ÖBB - Lärmhorror an der Vorortelinie: Frau Umweltstadträtin erklärt Schalltechnisches
... und demnächst vielleicht sogar, wann BürgerInnen wieder nachts ungestört schlafen dürfen


Wie hier mehrfach berichtet, können BürgerInnen entlang der Vorortelinie seit geraumer Zeit keine Nacht mehr ungestört schlafen.

Einfacher Grund: Die ÖBB donnern, sobald die S45 Betriebsschluss macht, auf der Vorortelinie mit Güterzügen durchs Wohngebiet, die Bahntrasse verläuft zum Teil in Hochlage (!) wenige Meter neben den Schlafzimmerfenstern! An Nachtruhe wäre nur zu denken, wäre der Mensch dafür geschaffen, mit gut dosierten Minutenschlaf zwischen den markdurchdringenden Lärmereignissen des veralteten Waggonmaterials auf ebensolchen Schienen auskommen zu können.

Bisherige Stellungnahmen der ÖBB in sinngemäßer Zusammenfassung: Es werde halt viel Bahn gebaut im Großraum Wien, und weil  böse Gegner des Lainzer Tunnels dessen Errichtung verzögert hätten, müsse das Unternehmen eben die Betroffenen „um Verständnis“ ersuchen. (Richtig ist natürlich eher, dass die ÖBB und das Verkehrsministerium zu den Bahnneubauvorhaben haarsträubende Plan- bzw. Koordinierungsfehler verursacht haben!)

Bisherige Stellungnahmen des Landes Wien, das seine BürgerInnen eigentlich– zumindest rechtstheoretisch - vor Gesundheitsgefährdung durch Lärm schützen sollte, sinngemäß zusammengefasst: Die Vorortelinie stehe unter Denkmalschutz (was sogar stimmt), Lärmschutzmaßnahmen seien sehr schwierig.


Bisherige Erfolge gegen den Lärmhorror ganz punktgenau und im Detail: Nicht die Geringsten und zwar seit Jahr und Tag!


Nach einem allerjüngsten Hilferuf eines längst völlig zermürbten und verzweifelten Bürgers habe ich daher um Auskunft gebeten, ob angekündigte Lärmmessungen zur objektiven Erfassung der nächtlichen Lärmhölle durch die MA 22 schon stattgefunden hätten. (Die MA 22 ist die Wiener Fachabteilung für Umweltschutz im Geschäftsbereich der SPÖ-Umweltstadträtin Maga. Uli SIMA, also jene Stadträtin, die nicht nur dem Fluglärm, sondern auch dem Bahnlärm irgendwie ressortzuständig zu beachten hat bzw. hätte.)

Die Lärmmessungen – so hatte es nämlich geheißen – wären durch irgendein Missverständnis ausgeblieben, man regte neuerlich an, und schon erreichte eine neue Bürgerbotschaft die Penzinger Bezirkspolitik: Es werde jetzt endlich tatsächlich Lärm gemessen! Und endlich habe man seit wenigen Tagen plötzlich schlafen können, - die quietschenden und schleifenden Güterzüge seien seit Tagen offenbar irgendwo anders beim Stören der Nachtruhe unterwegs, es sei unglaublich, wie schön ruhig schon ein paar Nächte an der Vorortelinie geschlafen werden konnten!

Allerdings wollte man – natürlich nicht ganz abwegig – wissen, ob diese Gnade an Erholung und Atempause drohender Erkrankungsprozesse, nur deshalb gewährt wurde, damit die endlich laufenden Lärmmessungen ein hübsches Ergebnis erbringen. Denn danach hätte zu weiteren Klagen natürlich an übliches Querulanten-Gesudere hysterischer Stadtneurotiker verwiesen werden können statt an Zumutungen eines ständig überforderten Verkehrsunternehmens!

