Allseits große Reserviertheit vor angeblich anonymer Umfrage im Gemeindebau !

Breitnerhof: Stadtrat Ludwigs Fragebögen
Angeblich „anonyme" Umfrage im Gemeindebau enthält nach Fachmeinung kein Alzerl Anonymität!


Meine vornehme Zurückhaltung in Berichterstattung über den Hugo-Breitner-Hof und die sonstige kommunale Wohnhausverwaltung – ich wurde da die letzten Wochen mehrfach dezent gerügt – hatte natürlich keineswegs mit der Lösung aller ungezählten Problemlagen zu tun, mit denen sich MieterInnen allerorten mit zunehmenden Einsichten zunehmend empört herum schlagen dürfen! Vielmehr lag das natürlich am so genannten „Wahlkampf“ hierzulande, dem ich mich weit gehend verschließen muss! Erstens, weil er tatsächliche Arbeit verunmöglicht, und zweitens, weil ich ihn für ziemlich wunderliches Brauchtum halte.

Bevor der gestaute Arbeitsanfall aber zu deprimierend wird, hiermit ein rasches Wort zu einer so genannten "anonymen" Befragung der MieterInnen in Wiener Gemeindewohnungen, die zur Zeit aufwändig angelaufen ist. Nach mehrfachen  Protesten von MieterInnen gegen darin hoch auffällige Strichcodes, die an das Gegenteil von Anonymität denken ließen, wurde nun auch unzweifelhafte Fachmeinung eingeholt.  SPÖ-Wohnbaustadt Dr. Michael LUDWIG hatte nämlich ursprünglich die Anonymität strikt beteuert, später aber relativieren müssen, den Strichcodes wäre nichts Wichtiges entnehmbar.


Wenn BürgerInnen dieser Tage sodann und als eindeutige Ergebnis einer Fachexpertise hören bzw. lesen müssen, dass der Strichcode, der auch bei Übermalung durch den Ausfüller lesbar bleibt, alle wichtigen Mieterdaten enthält“, bleibt eigentlich nur Fassungslosigkeit. Und zwar allein schon darüber, für wie dumm man offenbar Gemeindebau-MieterInnen im SPÖ-Ressort (und der nachgeordneten verpolitisierten Verwaltung) halten muss, wenn man glaubt, dass unter ein paar zig-tausend Menschen eine derart plumpe Täuschung niemand auffallen würde.

Ebensolche Fassungslosigkeit ist allerdings nach einer zweiten, hoch nötigen Überlegung über die Ursache der breitest angelegten BürgerInnentäuschung unvermeidlich! Denn wenn Anonymität ganz bewusst nur vorgetäuscht wurde, stellt sich die Frage nach der Motivation dafür!


Von der Opposition eingesetzten demokratischen Mitteln gegen ungezählte Missstände im Gemeindebau – ich denke hier einmal ganz konkret an solche im Breitnerhof – könnte man ja unmöglich entgegenhalten, dass nur der Herr Wichtigmacher, der Herr Obergscheitl und der übliche Herr Idipfelreiter von den Stiegen 2, 15 und 31 die blöde Ansicht des Bezirks- oder Gemeinderates teilen, sodass sich dieser daher gefälligst über die bestens verwalteten Häuser hauen möge! (Zu den meisten meiner Anfragen der letzten Jahre, welche Missstände im Breitnerhof betrafen, war übrigens gerne in der Beantwortung die ausdrückliche Anmerkung getan, man wüsste von keinen Beschwerden der BürgerInnen, - ein Wissen also, auf das offenbar nur aus politischer Verwertbarkeit großen Wert gelegt wird! Beschwerden, von denen man schon weiß, veranlassen nämlich häufig nicht wirklich tatsächliche Erledigungen echter Probleme!)


Jedenfalls ist ja natürlich auch ganz und gänzlich undenkbar, dass zu politisch schmerzlicher Kritik auf Grundlage von Beschwerden der hier einmal so genannten MieterInnen Wichtigmacher, Obergescheitl und Idipfelreiter die drei Herrschaften irgendwelche Schwierigkeiten kriegen könnten, - sowas kann es in Österreich ja sowieso gar nicht geben, wir neigen zu sowas ja nicht wirklich, schon einmal historisch nicht!



Aus meiner Sicht aber eindeutige Absicht der Umfrage: Da und dort sollen tatsächlich unglaublich kompetente MieterbeirätInnen um teures Steuergeld madig gemacht werden, um sodann deren Wiederwahl als MieterbeirätInnen zu verhindern. Dann bliebe nur zu hoffen, dass danach doch nicht schon die allerbesten HC-STRACHE-Fans, sondern wieder -  wie in den guten alten Zeiten - brave SPÖ-Parteisoldat/innen zu MieterbeirätInnen gewählt werden, die alles herrlich und bestens fänden, was die SPÖ im Gemeindebau zu schaffen oder nicht zu schaffen halt jeweils grade beliebt!


Ansonsten nämlich wäre die ganzundgarnichtanonyme Harmlos-Umfrage nur von dem braven politischen Bemühen beseelt, besonders kundenfreundlich herauszufinden, welchem Mieter/welcher MieterIn da und dort der Maßschuh von Wiener Wohnen ein wenig drücken könnte, was nach Eintrag des Problemchens in eine große  Datenbank gleich danach zu vollstem Rundumdieuhr-Einsatz führen würde, bis alle berechtigten Beschwerden unermüdlich, kompetent und kostenbewusst behoben wären! (Diese Denkvariante ist aber ausdrücklich primär nur all jenen empfohlen, die sich auch ganzjährig wieder fester was vom Christkind wünschen möchten!)


Mir wurde jedenfalls zugetragen, dass MieterInnen mit dem richtigen Hinweis auf groben Missbrauch des Datenschutzes die Umfrageunterlagen - teilweise sogar mit höflichen Briefen versehen -  unausgefüllt an Stadtrat Dr. Michael LUDWIG retourniert  haben, was mich begeistert. Courage ist ja sonst eher vom Aussterben bedroht.

Ich rechne aber freudig damit, dass Stadtrat LUDWIG demnächst eine höchste Auszeichnung für die Förderung und Qualitätssicherung des Datenschutzes im Lande Wien sowie ein goldenes Gütesiegel der anonymen Meinungsforschung glänzend erhalten wird bzw. dass die BürgerInnen hinkünftig bis auf Weiteres ohne anonyme Balkencodes auf Knie, Baucherl oder Kinn ihr Wohnrecht und die Waschküchen und Müllräume nutzen dürfen, - kein Grund daher zur Aufregung!

Wolfgang Krisch, 2.10.08

P.S. Wenn neben dem Umfragebasteln noch Arbeitszeit bleiben sollte, hoffen MieterInnen im Breitnerhof übrigens, die langfristig überfällige Endabrechnung der Sockelsanierung auch nach vielen Jahren irgendwann glückhaft  erleben zu dürfen!

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