Generalmotto der ÖBB-Kundschaft: Überall und ewig auf Verbesserungen warten - aber Substandard weiter ertragen  müssen! 
Mitte: Bahnsteig nach "mitteleuropäischen Standard" (O-Ton ÖBB) am Bahnhof Penzing" (in Gesamtbreite), 
Rechts: Mittlerweile primäres ÖBB-Geschäftsinteresse (Bhf.Hütteldorf) - Gewerbe aller Art!




Oh, mein Gott ! ÖBB!
 

Aktuelle ÖBB-Bilanz aus Penzinger Sicht rund um „mitteleuropäischen Standard“, „überbetriebliche Gründe“ und
innerbetriebliche Irrläufer!

 

Mein Gott, na“, hat heute ÖBB-Aufsichtsratsvorsitzender Horst Pöchhacker im Ö1-Mittagsjournal zu Kritik an seiner Person im Zusammenhang mit den illegalen ÖBB-Bespitzelungen von MitarbeiterInnen des seltsam geführten Verkehrsunternehmens unüberbietbar gelassen Stellung genommen. 1)


Der normalen ÖBB-Kundschaft fehlt diese exzessive Gelassenheit, sie formuliert aber dennoch ganz ähnlich, z.B. eher:  Oh, mein Gott, die ÖBB!!!“, wenn sie die vielfach indiskutablen oder trotz Bezahlung ausgebliebenen Leistungen des Betriebes in Anspruch zu nehmen gezwungen ist oder mit sonstigen Zumutungen konfrontiert wird!

Aus gegebenen Anlässen hier also nur das jüngste Haarsträubende zur ÖBB aus Penzinger Sicht in schlanker Rundumschau!



 Westbahnhof -Zentralbahnhof

Zu beiden Großbauvorhaben mit enormen Auswirkungen für den 14.Bezirk und alle Reisenden, die im Fernverkehr nach Westen auf das Auto verzichten sollen (wollen), zeichnen sich trübste Dinge ab: Die geplante Bauzeit für den neuen Westbahnhof wird aus heutiger Sicht keineswegs eingehalten werden können  - warum weiß natürlich nur der liebe Gott und die unsägliche ÖBB.

Der neue Zentralbahnhof wird zwar schon selbst über Inserate auf Wiener Steuerkosten als Meilenstein für Stadtentwicklung vorab beworben, weil rund um die neue Bahninfrastruktur die Baubranche mit Wohnungsneubauten und Einkaufszentren beglückt wird. (Über Wunderlichkeiten zu unterbliebenen Ausschreibungen und formidable Planungsverrücktheiten soll hier gar nicht die Rede sein!) Weil aber in Folge der Neubauten von Wohnungen und Einkaufszentren für den Komfort der eigentlichen Bahnkundschaft selbst weniger Platz bleibt, ist der Raum für künftige Fahrgäste im geplanten Bahnhof bereits vorab von Fachleuten im Bahnhofsbereich und selbst auf den Rolltreppen als zu gering dimensioniert erkannt und kritisiert worden!  (Ich nehme natürlich an, dass dafür in den Einkaufszentren des Bahnhofs mehr Platz für das Geschäftstreiben bleiben wird!)

 

F    Fernverkehr zum/vom Westbahnhof


Wie ich ich schon vor längerer Zeit berichtet habe, wird der Fernverkehr auf der Westbahn ab Inbetriebnahme des neuen Zentralbahnhofes an Penzing gänzlich vorbei führen! Wer beispielsweise nach Salzburg will oder von dort nach Wien kommt, muss zuvor bzw. danach durch halb Wien zum Zentralbahnhof fahren bzw. von dort nach Hause aufbrechen! Der Westbahnhof wird tatsächlich ein bloßer Regionalbahnhof (!) mit ganz viel an Einkaufszentren d‘rumherum! Das Errichten von Einkaufszentren scheint überhaupt das Zentralgeschäft des Verkehrsunternehmens geworden zu sein, - denn mit Zügen die Kundschaft zu transportieren, ist eher lästig, - die verlangt Pünktlichkeit und bringt weniger Ertrag als ein paar Einkaufszentren!

