Bilder des aktuellen Projektes sind leider von GESIBA nicht freigegeben worden: Hier nur eine Luftbild-Montage des KAV zu den aktuell betroffenen Flächen im OWS!



Bebauung Otto-Wagner-Spital


Das nun endlich vorgestellte GESIBA-VAMED-Projekt bestätigt alle Befürchtungen von enormen Infrastrukturproblemen für Penzing!

 

Nach den zuletzt hier berichteten Protesten aus Kreisen der Wohnbevölkerung  rund um das Otto-Wagner-Spital – langfristig ausstehende Information zu den Bebauungs- und Privatisierungsplänen der Stadt Wien wurde kritisiert – gelang nun doch immerhin ein Mindestmaß an erster Präsentation des Projektes in Penzings Bezirksparlament!

In einer Sitzung des Bauausschusses am 6.4. 11 standen somit endlich Vertreter des Bauwerbers GESIBA, der Firma VAMED und des KAV für detailliertere Ausführungen zur Verfügung!
Dazu eine Bemerkung vorweg: Der Entschluss der Wiener SPÖ, das Otto-Wagner-Spital, das durch die (richtige!) Wiener Spitalsreform für eine Nachnutzung frei wird, in vielfach gehabter Manier zu privatisieren, ist Realität. Wer dies - wie ich – nicht richtig findet, wird es dennoch als Faktum und demokratischen Beschluss einer SPÖ-Alleinregierung zur Kenntnis nehmen müssen! Folglich stehen derzeit allein die noch beeinflussbaren Konsequenzen zur Debatte und bieten zweifellos reichlich Handlungsspielraum, - uns zwar in erster Linie für die Stadt Wien, insbesondere was die restlichen Flächen des Otto Wagner Spitals betrifft!

GESIBA und VAMED werden vorerst also zur „Umnutzung des Gebietes“ (aus dem Protokoll des Penzinger Bauausschusses) eine Bebauung bzw. Adaptierung des Areals bzw. bestehender Anlagen „für die Funktion des Wohnen und Einrichtungen der sozialen Infrastruktur“ realisieren, - zudem wird „ein Teil der Grundfläche an die Fernwärme Wien abgetreten“. Das Plangebiet liegt im Osten des Otto-Wagner-Spitals, also rechts der Mittelachse im Bereich der derzeitigen Pathologie.
Konkret bedeutet dies die Errichtung von 275 GESIBA Wohneinheiten  in einer 1.Bebauungsphase ab „Mitte 2012“! Hinzu kommen in einer 2.Bauphase weitere 220 Wohneinheiten,  in nördlicherer Lage. In einer 3.Bauphase („Baubeginn nach Verfügbarkeit“ ist vermerkt) sollen mit der „Revitalisierung der denkmalgeschützter Pavillons in Absprache mit dem Bundesdenkmalamt ca. 100 weitere Wohneinheiten entstehen“, - in Summe somit zumindest 595, also rund 600 Wohneinheiten, zu je einem Drittel freifinanzierte Eigentumswohnungen, geförderte Eigentumswohnungen sowie geförderte Mietwohnungen. Als Bauzeit für Projekte dieser Größe sind derzeit höchstens 2 Jahre anzunehmen!

Hinzu kommen als „Nutzungsergänzungen“ medizinaffine Einrichtungen: So ein orthopädisches Rehab-Zentrum, das an Stelle von ursprünglich 160 geplanten Wohnungen nunmehr projektiert ist! Es soll 4 Stationen mit gesamt 152 Betten ebenso Platz bieten, wie einem „Therapiebereich“ einem „Ärztezentrum“, sowie einem „Wellness- und Spa-Bereich“! Von der Hochpreisigkeit des Gesamtangebotes und der pekuniären Exklusivität des Angebots für eine durchaus betuchte Klientel gehe ich persönlich aus, - Kosten für die vorgesehenen NutzerInnen wurden jedoch mit keinem Wort erwähnt!

Jedenfalls ist das Projekt bereits baubehördlich eingereicht, detaillierte Planunterlagen in einer Projektmappe sowie ein Bebauungsmodell wurden dem Bauausschuss präsentiert. Hoch unklar ist dazu allerdings, warum GESIBA das Fotomaterial aus der Präsentation für Medienarbeit nicht verwenden lässt. Ich hatte ausdrücklich gefragt, ob ich als Mandatar des Bezirks das Material zur transparenten Information der Bevölkerung gebrauchen dürfe – dies wurde untersagt!  Ich muss daher empfehlen, für allfällige Unklarheiten an GESIBA – Generaldirektor Ewald KIRSCHNER selbst heran zu treten!

