"Pro Jahr" (!) 3500 Landungen weniger aber  " zweiter Schwerpunkt ": Flughafenausbau und 3.Piste!  Und die SPÖ hat sich gegen sich selbst durchgesetzt....(Bezirkszeitung 10/2003)

Penzinger Halbjahresbilanz 2003
Geringe Fortschritte nur in der vagen Fluglärm-Problematik  -  aber größere Gerüchte um Penzinger SPÖ-Gemeinderat !

Wenn sich demnächst dieser Tage auch die Bezirkspolitik in den geruhsamen Juli und August verfügt, ist wiederum ein Polit-Halbjahr vorbei und die Zeit für einen Rückblick günstig, was im heurigen Kalenderjahr für Penzing gelungen ist oder hätte gelingen können!

Dabei ist ein Resümee vorweg eindeutig: Geringe Erfolge für Penzing haben sich lediglich in der Fluglärm-Debatte erzielen lassen, worüber ich berichtet habe. Allein die Festlegung eines ab 2004 erweiterten Nachtflugverbotes von 21.00 - 7.00 Uhr - selbstverständlich mit Ausnahmen - kann für Penzing tatsächlich als Erfolg gewertet werden. Die allseits bejubelte Beschränkung der Überflüge über Penzing auf 11,5 % aller jährlichen Landeanfluge, die 2004 auch 3500 Flugbewegungen weniger über Penzings Dächern bedeuten werden, könnte allerdings schon in den Jahren darauf Penzing weit mehr belasten als dies derzeit der Fall ist. Nicht festgelegt wird nämlich die Gesamtzahl aller Landeflüge zum Flughafen, von der aus sich die 11,5 % berechnen werden, obwohl der Flughafen Wien hochfliegende Ausbaupläne verfolgt.

Einigermaßen grotesk waren ferner die Darstellungen von SPÖ und ÖVP, die derzeit erstens der Bevölkerung glauben machen wollen, ihre werten Parteien hätten zum Fluglärm-Problem einen Umwelt-Erfolg errungen und dieser wäre zweitens auch erheblich. Tatsächlich hat GRÜNE Penzinger Politik seit 1992 (!) in der Frage in effizienter Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen der Wiener SPÖ den Ernst klar gemacht ! Die SPÖ hat nur deshalb gerade doch noch erkannt, daß der Lärmterror des Flugverkehrs über der Stadt eine politische Aufgabe darstellt, die sie endlich wahrzunehmen hat. Ausständig ist nun nur mehr die Einsicht, daß besonders in dieser Frage eine Fortsetzung der üblicher Täuschungspolitik gänzlich scheitern wird. Wenn beispielsweise in der Wiener Bezirkszeitung 10/2003 SPÖ - PolitikerInnen doppelseitig " Weniger Fluglärm für Wiener Bevölkerung" titeln lassen, mögen sich LeserInnen ja vielleicht über reichlich viel Fotos von SPÖ-Prominenz im Artikel freuen und falsche Jubeldarstellungen glauben ( Bezirksvorsteherin Andrea Kalchbrenner: "3500 Landungen weniger pro Jahr und keine Landungen in den Nachtstunden.... Wir haben uns durchgesetzt....) Insbesondere herzig ist dabei die Beteuerung, die SPÖ habe sich deshalb durchgesetzt, weil es nun keine Bündelung der Landeanflüge über Penzing geben werde! Genau dies hat niemand sonst gefordert als Wiens SPÖ, die sich damit aber immerhin gegen sich selbst bravourös durchgesetzt hat!
LeserInnen der genannten Bezirkszeitung können aber in derselben Werbeschaltung selbstverständlich auch lesen, worum es im Mediationsverfahren um Wiens Flughafen nun " weiter geht ": Um die "Ausbauvorhaben", die "3.Piste" für einen " leistungsstarken Flughafen ". Am Flughafen Wien können derzeit auf den bestehenden 2 Pisten insgesamt nicht weniger als 360 000 Landungen pro Jahr (!!) abgewickelt werden! Der Flughafen glaubt dennoch, eine 3.Piste sehr rasch zu brauchen, die man wohl nur bauen wird, um deutlich mehr Landungen abzuwickeln ! Wem man für diesen worst-case wird einreden können, daß Penzing  " pro Jahr" (also jedes Jahr!) „3500 Überflüge weniger“ registrieren wird, kann man getrost die SPÖ fragen!

