Übliches Postgeschäft ist für die Post leider uninteressant

Was dann, wenn sich niemand eine „Postpartnerschaft“ andrehen lässt?


Boykott von Postpartnern in deren Stammgeschäft ist eine beachtliche Bürgeridee!  Zumal ganz Wien für Post „keine Zuständigkeit“ hat!

 

Penzing hat zwar – die gute Nachrichten immer vorweg – bis dato erst einmal nur das Hauptpostamt geschlossen, bzw. als Nebengeschäft der BAWAG-Filiale Ecke Lützowgasse-Hütteldorfer Straße nachgeordnet! Die offen eingeräumt Suche nach so genannten „Postpartnern“ statt sämtlicher (!) anderer Postfilialen im Bezirk scheint jetzt darüber hinaus aber ein wenig zäh zu geraten.

Zäh – in Wien besser klingend „zaach“ genannt – gestaltet sich jedenfalls ganz eindeutig und immer mehr die ständig reduzierte Dürftigkeit, welche die Post A.G. zur so genannten Versorgung der Bevölkerung mit Postdiensten manchmal eher zumutet als anbietet! Die Mängelliste ist erheblich, die Zumutung noch erheblicher! Denn selbstverständlich bilanziert die Post A.G. längst überaus positiv, die laufenden Einsparungen zu Lasten der Postdienste wären nirgendwo notwendig. Allerdings muss sich das private Kapital, dem die Post mittlerweile gehört, laufend noch fetter rechnen!

Das funktioniert natürlich durch Kürzung der Leistungen für die Öffentlichkeit! 

In Penzing sieht das beispielsweise so aus, dass in den ehemaligen Postfilialen laufend immer weniger Platz für die Auf- und Anreihung der Kundschaft ist, weil überall irgendwas herumsteht, das zum Kauf einladen soll und mit Postdienst auch überhaupt nichts zu tun haben braucht! Ferner aber auch deshalb, weil in die ehemaligen Postfilialen für so genannte Premium-BAWAG-Dienste vielfach glänzende Beratungskojen geschraubt wurden, zu deren Benützung man eine/n  BAWAG-Berater/in nach telefonischer Terminvereinbarung kurz- oder langweilig zu seinem ordinären Finanzcoaching einladen und beiwohnen darf, wenn danach wäre!
Die Menschenschlange, die für übliche und leider unausweichliche Postgeschäfte vor jenem zumeist einzigen Schalter der Filiale ansteht, an dem mit Kompetenz für Post gearbeitet werden kann – oft muss die Einzelfachkraft am Solo-Schalter noch eine/n/r Auszubildenden zur Hand gehen – wird dafür gern immer länger! Man wartet aber als Kundschaft natürlich gern gedrängt, wenn die Post für das  Wohl ihrer Aktionäre Personal- und Platzsparen für nötig hält!

Zusätzlich fallen jetzt schon komplett verrückte Post-Innovationen auf! So darf sich beispielsweise jetzt schon jede/r, der in Oberbaumgarten neben der Postfiliale auf der Baumgartnerhöhe wohnt, simpel hinterlegte Briefschreiben neuerdings aus Hütteldorf (!) abholen fahren, damit man sich gut eineinhalb Stunden gemütlich Zeit nimmt. Man hat ja sonst nichts zu tun!
Die Post will aber mit Post überhaupt nichts mehr zu tun haben, - denn man will mit BAWAG eher Bankgeschäfte treiben, - man ist ja jetzt privat unter sich!  Die zum Ersatz gesuchten „Postpartner“ sollen daher die Arbeit übernehmen, für die sich die Post zu schade findet, weil zu wenig Kohle damit zu machen ist!

