
Areal der ehemaligen
Remise Breitensee: Fügen sich die geplanten Bauhöhen eines
Siegerprojektes zur Nachnutzung der Breitenseer Remise in
die Umgebung ein oder nicht ?
Karree Breitensee: Völlig unterschiedliche Sichtweisen
über laufende Planungen
Bürgerinitiative beklagt zu hohe Bauhöhen, zu nebulose
Verkehrsuntersuchung, noch unklaren Nutzen für die
Öffentlichkeit - und kaum beeinflussbare Planungen!
Schwere und zum Großteil durchaus nachvollziehbare Kritik an den Vorbereitungen für das Projekt „Karree Breitensee“ äußert der Sprecher der Bürgerinitiative „Aktion Lebenswertes Breitensee (ALB)“, Franz PELDA, in einer aktuellen Aussendung.
Zwar ist die
Bürgerinitiative in den laufenden Architektenwettbewerb
eingebunden, in dem 5 Architektenbüros Entwürfe für eine
Nachnutzung des riesigen Areals erarbeiten bzw. erarbeitet
haben , - tatsächlich berücksichtigt findet sie sich aber
keineswegs ausreichend.
Kern der Vorwürfe, wie zu
erwarten war: Die geplanten Bauhöhen, die für die Umgebung
„ jenseits von humaner
Bauweise“ lägen! Tatsächlich liegt für
das Areal derzeit gar keine passende Flächenwidmung vor!
Eine für das Projekt stimmige muss also demnächst von
Wiens Stadtplanungsabteilung nach den Wünschen der
Bauträger gefällig gezeichnet werden, ehe danach von Wiens
frei gewählten MandatarInnen diese Widmung gefällig
beschlossen werden kann !
Dass BürgerInnen bei derartiger, leider völlig üblichen
Praxis des "Stadtplanens" und Bauens nicht zur
Kenntnis nehmen wollen, dass Wiens Fachabteilungen und die
nachgeordneten MandatarInnen (zumindest mit SPÖ-Mehrheit)
überwiegend auf der Seite jener ProjektwerberInnen stehen,
deren Bauvorhaben halt üblicher Weise auf Gewinnmaximierung
bei Belastung aller Anderen angelegt sind, ist nicht nur
verständlich, sondern natürlich auch hoch legitim! Wenn
Wien für das „Karree Breitensee“ erst nach den
Bauplänen die nötige Flächenwidmung zeichnet, ist eine
öffentliche Debatte über die möglichen Gebäudehöhen
eine ganz logische Folge ! (Ich persönlich halte lediglich
eine Angleichung an die bestehenden benachbarten
Gebäudehöhen für diskutabel!)
Gerade eines der fünf Architektenbüros – so klagt aber
ALB-Sprecher Franz PELDA – habe den Wunsch der
Bürgerinitiative auf nicht so exzessive Bauhöhen „wenigstens teilweise“
berücksichtigt!
Man habe aber, so Pelda, in der „Bezirksvorstehung doch tatsächlich
die Taktik diskutiert, den Flächenwidmungsplan mit der
Rathausmehrheit so auszugestalten, dass dann kein § 69
anwendet werden muss. Damit wäre der schwarze Peter „Gebäudehöhe“
beim Rathaus….“ (
§ 69 der Wiener Bauordnung erlaubt über Beschluss der
Bauausschüsse der Bezirksvertretungen „geringfügige
Abweichungen“ von den Bebauungsbestimmungen, - aus meiner
Sicht bei Neubauvorhaben vielfach gänzlich unverfroren und
ohne jede Berechtigung!)
Weitere Kritikpunkte der Bürgerinitiative nehmen zudem
Anstoß an einem wenig schlüssigen Verkehrsgutachten für
das Projekt bzw. an dem „kritikwürdigen
Verkehrskonzept“, was mich wenig wundert
Ich habe in bald 20 Jahren politischer Tätigkeit noch nie
ein Gutachten gesehen, das ein Bauprojekt in Wien aus
verkehrstechnischen Gründen tatsächlich behindert hätte,
- die daraus folgenden Verkehrsprobleme kommen stets erst
hinterher in vorgeblich anderem Zusammenhang auf die
Öffentlichkeit zu!