 

Positives  – ich bin natürlich vorweg stets optimistischen Sichtweisen begeisterungsbereit durchaus zugänglich – ließ sich für mich in der Präsentation an den Planungen Folgendes erkennen:

Ad Erhaltung des historischen Baubestandes

Zum Einen soll, und das wurde ausdrücklich versichert, der enorm bedeutsame historische Baubestand des Otto-Wagner-Spitals in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt unangetastet bleiben! Dies betrifft sogar die signifikante Einfriedung des Areals. Abgetragen bzw. baulich mehr oder minder stark verändert sollen nur Baulichkeiten werden, die mit Otto Wagners historischem Schaffen nichts zu tun haben, aus späteren Zeiten stammen und ohnehin mehrfach überformt und rezent verändert wurden. (Betroffen sollen damit beispielsweise die Apotheke, Garagen, Lager etc. des ostseitigen Spitalsareals sein!) Wörtlich wurde daher ein bloßer „Austausch von Materie“ dargestellt, - man habe auch bewusst versucht städtebauliche Verschmelzung von „Alt“ und „Neu“ zu erreichen!

Ad Bauhöhen, Erhalt des Grünraumes und Architektur der neuen Baukörper

Die Bauhöhe der  neuen Baukörper soll sich an der Bauhöhe der benachbarten historischen Baumassen orientieren, - es sind höchsten viergeschoßige Gebäude vorgesehen! (Das ist für Wiener Baupraxis keineswegs selbstverständlich, denkt man beispielsweise an das lang bekämpfte, verrückt hohe Hochhaus auf dem ehemaligen Komet-Areal in Meidling oder an geplante Ortsbildkatastrophen am Ort der ehemaligen Markthalle auf der Landstraße im 3.Bezirk.)

Erfreulich waren mir ferner die überzeugenden Ausführungen von Architekt Dipl. Ing. Albert WIMMER. Er legte seiner Planungsarbeit – ausgehend vom Bestand und der Geländetopographie  – den wertvollen Grün- und Baumbestand zu Grunde, den er als wertvolles Asset sieht.  Die zahlreichen gesunden Föhren auf dem Areal würden zudem hohe Stämme und Kronen haben, welche die beizubehaltenden Sichtachsen des Areals ohnehin nicht beeinträchtigen würden! Zudem werde der öffentliche Zugang zu dem neuen Areal und die Durchwegigkeit erhalten bleiben – die sonst durchaus gängigen „gated communities“ stehen daher nicht zu befürchten – es werde nicht einmal zusätzliche Einfriedungen geben, auch der Zugang zu den Steinhofgründen bleibe erhalten! (Dass die Architektur selbst, von der ich hier kein Bildmaterial zeigen darf, qualitativ hochwertig sein sollte, nehme ich an, - vertrete allerdings grundsätzlich die Ansicht, dass sich gute Architektur stets erst in ihrer Nutzungspraxis nachweisen lässt und prächtige Modelle, Planzeichnungen und sonstige mediale Präsentationen kaum Handhabe zu einer seriösen Bewertung von Architektur bieten!)



Hoch problematisch – und dies begründet heftige Kritik meinerseits – scheinen allerdings die Konsequenzen des Umnutzungsprojektes für die Infrastruktur des Gebietes! Betroffen sind weite Bereiche Oberbaumgartens aber auch der angrenzenden Bezirksteile Penzings und Ottakrings sowie weiter Grünbereiche an der Schnittstelle zum Wienerwald!


Ad Nahversorgung


Denn nach Auskunft von GESIBA-Generaldirektor Ewald KIRSCHNER ist bislang nichts Konkretes zur Nahversorgung (für ca. 600 Wohneinheiten im Endausbau) gedacht.
GESIBA vermeint, man werde in den neuen Einrichtungen („Cafe“ o.Dgl.) wohl „Brot, Semmel, Milch und Butter“ bekommen, die Größenordnung des Projektes schreie aber nicht nach größeren Einrichtungen des Lebensmittelhandels! (Protokollvermerk: Eine Nahversorgung ist derzeit nicht geplant, kann aber bei Bedarf eventuell in den weiteren Bauphasen berücksichtigt werden. „
Das ist natürlich gänzlich irrig angenommen und nur darauf ausgerichtet, Folgekosten des Projektes an die Allgemeinheit abzuschieben! In Penzing bestünden nämlich in der näheren Umgebung keinerlei Einkaufsmöglichkeiten, - die nächsten lägen an der Hütteldorfer Straße oder in Hütteldorf. Auf der Ottakringer Seite müsste die GESIBA-Kundschaft zumindest bis an die Thaliastraße anreisen!
Sollte GESIBA dazu „eventuell“ nicht zu realistischen Betrachtungen finden und die Konsequenzen daraus ziehen, erschiene mir gänzlich abwegig, würde die Wiener Stadtplanung dazu untätig bleiben!

