Die
90 Dezibel - Beschwichtigung !
Enormes
Interesse der Bevölkerung an einem „Informationstag Fluglärm“, bei dem die
politischen EntscheidungsträgerInnen durch Abwesenheit glänzten und das
Problem routiniert beschwichtigt wurde !

Manipulative
Beschwichtigung, die vermitteln sollte: Flugzeuge sind
leiser als Stimmengewirr l
Enormen
Widerstand von BürgerInnen gegen den zunehmenden Fluglärm in Penzing bewies
eine Veranstaltung unter dem Titel „Informationstag
Fluglärm“ am 17.Mai im Hütteldorfer
Fuhrmannhaus.
Auf Einladung der Penzinger Bezirksvertretung war die dürftige Möglichkeit
geboten, sich „über verschiedene Meinungen zu
informieren“ und über den „aktuellen
Stand im Mediationsverfahren“, nachdem zwar "immer
mehr Menschen die Einschränkung des Flugverkehrs fordern",
andererseits aber "immer mehr Mensch in den
Urlaub fliegen" – und natürlich „der
Wirtschaftsstandort Wien erhalten bleiben soll.“
Trotz
des ungünstigen Termins (Freitagnachmittag vor Pfingsten) und großer Hitze war
der Andrang enorm. Daß die Veranstaltung dennoch für viele PenzingerInnen
wenig erfreulich war, hatte aber mehrere Ursachen.
Zum einen war die Veranstaltung keineswegs als Podiumsdiskussion mit politischen
EntscheidungsträgerInnen vorgesehen, die eine öffentliche Resonanz der vielen
Beschwerden lärmgeplagter PenzingerInnen und eine Diskussion von Maßnahmen
erlaubt hätte, sondern lediglich als Möglichkeit zu unverbindlichen
Einzelgesprächen mit Fachleuten von Seiten des Flughafen Wiens, der Austro
Control, des laufenden Mediationsverfahrens und Bürgerinitiativen.
Dies ermöglichte den Lärmgeplagten lediglich Small - Talk mit sympathischen
Menschen, die als sachlich fundierte Angestellte des Flughafens oder der österreichischen
Flugsicherung allein für fachliche Auskünfte, nicht jedoch für politische
Entscheidungen kompetent sind und lediglich höchst routiniert nicht mehr als
die die Funktion einer Klagemauer gegenüber den Beschwerden der BürgerInnen
erfüllten. Allerdings wurde selbst diese Möglichkeit von den zahlreich
erschienenen PenzingerInnnen intensiv genutzt, obwohl eine derartige
Organisation der Veranstaltung von zahlreichen BürgerInnen als höchst
unbefriedigend empfunden wurde: Zweifellos war eine öffentliche Diskussion mit
politischen EntscheidungsträgerInnen erwartet worden, wie durch politisch
umsetzbare Maßnahmen eine Verbesserung der Situation zu erreichen wäre.
Maßgebliche politische EntscheidungsträgerInnen ( wo war eigentlich Penzings
sonst omnipräsenter SPÖ-Gemeinderat Andreas SCHIEDER
?) glänzten jedoch durch Abwesenheit und demonstrierten damit weiterhin
konsequent die Haltung Wiens: Die Befindlichkeit der
Wiener Bevölkerung zu der Problematik wird als Privatangelegenheit zwischen den
Betroffenen und den Betreibern des Flugverkehrs gesehen, - die Wiener
Stadtregierung will seit Jahren den Eindruck der völligen Inkompetenz und
Unbeteiligtheit erwecken!
So ist bis heute nicht einmal bekannt, welche politische Position
Bezirksvorsteher-Stellvertreter Robert PSCHIRER,
SPÖ, im laufenden Mediationsverfahren ( zum
Bau einer 3. Piste in Schwechat) vertritt, das seit gut zwei Jahren tagt !!
Immerhin ist Herr Pschirer in dem Verfahren als Partei für den Bezirk Penzing
beteiligt – und nicht als Privatperson!
