
Links: Belasteter, stark verdrecktes
Halterbach in überkommener Verbauung nahe der Linzer Straße! Rechts: Logo
(aus facebook) der BI "Rettet den Halterbach"
Denn der Halterbach, der zweitlängste der noch bestehenden offen fließenden Wiener Bäche,
ist zweifellos allein schon aus ein Erholungsgründen ein überregionales Juwel, weil er über die gesamte Länge
von seiner Quelle am Exelberg bis zur Mündung in die Wien im Wiener Stadtgebiet
als Naherholungsgebiet genutzt werden kann und trotz seiner kläglichen Vernachlässigung
durch die Wiener Stadtpolitik noch immer den Charakter einer Bachlandschaft
bewahren konnte.
Während nämlich ein Großteil aller Wiener Bäche, die einst von den Abhängen des
Wienerwaldes quer durch die Vororte der Stadt dem Wienfluss oder der Donau zuflossen,
im dichtverbauten Gebiet ehemals in die Kanalisation der Großstadt geleitet
wurden und nur mehr in Ortsbezeichnungen der Bezirke in Erinnerung sind (Dornbach,
Krottenbach, Alserbach usw.), lag der Halterbach zum Glück für den
Bezirk einfach schon in zu weiter Randlage der verbauten Bezirksteile bzw. im
Oberlauf überhaupt in Waldflächen, um das gleiche Schicksal erleiden zu müssen.
Dennoch
kam der Bach in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts durch eine massive s.g.
„harte Verbauung“ zu schwerem ökologischen und ästhetischen
Schaden! Derartige Wasserbaumaßnahmen stellten damals leider den aktuellen
Stand der Technik dar – und sind längst als Fehlentwicklung erkannt bzw. rückgebaut
worden. In Wien beispielsweise an der Liesing, in Niederösterreich an
zahlreichen Flüssen und Bächen – im Halterbachtal allerdings leider
mitnichten!
Somit präsentiert sich der Bachlauf (besonders ab einem Retensionsbecken am
Ende der Karl-Bekehrty-Straße) als eng
gefasstes Gerinne, das sich ab der Amundsenstraße noch weiter verengt
und eher an einen offenen Kanal erinnert denn an einen noch erhaltenen Wiener
Bach! Als besonders nachteilig haben sich dabei auch zahlreiche künstlich
betonierte Stufen im Gerinne erwiesen, die das Gefälle des Baches ganz
nachteilig minimieren! Deren zahlreiche negativen Folgen auf das Ökosystem des
Wasserlaufes sollen dabei hier gar nicht ausgeführt werden, - sie sind unter
Fachleuten schon seit langem unumstritten!
Umstritten
ist seither lediglich der Zeitpunkt, zu dem sich Wien eine Renaturierung des
Bachlaufes vornehmen möchte! Als
ich erstmals eine solche als Bezirksrat verlangte, war Umweltstadtrat
Michael HÄUPL zuständig!
Er beschied damals sinngemäß, Wien werde eine Renaturierung durchführen, sobald
der Erhaltungszustand der Bachregulierung ohnehin Baumaßnahmen erfordere!
Gut zwei Jahrzehnte später – der Bauzustand des künstlichen Bachbettes ist
an zahlreichen Stellen ohnehin längst mehr als kläglich und in Verfall
begriffen, erinnerte ich die Stadt Wien neuerlich an ihr nötiges Engagement,
nachdem der Bach mittlerweile zu Erhaltung- und Pflege zunehmend zu einem eindeutigen Stiefkind der MA
45(Wasserbau)
geworden war!
Nun wurde im Penzinger Umweltausschuss ein für den Anlass offenbar rasch
fabrizierter Ausdruck einer geringen Power-Point-Präsentation vorgelegt.
Betrüblichster
Inhalt: Man werde den Bach – genauer gesagt, nur einen Teil davon (Bereich
Campingplatz West bis Mündung) bis
zum Jahr 2027 (zweitausendsiebenundzwanzig) sanieren!
Und um den gewaltigen Zeitrahmen des angeblichen Projektes irgendwie erklärbar
zu machen, waren Kosten für einzelne Sanierungsschritte in abstruser Höhe
angeführt – und durch nichts belegt! In Folge wurden noch wenige Meter des
besonders verkommenen Bachverlaufes (im Bereich Linzer Straße bis zur s.g
.“Furt“ in der Bujattigasse - bei der stark frequentierten Einstiegstelle
der Linie 49 ) „saniert“ – die dafür genannten enormen Kosten stießen
in der Öffentlichkeit ebenso auf Unverständnis wie die Durchführung der
„Sanierungsarbeiten“ selbst. Im Wesentlichen wurde nämlich der Uferbereich
durch gewaltige Gesteinsbrocken neu gestaltet, die man in dieser Form allenfalls
an der Donau – nicht aber am Halterbach – erwartet hätte, aber auch aus ökologischen
Überlegungen ist die Maßnahme zu recht divers harsch kritisiert worden!
Nicht
zuletzt diese Baudurchführung hat die Bürgerinitiative zur Renaturierung des
Halterbaches endgültig veranlasst, mittels Öffentlichkeitsarbeit auf eine
raschere, sensible und endgültige Sanierung des Baches zu drängen – und zwar
natürlich vor dem St. Nimmerleinstag, für den die Umweltstadträtin in diesem
Fall die Ziffernmetapher 2027 eingeführt hat.
Die Bürgerinitiative ist derzeit dabei, ihr redliches Anliegen in der Bezirks-
und Stadtpolitik vorzulegen, - von unausweichlichen Ergebnissen wird berichten
Letztes zum Thema:
Halterbach: „Schrittweise“ Sanierung „bis 2027“ !
Die MA 45 "studierte" über
„potenziellen Fischlebensraum“ , „ökologische Wertigkeit“ und eine aktuelle 100
Meter-„Revitalisierung“ des zweitlängsten Wiener Baches!
29.9.08
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