Ad öffentlicher Verkehr


Ebenso dubios wurden Möglichkeiten angedeutet, ein öffentliches Verkehrsmittel an das neue Wohngebiet heran zu führen! Bestehende Buslinien (allein der 48A in Penzing, - noch schlechter getaktete Busanbindung von Ottakring her!) sind völlig ungenügend und würden im Bestand bedeuten, dass eine Versorgung mit öffentlichem Verkehr allenfalls pro forma darzustellen ist! Dies wurde auch erkannt, weshalb die Bauwerber für ihre Präsentation im Büro der GRÜNEN Vizebürgermeisterin Maria VASSILAKOU sowie auch in Penzings Bauausschuss eine „Busschleife“ zum „Pförtnerhaus“ als Idee präsentierten! Wie wenig konkret allerdings diese Überlegungen bislang sein müssen, ließ sich aus der Formulierung erkennen, die „Busschleife“
könne dann „von woher auch immer“ verwendet werden! Nach meiner langjährigen Erfahrung mit Wiens Stadtverwaltung bin ich daher überzeugt, dass zu einer brauchbaren und ausreichenden Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel bisher keinerlei konkreten Pläne bzw. Finanzierungsabsichten bestehen! Damit würde das gesamte Projekt ausschließlich auf motorisierten Individualverkehr ausgerichtet und angelegt sein, - und zwar im Nahbereich des Wiener Waldes! (Der vorgesehenen Garagenverpflichtung  für sämtliche Einrictungen wird natürlich über Tiefgaragenplätze 1:1 nachgekommen, - fehlender Parkraum in der Umgebung wird dennoch rasch schlagend werden, weil die Klientel in derart hochpreisigen exklusiven Wohngegenden selbstverständlich nicht auf ein Fahrzeug pro Familie beschränkt ist!)

Ad fehlende Infrastruktur Kindertagesheim, Schulen

Haarsträuben verursachten mir ferner die GESIBA-Ausführungen zu weiteren Infrastrukkturmängeln, die trotz Jahre langer Planung an dem Projekt evident sind! Ein vorgesehenes Kindertagesheim mit vier Gruppen will GESIBA „auf unser Risiko“ (Dir. Kirschner) einrichten, man werde sehen, ob es benötigt werde! Ich erinnerte an die bestehende allgemeine gesetzliche Verpflichtung zum Besuch eines Kindergartens und äußerte Unverständnis, wieso für ca. 600 Wohneinheiten ganz vier Gruppen eines Kindertagesheimes ausreichend sein sollen!
Noch schlimmer allerdings – und hier wich das Haarsträuben schon eher blankem Entsetzen meinerseits – belegte Dir. Kirschner absolute Nicht-Planung der Stadt Wien zu nötigem Schulraum (wozu ich demnächst im Detail ausführlich werde).

GESIBA sei, so Generaldirektor Ewald KIRSCHNER,  seit 2 Wochen Schulraumbedarf“ mitgeteilt worden und plane nun an der Möglichkeit einer Ganzztagsschule auf dem Areal! Dazu sei man sehr weit in Planung und wolle die Gelegenheit am Schopf packen, müsse aber noch schauen, ob sich ein Turnsaal ausgehe! (Dies wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, zu dem das Projekt längst baubehördlich eingereicht ist!)

