Stau vor der Ampel auf der Brauhausbrücke - einzig vorgeschlagene Zufahrt aus Hütteldorf zur geplanten P & R-Anlage

„Park&Ride Hütteldorf: 50 % der Garagenauslastung durch Neuverkehr !

Riesenparkhaus in Hütteldorf soll ausdrücklich neuen Verkehr anziehen ! Keine tatsächliche Verkehrslösung in einem nun vorgestellten, unschlüssigen Verkehrskonzept der Stadt Wien!


Das im Bezirk mit Spannung erwartete Verkehrskonzept (Rosinak & Partner) für die von der SPÖ geplante P&R-Anlage in Hütteldorf ist am 16.2. der Penzinger Verkehrskommission präsentiert worden - und wird zweifellos auch in der Öffentlichkeit für Furore sorgen!

Das Papier umfasst 1. die „Untersuchung der Verkehrssituation 2004/2005“ , 2. eine „Verkehrsprognose mit Park&Ride Hütteldorf“ und 3. „Vorschläge“, worüber Dipl.Ing. ROSINAK persönlich referierte.

Derzeitige Verkehrssituation
Zur untersuchten derzeitigen Verkehrsituation sind darin als Kernaussage enorme hohe tägliche Verkehrsdichten auf den Zufahrtsstraßen zu der geplanten P&R-Anlage in Hütteldorf ausgewiesen! So sind in der Wientalstraße derzeit 28 300 Fahrzeuge als durchschnittlich tägliche Verkehrsdichte gezählt, in der Hadikgasse 19 800, in der Bergmillergasse allerdings bereits 16 200! Die Belastungen in der Linzer Straße (13 500), Keißlergasse (9 400), Deutschordenstraße (5 000) und Bahnhofstraße (2 700) liegen deutlich darunter, sind aber dennoch als sehr hoch einzuschätzen. Ebenso beachtlich sind die untersuchten Auslastungen der Kreuzungen besonders in der Morgenspitze!

Detailliert wurde auch das gesamte Stellplatzangebot (994) und die bekannt hohe Auslastung der Parkplätze rund um die geplante P&R-Anlage untersucht. (So sollen beispielsweise in der Keißlergasse ab 6.30 früh keine freien Parkplätze mehr zur Verfügung stehen!) Darüber hinaus wurde sogar erhoben, an welchen Wohnadressen die FahrzeughalterInnen gemeldet sind – und von wo sie daher vermutlich ins Zielgebiet gekommen waren (was mir im übrigen aus Überlegungen des Datenschutzes bemerkenswert erscheint!)

Diesen Untersuchungen zu Folge wurden im Zielgebiet von insgesamt 1459 geparkten Fahrzeugen der überwiegende Teil (1151) der Bezirksbevölkerung (von Penzing und Hietzing) zugeordnet, weitere 97 Fahrzeuge anderen WienerInnen! Lediglich 211 (zweihundertelf) Fahrzeuge stammten von einpendelnden LenkerInnen aus dem Umland, was ein sensationelle Erkenntnis ist und aufzeigt, wie unschlüssig die P&R-Planungen sind: Denn der überwiegende Bedarf an Parkraum besteht offenbar nicht für einpendelnde NiederösterreicherInnen sondern für die Bevölkerung von Penzing und Hietzing bzw. für sonstige WienerInnen!

"Park&Ride"-Anlage soll ausdrücklich Neuverkehr anziehen!
Die Prognose der Verkehrserzeugung durch die geplante P&R-Anlage Hütteldorf wird in der Studie mit täglich 2820 Fahrten beziffert, wozu jedoch noch weiterer Neuverkehr auf Grund zweier Großbauvorhaben im Zielgebiet kommen wird: Das geplante Fachmarkzentrum in der Keißlergasse soll täglich 1385 Fahrten verursachen, ein geplantes Bauvorhaben für Büro- und Fachmarktnutzung in der Bergmillergasse 5 weitere 828 Fahrten (somit insgesamt 5033 Fahrten)!

Sensationelles prognostiziert die Studie allerdings zur Frage, wer die geplanten 1265 Stellplätze der P&R-Anlage nutzen soll! Demnach sei abzusehen, dass die Hälfte (!) aller Stellplätze ausdrücklich von Neuverkehr (!) verursacht werden wird, also von LenkerInnen, die bislang Hütteldorf nicht belastet hatten, in Zukunft aber von der P&R-Anlage ganz bewusst angezogen werden sollen! Dipl.Ing. Rosinak wörtlich: „ Park&Ride soll Verkehr anziehen!“ Was bedeuten würde, dass zwar der örtliche Bedarf an Parkraum am größten ist, - genutzt soll der neue Parkraum aber zur Hälfte von Neuverkehr werden!