Hoch ertragreich wird allerdings der Westbahnhof für ein Unternehmen im Umfeld des Industriellen Hans-Peter Haselsteiner sein, dem ab 2011 ein Privatbetrieb (!) auf der Strecke Wien Westbahnhof-Salzburg vertraglich gesichert ist. Und für die gute ÖBB ist sich allen Ernstes leider, leider keine Konkurrenzklausel im Vertragswerk ausgegangen!  Beste Einnahmen werden daher von den ÖBB zum Privaten abfließen, - Herr Haselsteiner wird den ÖBB, so ist gelegentlich formuliert worden, „um die Ohren fahren“! Und weil SteuerzahlerInnen ja notfalls auch entgangene Einnahmen gern, fleißig und regelmäßig zahlen, gibt es natürlich kein Problem damit!

    Finanzsituation - Gesamtausfall durch Zocken von 613 Millionen € möglich!


Die ÖBB muss – soviel hat man sich von externen Beratern errechnen lassen, denn eigene dürfte es im Vorstand nicht geben – allein im heurigen Jahr (!) mehr als 200 Millionen € einsparen, es gibt ein neues „Sanierungskonzept“. Fachleute warnen mittlerweile überhaupt von drohender Zahlungsunfähigkeit (sic!) der ÖBB!

Das kam natürlich nur deshalb so, weil die gute ÖBB unter ihrem letzten General aberwitzige Millionen an Steuergeldern im Ausland generös aber schlichtweg verzockt hat, und zwar ebenso intelligent wie die großen Wirtschaftskapitäne anderer Konzerne weltweit zum Erreichen der globalen Wirtschaftskrise!  Der Gesamtausfall könnte im Extremfall rd. 613 Millionen Euro unterm Strich ausmachen! 

Die ÖBB hatten immerhin mittlerweile die Chuzpe, in einem Gerichtsverfahren gegen die Deutsche Bank sinngemäß ernsthaft darzustellen, die Risken dieser Harakiri-Spekulationen (mit s.g. "Swap-Deals") nicht verstanden zu haben und die Geschäfte nachträglich annullieren zu wollen, weil es sich um unlautere "Wetten" gehandelt hätte! (Das ging in 1.Instanz fulminant in die Hose, - die Gerichtskosten zahlen die ÖBB, also irgendwann einmal die SteuerzahlerInnen.) 


Sollte der Millionenverlust nicht so schlimm ausfallen wie maximal möglich, werden dafür aber für den letzten Generaldirektor Mag. Martin HUBER auch noch fette Boni fällig. Und das deshalb, weil Herr Ex-Generaldirektor die ÖBB auf Auszahlung jener Millionen erfolgreich geklagt hatte, die man ihm (unter SPÖ-Verkehrsminister Werner FAYMANN und Aufsichtsratsvorsitzenden Horst Pöchhacker) als „Konsulent“ auch ohne jede Arbeit vertraglich deshalb zugesichert hat, weil seine Entlassung natürlich nur aus politischen Gründen und zur Beruhigung für die Öffentlichkeit hatte erfolgen müssen. (ÖVP-Finanzminister Wilhelm Molterer hat vergleichsweise noch höhere Spekulationen mit Steuergeld  zu verantworten und gilt dennoch bis dato als ÖVP-Favorit für das Amt eines EU-Kommissars!)  


Konsequenzen am Beispiel Penzing


Simple Rechnung unter Strich daher: Die ÖBB ist ziemlich blank, wird noch blanker werden und ist zu keinerlei (der ohnehin lang ausstehenden) Investitionen fähig, die sich die Kundschaft - z.B. in Penzing - seit ewig und drei Tagen erwartet.



Somit sind weiterhin keinerlei Lärmschutzmaßnahmen für die Wohnbevölkerung an der Verbindungsbahn absehbar, obwohl dort die ÖBB auf der Strecke mit dem lärmendsten, veralteten rollenden Material im Güterverkehr die Nacht zum Tag macht - zum Teil in Höhenlage nur wenige Meter an Schlafzimmerfenstern vorbei! (O-Ton der ÖBB als Antwort auf meine jüngste Anfrage dazu: Wir bedauern, dass es aus überbetrieblichen Gründen oft nicht möglich ist, die gewünschte Abhilfe zusagen zu können!“)



Wünschenswerte Verdichtungen im S-Bahnverkehr werden – soviel darf ich als sicher in persönlicher Einschätzung vorhersagen – natürlich überhaupt nicht zu finanzieren sein, es sei denn die Stadt Wien und niederösterreichische Gemeinden zahlen sich das notwendige Angebot selbst. (Diese Möglichkeit ist für die ÖBB mittlerweile grundsätzlich der einzige Lösungsansatz zu bedarfsgerechtem Angebot!)




