Wegweisen & Wegschicken – dann wird alles gut !

Generell überall, gut rechtens oder anders – bis zum Betretungsverbot für Nicht-Mieter im Gemeindebau!


Soziale Probleme und menschliche Konflikte gibt es nicht nur überall, - sie werden auch dramatisch häufiger und immer monströser. Wie man mit sozialen Problemen & menschlichen Konflikten der gesellschaftlich Schwächsten umgeht, ist nun aber für mich seit jeher und grundsätzlich ein sicherer Gradmesser für den Wert und die Qualiät des demokratischen Treibens überall und immer, wobei mir gleich eine zweite Grundregel unumstößlich ist:  Probleme einfach so lange anstehen zu lassen, bis man sie irgendwie wegschieben kann, entbehrt verlässlich und absolut jeder Lösungsmöglichkeit!


Daher bin ich beispielsweise der Meinung, dass es z.B. im Schulwesen hochgradig  sinnlos – ja kontraproduktiv - ist, die „schlimmsten“ und "untragbarsten" SchülerInnen im System möglichst rasch im bekannten „Wanderpokal“-Verfahren einer nächsten Schule zu empfehlen.

Für ebenso verrückt halte ich - ein weiteres Beispiel -  auch die geübte Praxis, drogenkranke Kinder, Jugendliche und Erwachsene von einem Platz, an dem sie gerade gehäuft stören oder Ärgernis erregen, über simple Intervention der Sicherheitsbehörde einfach wegweisen zu lassen, bis sie von einem weiteren Platz aus nämlichem Grund wieder weggewiesen werden, was so lange fortgesetzt werden kann, bis sich die Drogenkranken selbst geheilt haben oder verstorben sind.

Doch während das Wegweisen von Extrem-SchülerInnen und Drogenkranken mittlerweile als ehernes (was die Schulen betrifft) bzw. gut geübtes jüngeres Verfahren (im Falle der Drogenkranken) niemand sehr zu stören scheint, könnte eine ganz junge Variante des Wegweisens im Vornherein doch auf gewisse Kritik stoßen:  Denn auch aus kommunalen Wohnhausanlagen kann man offenbar irgendwie weggewiesen werden,  weil man ein simples Betretungsverbot missachtet hat !


Zumindest suggeriert dies seit geraumer Zeit schon eine respektable große Tafel an der Adresse Cumberlandstraße 91, welche keinen inhaltlichen Zweifel lässt. Zutritt zu der Anlage haben nur MieterInnen, - weitere gleichlautende Tafeln finden sich an weiteren Zugängen zu dem Bau!




Nun verstehe ich schon die spezielle Grundproblematik in gerade dieser kommunalen Wiener Wohnhausanlage allerbestens: Der weitläufige Penzinger Gemeindebau ist nämlich vor geraumer Zeit via ORF zu österreichweiter Berühmtheit gelangt, weil darin unglaubliche Konflikte und Aggressionen gefilmt wurden, und zwar zwischen – sagen wir einmal – „autochthonen“ ÖsterreicherInnen und MieterInnen mit Migrationshintergrund, denen hierzulande von manchen ZeitgenossInnen trotz einer österreichischen Staatsbürgerschaft nur geringe Imigrationszukunft zugebilligt wird.