In einem Einzelgespräch unter Beisein von GRÜN - Gemeinderätin Susanne
JERUSALEM präsentierte mir Herr Pschirer zwar ein Forderungspapier, mit nie
gehörten Zielen, die angeblich auch die Wiener SPÖ verfolgt - inwieweit
das aber politische Relevanz hat, blieb völlig ungeklärt. Tatsächlich standen
die darin enthaltenen Forderungen bislang in keinem politischen Gremium auf der
Tagesordnung,- eine Umsetzung, worauf die GRÜNEN jedenfalls drängen werden.
Die
SPÖ verfolgt nämlich in Sachen Fluglärm seit Jahren eine ärgerliche
Doppelstrategie: Während man vom Fluglärm Betroffenen glaubhaft machen will,
um Verbesserungen bemüht zu sein, wurde die finanzielle Beteiligung am
Flughafen Wien zuletzt aufgestockt und keinerlei tatsächliche Anstrengung
unternommen, auch nur ein striktes Nachtflugverbot zu beschließen. ( Ich werde
dieser Frage jedenfalls in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung
nachgehen!)
Selbstverständlich
wird auch zu klären sein, wieso es in Penzing nach wie vor nicht einmal eine
fixe Lärmmeßstelle gibt, obwohl der Bezirk zunehmend von Dauerlärm durch den
Flugverkehr betroffen ist und eine solche Lärmmeßstation (am Standort
Buchberg) schon vor Jahren zugesagt wurde. Ich werde daher in der nächsten
Sitzung der Bezirksvertretung von Wiens Umweltstadträtin die Errichtung einer
solchen dauerhaften Meßstation mit Nachdruck einfordern.
Besonders
fragwürdig waren daher bei der Fluglärm-Veranstaltung auch eindrucksvolle
Schaubilder, die für den Bezirk nur moderate Lärmbelastung ( um die 60 Dezibel
) glaubhaft machen wollten. Daß dazu im vollen Saal ein deutlich sichtbares Meßgerät
eine dauernde Lärmbelastung von 90 Dezibel (!) erkenntlich machte, war
besonders ärgerlich: Einziger Zweck des Gerätes sollte offenbar sein, den
Flugzeuglärm über Penzing als deutlich geringer als den simplen Gesprächslärm
in einem Veranstaltungsraum darzustellen, - was mancher zu Recht als üble
Manipulation verstand und zeigte, mit welchen Methoden versucht wird, die
Bevölkerung zu beschwichtigen! Man merkte jedenfalls überdeutlich die Abwicht
und war höchst verstimmt !
Nachfragen ergaben überdies, daß die beruhigenden 60 Dezibel lediglich auf
rechnerischen Durchschnittswerten (!) beruhen, die nichts über die tatsächliche,
ohrenbetäubende Lärmkulisse von Großraumflugzeugen aussagt die an manchen
Tagen ( und Nächten ) ganz Penzing quält.
Ähnliche beschwichtigend war übrigens schon der Text der Einladung gehalten:
Auch in Penzing – so hieß es da, sei „Fluglärm“ (zwischen Gänsefüßchen
!!!) ein Thema, das die „Erholung“ störe. Tatsächlich stört aber Fluglärm
– wie Studien beweisen – keineswegs nur die Erholung, sondern macht schlicht
krank, und zwar besonders Kleinkinder und selbst dann, wenn der Lärm gar nicht
bewußt registriert wird (Hier
dazu mehr)!
Resümee:
Das schlaue Kalkül der Veranstaltung, die Verdrossenheit der lärmgeplagten
PenzingerInnen auf effektlose Zwiegespräche mit Fachleuten zu kanalisieren,
wird dennoch der Wiener SPÖ nicht die nötige Entscheidung ersparen, ob man
weiterhin nur von Maßnahmen reden will – oder ob man sich endlich um
Umsetzungen bemühen wird.
Wolfgang
Krisch, 18.5.2002
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