Aktuelle PR der Flughafen Wien AG: "Unser oberstes Ziel ist Gewinn. Der für die Region. Und der für die Umwelt"

Fluglärm: Wien verweist auf "Teilorganisation der UNO"
Nichts Neues an den Wiener Flugschneisen, und die Flughafen Wien AG ist "offen für neue Horizonte“!


Wenig spektakulär Neues gibt es für all jene zu berichten, die unter der Fluglärmproblematik leiden!



In Penzing sind die Proteste
( www.14gegenflieger.at ) gegen an manchen Tagen unerträglichen Dauerschall aus der Luft trotz der angeblichen „Verbesserungen“, die Wien beteuert erreicht zu haben, ungebrochen. Selbstverständlich erfolgt der Anflug von immer mehr Maschinen so gebündelt über Penzing, wie dies Wiens SPÖ ursprünglich verlangt und dann nach Protesten als technisch ohnehin nicht machbar dargestellt hat. Und selbstverständlich sind zur tatsächlichen Verbesserung eines Nachtflugverbots (von nun 21.00 – 7.00 Uhr) von der Stadt Wien weiterhin ebenso wenig Angaben über Ausnahmen und deren Ursachen im Anlassfall zu erhalten, wie über die Zahl der Überflüge insgesamt und das Fehlen von öffentlich einsehbaren Flugspuraufzeichnungen!

BürgerInnen sehen weiterhin und zu Recht nicht ein, wieso die Stadt Wien zu einem immer gewichtigeren Umwelt- und Sicherheitsproblem ihre BürgerInnen an ein privates Unternehmen (Flughafen Wien AG) verweisen kann, zumal Wien ja obendrein ein gewichtiger Aktionär dieses Unternehmens ist, dessen Informationspolitik als außerordentlich unbefriedigend verstanden wird! Sofern nicht überhaupt die „Information“ als glatter Werbe-Gag zu beurteilen sein muss.

Somit wundert nicht, dass jene, die sich durch das s.g. gescheiterte „Mediationsverfahren“ zum Ausbau des Flughafens (3.Piste!) nicht für dumm verkaufen ließen, den ungezügelten Ausbau des Wiener Flughafens nach den üblichen, sattsam bekannten, neoliberalen Wirtschaftsgrundsätzen - Nachteile für Viele, Gewinn für Wenige  - weiterhin und zunehmend dezidiert ablehnend gegenüber stehen!



Die derzeitigen Positionen der politischen Parteien auf Landesebene sind einiger Maßen grotesk:  Für Wiens GRÜNE erhält Kollegin Susanne JERUSALEM eindeutig zu wenig Unterstützung durch die Landespartei in ihrer klaren Position, dass ein weiterer Ausbau des Flughafens aus Umwelt- und Sicherheitsgründen strikt abzulehnen ist. Dezidierte GRÜNE Unterstützung aus Penzing vermag aber akzentuierte Landespolitik natürlich nicht effizient zu ersetzen.



Die ÖVP- und FPÖ-Positionen sind aber noch weit diffiziler! Beide Parteien sind zwar dem Flughafen mit seinem
„Mediationsverfahren“  nach schwerem öffentlichem Druck nicht auf den Leim gegangen, haben den „Mediationsvertrag“ nicht unterschrieben, versuchen aber sonst die übliche Quadratur des Kreises, die am besten ÖVP-GR Ing. Gerhard PFEIFER, ÖVP-Mitglied im Mediationsverfahren, auf den Punkt gebracht hat. Nach dessen ganz realistischer Königsidee sollte man als "Handlungsmaxime"
an den Bau eines neuen Flughafens für Wien denken, und zwar an einem Ort, wo er überhaupt niemand stört (und der Wirtschaft weiter hilft). Wieso da niemand zuvor draufgekommen ist, ist mir schleierhaft!



Die Wiener SPÖ wiederum darf sich in ihrer Alleinregierungs-Position der üppigen Renditen aus der Flughafen Wien -Beteiligung freuen und verfolgt darüber hinaus zu Protesten der Bevölkerung ihre bekannte Strategie, dass Flugverkehr ausschließlich Bundessache sei und "auch internationalen Reglementierungen" unterliege. Die dafür "zuständige Organisation "sei die "International Civil Aviation Organization" (ICAO), eine Teilorganisation der UNO", und die Stadt Wien habe "daher auf die Festlegung oder Änderung von Flugrouten keinerlei rechtliche Einflussnahme". (Mail der MA 22 an Wolfgang Krisch vom 17.10.05). Wieso die Stadt Wien dennoch vorgibt, im Mediationsverfahren zu Änderungen bei Flugrouten beigetragen haben zu können, ist vermutlich ein übliches SPÖ-Rätsel...


Ob hierzulande darüber hinaus irgendein wesentlicher "Einfluss" auf irgendwas vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie ausgeht, scheint mir auch ein wenig fraglich.
Die derzeitige BZÖ-Führung wird in Bälde in ein Vorarlberger Seilbahnunternehmen wechseln, das dortige Engagement scheint seit langem enden wollend.

 
Womit wir im Streben, weitere persönliche Zeit nicht zu verschwenden, bei der weit kompetenteren EU sind, bevor wir nach Wiener Ratschlag die  "Teilorganisation der UNO" oder doch gleich den lieben Gott behelligen wollten.


