Never judge a book by it's Cover

Penzings GRÜNE halfen Dirk Stermann bei der Entpiefkenisierung!


Wie auch ich in „6 Österreicher unter den ersten 5“ zu literarischen Ehren kam!

 

Meine Tochter liest Bücher, und einem Vater kann diese üble Erziehungskonsequenz natürlich gleich Mühe machen. Mir persönlich zu den Weihnachtstagen, galt es doch endlich, ihrer ernsten Frage nachzugehen, wie auch ich unter Penzings GRÜNEN als Dödel  zu weltliterarischen Ehren in Dirk Stermanns Long- und Bestseller „6 Österreicher unter den ersten 5 – Roman einer Entpiefkenisierung“ geraten konnte. (Wer Dirk Stermann nicht kennt: Das ist der lange Duisburger neben Christoph Grissemann, ORF-Humor-Titan seit ewig unter Herrn Alexander Wrabetzens Wunderwaffen – lang vor Ausbruch der Dominik Heinzl-Epoche bzw. Sido - Offensive !)

Bei 'nem Käffchen und zwei Plätzchen las ich also nach Gebot der Tochter, wie ich persönlich „zum einzigartigen Reigen an skurrilen Geschichten, wie sie nur in Österreich stattfinden“ ausgerechnet als Mitglied des GRÜNEN Klubs in Penzing reüssiert hatte, um vom „Meister des Absurden“ (Süddeutsche)  einer Beachtung gewürdigt zu werden!

Eins vorweg: Ich find Stermann ja nett, und er schreibt auch pfiffig und überdies gnädig-milde über österreichisches Wapplertum aller Art! Nachdem ich mich alle paar Seiten meist gut abgelacht und fremdgeschämt hatte, war fürs Eigenschämen endlich ab Seite 178ff Anlass geboten.
Stermann führt da nämlich den mir unbekannten Jan ein, „die Blume des Saarlands“ und „Schmuck des wundstarren Blicks“ eines Borg, der Jan am Donaukanal in diesem neuen Strandlokal kellnerieren wusste. Borg „schauderte es“, wenn Jans Name nur genannt wurde und hätte Jan nach Borg getreten, - seine Schuhe hätten sich von Borg „abwenden müssen“! Und just diesem Fulminanten, der seit fünfzehn Jahren in Wien leben soll, in Saarbrücken als Sohn eines Deutschen und einer Französin mit Doppelstaatsbürgerschaft aufgewachsen war und zuletzt einen Wohnsitz in der Penzinger Lautensackgasse genommen haben könnte, den ließ auch ich folgendes Böse in Wien-Penzing widerfahren, wovon Dirk so schreibt:

„Er wählte in Frankreich Grün und in Deutschland Grün, und in Österreich, bei den Bezirkswahlen bekam die grüne Abgeordnete im 14.Bezirk seine Stimme. „Wenn deine Grünen in Österreich in die Regierung kommen, werden die Asylwerber nicht mehr mit dem Flugzeug nach Hause geschickt, sondern mit dem Solarmobil“, ärgerte ich ihn gern.
Jan wollte sich sogar einmal für die Grünen im 14.Bezirk aufstellen lassen, aber er bekam keine einzige Stimme von den anderen Grünen in Hütteldorf.
„Das hätte ich dir vorher sagen können“, sagte eine Parteifreundin zu ihm. „Ein Deutscher! Nein, mein Lieber, das schaffen wir schon selbst.“
„Aber ihr habt jetzt einen Syrer gewählt“. Jan war tatsächlich gekränkt.
„Ja, warum denn nicht. Willst du jetzt rassistisch argumentieren? Selbstverständlich ist Aziz ein großartiger Kandidat fürs Bezirksparlament.
„Aber Aziz kann nicht mal Deutsch!“
„Siehst du. Genau deswegen wählen wir keine Deutschen. Es ist echt zum Speiben. Willst du ihn in ein Lager sperren, weil er kein Deutsch kann?“
Und schon galt Jan als rechter Hardliner innerhalb der Grünen im 14.Bezirk. Aziz stimmte später im Bezirksparlament gegen ein Sozialprojekt für Immigranten, weil er den Antrag nicht verstanden hatte.
Jan wohnt in der Lautensackgasse, in einem windschiefen kleinen Jahrhundertwendehaus, das er selbst renoviert hat, gemeinsam mit einem Ukrainer vom Arbeitsstrich beim OBI-Baumarkt auf der Triester Straße. Regelmäßig standen dort große Männergruppen vor dem Eingang, man sprach einen an und nahm ihn gleich mit in den Baumarkt zum Einkaufen. Jan hatte Aleksey angesprochen, einen blonden Hünen mit kurzem Hals und breitem Kiefer, der schon staubig aussah, bevor die Arbeit überhaupt begonnen hatte.
Aleksey war schweigsam- Jan sprach kein Russisch, also hielt er die Kommunikation auf Sparflamme. Als sie mit den Materialien und Werkzeugen in der Lautensackgasse angekommen waren, öffnete Jan zwei Schwechater Bierflaschen und stieß mit Aleksey an:
„Ich heißen Jan. Name. Du?“
„Ich heiße Aleksey. Ich komme aus Brody, der Heimat von Joseph Roth. Kennen Sie Hiob? Ein unglaublich trauriges Buch“.
„Never judge a book by it’s cover“, dachte Jan.
Aleksey hätte jederzeit für die Grünen in Hütteldorf antreten können und den Bezirksrat anschließend rethorisch aufgemischt.”