Und ganz ausdrücklich wird ferner auch nicht einmal die normale Benützbarkeit, geschweige denn die Behindertengerechtigkeit am S-Bahnhof Penzing
möglich werden, wie mir die ÖBB auf eine Anfrage meinerseits in der Bezirksvertretung nach monatelanger Wartezeit mitteilen ließen. Zur Frage, wann der legendäre Bahnsteig 2  - ein schmales Betonband zwischen zwei Gleissträngen auf das man aus den Waggons in Fahrrichtung Wien eher abspringen als aussteigen muss (beim Einsteigen muss mit Klimmzug geklettert werden )– nach den langjährigen Ankündigungen eines Umbaus nun tatsächlich erneuert wird, ging Frau Bezirksvorsteherin Andrea KALCHBRENNER ein Mail zu, in dem es heißt: 

Einleitend ist festzuhalten, dass unsere Bahnhöfe und Haltestellen mitteleuropäischen Standard aufweisen und betriebssicher sind....“, der Bahnsteig sei „zwar etwas beschwerlicher aber keineswegs gefährlich“ aber es sei ein „umfassender Umbau des Bfs. Penzing im laufenden Rahmenplan derzeit nicht enthalten“

Die monatelange Wartezeit auf das Mail begründete die ÖBB-Mail-Schreibkraft immerhin sprachschön und aufschlussreich mit diversen Irrläufern“, die offenbar dem Gesamtbetrieb überhaupt treffend charakterisieren dürften. (Was man am Bahnhof Penzing aber gern finanzieren wird, ist beispielsweise die  Installation einer Videoüberwachung“ zur Beobachtung von Sprayern! (Tadellos, wenn Betriebe die richtigen Prioritäten kennen - und hoffentlich filmt man damit wenigstens auch, wie die Leute am Bahnsteig 2 aus den Waggons springen dürfen oder lustig in diese hinaufklettern!)



Jedweder Kommentar zur ÖBB erübrigt sich völlig, - ich werde aber die Stadt Wien immerhin zu einem solchen einladen. 

Denn tatsächlich zahlen WienerInnen und Wiener über Jahreskarten im VOR  (Verkehrsverbund Ost-Region) keineswegs zu wenig auch für Leistungen auf der S 50 bei Benützung der Bahnhöfe bzw. Haltestellen Penzing, Hütteldorf, Hadersdorf & Weidlingau.  
Und wenn die ÖBB nicht willens sind, dafür auch erwartbare Leistungen zu gewährleisten (verlässlicher pünktlicher Betrieb und tatsächlich mitteleuropäischen Standard der Bahnhöfe und Haltestellen), wären Kürzungen der Mitfinanzierung im VOR anzuregen, wie das letztens Niederösterreichs ÖVP-Landeshauptmann Erwin PRÖLL sehr erfolgreich getan hat! Zu einer ÖBB-Einsparung im niederösterreichischen S-Bahn-Betrieb bei der letzten Fahrplanänderung hat er die Kürzung von niederösterreichischen Mitteln angedroht, - gleich ließ die ÖBB die Einsparung sein.  


Landeshauptmann Häupl könnte sich ja beim nächsten Glaserl Wein – der niederösterreichische Weinherbst steht eh bestens an - mit seinem Freund und Amtskollegen von diesem erklären lassen, wie man mit den ÖBB im Erfolgssinn verhandelt, und vielleicht nimmt er dazu seinen Verkehrsstadtrat auch mit, hofft

Wolfgang Krisch, 19.9.09  

1)
Die aktuelle Bespitzelungsaffäre der ÖBB-Mitarbeiter hatte Herr Pöchhacker übrigens die Stirn der Öffentlichkeit so zu erklären: Angeblich habe ein Teil der Belegschaft vorweg im Jahreskalender erst die „Kur“ und dann ein paar „Krankenstände eingetragen“, und wenn ein Kollege einen Krankenstand z.B. im Mai geplant habe, hätte sich ein anderen halt einen anderen Termin für seinen Krankenstand vorgenommen.
Diese Argumentation ist natürlich deshalb eine Zumutung, weil sie – wenn sie stimmte - nur das Versagen von Vorgesetzen dieser „schwarzen Schafe“ belegt. Wenn derartige Praktiken – die offenbar selbst dem Aufsichtsratsvorsitzenden also bekannt waren – nur zu systematischen ungesetzlichen Bespitzelungen und Pressionen aller ArbeitnehmerInnen geführt haben, ist selbstverständlich der gesamte ÖBB-Vorstand ablöseüberreif. Und der Betriebsrat natürlich ebenso, sofern er dem tatsächlich seit Jahren zugesehen hat!

zurück