Links: Belasteter, stark verdrecktes Halterbach in überkommener Verbauung nahe der Linzer Straße! Rechts: Logo (aus  facebook) der BI "Rettet den Halterbach" 


Bürgerinitiative legt 2160 (!) Unterschriften für eine Revitalisierung des Halterbachs vor !

Hohes öffentliches Interesse am zweitlängsten Bach Wiens, den die SPÖ bis 2027 teilweise sanieren will!

 

Ganz erfreuliche Nachrichten aus Hütteldorf sind aktuell von der Bürgerinitiative " Rettet den Halterbach" zur Renaturierung des Halterbaches zu berichten: Von nur wenigen Aktivisten , allen voran von Herrn Alfred Nittel, sind zur Zeit mehr als beachtliche 2160 (zweitausendeinhundertsechzig) Unterschriften von Menschen gesammelt worden, die sich für eine Sanierung des Halterbaches aussprechen, - UnterstützerInnen des guten Vorhabens (auch eine diesbezügliche Facebook-Gemeinde zählt im Moment 235 Mitglieder!) kommen dabei nicht nur aus dem Bezirk selbst, sondern aus ganz Wien, was niemand wundern wird 

Denn der Halterbach, der zweitlängste der noch bestehenden offen fließenden Wiener Bäche, ist zweifellos allein schon aus ein Erholungsgründen ein überregionales Juwel, weil er über die gesamte Länge von seiner Quelle am Exelberg bis zur Mündung in die Wien im Wiener Stadtgebiet als Naherholungsgebiet genutzt werden kann und trotz seiner kläglichen Vernachlässigung durch die Wiener Stadtpolitik noch immer den Charakter einer Bachlandschaft bewahren konnte.
Während nämlich ein Großteil aller Wiener Bäche, die einst von den Abhängen des Wienerwaldes quer durch die Vororte der Stadt dem Wienfluss oder der Donau zuflossen, im dichtverbauten Gebiet ehemals in die Kanalisation der Großstadt geleitet wurden und nur mehr in Ortsbezeichnungen der Bezirke in Erinnerung sind (Dornbach, Krottenbach, Alserbach usw.), lag der Halterbach zum Glück für den Bezirk einfach schon in zu weiter Randlage der verbauten Bezirksteile bzw. im Oberlauf überhaupt in Waldflächen, um das gleiche Schicksal erleiden zu müssen.

Dennoch kam der Bach in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts durch eine massive s.g. „harte Verbauung zu schwerem ökologischen und ästhetischen Schaden! Derartige Wasserbaumaßnahmen stellten damals leider den aktuellen Stand der Technik dar – und sind längst als Fehlentwicklung erkannt bzw. rückgebaut worden. In Wien beispielsweise an der Liesing, in Niederösterreich an zahlreichen Flüssen und Bächen – im Halterbachtal allerdings leider mitnichten!


Somit präsentiert sich der Bachlauf (besonders ab einem Retensionsbecken am Ende der Karl-Bekehrty-Straße) als eng gefasstes Gerinne, das sich ab der Amundsenstraße noch weiter verengt und eher an einen offenen Kanal erinnert denn an einen noch erhaltenen Wiener Bach! Als besonders nachteilig haben sich dabei auch zahlreiche künstlich betonierte Stufen im Gerinne erwiesen, die das Gefälle des Baches ganz nachteilig minimieren! Deren zahlreiche negativen Folgen auf das Ökosystem des Wasserlaufes sollen dabei hier gar nicht ausgeführt werden, - sie sind unter Fachleuten schon seit langem unumstritten!

Umstritten ist seither lediglich der Zeitpunkt, zu dem sich Wien eine Renaturierung des Bachlaufes vornehmen möchte!  Als ich erstmals eine solche als Bezirksrat verlangte, war Umweltstadtrat Michael HÄUPL zuständig! 

Er beschied damals sinngemäß, Wien werde eine Renaturierung durchführen, sobald der Erhaltungszustand der Bachregulierung ohnehin Baumaßnahmen erfordere! Gut zwei Jahrzehnte später – der Bauzustand des künstlichen Bachbettes ist an zahlreichen Stellen ohnehin längst mehr als kläglich und in Verfall begriffen, erinnerte ich die Stadt Wien neuerlich an ihr nötiges Engagement, nachdem der Bach mittlerweile zu Erhaltung- und  Pflege zunehmend zu einem eindeutigen Stiefkind der MA 45(Wasserbau) geworden war! 


Nun wurde im Penzinger Umweltausschuss ein für den Anlass offenbar rasch fabrizierter Ausdruck einer geringen Power-Point-Präsentation vorgelegt. 
Betrüblichster Inhalt: Man werde den Bach – genauer gesagt, nur einen Teil davon (Bereich Campingplatz West bis Mündung)
bis zum Jahr 2027 (zweitausendsiebenundzwanzig) sanieren! Und um den gewaltigen Zeitrahmen des angeblichen Projektes irgendwie erklärbar zu machen, waren Kosten für einzelne Sanierungsschritte in abstruser Höhe angeführt – und durch nichts belegt! In Folge wurden noch wenige Meter des besonders verkommenen Bachverlaufes (im Bereich Linzer Straße bis zur s.g .“Furt“ in der Bujattigasse - bei der stark frequentierten Einstiegstelle der Linie 49 )  „saniert“ – die dafür genannten enormen Kosten stießen in der Öffentlichkeit ebenso auf Unverständnis wie die Durchführung der „Sanierungsarbeiten“ selbst. Im Wesentlichen wurde nämlich der Uferbereich durch gewaltige Gesteinsbrocken neu gestaltet, die man in dieser Form allenfalls an der Donau – nicht aber am Halterbach – erwartet hätte, aber auch aus ökologischen Überlegungen ist die Maßnahme zu recht divers harsch kritisiert worden!

Nicht zuletzt diese Baudurchführung hat die Bürgerinitiative zur Renaturierung des Halterbaches endgültig veranlasst, mittels Öffentlichkeitsarbeit auf eine raschere, sensible und endgültige Sanierung des Baches zu drängen – und zwar natürlich vor dem St. Nimmerleinstag, für den die Umweltstadträtin in diesem Fall die Ziffernmetapher 2027 eingeführt hat.

Die Bürgerinitiative ist derzeit dabei, ihr redliches Anliegen in der Bezirks- und Stadtpolitik vorzulegen, - von unausweichlichen Ergebnissen wird berichten

Wolfgang Krisch, 21.7.2010


Letztes zum Thema:

  Halterbach: „Schrittweise“ Sanierung „bis 2027“  !
Die MA 45 "studierte" über „potenziellen Fischlebensraum“ , „ökologische Wertigkeit“ und  eine aktuelle 100 Meter-„Revitalisierung“ des zweitlängsten Wiener Baches!

29.9.08

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