Riesige Liegenschaft von der Hüttelbergstraße bis zur Satzbergwiese (histor. Foto des längst abgetragenen Kinderheimes), rechts KURIER-Bericht aus 2005 über Phantasmus rund um die letzte gescheiterte Privatisierung! 


Paradies-Gründe - Hüttelbergstraße 22: Demnächst  öffentlicher Grünraum ?
Die Liegenschaft gehört wieder den SteuerzahlerInnen! Zu Näherem bislang aber nur empfohlen: „Zeitung lesen!“




Nachdem ich wirklich nicht dazu bereit bin oder je zeitlich dazu käme, wirklich auch allen Verwaltungsfragwürdigkeiten der Stadt Wien – und selbst nur jenen in Penzing – nachzugehen, bot mir die Sitzung der Bezirksvertretung am 14.4.2010 diesmal eine wirklich gelungene Überraschung: 


ÖVP-Bezirkvorsteher-Stellvertreter BR Franz LERCH, MBA, begehrte mittels „Resolution“ die Begrüßung der Öffnung der „Paradisogründe“ als Naherholungsgebiet und dass sich das Bezirksparlament dafür ausspreche, „dass es gut wäre gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern ein diesbezügliches Konzept zu erarbeiten“.


Mit „ Paradisogründe“ meinte Herr Lerch die Liegenschaft Hüttelbergstraße 22, dessen Nutzungsgeschichte bewegt ist. Ursprünglich ein bewaldeter, gestufter Abhang jenes Wienerwaldrückens, über den man heute den Satzberg und die Siedlung Kordon erreichen kann, wurde das weitläufige und zum Teil steile Areal  wohl schon in der 1.Republik vernünftig als Erholungsraum für Kinder genutzt.  Nach Erneuerung des Baubestandes in der 2.Republik betrieben dort die sozialdemokratischen Kinderfreunde ein Ferienheim bzw. Unterkünfte für Jugendgruppen und Klassen aus den Bundesländern während ihrer s.g.  „Wienwochen“. Mit dem gestiegenem Anspruch der Zielgruppen und der veralteten Ausstattung (riesige Gruppenschlafsäle) wurde das Quartier sodann für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Und  nach deren Absiedlung verwüsteten bis heute unbekannte „Vandalen“, die es ja nicht selten wo gibt, wenn Neues danach gebaut wird, die Bausubstanz derart nachhaltig, dass die Stadt Wien aus "wirtschaftlichen Gründen" an eine Umnutzung der Liegenschaft denken musste. SPÖ-VizeBM Grete LASKA dachte also an ein „Studentenheim“, was hochpreisige Wohnblöcke im Wald geworden wären, dazu Garagen für die "StudentInnen" darunter. Die Hütteldorfer Bevölkerung durchschaute die Schimäre als übliche Immobilienspekulation zugunsten üblicher NutznießerInnen, worauf  man von dem „Projekt“ die verbrannten Finger ließ.

Zuletzt wurde an künstlerische Nutzung gedacht, -  als Proponenten bzw. Ansprechpartner oder irgendwie Beteiligte waren erst der Excalibur-City-Herr Ronald Seunig, später Wiens legendärer Senatsrat a.D. im Ressort LASKA, Herr Dr. Ferdinand PODKOWICZ auszumachen, zuletzt zwei Söhne des Malers Ernst FUCHS als Vertreter einer GmbH: Für ein Museumsprojekt samt Skulpturenwald mit Objekten des Phantastischen Realismus samt „gehobenem Restaurant“, Ateliers und Wohnräume für KünstlerInnen reichten schließlich die Planungen bis zu einer Spatenstichfeier, zu der selbst Wiens Bürgermeister vor Ort sein musste. (Hoch rechne ich ihm persönlich dabei an, dass er sich nicht mit dem Auto auf das Spatenstich-Waldgrundstück hinauffahren ließ, auf dem für das Projekt der Penzinger Umweltausschuss sogar schon hoch vorauseilend Waldrodung genehmigen musste.)

Nachdem danach aber die läppischen zig-Millionen (!)  Euro von einer schon damals klammen, später in ganz Europa durch Bilanzkunststücke äußerst berühmt gewordenen Kärntner Bank, die zuletzt die Öffentlichkeit mittels Milliarden (!) an Steuergeld vor einer Pleite vorläufig bewahren durfte, doch nicht aufgebracht werden konnten, war nun guter Rat teuer.