Zufahrtsrouten - Erhebliche Widersprüche
Auf welchen Zufahrtsrouten die P&R-Kundschaft angezogen werden soll, ist ebenfalls (für die Zufahrten von Nicht-WienerInnen) dargestellt: 85 % aller Fahrten sollen demnach über die Wientalstraße erfolgen, 10 % über die Linzer Straßen, 5 % über die Hüttelbergstraße , - über die Bahnhofstraße und Deutschordenstraße 0 %!
(Dem gegenüber heißt es allerdings im Protokoll der Penzinger Verkehrskommission vom 20.Dezember 2004 wörtlich über die Zufahrt zur P&R-Anlage weit realistischer: „ ... wird mit ca. 2800 Zu- und Abfahrten pro Tag gerechnet, wobei ca. 50 % vom Wiental zufahren werden.“ 50 % würden somit durch Hütteldorf zufahren! Diese Abschätzung stimmt auch mit dem erhobenem Bedarf überein, denn wieso sollten Penzinger und Hietzinger über die A1 und die Wientalstraße nach Hütteldorf unterwegs sein?

Zur Abwicklung des P&R-Verkehrs ist zuletzt vorgeschlagen, was schon bisher bekannt war: Die Zufahrt zur Garage soll zur Gänze über eine neu zu bauende 3.Fahrspur am Hackinger Kai und eine neu zu errichtende, zweispurige Brücke über die Wien erfolgen. Der Verkehr über die Brücke muss bei der Kreuzung mit der Hadikgasse ampelgeregelt werden, - die eigentliche Zufahrt in das Parkhaus soll einspurig (!) erfolgen.

Zufahrt aus dem Norden nur über die Bergmilergasse-Brauhausbrücke?
Neu – und für HütteldorferInnen Atem beraubend  - ist schließlich der neue Vorschlag  der Studie, alle Zufahrten aus dem Norden über die Bergmillergasse, die Brauhausbrücke (!)  und den Hackinger Kai zu lenken und die mögliche Zufahrt über die Keißlergasse und Deutschordenstraße durch unattraktive Ampelschaltung (Deutschordenstraße-Hadikgasse) zu behindern. Damit würde man mit der Bergmillergasse ausgerechnet jenen Straßenzug belasten, dessen überraschend hohe Auslastung eben erhoben wurde, und in der sämtliche Zufahrten der öffentlichen Busse zum Bahnhof Hütteldorf schon jetzt eher schlecht denn recht erfolgen können!

Sonst keinerlei Verkehrsmaßnahmen in Hütteldorf?
Ansonsten sind ausdrücklich keinerlei Veränderungen der Verkehrsorganisationen vorgeschlagen, sieht man davon ab, dass im Zielgebiet eine Reduktion der (zumeist ohnehin illegalen) Parkplätze und lokale Verbesserungen angeregt werden, die auch ohne einer P&R-Anlage sinnvoll und realisierbar wären. Dabei handelt es sich durchwegs um höchst vernünftige Vorschläge aus dem Bürgerbeteiligungsverfahren "Verkehrskonzept Hütteldorf Kerngebiet" (Bevorrangung der Busse, Realisierung der  geplanten Radroute, Verbesserungen der Fußwege, Baumpflanzungen in der Keißlergasse usw.).
 

Ich habe jedenfalls in einer ersten Diskussion mit dem Studienersteller sofort auf folgende Kritikpunkte hingewiesen:

Ergebnis somit: Der Verkehrskommission sollen bis zur nächsten Sitzung im März sämtliche Daten nachgeliefert werden, die diesmal vermisst wurden, danach soll sich die Verkehrskommission zum Inhalt der Vorschläge endgültig äußern können, ehe das Papier Kernpunkt einer von mir beantragten Bürgerversammlung (in der ersten Mai-Woche) werden soll.

Die (in der Prognose überaus seriöse) Studie bestätigt somit schon allein auf Grund der unlösbaren Verkehrsproblematik meine Bedenken gegen das geplante Riesen-Parkhaus! Mit dem vorliegenden Papier ist jedenfalls der Nachweis gelungen, dass die geplante P&R-Anlage schon aus verkehrlichen Gründen keine Lösung darstellen würde!

Wolfgang Krisch, 18.2.05
 


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