
Kinder- und Jugendparlament Penzing: Große
Begeisterung bei Kindern und Eltern
Rundum
gelungene Veranstaltung im Amtshaus am 24.3.2010
Wer,
wie ich, Kinder bei jedweder Begeisterung freudig versammelt beobachten und zuhören
darf, nimmt davon stets Trostvolles und gute Hoffnung mit von dannen!
Zuletzt war dazu – sehe ich von einigen jüngsten Unterrichtsstunden in meinem
Brotberuf ab – am 24.März im Amtshaus allerbeste Gelegenheit. Kinder aus
allen Penzinger Volksschulen saßen bestdiszipliniert und
–organisiert zu einer Sitzung des Penzinger Kinder- und Jugendparlaments
beisammen, und rundherum zuhauf stolze Eltern und Verwandte. (Eine so große Zuhörerschar
gab es seit mindestens zwanzig Jahren noch bei keiner Sitzung der
Bezirksvertretung!)
Spiritus
rector der Veranstaltung ist nach wie vor niemand sonst als Bezirksvorsteherin
Andrea Kalchbrenner, - und wohltuend ist auch seit Jahren ihres herzlichen und
persönlich fundiertes Engagement, - herzerwärmend im Vergleich zu jenem ihrer
AmtsvorgängerIn und einem noch ferneren Vorgänger. Im Penzinger Kinder und
Jugendparlament muss sich tatsächlich kein Kind mehr mit der Begrüßung die
strikte Grundregel anhören, man soll vor dem Reden „das Hirn einschalten“.
Mit großer Empathie und ebensolcher Lesefertigkeit bringen daher
auch die Kinder ihre jeweils erarbeiteten Wünsche aus ihren Klassen und
Schulen ohne Scheu vor der großen Öffentlichkeit zur Verlesung bzw. Erklärung
– und ein Lehrerherz, wie das meine, ist dabei rundum zufrieden!
Die (jeweils 4 zulässigen, auf Formularen verschriftlichten) Wünsche der
Kinder drehten sich diesmal primär um das kindgerecht Erwartbare: Bitte um mehr
und schönere Spielgeräte in Parks und Schulhöfen – und Frau
Bezirksvorsteherin tut, wie ich weiß, dazu ihr Bestes, selbst wenn sich Kinder
diesmal das Klettergerüst jetzt auf rot umlackiert dringend vorstellen, eine
akkurat benannte „14 Meter lange Rutschen“ oder
einen „Spielstandsanzeiger“ für das Kicken im Schulhof erhoffen. (Die geäußerte
Vermutung, dass ein elektronisches Score-Board deshalb nötig sei, weil
irgendein Pädagoge/eine Pädagogin im Schulgarten den Spielstand nicht mitzuzählen
wünsche, halte ich zwar für unwahrscheinlich, aber auch das mag sein, sei’s
drum. (Fachlehrer Wolfgang Krisch von der Hauptschule II Kinkplatz 21 würde
jedenfalls – ein elektronisches Score-Board muss natürlich aus Finanzgründen
utopisch bleiben – im Amtshilfeweg verlässlich den spielstandsirritierten
Kindergruppen in kaum 30 Minuten erklären, wie man sich so eine Tafel im
Unterricht basteln kann, sofern sich jeweils ein Nichtkicker/eine Nichtkickerin
bereit fände, die „Elektronik“ durch händisches Drehen eines Kartons zu übernehmen.
Das ist sehr romantisch und war bis zu Zeiten Hansi Krankls auf der Pfarrwiese
ganz ähnlich so als feierliches Ritual gehandhabt!)
Vereinzelte Klagen der Kinder drehten sich auch um ausstehende Reparaturen von
Bauschäden in Schulklassen, - und dass diese von SchulleiterInnen (wie ebenso
vermutet wurde), nicht an den Magistrat zu rascher Behebung weiter gemeldet
werden, scheint mit aus eigener 34jähriger Diensterfahrung ganz wenig
anzunehmen. Aber zum Glück müssen sich 6-10jährige wirklich noch nicht selbst
in ihrem „Parlament“ um z.B. eine abgestürzte Deckenverschalung ernsthaft kümmern.
Das tun schon die Großen, ihr Lieben!
Was sie leider durchaus ganz übel tun, die Großen – und da sind jetzt nicht
SchulleiterInnen und überbeschäftigte Magistratsdienststellen gemeint –
beschwerte offensichtlich die SchülervertreterInnen in erstaunlichem Ausmaß.
Aus allen Schulen hallte der Wunsch nach (so wörtlich) „Hundkotsackerlautomaten“,
in einem Fall kannte ein kindlicher Oberchecker sogar wörtlich die „Waist
watcher“ der SPÖ-Umweltstadträtin, die an einem Ort das gute Watchen ihrer
Truppe auf gut gelenkten Kinderwunsch verstärken soll. (Bitte aber unbedingt
– ein anderer tatsächlicher Kinderwunsch – genau jene
Uli-Sima-Stecktafel von irgendwo zu entfernen, die vor Geldstrafe warnt, wenn
man sein Haustier unerlaubt Kot absetzen lässt. Es steht auf einem
Spielplatz einfach im Weg, - und das wurde ganz prächtig und gänzlich
ausreichend so erklärt. Vom kindlichen Generalwunsch flächendeckender „Hundesackerlautomaten“
(in Deutschland heißt das Ding noch schlimmer: Nämlich „Hundekottütenspender“)
war selbst ich baff !