Die EU  hat nämlich neuerdings die hohe Umweltrelevanz des Flugverkehrs irgendwie bemerkt und scheint daran denken zu wollen, den Schadstoffausstoß des europäischen Flugverkehrs ein winziges Bisserl zu limitieren. Ob und wie das funktionieren wird – EU-Umweltpolitik zu Lasten Mächtiger ist nach meiner sicheren Einsicht primär grundsätzlich knieweich und ineffizient – wird zu sehen sein, absehbar ist aber natürlich das üblich Neoliberale auch im Bereich der globalen Luftgeschäfte: Steigende Kosten für Kerosin und Umweltschutz wird man über Einsparungen bei Personal und durch ständig zu verschärfende Wettbewerbsmaßnahmen wie üblich egalisieren wollen.

Zu den Zukunftsaussichten der fragilen Branche sind dennoch kaum wirklich seriöse Abschätzungen möglich! Dazu nur drei Beispiele:  Die AUA wird trotz bester Nachfrage der Kundschaft im heurigen Jahr jedenfalls tiefrote Zahlen schreiben. Billig-Airliner Niki LAUDA beteuert, „keinen Meter fliegen zu können“, sollte man ihm für das Personal seiner Fluglinie hinkünftig einen Kollektivvertrag aufzwingen, den es bislang bei ihm natürlich nicht gibt.  Und die slowakische Billigfluglinie „SkyEurope“ hat sich vor ihrem Börsengang im heurigen September den präsumtiven AktionärInnen ausdrücklich und schriftlich als High-Risk-Unternehmen vorgestellt, was dennoch nicht das Geringste an dem förmlichen Sturm auf die riskanten Aktien geändert hat. Kurzum: Die Branche ist höchst instabil und von zahllosen Imponderabilien abhängig.

Stabil ist allerdings auf hohem Niveau die Belastung für die Betroffenen von Fluglärm und – risiken. Und stabil bleibt weiters nur die übliche PR der Luftgeschäfte-Branche. Furiosestes Beispiel beim braven Beteuern,  man schaffe ja nur Arbeitsplätze und bringe allgemeinen Wohlstand, bietet für unsereins die aktuelle Hochglanzwerbung der Flughafen Wien AG auf Ganzseiten, z.Z. beispielsweise in profil.  Da hält ein braver Junge eine zart gesprossene Topf-Pflanze umweltfreundlich mit seinen Händchen friedlich umfasst, blickt versonnen auf den neuen Riesentower am Flughafen und macht neugierig auf folgende frohe Botschaften:
 


Unser oberstes Ziel ist Gewinn.
Der für die Region.
Und der für die Umwelt
 


Und weiter zu diesem Musterbeispiel einer eierspendenen Wollmilchsau auszugsweise:
 


„ …. Gewinn ist aber nur dann Gewinn, wenn alle davon profitieren. Deshalb arbeiten wir ständig daran, die Belastungen für die Region so gering wie möglich zu halten. In Europas größtem Mediationsverfahren haben wir gemeinsam mit den Anrainern, den Airlines und der Flugsicherung konkrete Maßnahmen erarbeitet. So tragen beispielsweise geänderte Abflugrouten zu einer spürbaren Entlastung der von Fluglärm Betroffenen bei. Diesen Weg haben wir ganz bewusst eingeschlagen. Denn wir wollen die Erweiterung Europas für die gesamte Region zur Chance machen – und nicht zur Belastung. Das verstehen wir unter „ OFFEN FÜR NEUE HORIZONTE“.

Und wer das als schlechten Scherz und nicht als positive Segnung des Flughafens versteht, ist halt nur noch nicht offen genug für die neuen Horizonte, von denen natürlich wie immer alle profitieren, ist fast sicher


Wolfgang Krisch, 28.10.05
 

P. S. Sagenhafter, gänzlich unbeschreiblicher Fluglärm, welcher Ruhe suchenden Wienerwald-NutzerInnen am Nationalfeiertag auf den sonst idyllischsten Wienerwaldhügeln eine Weltkrieg-2-Impression oder das Feeling von Dreharbeiten zu „ Apocalypse now“ simulieren konnte, hatte aber diesmal gar nichts mit dem Flughafen oder den sonstigen zivilen Luftgeschäften zu tun.
Es handelte sich da lediglich um eine ordentliche militärische Luftbrücke für eine Operation der ÖVP-Regierung Schüssel, weil man Wiens Bevölkerung wieder einmal ein erhebendes Gefühl am Heldenplatz gönnen wollte. Die abschließende Truppenparade aller Waffengattungen auf der Ringstraße im Stil aktueller südkoreanischen oder französischer Militärparaden wurde schließlich durch gestaffelte Fluggeschwader von ca. 100 Flugzeugen im Konvoi donnernd bekrönt! Sie durften die größte Luftoperation in der Geschichte des österreichischen Bundesheers veranstalten, Schüssel sei Dank. Und irgendwer musste im „Gedankenjahr“ ja endlich wieder einmal militärische Glanzstunden und leistungsfähige Waffen in glänzende Erinnerung bringen, damit Österreichs  „immerwährende Neutralitätnach Kanzlerart zumindest durch entsprechenden Waffenlärm selbst im letzten Wienerwalddickicht zeitgemäß stolz werden ließ!

 


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