegenmüssen von der Flug- und Freizeitindustrie weiter unverschämt bei höchster Kostenunwahrheit gefördert wird, kann eine Begrenzung von 11,6 % aller Landeanflüge bei insgesamt steigenden Flügen nach Wien-Schwechat in absoluten Zahlen dennoch eine Zunahme an Flugbewegungen bedeuten! Kurz daher die simple No-na-Formel: Verdient der Flughafen kräftig, gibt es kräftig mehr Lärm über ganz Wien und Penzing!

Höchst überraschend war für GRÜNE SitzungsteilnehmerInnen (GR Susanne JERUSALEM, Krisch) daher nur eine ÖVP-Wortmeldung: Gemeinderat Gerhard PFEIFFER resümierte in höchster Klarheit die mehrstündige Sitzung mit der globalen Bemerkung, man werde sich entscheiden müssen, wie viel Flugverkehr die Stadt Wien insgesamt vertrage ( derzeit bei 2 Pisten: 260 000 Starts und Landungen im Jahr! Baut der Flughafen eine 3. Piste, empfehle ich beruhigungshalber eine Maximalzahl lieber nicht mehr nachfragen zu wollen !) Ferner ließ er sinngemäß Unmut darüber erkennen, daß zweijährige Verhandlungen und hart erworbenes tiefes Fachwissen hatte nötig werden müssen, um von Austro Control und dem Flughafen Wien endlich substantielle Fakten und Möglichkeiten eingestanden zu erhalten. Wir hoffen, der ÖVP-Kollege bleibt in seinen Kreisen mit diesen goldrichtigen GRÜNEN Ansätzen weiter gut geduldet !!!

Die charmanteste Wortmeldung verdankten am 13.5. Penzings BürgerInnen aber eindeutig SPÖ-Gemeinderat Erich Valentin. Man habe noch nirgendwo in einer so kurzen Zeit so viel Protest gegen die Flugbewegungen registriert wie in Penzing, berichtete er sichtlich beeindruckt, nicht ohne zuvor schon „ heldenhaften Widerstand “ Wiens gegen das Fluglärmproblem natürlich nicht unerwähnt zu lassen! (Die MA 22 assistiert übrigens mit der wieder verfügbaren und kostenlosen telefonischen Hotline-Nummer in Flug-Sachen:
0800 201 908)


Penzings Bürgerinnen sind damit in der Fluglärmfrage mehr als effektive Initiativen bestätigt worden! Dem Bezirk ist es zweifellos furios gelungen, trotz sehr komplizierter Materie, eine neuerliche Ungerechtigkeit der SPÖ zu Lasten Penzings staubtrocken zurück zu weisen. Dies muß zwar noch - wie eben erläutert – noch nichts an tatsächlich langfristiger Verbesserung der Fluglärmsituation bedeuten ! Die zivile Bürgergesellschaft Penzings hat aber wieder einmal fulminante Handlungsfähigkeit bewiesen, worüber weiter mit Respekt berichten wird  
Wolfgang Krisch, 15.5.2003

P.S. Zur Behandlung der hier berichteten Neuigkeiten und allfälliger Beschlussfassung einer Penzinger Position wird in Penzing am 2.6. beraten werden! Penzings BürgerInnen ( wie auch gern die hochwerten MandatarInnen von ÖVP und FPÖ ) haben von hierorts bis dahin hohen Informationsvorsprung !
zurück