Ich konnte dazu Herrn Generaldirektor verbindlich mitteilen, dass Ideen für eine Wiener Schule ohne Turnsaal gleich vorweg einmal sofort vergessen werden könnten, nachdem die übliche enorme Mangelwirtschaft in Wiener Schulraumfragen immerhin noch nicht so weit gediehen sei, dass sich Turnsäle ersparen ließen! Immerhin war aber in Erfahrung zu bringen, wie GESIBA im Laufe ihrer nun langjährigen Planungen in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien von dem überraschenden Schulraumbedarf Kenntnis erhalten hatte ! Ich wollte nämlich wissen, ob der Wiener SSR oder Wiens zuständiger Stadtrat Oxonitsch dies GESIBA vermitteln konnte! Generaldirektor Kirschner dazu: Man habe am Rande eines Anlasses im Wiener Magistrat einen Mitarbeiter der MA 56“ getroffen, der darauf hingewiesen habe!
Mein Entsetzen über derartige Planungsabläufe für die Kleinigkeit einer gesetzlich vorzusehenden Beschulung für die Wohnbevölkerung von ca. 600 neuen Wohneinheiten im Umfeld einer einzigen bestehenden Schule, die derzeit schon aus allen Nähten platzt (VS Karl-Told-Weg), ließ ich den Penzinger Bauausschuss natürlich umgehend gut wissen. Ob das Wiens Planungs- und Schulbehörden – wie bisher  schon – weiterhin nicht interessiert, wird zu sehen und hier zu lesen sein, verspricht verlässlich

Wolfgang Krisch, 30.4.2011

Aus dem Protokoll der oa. Sitzung des Bauausschusses vom 6.4. zum Tagesordnungspunkt


1) Präsentation Bebauung Otto-Wagner-Spital

 

Die Vertreter der Firma Gesiba, der Firma Vamed und des KAV werden begrüßt.

Generaldirektor Kirschner erläutert grob die Grundlagen für die Umnutzung des Gebietes. Der östliche Teil des Areals ist für die Funktionen des Wohnens und Einrichtungen der sozialen Infrastruktur vorgesehen. Im Norden wird von der Firma Vamed ein orthopädisches Rehab-Zentrum errichtet. Ein Teil der Grundfläche wurde an die Fernwärme Wien abgetreten. Die Realisierung wird in mehreren Stufen erfolgen. Herr Arch. Wimmer erläutert das Projekt im Detail. Die 1. Stufe beinhaltet die Errichtung von 275 Wohneinheiten sowie die Errichtung eines Kindergartens (4 Gruppen) in der ehemaligen Prosektur. Die Wohnungen sind teils freifinanzierte Eigentumswohnungen, geförderte Eigentumswohnungen sowie geförderte Mietwohnungen. Derzeit laufen auch Untersuchungen bezüglich Errichtung einer Schule mit Turnsaal. Garagenplätze werden 1:1 errichtet. Die Erschließung des Projektes erfolgt über zwei bestehende Einfahrten und eine neue Ein- und Ausfahrt an der Reizenpfenninggasse.

In der späteren 2. Baustufe (Baubeginn ca. 2014) werden 220 Wohnungen errichtet und in der 3. Bauphase (Baubeginn nach Verfügbarkeit) erfolgt die Revitalisierung der denkmalgeschützten Pavillons in Absprache mit dem Bundesdenkmalamt mit ca. 100 Wohneinheiten. Die Wiener Linien prüfen derzeit in der Nähe des Rehab-Zentrums eine öffentliche Anbindung mittels Busschleife. Kinderspielplätze werden errichtet. Eine Nahversorgung ist derzeit nicht geplant, kann aber bei Bedarf eventuell in den weiteren Bauphasen berücksichtigt werden. Die Bebauung wird um ca. 25-30 % unterschritten. Wertvoller Baumbestand wird erhalten. Die Durchgängigkeit zu den Steinhofgründen wird beibehalten. Der zeitliche Rahmen für die Baustufe 1 ist wie folgt vorgesehen:

Mitte bis Ende 2011 Übernahme vom KAV, Grundstücksbeirat noch vor dem Sommer, Baubeginn Mitte 2012, Fertigstellung Ende 2014

 Das Wort wird an Herrn Arch. Kopper übergeben der die Details für das orthopädische Rehab-Zentrum erläutert, dass nun anstelle von 160 geplanten Wohnungen mit 4 Stationen (152 Betten) errichtet wird. Weiters sind ein Therapiebereich, ein Ärztezentrum, ein Wellness- und Spabereich, der auch öffentlich zugänglich sein wird, sowie ein kleines Cafe und eine Tiefgarage mit 100 Plätzen, geplant. Die denkmalgeschützte Einfriedungsmauer sowie der Grünstreifen bleiben erhalten. Die behördliche Einreichung ist bereits erfolgt. Die Parkbereiche werden ebenfalls öffentlich zugänglich bleiben. Mitte des Jahres 2011 soll der Baubeginn erfolgen. Die Fertigstellung ist Mitte 2013 geplant.

Die Vertreter der Bauträger beantworten die Fragen der Mitglieder des Bauausschusses. Präsentationsmappen mit allen Details werden für beide Projekte an die Fraktionen übergeben.

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