Verständlich also, dass ich jetzt in Erklärungsnotstand bei meiner Tochter war, die streng sein kann, wenn sie hört, dass ich noch in meinem Alter Blödsinn treibe. Da ist sie penibel, die Unschuldsvermutung gilt ihr nicht ewig, und die simple Ausflucht, ich wäre eh zu blöd gewesen, Jan auch noch als Wähler zu verprellen, ließe sie mir nie und nimmer durchgehen. (Stermann: …er wählte ja auch trotz des Syrers noch immer Grün in allen drei Ländern, in denen er sie wählen durfte. Jan war treu, was für einen schwulen Kellner um die dreißig ungewöhnlich ist…“.)


Also mailte ich dieser Tage bei strenger Wahrheitswahrung folgende Zeilen:


"Beste Tochter!
Jan aus dem Saarland hieß zwar anders, wurde von mir aber unter seinem richtigen Namen wirklich nicht gewählt. Und zwar nicht deshalb, weil ich in Gefahr geraten wäre, ihn beim Hausrenovieren helfen zu müssen, - auch ich bin Hüne und sehe staubig aus! Nein, ganz und gar nicht, sondern aus dem altmodischen Grund, weil ich – wie auch die sonstigen GRÜNEN Wahlberechtigten, mit Ausnahme von Kollegen D. aus Bochum, Jan niemals leibhaftig gesehen oder auch nur gehört hatte.
Jan eilte zwar bei den so genannten Hearings der GRÜNEN KandidatInnen zur Wahl als Bezirksrat ein fabelhafter Ruf voraus, weil ihn D. tatsächlich als begeisterten GRÜN-Sympathisanten, klugen Kopf und Schwulen in einer geschliffenen Rede von mindestens einer Minute zehn sicherlich ebenso trefflich wie wahrheitsgemäß beschrieben hatte. Stellvertretend notgedrungen!

Warum ihn die anderen GRÜNEN dann nicht gewählt hatten, weiß ich natürlich nicht! Aber ich persönlich möchte, so lange ich noch im Achtelbesitz meiner Restgeisteskräfte bin, selbst polyglotteste SaarländerInnen nur dann zu/r/m Bezirksra/ä/t/in wählen, wenn ich ihnen zumindest im Vorbeigehen schon einmal hätte zuzwinkern können. Wie Du weißt,  reifen im Saarland fantastische rote Kreszenzen, Jan wäre mir also allein schon deshalb willkommen gewesen, ich bin ja keineswegs unwillig, auch wenn ich mich bei Erstellungen von Wahllisten der GRÜNEN noch immer nicht auskennen möchte! Aber stell Dir vor, nächstens empfähle uns jemand einen Waffenhändler oder Drogendealer, der als denkmöglicher GRÜNER Stammwähler in Penzing mit einer Referenz von A. aus Z. zum Bezirksrat gewählt zu werden wünschte!!!! Aber hallo?

Außerdem, meine Tochter, hätte ich natürlich überhaupt einmal primär den zitierten Aleksey gewählt, Ukrainer hin oder her, irgendwie hätte sich das für mich machen lassen. Wer Joseph Roth und Hiob kennt, den aquirierte ich ungeschaut und dingfest für alle möglichen Funktionen bei den GRÜNEN, - selbst wenn er schon vor der Arbeit staubig aussieht. Hauptsache, er weiß, was Arbeit ist und erzählt uns davon! Und bei politischer kann er ja nicht einmal staubig werden, wenn er wie unsereins ständig zum Gemeinwohl vor Ort herumwuselt!

Eigentlich, beste Tochter, überlege ich ja im Moment gerade, nach Aleksey überhaupt suchen zu lassen. Ich vermute ihn längst nicht mehr am Arbeitsstrich bei OBI in der Triesterstraße oder in Jans Gründerzeithaus in der Lautensackgasse! Wahrscheinlich hat ihn Jan längst Herrn Alexander Wrabetz im ORF empfohlen, - und Aleksey berät nun vielleicht Herrn Niko Pelinka, seit dem Heiligen Abend seines Zeichens neuer SPÖ-General des ORF-Generals oder - gleich noch besser - Frau Laura Rudas in der Parteizentrale!