Weniger baff war ich zum mehrfachen Wunsch aus mehreren Schulen, man möge in
diesem und jenem Park endlich ein „Mobilklo“ aufstellen (Gewünscht waren
ausschließlich „Mobilklos“, - die Kinder wissen offenbar alle schon, dass
andere noch teurer sind) !
Warum die Stadt Wien seit circa. hundert Jahren und zwei Tagen nicht selbst
auf diese spielplatzgemäße Königsidee gekommen ist, weiß ich zwar
nicht. Dafür weiß ich als in der Tätigkeit sehr ergrauter Bezirksrat aber,
dass selbst Mobilklos mühesamst vom Bezirk finanziert werden müssen. Und da
geht sich, wenn wir gut haushalten, vielleicht einmal schon eines im Jahr aus, -
bis zur Piesel-Vollversorgung müssen sich die Kinder ihre Physiologie halt
zeitlich einteilen im Park! (Bitte dazu mit mir aber nicht zu diskutieren, - das
kann die allein zuständige Umweltstadträtin kompetent erklären, sie ist
auch Mutter spielender Kinder!)
Zuletzt
blieb mir natürlich aber ein unauflösbares Rätsel völlig unerklärt: Kein
Kind aus allen Schulen des Bezirkes hatte die geringste Anregung, die sich an
die Wiener Linien richtete.
Das wird wohl nur damit zusammen hängen, dass alle Kinder entweder mit dem Auto
von Paps&Mama zur Schule gefahren&heimgekarrt werden, sofern sie nicht
fußläufig ihrer Schulwege gehen. Oder aber doch damit, dass alle Kinder mit pünktlichen
und komfortablen Bims &Bussen in ausreichenden Frequenzen zufrieden sind,
stets winterbetreute Haltestellenbereiche finden und nie und niemand von den
Wiener Linien „um Prüfung“ irgendeines Mangels ersucht wissen wollen, wie das sonst
in bestem BeamtInnendeutsch in Richtung anderer Dienststellen formuliert war.
Ich
nehme also mit Freude zur Kenntnis, dass alle Kinder mit den Verkehrsunternehmungen
der Stadt Wien zufrieden sind. Andernfalls müsste ich nämlich glauben, dass die
Schulkinder irgendwie (und zwar in den „Workshops“, die das Kinder- und
Jugendparlament regelmäßig vorbereiten) genau das irrig gelernt haben, was die
Stadt Wien ihren großen und erwachsenen BezirksrätInnen ebenso glauben machen
will: Die Wiener Linien sind demnach ja eine quasi private Firma, und an
die dürfe man aus Verwaltungsrechtsgründen überhaupt keine öffentlichen
Begehren heran tragen.( Ich hab mir`s für meinen Bezirksratsgebrauch einfach so
gemerkt: Die
Wiener Linien müssen für irgendwelche globalen Shareholder in den USA und
sonst wo Kohle bringen – und nicht in Wien da irgendwelche Ausgaben
verplempern, die den Reibach mindern!)
Wolfgang
Krisch
P.S.
Für Kinder&Jugendliche höherer Schulstufen ist das Kinder- und
Jugendparlament in gut geplanter Veränderung begriffen. Erfreulicher Weise
artikulieren sich aus diesen Altersklassen manche Kinder ohnehin auch schon ganz eigenständig
und erstaunlich vif: So wurden in einer Penzinger Hauptschule von einem Elfjährigen
fast 150 - 200 Unterschriften gesammelt, weil der selten erscheinende Bus 47A
untragbar überfüllt ist. (Unterschrieben haben dabei selbst pensionierte
Busfahrgäste, - der Knabe dürfte politisches Talent haben und wird bald von der SPÖ
entdeckt werden!) Und in derselben Hauptschule hat sich ein 13jähriger persönlich
an den ihm aus der Zeitung bekannten Bezirksrat Krisch gewandt, wie man
verhindern könne, dass es in seiner Klasse seit Monaten(!) von der Decke auf
seine manchmal schön geschriebene Hausübung oder sonst wohin auf den Fußboden
tropft. Gleich ließ ihn mein Tipp höflich beim Schulleiter vorsprechen, der
den Wassereintritt ohnehin seit Tropfens-Anbeginn längst der zuständigen
Stelle gemeldet hatte. Die Reparatur ist
neuerlich verlässlich avisiert, und zwar für die Zeit „über
die Osterferien“. (Mein heißer Tipp hier an den Magistrat: Der Geschirrspüler in
der Schulküche über der Klasse!), der Bursch war für heute zufrieden, - ich drücke ihm und seiner
ganzen Klasse über die sehr kurzen Osterferien fest die Daumen! Toi, toi, toi!
So funktioniert eben die gewünschte Partizipation mündiger Jugendlicher
Schritt für Schritt allerbestens wieder einmal leichthin!
P.P.S.
Nach allerjüngster Richtigstellung aus der Schule ist mir der vermutete
Scoreboard-Wunsch richtig so erklärt: Die jungen SchulhofkickerInnen wollen
nichts weiter als eine Elektronik, die beweist, dass ein Ball in vollem Umfang
die Torlinie überquert hat! Davon träumen Fußballfans global, - das gibt es
halt nur noch nicht und wird somit von eine/r/m ErfinderIn aus Penzing
(vermutlich) entwickelt werden. Bis dahin habe ich empfohlen: Einfach fester
draufhauen, bis das Runde zweifelsfrei im Eckigen zappelt!
Wolfgang
Krisch,30.3.2010
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