Und zwar besonders bei der Stadt Wien, denn die hatte enorm großzügig und langfristig für das seriöse Projekt mit Beschluss des Gemeinderates ein Baurecht spendiert, - und alle Halbjahre danach fragte Bezirksrat Krisch in Penzing, was mit der privatisierten Dornröschen-Liegenschaft geschehen würde! Die Öffentlichkeit interessiere nämlich, wohin öffentlicher Grund verschleudert – und dann nicht einmal genutzt werden kann! Also musste Wien zuletzt nun das Baurecht aus irgendeiner Konkursmasse zurückersteigern, - eine ganz alltägliche Sache sowas heutzutage. (Schon Maler Ernst FUCHS sagte ja bekanntlich bei der o.a. Spatenstichfeier schließlich prophetisch die wahren Worte wörtlich so: "In diesen Gründen weilt ein Mysterium".)


Und weil ich neulich wieder einmal nicht schon beim Frühstück die Ediktsdatei des entsprechenden Gerichts gelesen hatte, äußerte ich daher großen Dank an die ÖVP, die sowas natürlich immer liest! ÖVP-Herr Lerch erwähnte übrigens in seinem Redebeitrag in der Bezirksvertretung launig, „man“ wäre „mit 10 000 Euro“ bei der Versteigerung „dabei gewesen“, wobei ich vermute, dass er damit milde die dezente Verschwiegenheit kritisiert haben dürfte, mit der die Versteigerung zu Gunsten der SteuerzahlerInnen tatsächlich nur schwach merklich und sehr verhüllend angekündigt gewesen war!

Jedenfalls gehört jetzt die Liegenschaft wieder den beglückten SteuerzahlerInnen, denen die misslungene Privatisierung rein gar nichts gekostete haben soll (O-Ton: „Nullsummenspiel“) und Gottseidank nicht irgendjemand Privaten, der gern um einen Bettel für das Schnäppchen wie gewohnt „dabei gewesen“ wäre – und da bin ich wahrlich und leibhaftig enorm erleichtert.
 

Dennoch empfahl ich dem Bezirksparlament selbstverständlich auch für Zukünftiges das sprichwörtliche wache Adlerauge, was die weiteren Schritte der Stadt Wien nun betreffen, von denen ich rein gar nichts wisse!

Gleich erregte man sich allgemein kopfschüttelnd über meine große Unwissenheit! Frau Bezirksvorsteherin Andrea KALCHBRENNER versicherte sinngemäß, man sei für Penzing „auf gutem Weg“ zu öffentlicher Nutzung und SPÖ-Kollege Walfried ERTL empfahl mir mit sonorem Zwischenruf gar vorwurfsvoll, ich solle Zeitung lesen!“ (Ich nehme natürlich an, die Empfehlung betraf die „Onkel-Hans-Zeitung“, die irgendwie doch schon als Zentralorgan für Penzinger Bezirksentwicklung zu unerklärten Ehren gekommen sein dürfte!)


Andernfalls rechne ich natürlich vielmehr doch schon noch damit, dass die SPÖ zu dem Bezirksentwicklungs-Fall demnächst entweder durch Frau Bezirksvorsteherin Andrea KALCHBRENNER oder durch die SPÖ-Vorsitzende des Penzinger Bezirksentwicklungsausschusses, Frau BR Emine SCHÖBINGER, von den Plänen der Stadt Wien mit der Penzinger Liegenschaft den gewählten Penzinger MandatarInnen berichtet (dazu nächste Sitzung jedenfalls im Mai). Sonst müsste bloß noch die Öffentlichkeit auch zur Lektüre der „Onkel-Hans-Zeitung“ zwangsverpflichtet werden !


Andernfalls aber, liebe PenzingerInnen, werden Sie nur bis knapp vor dem Oktober-Wahl-Termin zu warten haben: Vor Wahlen wird ja stets ordentlich und in vielen Zeitungen verlautbart, wem sie wofür bei der richtigen Stimmabgabe zumindest die nächsten fünf Jahre lang auch mit wenig Grund dankbar sein dürfen, weiß

Wolfgang Krisch, 18.4.2010,
der über die Kleinigkeit weiterhin berichten darf.
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