Unglaubliche Hasstiraden zwischen „österreichischen“ und „ausländischen“ Kindern und Jugendlichen wurden dabei ORF-Kameralinsen live geboten, - insgesamt ein absoluter „worst case“ in Sachen Zusammenleben im Gemeindebau! In Youtube ist das Idyll bis heute der Nachwelt erhalten, gibt man nur „Gemeindebau“ „Konflikt“ und „Penzing“ ein, - ich kann diese Recherche für tiefe Einsichten nur dringend empfehlen! Unvergessen bleibt darunter besonders auch das Statement einer Penzingerin, welche schwer ungezügelten und gänzlich vernachlässigten Kindern frei heraus und aus sichtlich tiefer innerer Überzeugung bescheinigte, fertig ausgebildete Verbrecher  zu sein!
Einzig positiver Nebeneffekt der ORF-Bemühung: Einige Penzinger LehrerInnen konnten vom Sofa zu Hause aus erfreut registrieren, dass der eine oder andere in seiner Schule schon seit langem vermisste österreichische Pflichtschüler mit aktuell geringen Chancen auf einen Hauptschulabschluss immerhin für eine ORF-Kulisse gut erreichbar und höchst vital vor der Kamera dienlich war und dass daher die längst geschriebene schulische Meldung einer vermuteten Gefährdung (so muss das Formular lauten, das an das Jugendamt gelangt) wie alles im Leben ziemlich relativ zu sehen gewesen sein dürfte!

In der Penzinger Bezirkspolitik hat dieses Sozialdebakel meines Wissens keine Kommission bzw. keinen Ausschuss befasst, - Dergleichen ist natürlich nur ein Fall für Wiener Wohnen! Und Wiener Wohnen dürfte eben den interessanten „Lösungsansatz“ gefunden haben,  dass den Bau ab jetzt nur MieterInnen betreten dürfen! Wahrscheinlich war ein Schlechtteil der fertig ausgebildeten VerbrecherInnen in die weiträumigen Innenhöfe der Anlage von anderswo angezogen worden oder jedenfalls als "Fremde" gröbstens in Erscheinung getreten, statt die vielen weitläufigen Penzinger Parks und Sportanlagen  aufzusuchen, die an jeder Ecke jederzeit voll zur Verfügung stehen! 

Die eigenen Kinder  & Jugendlichen in der Anlage dürften aber alle brav und anständig sein oder eben auch nur deshalb nix anstellen können, weil eh alle Kinderspielplätze abgesperrt sind und so gut wie alles verboten ist in dem Bau, was Kinder & Jugendliche hauptsächlich störend tun können. Vermutlich sitzen die Kids brav vor dem TV oder Internet und werden halt in aller Stille allein dicker, bis endlich einmal bald die gute Rund-um-die-Uhr-Beschulung sicher gestellt sein wird in Österreich, sodass dann endlich niemand mehr auf den Straßen, in den Höfen und Parks sowie in allen schönen Einkaufszentren durch schlimme Kinder & Jugendliche molestiert wird. (Nach Ende der Schulpflicht ist wenigstens schon die Polizei für das Einsperren oder Abschieben aus Österreich zuständig!)

    Verbote über Verbote, aus einem einzigen Gemeindebau - immerhin Sprachperlen, damit die Kids gutes Deutsch er lernen!


Inwieweit Wiener Wohnen mit ihrer Betretungsverbotsidee jetzt ein innovatives Trend-Setting gelungen ist, wird sich zeigen. Ebenso zeigen wird sich, nach welcher Rechtsgrundlage Wiener Wohnen solche Schilder anschraubt und mit welcher Verve das Wiener Sozialwesen im offenbar wildesten Gemeindebau im Wilden Westen Wiens zu Gange war oder sein wird. Ich werde einfach fragen und darüber berichten!  

Wolfgang Krisch, 19.4.2010

P.S. Im Wiener Landtag hat man mittlerweile beschlossen als "Schraubenzieher" (herrliche Metapher einer  Stadträtin) gegen "organisierte Bettlerbanden" das Wegweisen zu ermöglichen! Wer eine "organisierte Bettlerbande" oder bloß auf Betteln angewiesen ist, muss spontan von einem Sicherheitsbeamten /einer Sicherheitsbeamtin entschieden werden . Weil aber bislang schon aggressives Betteln und Bandenunwesen unter Strafe stand, nehme ich an, dass man in Wien halt wieder einmal Armut von wo wegweisen will, - sie stört eben genau so wie Kinder & Jugendliche da und dort seltsame Wiener Menschen, - so ist halt einmal seit jeher das goldene Wienerherz!
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