Postpartner – um das klar zu stellen – funktionieren in ländlichen Gebieten da und dort einigermaßen bzw. machen Sinn, wenn in einer Gemeinde tatsächlich das Tagesgeschäft aus den berühmten zehn Briefen besteht, die nun beispielsweise auch der Postpartner Fleischhauer neben Blunze und Extrawurst legen kann! In ländlichen Kleingemeinden stört die Postpartner auch wenig, dass die Post für durchaus umfangreiche und anspruchsvollste Aufgaben selbst mit hoher Verantwortung, die sie ihren Partnern vorschreibt und aufs Auge drückt, auch so wenig wie möglich dafür bezahlt ! In ländlichen Einschichtgemeinden ist man meist schon froh, dass man nicht in  die nächste Bezirkshauptmannschaft anreisen und von dort rückreisen muss, um trivialste Postleistungen in Anspruch nehmen zu können! Die Postpartner verstehen ihr Einspringen für die liebe Post A.G. eigentlich eher als hinzunehmende Nachbarschaftshilfe im Ort!

In den Bezirken einer Millionenstadt – Penzing allein ist etwa so groß wie Klagenfurt – hört sich der Einsparungsspaß der Post zugunsten Ihrer Aktionäre und zu Lasten der Öffentlichkeit aber natürlich auf!

Und so kommt man von Seiten Betroffener nicht selten auf gute Ideen, - in Penzing bzw. Hütteldorf zum Beispiel auf Folgende:  Man werde, so wird richtig argumentiert , zwar möglicherweise nicht verhindern können, dass sich die Post ihrer erwartbaren Beschäftigung  völlig entledigt und irgendwelchen „Postpartnern“ anhängt! Die werde man auch aufsuchen müssen – denn Gerichtsschreiben oder Post zu Rechtsgeschäften sind ja nicht irgendwas!

Man werde aber das Stammgeschäft der Postpartner konsequent boykottieren! 

Die Bedienung der immer dreisteren PrivatisierungsgewinnlerInnen ist mit ordentlichen Bundesgesetzen zwar eindeutig möglich - und haarsträubend unumkehrbar eingeführt! Die Liberalisierung der Märkte ist ja eherner Grundsatz der Europäischen Union. Es ist aber noch keineswegs ein Gesetz bekannt, dass die Öffentlichkeit zwingen könnte, bei Postpartnern in deren Stammgeschäft einzukaufen! Es wird also gesetzlich möglich sein, die Öffentlichkeit zu ihrer banalsten Postversorgung in irgendein Regal  irgendeines Tschocherls zu zwingen! Man kann danach aber verlässlich gehen,  ohne in dem Tschocherl zu dessen Stammgeschäft und Broterwerb als Kundschaft beizutragen. Man wird dann sehen können, ob Postpartner von den Postgeschäften leben können!  Gewerbetreibende werden sich also gewiss gut überlegen, an welcher Geschäftstätigkeit man wirklich beteiligt sein möchte!

Ich finde die Überlegung außerordentlich schlüssig!

Schlüssig sind übrigens auch die Ausführungen von SPÖ-Stadträtin Sandra Frauenberger. Sie beantwortete mir eine Anfrage in Sachen Postpartner zusammen gefasst wie folgt, formal natürlich gänzlich korrekt:
Das Gesetz zur Regulierung des Postmarktes (Postmarktgesetz-PMG) sei Bundesgesetz, die Beschlussfassung obliege daher dem Nationalrat. Postpartner bräuchten für ihre Tätigkeit keine Gewerbeberechtigung. Als zuständige Behörden seien im Gesetz (§ 37) das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, das Postbüro, die Post-Control-Kommission sowie die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) genannt. Es sei daher in Wien „in Zusammenhang mit der Österreichischen Post AG keine Zuständigkeit gegeben.“

Ich habe umgehend eine weitere Anfrage geschrieben:  Vielleicht bestehen in Wien mit der Bundesministerin Kontaktnahmemöglichkeiten informeller Art im Interesse der BürgerInnen, - Ministerin ist derzeit dort Frau Doris BURES, SPÖ! Ich halte es nicht für ausgeschlossen, bei ihr einen Termin zu kriegen, wenn man die Stadt Wien ist!  Von Aufschlüssen berichte ich gern und fortgesetzt, - obwohl es ja nur um so ein Bagatellerl wie eine funktionierende  Wiener  Postversorgung geht!

Wolfgang Krisch, 6.1.12
zurück