
Völlig überraschend hat SPÖ-Sportstadträtin
Grete LASKA gestern in einer Aussendung eine Entscheidung der Stadt Wien zur
Nutzung des riesigen frei werdenden Areals auf dem Geländer der General Körner-Kaserne
in Breitensee bekannt gemacht.
Wie bei einer Sitzung des Penzinger Bauauschusses erst am 11. des Monats
erstmals informiert geworden war (ich
hatte berichtet), verkauft das Österreichische Bundesheer einen Gutteil des
ausgedehnten Kasernenareals (zwischen Kendlerstraße-Hütteldorfer-Straße,
Leyserstraße und Spallartgasse), - worauf ich umgehend und noch in der Sitzung
selbst die Nutzung des Areals für zusätzlichen Schulraum verlangt
hatte!
Tatsächlich hat Wien nun genau
diese Absichten bekannt gemacht, - denen also grundsätzlich völlig zuzustimmen
ist! Im Wesentlichen ist geplant, eine Schule für den Mittelstufenbereich
(10-14jährige) in Form einer „Neuen Mittelschule“ und eine AHS-Oberstufe
zu errichten, - und zwar mit sportlichen Schwerpunkt und für die
Nachwuchsarbeit des SK RAPID-Wien („RAPID-Akademie), die bisher in
Zusammenarbeit mit der AHS-Maroltingergasse eingerichtet ist.
Dass die Wiener GRÜNEN den Schulversuch „Neue Mittelschule“ bislang als
Etikettenschwindel ablehnen und weiterhin echte Reformschritte für die
Einrichtung der Gesamtschule verlangen, ist dabei belanglos, - es geht vorweg um
zusätzlichen Schulraum, der in Penzing seit Jahren fehlt und in Breitensee nun
geschaffen werden soll.
Zusätzlich ist aber zu den noch nicht im Detail bekannten Plänen dringend
Zweierlei zu fordern: Erstens die Errichtung auch
einer zusätzlichen Volksschule auf dem Areal, die in Penzing weit eher
fehlt als ein Gebäude für eine Neue Mittelschule! Eine neue Volksschule würde
das Areal tatsächlich zu einem Schulcampus äußerst sinnvoll komplettieren,
- Schulraum in Volksschulen Penzings fehlt überall enorm bzw. ist
teilweise von kläglichem Substandard! Es steht jedenfalls zu hoffen, dass die
Bedürfnisse der Penzinger VolksschülerInnen nicht hinter jenen für die
Nachwuchsarbeit des SK RAPID zurück stehen müssen! (Zu erinnern ist übrigens
bei der Gelegenheit einmal mehr, dass in Wien trotz Kritik aller Seiten seit
Jahren keinerlei valide langfristigen Schulraumplanungen der SPÖ-Stadtregierung
bekannt sind und offensichtlich auch überhaupt nicht bestehen!
Zweitens ist allerdings auch dringend zu fordern, dass Sportanlagen auf dem
Areal auch der Öffentlichkeit zugänglich
sein sollen! In Penzing fehlen überall seit jeher Freiflächen für Sport und
Spiel massiv,- sollten die Planungen für das Kasernenareal darauf keine Rücksicht
nehmen, wäre dies ein Skandal!
Niemand würde verstehen, sollten in Zeiten wie diesen erhebliche öffentliche
Mittel für exklusive Vereinsarbeit eines Profisportvereins im geschlossenen
Bereich des SK RAPID ausgegeben werden, während für Breitensport und
öffentliche Infrastruktur niemals Geld vorhanden ist! Für RAPID sind - nach
Angaben der Stadt Wien - in den letzten 30 Jahren rund 55 (fünfundfünfzig)
Millionen € aus Steuermitteln ausgegeben worden – und auch für FK
Austria-Wien hat die Stadt dieser Tage ebenfalls 8 Millionen € für
Nachwuchsarbeit vorgesehen. (Von versteckten Subventionen ist dabei noch gar
nicht die Rede! So ist bis heute die s.g. "Fanzone-West" von Wien
nicht abgerechnet, die Verwendung von Steuermitteln in der Höhe von 8,7
Millionen gänzlich ungeklärt!)
Schwere Kritik ist aber abseits der
richtigen Entscheidung an den mehr als seltsamen
Planungsvorgängen der Stadt Wien zu äußern! Obwohl Stadträtin
Grete Laska nunmehr von „Vorbereitungen
seit geraumer Zeit auf Hochtouren“ spricht und die Einbindung von RAPID
Wien wie der AHS Maroltingergasse tatsächlich langfristige Planungsvorgänge
beweisen, hat Wien nicht nur die Bezirksvertretung Penzing über die Vorgänge
nicht informiert, sondern noch vor wenigen Tagen bewusst desinformiert, - oder
eher glatt missbraucht. So ist nämlich der Antrag Wiens an den Penzinger
Bauausschuss noch am 11.Feber zu verstehen, für das Areal eine Bausperre zu verfügen! Genannter Grund (laut
Senatsrat Bernhard MACKERLE): Man wolle dort unerwünschten Entwicklungen
vorbeugen, es könnten bis zu 600 Wohneinheiten entstehen, die Verkehrssituation
sei ebenso diffizil wie der Baumschutz auf dem Areal und unterirdische
Einrichtungen (Tunnel der Vorortelinie, Fernwärmeleitungen)!
Wenn nun das Areal – nach längst vorliegenden Plänen – ohnehin von der
Stadt Wien gekauft und genutzt wird, halte ich erstens diese Art der Nicht- und
Desinformation durch die Wiener Planungsabteilungen für einen Skandal, der die
übliche Missachtung des Bezirksparlaments durch die SPÖ-Regierung einmal mehr
anschaulich demonstriert! ( Wäre allerdings Bezirksvorsteherin Andrea
KALCHBRENNER von den Planungen informiert gewesen, müsste der Vorwurf
auch sie treffen! ) Immerhin sind Wünsche Penzings zur öffentlichen Nutzung
genau dieses Grundstückes selbst in den gültigen Leitlinien der
Bezirksentwicklung genannt, - in Penzing ist ein ganzer Ausschuss für
Bezirksentwicklung gewählt und eingerichtet, den die Stadt Wien niemals und
nirgendwo von wesentlichen Planungen informiert!
Und ob der Antrag auf eine nun kaum erklärbare Bausperre an den
Penzinger Bauausschuss unter somit gänzlich falschem Vorwand im Lichte dieser
Erkenntnisse nicht einen Missbrauch darstellt, wird zu prüfen sein und ein
Nachspiel haben! Sollte darüber hinaus die verhängte Bausperre der Stadt Wien
den Sinn haben, nur zu einem günstigeren Ankauf der Liegenschaft zu verhelfen,
würde ich dies sogar als eindeutig rechtswidrig und glatten Amtsmissbrauch
beurteilen!
Es kann aus meiner Sicht jedenfalls nicht durchgehen, dass ein Senatsrat der
Wiener Planungsabteilung für einen abverlangten Beschluss eine
Bezirksvertretung einerseits blöd sterben lässt und andererseits statt fix und
fertige Pläne darzulegen einem ganzen Bauausschuss Märchen erzählt! Ich hatte
Herrn Senatsrat in der Sitzung sogar ausdrücklich auf die nun vorgesehene
Nutzungsmöglichkeit hingewiesen!
Wolfgang Krisch, 25.2.09
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