
Wo man
auf Haltung bauen kann! Aktuelle Bauplane an der Fassade des Psychiatrischen
Krankenhauses der Stadt Wien, dem Otto-Wagner-Spital!
Psychiatrisches Krankenhaus der Stadt Wien: Unfassbares – schon en passant
ersichtlich!
Wo Patienten
einen „Epi schiabn“ oder unbemerkt in Brand geraten konnten, ist aktuell
von „Haltung" zu lesen...
Dass ich persönlich zum Ausmaß des Wiener Psychiatrieskandals ursprünglich an
das Fehlverhalten Einzelner gedacht hatte, muss ich als persönliche Naivität
gestehen.
Mit meiner Kollegin Sigrid PILZ, die als Vertreterin der Wiener GRÜNEN in jeder
Sitzung des seit längerem tagenden Untersuchungsausschusses des Wiener
Gemeinderates völlig unfassbare Fakten aufdeckt, habe ich diesbezüglich kaum
gesprochen.
Es reichen mir mittlerweile allerdings wenige persönliche Eindrücke völlig für
eine eindeutige Gesamtänderung meiner Einschätzung der Vorgänge auf der
Baumgartner Höhe!
Da hatte ich neulich das kurze Missvergnügen, mit einem Mann in einem
Amtsgebäude ins Gespräch zu kommen, der sich als Arzt des OWS zu erkennen gab.
Dem sagte ich smalltalk-artig gänzlich naiv und in der Ansicht, ihm Gutes zum
üblichen Arbeitsleid als erwartbar en passant in Aussicht zu stellen, dass sich
ja nach Abschluss des derzeit laufenden
Untersuchungsausschusses des Wiener
Gemeinderates in dem Spital Einiges werde verbessern lassen, -
zum Beispiel würden die anachronistischen Netzbetten bald der Vergangenheit
angehören, die ja in keinem europäischen Staat mehr als state of art in
psychiatrischen Kliniken auch nur im Entferntesten bekannt seien!
Umgehend reagierte da Herr Doktor allerdings höchst unwirsch, überschüttete mich
mit einer schwer zu folgenden Suada seiner Befindlichkeit und stellte mir dann
die rhetorische Frage, was denn sei, wenn man einen "auslasse" und
der denn draußen „an Epi schiabt!“ Epi-schiabn ist offenbar ein
gängiger interner OWS-Terminus für das Erleiden eines epileptischen Anfalls ,
und weil nach ordinärstem medizinischen Grundwissen heutiger Zeit ein solcher
Anfall nicht absichtlich herbei geführt werden kann, um einen Herrn Doktor
mutwillig übel zu molestieren, zeigt dessen kurzer Sager für mich allein schon
ausreichend, wie da jemand grenzenlos daneben einen Dienst „schiaben“
dürfte, welcher für kranke Menschen schon im allergeringsten Fall als
schwere Zumutung eingeschätzt werden muss ,- die übliche "Burn-Out"-Problematik
mittelalterlicher Herren ohnehin gleich schon als mildernd berücksichtigt!
„Schwere Zumutung“ wäre – schlimmeres Grauen ist ja eigentlich
seit mittelalterlichen Autodafes kaum denkbar – für das Inbrandstecken eines in
einem Netzbett fixierten Patienten ein vollständiger Hilfsausdruck. Jeder
Ausdruck fehlt mir persönlich aber, wenn sich zuletzt - für Zeugen besteht dort
Wahrheitspflicht - im genannten Untersuchungsausschuss Folgendes heraus gestellt
hat:
Dass jemand, an ein Bett fixiert, durch eine/n Mitpatient/in in Brand gesteckt wurde bis ein Drittel des Körpers brannte, ließ sich erstens in dem Spital nicht verhindern. Zweitens sah niemand in dem Spital die Notwendigkeit von dem Vorfall – ein zweiter ähnlicher ist ebenso aktenkundig – die Patientenanwaltschaft zu verständigen, schließlich besteht dazu bei Dergleichen keine Meldepflicht. Und drittens will die damals politisch zuständige SPÖ- Stadträtin nach ihrer Aussage unter Wahrheitspflicht davon letztlich auch nichts erfahren haben. Erfahren wird man aber vielleicht irgendwann einmal in Wien, ob dergleichen Opfer solcher Betreuungssorgfalt doch noch irgendwann einmal eine Entschädigung für ihre derartige „Behandlung“ erhalten könnten, - bisher schien das offenbar gänzlich abwegig!
Dafür ist mir mittlerweile deutlich hohe
Sensibilität zur Frage erkennbar, ob der bisher übliche Gebrauch von
Netzbetten in der Baumgartner Psychiatrie ein Ruhmesblatt der ärztlichen
Versorgungskunst darstellt. Seit Bekanntwerden der Fachmeinung einer
international anerkannten Kapazität, dass derartige Verschließungen von
Patienten im internationalen Vergleich aktuell eher unbekannt seien, konnte ich
schon Hinweise auf entsprechende Reaktion erkennen:
In der auf meinen Antrag hin eingerichteten und zuletzt neu adaptierten und
überarbeiteten Dauerausstellung „Der
Krieg gegen die Minderwertigen – Geschichte der NS-Medizin“ war bis
zuletzt das Foto eines NS-Krankenzimmers zu sehen, in dessen Hintergrund ein
Mensch in einem Netzbett erkennbar war.
In der nun inhaltlich erneuerten Schau fehlt mittlerweile das Foto, das sensible
BetrachterInnen an gewisse (sehr aktuelle) Kontinuitäten historischer Anstalten hätte aufmerksam
machen können. Das nun seit jüngst gezeigt Foto eines Krankenzimmers im NS-Folter-
und Mörderbetrieb in der damaligen Anstalt „Am Spiegelgrund“ lässt
jedenfalls adulte männliche Patienten aus 1938 in sorgsam ordentlichen Betten
und eher entspannter, fast gelöster Haltung erblicken!

Haltung – gemeint ist da aber jetzt wohl
eine solche in ethisch-moralischer Hinsicht - wird übrigens auf der Baumgartner
Höhe auch noch dargestellt, ganz aktuell und bis weit außerhalb des
Spitalsareals deutlich sichtbar!
Auf einer Plane am Direktionsgebäude, die im Zuge der derzeitigen Renovierung
des Bauwerks vor Schmutz und Gefahren durch die Bauarbeiten an der Fassade
schützen soll, steht es sogar ausdrücklich zu lesen: „Auf
unsere Haltung kann man bauen!“ Sagt dort wenigstens die Wiener
Städtische Versicherung, was alle deren VersicherungsnehmerInnen gewiss freuen
kann, meint
Wolfgang Krisch,8.11.08
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