Den syrischen Bezirksrat „Aziz“, der nicht Deutsch verstand, hat es übrigens das letzte Vierteljahrhundert bei Penzings GRÜNEN niemals gegeben. Er wäre mir aufgefallen!
Und zufolge dieses nicht unerheblichen Mangels an einem syrischen Aziz hat ein solcher im Penzinger Klub auch keinesfalls gegen ein „Sozialprojekt für Immigranten“ im Bezirksparlament gestimmt, weil er der Verhandlungssprache nicht mächtig war! Ich hoffe, Du glaubst mir! Nebsbei: Schon ein Sozialprojekt (!) für Immigranten (!!)  im 14.Bezirk(!!!)  ist ja krass gut ausgedacht und ein phantastischer dramaturgischer Bringer vom Dirk! Aus Angst vor FPÖ und ÖVP verbeißt sich die SPÖ nämlich, sowas einzubringen und fordert im Wesentlichen nur die Flüssigkeit des Straßenverkehrs, wie die PenzingerInnen wissen! ÖVP&FPÖ stehen für solche Anliegen auch nicht unter Generalverdacht. Und hätte natürlich der GRÜNE Klub das von Stermann erwähnte Immigrantensozialprojekt eingebracht, hätten wir Aziz , würde  es ihn gegeben haben, natürlich mit unauffälligen  Handzeichen ausländerfreundlich gewiesen, bei der freien Abstimmung gleich beide Hände in die Höhe zu reißen, wenn er halt noch nicht so urgut Deutsch versteht. Und: Ja! Jan hätte eine Parteifreundin in Penzing finden können! Als „Hardliner“ tun wir aber niemand  verunglimpfen, denn selbst für ein allerbestes Gedankenexperiment bliebe in unserem Klub ja schon einmal rein gar keine Arbeitszeit frei. Und glaube mir ferner - ich habe bis heute auch nichts Böses über Jan geschrieben – weil Jan erst dank Dir, Du Stolz und Pressereferentin Deines Vaters, in Dirks Best- und Magaseller zu meiner gestrigen Jause bei'n Käffchen und zwei Plätzchen erstmals mit Relevanz in mein politisches Leben getreten ist!

Solltest Du jetzt aber - ich ahne es schon - ein Expose  verlangen, wie sich Dirk Stermann die hübsche Wuchtel für sein Taschenbuch ausgedacht hat, musst Du ihn fragen! Wenn Du was hörst, lass es mich wissen! Ich denk mir mal, Dirk kennt den Jan wirklich unter seinem richtigen Namen, dem seinerseits D. aus B. nach seiner Nichtwahl gegrummelt haben könnte, wir hätten halt einen nichtdeutschsprechenden Syrer lieber gemocht als den GRÜNEN Stammwähler aus der deutsch-französischen Saarland-Ecke bzw. der hiesigen Lautensackgasse, - ich weiß es aber nicht genau und will es wahrlich gar nicht so genau wissen..

Dirks Roman seiner Entpiefkenisierung liest sich ansonstens supergut, ich hoffe nur, Dirk verwienert uns nicht gänzlich in unserm öffentlich-rechtlichen ORF, dann ist es mit seiner Lockerheit nämlich vorbei! (Übrigens: Sollte er mit Christoph Grissemann für die üblichen Gagsgagsgags noch einmal zu einem beitragen, der zu einem Spässchen über rezente Bahnverspätungen an Deportationszüge in KZ für ein Bruhaha erinnern muss, entzieh ich ihm aber schon meine Gewogenheit schneller als Wrabetz, - das wirst Du ja einsehen!)

Zuletzt zwei Kulturtipps, wenn Du Dich von den kulturschaffenden ORF-Jonny-Depp-Highlights dieser Festtage unbeeindruckt zeigen und zu aushäusischem Kulturgenuss ins Burgtheater eilen wolltest: Kein schöneres Neeee ist Dir im Repertoire zur Zeit beschieden als jenes von Friedrich Schiller in seinem ollen ‚Parasit‘ ! Und sichere Dir überhaupt schon einmal Karten für die „Froschfotzenlederfabrik“, Premiere war grad eben! Die Dichter und Denker von drüben mischen uns da kulturschaffend auf, dat dia di Oan schlabban!

Dein Wolfgang, Penzingergrünbezirksratsvater

P.S.: Dirks Paperback kriegste natüalich wieda, iss nur‘n Tick überteujert jewesen für siebzehnfünzich. Raff dir dat nächstens, wennste im Ruhrpott bist, da löhnste nur sechzehnfünfunneuzich. Hastemich?

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