Bildquelle: Stadt Wien - ViennaGIS
Die gegenständliche Liegenschaft ist schwarz umrandet - die rot gezeichneten Flächen sind die derzeitigen Pflichtstellplätze, die überbaut werden sollen. Unter Grünflächen der Anlage würde dafür eine Tiefgarage passen !


GEWOG - Nachverdichtung“ am Wolfersberg
?

Sind
neue Baukörper und eine Tiefgarage statt wertvoller Grünflächen in einer bestehenden Wohnhausanlage geplant, obwohl dies die Flächenwidmung gänzlich ausschließt ?


Nicht selten ist es ja aufschlussreich und erbaulich, jemand beim Studieren zusehen zu dürfen, - es muss ja nicht immer um Plagiate bei Doktorarbeiten oder sonstwie erschlichenen Studienabschlüssen gehen!

Ganz besonders aufschlussreich ist zur Zeit mein aktueller Einblick in eine ganz gefinkelte Studienarbeit! Studiert wurde nämlich jüngst im Auftrag des in Wien hoch bekannten und geschätzten Wohnbauträgers GEWOG/Neue Heimat! und zwar über die eindeutig Idee, in der GEWOG-Wohnhausanlage am Wolfersberg zwischen Anzbachgasse 3 und Linzer Straße 448 eine so genannte  Nachverdichtung (!) anzugehen !

Konkret sollen seinerzeit erfreulich großzügig angelegte Grünflächen der Wohnhausanlage für die Schaffung gleich zweier zusätzlicher Baukörper ins Spiel gebracht werden, womit sich die Liegenschaft gemeinnützig ein weiteres Mal ökonomisch nutzen ließe. Im Endausbau stünde alles dichter aneinander - also „nachverdichtet“, wie die Immobilienbranche das neuerdings richtungsweisend nennt !
 
Geprüft ist jedenfalls eindeutig , einerseits an der Anzbachstraße, andererseits an der Ecke Wolfersberggasse – Linzer Straße auf derzeit bestehenden Parkplätzen bzw. einem Parkdeck der Genossenschaft zwei neue Gebäude in Höhe der benachbarten Bebauung zu errichten, - notabene in engster Nähe zu bestehenden Wohnungen, was man ja von allerorten kennt ! Irgendwie müssen ja oft wo Andere enger zusammenrücken!

Weil damit aber sämtliche (!) Pflichtstellplätze der Wohnhausanlage perdu wären, scheint jemand auf die nahe liegendste Idee gekommen zu sein, zu der man in Wien in Entsprechung der üblichsten SPÖ-Verkehrspolitik reflexartig zu verfallen keine Sekunde nachzudenken  braucht: Unter den großzügigen, herrlich bewachsenen, Grünflächen der Liegenschaft mit uraltem Baumbestand würde eine formidable Tiefgarage (!) akkurat passen! Betroffen wäre eine, dem Kern nach historische, parkähnliche Grünanlage, welche nach meiner Einschätzung aus Resten des Parks der ehemaligen Villa Windischgrätz
1) besteht, die in der unmittelbaren Nachbarschaft liegt und aus der einst das heutige GEWOG-Grundstück hervor gegangen ist. Zur Entstehungszeit vieler derartig feudaler Villen in Hütteldorf ließen sich die damaligen Bauherren gerne unglaublich artenreiche und  prunkvolle Parks anlegen!  GEWOG hegt jedenfalls bis heute in ihrer Wohnhausanlage zahlreiche uralte und zum Teil äußerst wertvolle Bäume, - übrigens auch vorbildlich gepflegt. Darunter – als einzigartiges Prunkstück – eine Riesen-Platane (platanus x hybrida), ein verordnetes Wiener Naturdenkmal, das sicher eine der ältesten und größten Platanen Wiens ist! (Sie zu bewundern, ist allerdings der Öffentlichkeit nicht möglich! Denn die bestehenden Fußwege der Anlage dürfen nur von MieterInnen betreten werden, wie GEWOG mehrfach ordentlich ausgeschildert hat!)


Trotz der nun absehbaren Bedrohung des Grünjuwels in der Anlage (in die man eigentlich sämtliche Wiener ArchitekturstudentInnen im Rahmen ihrer Ausbildung verpflichtend  schauen lassen sollte ), dürfte da ein/e weltfremde/r IdeengeberIn offenbar ernsthaft gehofft haben, die Verheißung eines hübsche Tiefgaragen-Stellplatzes könnte zu Ausbrüchen von allgemeinem Jubel, Danksagung und Zustimmung führen! Das ist aber diesmal keineswegs der Fall, - es gibt tatsächlich noch Menschen, denen Grünflächen mehr Wert darstellen als ein Tiefgaragenplatz, - einfach anachronistisch so etwas!  Die GEWOG-Kundschaft im Baubestand der Wohnhausanlage – so viel darf vorweg verraten werden - hat vorweg nichts sonst als Rechtsmittel gegen das Planungs-Husarenstückchen zu prüfen begonnen!

Zur Rechtsgrundlage aber – so viel scheint schon vorweg festzustehen – sieht es allerdings triste aus! Wenn hier zu Lande eine Genossenschaft ihrer Kundschaft Grünflächen und Bäume cancelt und Baukörper vor die Fenster betonieren wollte, schätzen dies Fachleute rechtlich als kaum verhinderbar ein!