Und zweitens: Es werde für den ganzen riesigen
Baublock (neben der Volksgarage) „ausschließlich einen Supermarkt und
sonst keinerlei Gewerbe geben, welches dem Grätzel Impulse
geben könnte.“
„Musikschule,
Volkshochschule und Ärztezentrum“
gelten zwar durchwegs als geplant, - von nötigen
Finanzierungen bzw. auch nur Zusagen der Stadt Wien in diese
Richtung ist aber nach wie vor nichts bekannt, - bislang
nicht einmal eine halbwegs verbindliche
Absichtserklärung. Zur im Bezirk fehlenden
Musikschule und geeigneten Räumen für die Volkshochschule
– bislang seit Jahrzehnten an angeblich mangelnden
Flächen gescheitert - ist ausschließlich die Stadt Wien
(Ressort von VizeBM Grete LASKA) zuständig !
Anlass für die harsche Aussendung der Bürgerinitiative war
übrigens die Aufforderung an Herrn Pelda in einer Sitzung
des Architektenwettbewerbs nach einer Kurzpräsentation der
Projekte darüber sofort abstimmen zu sollen – ohne sich
mit den Mitgliedern der Bürgerinitiative beraten zu
können!
Diese selbstverständliche Forderung nach Beratung -
traurig, wenn sie überhaupt gestellt werden musste -
soll gar „niedergestimmt“
worden sein, was mich nicht wundern würde. „Bürgerbeteiligung“
in dieser und ähnlicher Form ist mittlerweile nach meinem
Dafürhalten in all den jüngsten Fällen zu glatten Farcen
verkommen, - mangels jedweder Chancengleichheit werden die
BürgerInnen zwar formal eingebunden, letztlich aber ganz
verlässlich routiniert über den Tisch gezogen! Dass sich
die Bürgerinitiative bei der Abstimmung lediglich der
Stimme enthalten hat, ist als Reaktion darauf äußerst
dezent und nobel!
Ziemlich düster jedenfalls das Resümee der Bürgerinitiative: Dies sei „ Austricksen der Bürgerforderungen“. Sollte es beim Stand der Dinge bleiben, werde man „alle Rechtsmittel ausschöpfen“!
Gänzlich anders lesen sich
dagegen Medienberichte , die von den Projektwerbern lanciert
wurden: Frau Herta WESSELY zu Folge, Gründerin der Aktion
21, sollen die laufenden Planungen ein "Vorzeigeprojekt
der Aktion 21 werden", - Ideen der
Bürgerinitiative seien "teilweise"
in die Pläne eingeflossen, "Wohnungen,
eine Bezirksstelle der Gebietskrankenkasse, eine Volkshoch-
und Musikschule sowie ein Ärztezentrum werden dort
gebaut", so Frau Wessely (DER STANDARD,
21.2.08)
Noch optimistischer schreibt Erich VORRATH in der Kronen
Zeitung am 20.2. : "Kein
Hochhaus für Breitensee" und "Siegerprojekt (Neumann
+ Partner / g.o.y.a group of young architects, Anmerk.
Krisch) für Nutzung des
ehemaligen Remisenareals fügt sich in das Grätzl ein"...
Breitensee wird - wie auch immer - bestens sehen können!
Wolfgang Krisch, 20.2.2008
P.S. Mein hiesiger Bericht hat
umgehend zu einer Richtigstellung
durch Frau Herta WESSELY geführt: Sie habe dem
STANDARD gesagt, die Beteiligung der Bürgerinitiative "hätte
ein Vorzeigeprojekt werden können", sie sei
falsch zitiert worden! Ich danke für diese Richtigstellung
- und darf daher meine Ansicht, Bürgerbeteiligung verkomme
in dieser Form zur Farce, natürlich gleich noch einmal
unterstreichen...
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