Gefragt haben wir Wiens SPO im heurigen Jahr auch abseits der tosenden Luftgeschäfte des Flughafens bereits jede Menge zu zahlreichen bodenständigen Versäumnissen der Bezirks- und Stadtpolitik ! Die Antworten blieben dürftig, - Erfolge gänzlich aus! Besonders in Umweltfragen (Wienfluß - Renaturierung; Schutz des Wienerwaldes und der Penzinger Parks), in Fragen von Infrastruktur (z.B. zu fehlenden Freiflächen für Jugendliche und Penzings Bädermisere) der Finanzen und Sozialpolitik sind die jüngsten Ärgernisse über die Wiener Stadtpolitik enorm !
Und zur Verkehrspolitik fasziniert weiterhin, wie konsequent diese nach wie vor primär auf das betuliche Umhätscheln des motorisierten Individualverkehrs ausgerichtet ist! Weiterhin stören niemand die vielfach im Bezirk zu gewohnheitsrechtlichen Parkflächen verkommenen Gehsteige und unkenntliche Schutzwege, weiterhin ist das Radfahren im Bezirk, dort wo man es bräuchte, lebensgefährlich und niemand anzuraten! Weiterhin fehlen noch immer sogar die Grobplanungen für die seit gut 10 Jahren (!) ausstehende Neuanlage der Radroute West! Dafür allerdings wird hart an der Zerstörung des Matznerparks für eine s.g. "Volksgarage" geplant !

Und selbstverständlich gelten mit Duldung der Stadt Wien für zahlreiche Wirtschaftstreibende nach wie vor Gesetze scheinbar nur ausnahmsweise und höchst gelegentlich ,- und wenn es denn wirklich nicht mehr anders möglich ist. (Auflagen der Gewerbebehörden werden umso eher ignoriert, umso potenter und renommierter der Betrieb ist, öffentliche Flächen werden umso eher von Wirtschaftstreibenden wie selbstverständlich okkupiert, umso enger deren Nahverhältnis zu SPO und /oder ÖVP funktioniert!)

Insgesamt lassen sich daher auch bei bestem Willen kaum nennenswerte Erfolge aus Penzings Bezirkspolitik berichten, (auch wenn die Penzinger ÖVP mittlerweile mit fast sonst nichts beschäftigt ist, als sich ständig irgendwelcher Erfolge jeweils ohne den geringsten  Grund zu rühmen!)

Berichtet werden kann allerdings zweifellos von einer "Exkursion" der SPÖ - Penzing nach Rom (!), wo das SPÖ -Team (Wiener Bezirkszeitung 10/2003) "zahlreiche interessante Gespräche mit leitenden Stadtpolitikern führen" konnte. Wie intensiv Penzings Bevölkerung von dieser Exkursion profitieren wird (bislang liegt nur ein Erinnerungsfoto in der Bezirkszeitung vor), könnte sich natürlich noch zeigen! Vorweg wurde jedenfalls schon einmal eine beruhigende Erläuterung der römischen Regierungs-Linie geboten (" Die Linksregierung der Stadt Rom beschreitet einen ähnlich Weg wie Wien.... )

Zeigen wird sich ferner auch, was von einem dezent übermittelten Gerücht aus SPÖ-Gemeinderats-Kreisen zu halten ist! Demzufolge soll SPÖ-GR Andreas SCHIEDER nach wie vor hohe Ambitionen auf das Amt von Bezirksvorsteherin Andrea KALCHBRENNER hegen, die dieses erst seit 2 Jahren bekleidet!
GR Schieder war schon nach dem Rücktritt seiner Tante, Bezirksvorsteherin Jutta STEIER, trotz seiner jungen Alters dem Bezirkskaiseramt eindeutig nicht abgeneigt und dürfte diese Geneigtheit für alle Fälle weiterhin pfleglich handhaben! Er scheint dabei in der Penzinger und Wiener SPÖ da und dort eindeutige Unterstützung zu genießen. Zumindest über die Auswirkungen dieser für Penzing brisanten Machtspiele in der SPÖ wird man im Bezirk im kommenden Halbjahr jedenfalls gespannt sein dürfen - und natürlich auch darüber, welche Energien diese Rankünen für effiziente Sachpolitik übrig lassen werden!
Von GR Andreas Schieder sind nämlich leider seit Jahren eindeutig mehr Werbefotos als persönliche Aktivitäten für Penzinger Sachpolitik erinnerlich ! Ob er im Gemeinderat für seinen von der SPÖ traditionell schwer vernachlässigten Bezirk irgendetwas Wesentliches zustande bringt oder ob er nur unspektakulär SPÖ-Funktionen erfüllt, ist persönlich weiterhin völlig unklar,

Wolfgang Krisch, 22.6.2003

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