Dies mag also – ich will das gar nicht recherchieren müssen - tatsächlich leider auch so sein! Was ich jedoch meinerseits den Betroffenen vermitteln durfte, ist rechtlich aber noch weit wasserdichter: Einer derartigen Bauidee stünde nämlich ein felsenfest gesatzter Flächenwidmungsplan eindeutig strikt entgegen! Das heißt, die gültige Wiener Flächenwidmung erlaubte dies alles mitnichten!

Den Flächenwidmungsplan ihrer Liegenschaft kennen natürlich Wohnbaugenossenschaften!  Am Wolfersberg vermitteln Betroffene dennoch glaubhaft, erklärt bekommen zu haben, die Flächenwidmung werde geändert. Wohlgemerkt: Geändert vom frei gewählten Wiener Gemeinderat, den offenbar irgendjemand für nötige Gesetzesänderung willfährig an der Hand haben müsste. Sofern eben die Planungsabsicht nicht auf gewaltigen Luftgespinsten beruht, für die dann allerdings auch schon ein Architekturbüro rege beschäftigt gewesen wäre! ( RealistInnen und KennerInnen der Wiener Usancen müsste ich zwar eingestehen, dass das Wiener Bonmot "Sie wünschen, wir widmen", das böse Zungen der SPÖ gelegentlich nachsagen, zwar grundsätzlich und prinzipiell nicht gänzlich aus der Luft gegriffen ist! Aber natürlich sind da nur rare Einzelfälle gemeint!)


Ich habe jedenfalls am Abhang des Hütteldorfer Wolfersberges einige Betroffene zu beruhigen versucht: Sollte die bekannt gewordene „Studie“ zur Nachverdichtung der Wohnhausanlage tatsächlich in ein Fakten schaffendes Projekt münden, für welches der Wiener Gemeinderat wahrlich und wahrhaftig nach eigenständiger Prüfung und Behandlung eine neue Flächenwidmung beschlösse, würde ich mir angelegen sein lassen, die Genese der Nachverdichtungsidee eines Wohnbauträgers samt offenbar anhängiger Verwaltung und Legislative bis ins Detail transparent aufzuarbeiten!  (Dies im Übrigen auch deshalb, weil derartiges "Nachverdichten" am Wolfersberg einen verheerenden Präzedenzfall schaffen würde und sich nach meinem Eindruck auf einer weiteren Liegenschaft in der Umgebung ohnehin schon eine ähnliche Entwicklung anbahnt!)  

Ohne mit der Kunst der Prophetie belastet zu sein, vermute ich dennoch bis auf Weiteres hoch optimistisch, GEWOG wird sich auch in Hinkunft wie bisher verdienstvoll auf Bauplätze konzentrieren können, die man herkömmlich findet und entsprechend einer gültigen Flächenwidmung nutzt, welche sich bekanntlich niemand für ihr/sein günstiges Geschäft nach seinen Vorstellungen abändern lassen kann! Und ich persönlich kenne diesbezüglich ja sowieso nur BauträgerInnen, die sich nach Punkt und Beistrich an alle unsere guten Gesetze halten!

Also wird sich erübrigen, über den Verbau von Grünflächen am Wolfersberg zu spintisieren, - es muss sich bei den Plänen um irgendein Missverständnis in der Kommunikation handeln! Mein Ersuchen um transparente Auskunft, das ich an den Direktor der Genossenschaft über E-Mail diese Woche gerichtet habe, ist noch unbeantwortet, wird aber jedenfalls für Klarheit sorgen können, weiß

Wolfgang Krisch, 17.3.2011

1) Die Villa Windischgrätz ist für Penzings Bezirksgeschichte von besonderer Bedeutung: Sie gehörte bis zu ihrem Tod 1963 Elisabeth Marie von Habsburg, der Enkeltochter Kaiser Franz Josephs, Tochter von Kronprinz Rudolf und Stephanie von Belgien. Im Alter von 6 Jahren nach dem Selbstmord ihres Vaters Halbwaise, mit sieben ohne ferneren Kontakt zu ihrer Mutter, war sie vom Kaiser für eine Hochzeit mit dem deutschen Kronprinz Wilhelm in Aussicht genommen, heiratete aber unter Verzicht auf alle Thronfolgerechte 1902 den nicht standesgemäßen Grafen Otto Fürst Windischgrätz. Der umgehend unglücklichen Ehe, die aber formal erst 1948 geschieden werden konnte, entstammten vier Kinder. 1921 lernte die Habsburgerin den sozialdemokratischen Lehrer Leopold Petznek kennen, trat 1925 der SPÖ bei und hatte Kontakt mit zahlreichen Parteigrößen. So wurde die "rote Erzherzogin" bis zuletzt von Rosa Jochmann besucht. Der Wohnsitz des Paares war ab 1930 die bis heute bestehende Hütteldorfer Villa Windischgrätz in der Wolfersberggasse, die aber nach 1945 vom Oberbefehlshaber der französischen Besatzungstruppen in Österreich beschlagnahmt war und von dem Ehepaar erst 1955 wieder bezogen werden konnte. Der - nach KZ-Haft - schwer kranke Leopold Petznek verstarb noch im selben Jahr, Elisabeth Petznek im März 1963. Sie liegt auf dem Hütteldorfer Friedhof begraben, - ihrem Wunsch gemäß trägt ihre schmucklose Gruft keinerlei Bezeichnung.

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