
Als nicht verwöhnter
Mandatar in Penzings Bezirksparlament freut man sich manchmal, wenn man doch
einem Vorhaben zustimmen kann, - selbst, wenn das die Faktenlage reichlich
schwer möglich macht!
Jüngstes Beispiel: Meine Zustimmung in der Dezembersitzung des Penzinger
Bauausschusses zum Entwurf einer neuen Flächenwidmung (Plandokument 7816)
für das Areal des Geriatriezentrums Baumgarten (an der Adresse
Hütteldorferstraße 188)!
Richtig ist, dass das
Geriatriezenrum - ursprünglich „Kaiser-Franz-Joseph-Landwehrkaserne“,
1904 umgebaut, seit 1920 „Versorgungshaus“ (Altersheim) – nach bewegter
Vergangenheit (Pavillon VI ab 1945 Penzings Polizeikommissariat ) und mehrfachen
Umbauten (zuletzt 1963-66) eindeutig hoffnungslos veraltet ist und zu einem
zeitgemäßen Neubauprojekt überfällig ansteht. Geriatrische Betreuung nach state
of art bedarf selbstverständlich auch geeigneter Räumlichkeiten, die ab
demnächst vom Wiener Krankenanstaltenverbund an der Hütteldorfer Straße
geschaffen werden. Das ist vernünftig und erfreulich!
„Geriatrische Bäume“

Weniger erfreulich sind jedoch mehrere Erkenntnisse zu Details im
Zuge der Neubauplanungen, die in der Sitzung des Penzinger Bauausschusses nun
bekannt wurden:
Zum einen sind
(selbstverständlich, - man kennt das von überall) die bestehenden Bäume des
Areals am üblichen „Ende ihrer Lebenszeit“
beschrieben, - sie seien also quasi ebenso „geriatrisch“
(!) und würden gefällt. Dass das tatsächlich aus pflegerischen Gründen notwendig
ist, halte ich für hoch unwahrscheinlich, wenn man die zahlreichen Bäume auf dem
Areal kennt! Tatsächlich stehen sie ganz gewiss im Wesentlichen nur jenen
neuen Baukörpern im Weg, die errichtet werden sollen!
Im übrigen ist fraglich, wo aber die rechtlich verpflichtenden Nachpflanzungen
Platz haben werden, - angeblich denkt man an Örtlichkeiten außerhalb
des Altenheims!
Die neue Flächenwidmung schreibt nämlich lediglich gärtnerisch auszugestaltende
Flächen vor, die nicht unterbaut werden dürfen. Also würden schon schlichte
Rasenflächen oder ein paar Blumenbeete genügen! Ich habe daher deponiert –
altersgemäß kann sich unsereins ja schon gut einfühlen, was man aus seinem
Altenheimfenster vielleicht doch sehen könnte – dass im Altersheim selbst die
Bäume nachgepflanzt werden sollen. Dass ich mir damit ein langes Projekt werde
anfangen müssen, wird natürlich die gute Sache wert sein!
Wegfall
eines Kindergartens?
Auf ein weiteres Projekt in der Planungssache scheint sich
hoffentlich auch FPÖ-Mandatarin Barbara Drahosch einzulassen, der aufgefallen
sein will, dass im neuen Geriatriezentrum jener Betriebskindergarten, der im
derzeitigen besteht, fehlen soll. Die FPÖ hat daher auch mit diesem Hinweis dem
Flächenwidmungsplan ihre Zustimmung verweigert. Nachdem aber die geplante
Flächenwidmung den KAV keineswegs hindern wird, nicht nur einen
Betriebskindergarten einzurichten, sondern vielmehr auch den Zugang in eine
derartige Einrichtung für Besucherkinder zu ermöglichen, kann dazu
keineswegs das letzte Wort gesprochen sein! Die Fachleute des KAV werden
zweifellos wissen, in welchem hohen Ausmaß der regelmäßige Kontakt von
SeniorInnen mit Kindern (!) für beide Gruppen förderlich ist, - und zwar
selbstverständlich auch aus therapeutischer und pflegerischer Hinsicht. Sollte
die FPÖ ihr gutes Anliegen diesbezüglich nicht selbst mit Verve verfolgen, werde
ich
es aufgreifen.
Ernsthaft
vorgesehen: Ein 2-Meter breites Gehsteiglein !
Als größtes Ärgernis des Flächenwidmungsplanes erwies sich allerdings ein
gänzlich unscheinbarer Vermerk: Ausdrücklich ist nämlich angeführt, dass ein neu
gewidmete Gehsteig in einer Breite von
„mindestens 2 Metern“
auszuführen sein wird!
Das ist allerdings eine bereits heftige Zumutung, die im Bezirk für reichlich
Nachbetrachtung sorgen wird. Denn selbstverständlich sollte das nicht heißen,
man müsste halt nur ein Minimum von 2 Metern Breite theoretisch bedenken und
könne in realiter gut das Doppelte – soviel ist nötig – ordentlich errichten!
Hätte ich diese bessere Hühnersteigbreite nämlich nicht anhängig gemacht, würde
dort demnächst tatsächlich nur ein 200 Zentimeter breiter Gehsteig errichtet!
(Und würden SeniorInnen beim Stand dieser Dinge einmal auf dem 200 Zentimetern
Breite zu wenig Platz zum Spazierengehen oder Gerolltwerden vorfinden, - dann
wäre halt leider nichts Anderes zu machen gewesen, weil die Flächenwidmung
gesetzlich so vorgesehen war!)
Ich habe jedenfalls dennoch dem Flächenwidmungsentwurf zugestimmt, weil niemand
die SPÖ hindern wird – so lange sie FußgängerInnen und RollstuhlfahrerInnen
nicht gesetzlich den grundsätzlichen Gänsemarsch vorschreibt – einen erheblich
breiteren Gehsteig zu errichten! Wenn sich Wiens Stadtplanung soweit zurück
erinnern möchte, betrug vor noch nicht fernen Jahren unter Verkehrsstadtrat
Fritz SVIHALEK die Minimalbreite von
„Restgehsteigen“ (das waren damals Gehsteige, die zum Großteil
für Parkplätze beansprucht wurden) seinerzeit schon zu geringe zweieinhalb
Meter!
Wer daher heute für Gehsteige an Geriatriezentren ( oder natürlich sonstwo)
gerade einmal 2 Meter Breite an Platz anbieten möchte, hat entweder grobe
Schwierigkeiten mit dem Verständnis von Wiens Verkehrsleitlinien, die primär die
Bedürfnisse für FußgängerInnen sichern sollen, oder mit Vorstellungen zum
metrischen Zahlensystem! Beides ergäbe aber dann größte Schwierigkeiten
mit der öffentlichen Akzeptanz für solche Zumutungen, verheißt gern sehr
rechtzeitig und hoch verlässlich
Wolfgang Krisch, 6.12.08
P.S. Ebenso erfreulich
ist an der Flächenwidmung allerdings tatsächlich, dass damit im Pavillon 1, der
bestehen bleiben wird, Räumlichkeiten für das Penzinger Bezirksparlament
geplant und gut gefunden sind! Damit muss Penzings Bezirksvertretung nicht
weiterhin quasi „Untermieter“ im Hietzinger Amtshaus bleiben, dessen horribles
Ambiente - martialische Architekturformen aus dem kriegslüsternen
Habsburgerreich, eröffnet 1914 - ich mir, ganz persönlich, so bald wie möglich
aufzusuchen gern ersparen werde!