
Bürgerinitiative gegen
Fluglärm durch Protokollführung brüskiert!
Wie
ein Auftritt der BI gegen Fluglärm in Penzing protokolliert
ist
!
Protokolle
in politischen Gremien sind allemal ein eigenes Kapitel 1),
- ganz besonders aber in der Penzinger
Bezirksvertretung. Sitzungsinhalte von Wiener
Bezirksvertretungen finden nämlich grundsätzlich nur in
s.g .“Resumeeprotokollen“
Niederschlag, die erkennbar machen sollten, worum es ging
und was zuletzt beschlossen wurde.
Diese Vorgabe lässt natürlich stets genutzten Spielraum
für politische Überlegungen weit offen, man resümiert daher gern
äußerst selektiv, um nur das zu schreiben, was genehm ist,
eigene Strategien unterstützt und andere bewusst schwächt!
Argumente in Debatten werden – Resumee ist eben
gefragt - überhaupt nicht aufgenommen (protokolliert wird
zumeist z.B., dass eine „längere Debatte entstanden“
ist), von der aber im Regelfall kein für die SPÖ
kontraproduktives Sterbenswort verraten wird. Wortmeldungen,
die der SPÖ und in einer Debatte dienlich sind –
besonders von Fachleuten oder aus anderen Fraktionen, sofern
diese einen SPÖ-Standpunkt unterstützen, haben dagegen
gute Chancen sehr wohl protokolliert zu werden. In
Extremfällen finden in Protokolle Sachverhalte oder
Informationen selbst dann Eingang, wenn sie in der Sitzung
gar nicht besprochen wurden - und erst in Folge für eine
weitere Behandlung eines SPÖ-Standpunkts nützlich wurden.
Und weil die SPÖ, durchaus anders als in anderen Wiener
Bezirken, trotz fehlender absoluter Mehrheit ohne Ausnahme
alle Ausschüsse und Kommissionen in Penzing
Selbstverständlich liegt die üble Usance aber keineswegs
darin begründet, dass das Büropersonal zu keinen
tatsächlich entsprechenden Protokollen in der Lage wäre,
sondern nur daran, dass nach politischer Vorgabe und
Kontrolle an der Endausfertigung ganz offensichtlich sehr
kalkuliert gefeilt wird, bis in so einem Protokoll möglich
nichts mehr enthalten ist, was die SPÖ in Folge wesentlich
stören könnte, - obwohl diese Protokolle, warum weiß ich
nicht, der Öffentlichkeit aus irgendeiner Überlegung der
SPÖ eigentlich grundsätzlich nicht zugänglich sein
sollen. (Sämtliche Protokolle der Penzinger
Bezirksvertretung werden im Übrigen augenscheinlich auch
erst nach Kontrolle und Plazet der Frau Bezirksvorsteherin
endgefertigt und versandt.)
Wie
weit das in Einzelfällen gehen kann, ist dieser Tage wieder
einmal mehr als ärgerlich ersichtlich geworden. Zum
Auftreten der BI
gegen Fluglärm in Wien West und den Wienerwaldgemeinden (Dr.
Heger) in einer Sitzung der Bezirksentwicklungskommission am
27.5. 2010 ist mit am 27.7.2010 versandten Protokoll
Folgendes wörtlich und im Volltext vermerkt:
1) Fluglärm
Kordon; Ladung von Frau Heger, Bürgerinitiative Fluglärm
Es erscheinen Frau Dr. Heger und Hr. Mag. Hrncir von der Bürgerinitiative gegen Fluglärm in Wien West
Es wird die Einhaltung der Luftverkehrsregeln gefordert, an denen an windstillen Tagen kein Flugverkehr über Wien erlaubt ist.
Wortmeldungen: BV-Stv. Pschirer, BR Krisch, BRin Holzer, BR. Mag. Loibl, BR Krisch, BRin Holzer, BR Dr. Schrage
Die Vorsitzende
bedankt sich für die Ausführungen, die aktuellen
Forderungen werden an die Stadt Wien zur Stellungnahme
weiter geleitet.
Tendenzieller,
bewusst selektiver und insgesamt abfälliger und lässt sich
nun ein berechtigtes Engagement einer Bürgerinitiative
nicht mehr in ein Protokoll bringen, in dem auch erstmals
– eine neue Errungenschaft selbst für Penzing - über die
Nachvollziehbarkeit (!) einer Behauptung durch wen auch
immer protokollarisch befunden wird!
Was alles die Bürgerinitiative selbst auf Tischvorlagen und
Unterlagen für die Fraktionen gut vorbereitet, referiert
und untermauert hat (Dergleichen ließe sich natürlich
einem Protokoll schlichtweg beifügen), ist großteils mit
Absicht ausgespart worden – allen voran die sensationelle
Neuigkeit, dass nach Recherchen der BI ein Großteil des Wiener
Stadtgebietes durch aufrechte Norm einer ministerielle
Verordnung ein „Flugbeschränkungsgebiet“ darstellt.
Und selbstverständlich bleiben auch die "aktuellen
Forderungen", die zur Stellungnahme an Wien weiter
geleitet werden, vollständig ungenannt. (Was tatsächlich
bei der Sitzung zur Sprache kam, habe ich am Tag nach
Sitzung umgehend veröffentlicht – hier
der Link zu dem Bericht.)
Dass
die Bürgerinitiative, die seit zwei Monaten ein Interesse
am Protokoll Ihres damaligen Bemühens hat, durch derartige
schriftliche Bösartigkeit schwerstens brüskiert ist, muss
verständlich sein. Verständlich wird aber einmal
mehr, wie die SPÖ mit BürgerInnen umgeht, deren Anliegen
sie nicht zur Kenntnis nehmen möchte. Ich habe jedenfalls
dringend und nachdrücklich allseits um
Protokollberichtigung ersucht - jedenfalls aber um Aufnahme
der Feststellung der Bürgerinitiative, dass Penzing und
Wien zum Großteil ein „Flugbeschränkungsgebiet“
darstellen.
Wolfgang
Krisch, 30.7.2010
1) Auch sehr beachtlich ist im Übrigen eine Usance der Protokollführung im Wiener Gemeinderat/Landtag: Da werden zwar Wortprotokolle erstellt, - die aber vor der Veröffentlichung von den Klubs hinsichtlich ihrer Sprachrichtigkeit "ausgebessert" werden dürfen!