Ich reichte die Frage also via Bezirkspolitik weiter und erhielt gleich folgende Antwort von Frau SPÖ-Umweltstadträtin Maga Ulli SIMA, welche ich hier im Volltext anbieten darf. Das Lesen lohnt sich, der Inhalt ist fasslich:



Zu der in der Sitzung vom 10.September 2008 eingebrachten Anfrage betreffend Lärmmessungen an der Vorortelinie kann ich…Folgendes mitteilen:

Zur Zeit werden im Rahmen der Bestandsstreckensanierung unter anderem auch entlang der Vorortelinie schalltechnische Untersuchungen durchgeführt. Diese Untersuchungen erfolgen durch ein technisches Büro im Auftrag der Österreichischen Bundesbahnen. Bei diesen schalltechnischen Untersuchungen werden die zu erwartenden Schallimmissionen an Hand eines Geländemodells errechnet. Da für die Planung der Schallschutzmaßnahmen die zukünftigen Zugsfrequenzen herangezogen werden, spielt die derzeitige Belastung keine Rolle. Die Immissionen werde auch deshalb errechnet, weil für die Planung der Schallschutzmaßnahmen die Schallimmissionen für jedes Fenster der angrenzenden Gebäude ermittelt werden muss, was wegen der großen Anzahl der Gebäude entlang der Bahnstrecken in Wien mit Messungen nicht möglich ist.

Durch die verschiedenen Projekte an den Bahnstrecken im Bereich in und um Wien (Hauptbahnhof Wien, Güterterminal Freudenau, Tullner Schleife, Ausbau der Pottendorfer Linie, Lainzer Tunnel…) ist mit Änderungen der Zugsfrequenzen an fast allen Bahnstrecken in Wien zu rechnen, sodass eine Messung der derzeitigen Situation auch nicht mehr den zukünftigen Gegebenheiten entsprechen würde.

Begleitend zu diesen Berechnungen werden auch sogenannte Kalibriermessungen durchgeführt. Dabei werden die Ergebnisse der Berechnung mit denen der Messungen verglichen. Da dabei die entsprechenden Zugszahlen und Zugsarten miteinender (sic) verglichen werden, ist die absolute Anzahl der Fahrerhebungen unerheblich.
Wie bereits oben ausgeführt würde ein absichtliches Sperren der Strecke für Güterzüge während einer Messung für die Österreichischen Bundesbahnen keinen Vorteil erbringen, da bei der Planung des Lärmschutzes auf die geplanten Fahrbewegungen zurückgegriffen wird.

Mit freundlichen Grüßen
Ulli Sima


Die BürgerInnen freuen sich jetzt sicher sehr über die (sachlich richtige) Nachhilfe bzw. Auffrischung zu Grundlagen der Schalltechnik und des Unerheblichen, und werden in schlaflosen Nächten das Gelernte sicher mit Stolz auf das eh Gewusste innig schätzen.

Ich schätze dagegen – ja bin fast gewiss - dass ich Frau Stadtrat nun erweitert was Unerhebliches fragen muss. Irgendein/e kompetente PolitikerIn in Wien wird ja nicht nur zu Flug-, Bahn- und sonstigem Lärmhorror vor dem St. Nimmerleinstag etwas Erwartbares einfallen. Vielleicht gibt es auch zur Wiener Umweltpolitik schon die zuständigen Kalibriermessungen, damit sich die Betroffenen irgendwo zumindest noch in der Nacht mehr als 15 bis 30 Minuten vom gebotenen Alltagswahnsinn am Stück durchschlafend erholen dürfen?
(Frau Umweltstadträtin könnte übrigens zur ungewissen ÖBB-Verkehrsabwicklung vielleicht sogar den Noch-Verkehrsminister fragen, der soll noch Werner Faymann heißen und könnte eventuell wissen, was die ÖBB bei ihrer ehemaligen einzigen Aufgabe, dem Verkehrsabwickeln, BürgerInnen heutzutage jeweils tagsüber vermissen lässt bzw. nächtlich zumutet, während dem Unternehmen nur mehr Immobilienspekulation und Einkaufszentrumerrichten ein erkennbares Anliegen ist! )

Wie auch immer: Es ist höchste Eisenbahn, will man vermeiden, dass nach der nächsten Wiener Landtagswahl wieder irgendein SPÖ-Grande wieder etwas Schalltechnisches ganz präzis darstellen muss: Nämlich eine schallende Watschen der BürgerInnen für eine Politik, die sich nicht mehr um die berechtigten Beschwerden der Leute kümmert bzw. Gesetze nicht mehr wie verlangt vollzieht!

Wolfgang Krisch,10.10.2008
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