Franz Lerch - King Lear
ÖVP-Bezirksvorsteher-Stellvertreter Lerch sagte sich jüngst einen Erfolg bei Rattenabwehr im Reinlpark nach,  - ich grüble daher über Politik mit Biss im Kultursinn!
 

ÖVP-Bezirksvorsteher-Stellvertreter Franz E. Lerch ist wiederum in aller Munde, wie mir erheblich verspätet jüngst zugetragen wurde!

Man sage ihm wie er sich selbst nach, so hörte ich, er habe sich gegen von ihm selbst entdeckte Ratten in der Umgebung des Reindlparks  - oder gar mitten darein - stark gemacht und selbsttätig initiiert, dass solche zur Strecke zu bringen waren, - ein gewiss guter Erfolg unserer guten ÖVP-Penzing, den diese auch freudig vermeldet haben soll.
(Bitte um Nachricht, Kollege Lerch, sollte ich erweiterte Meriten zu der Rattenplage nicht umfangreich genug hier dargestellt haben, ich weiß ja nie, wie viel wir der ÖVP dankbar sein dürfen, - ja diesfalls: Müssen!)

Warum man da jetzt aber unter allen (!) Fraktionen der Penzinger Bezirksvorstehung über Kollegen Lerchs Rattenfängertum ebenso diskret spöttelt wie über oft andere Vorstöße desselben und sie zum vielfältigen Anlass für neuerlich milden Spaß bei der Arbeit nimmt, verstehe ich diesmal aber wirklich nicht!  

Was täte man denn einerseits, seien wir ehrlich, im Bezirksparlament ohne Herrn Bezirksvorsteher-Stellvertreter gegen gelegentliches Arbeitsleid im Humorsinne? Und was ist eigentlich so schlecht an Ratten, wenn es diesmal halt eine solche als Requisite für die ur-ehrliche Politik der ÖVP sein muss?

Und außerdem vermute ich überhaupt seit dem Wochenende ja allerhöchsten kulturellen Hintergrund des Franz-Lerchenschen Nahkampfeinsatzes gegen das unbeliebte Ungeziefer, was so kommen musste:

Ganz persönlich und privatim war ich nämlich irgendwann Samstag oder Sonntag Abend auf dem guten Sofa vor meinem TV-Gerät trotz der festen Bereitschaft, mir eine edle Übertragung von Shakespeares King Lear aus dem Wiener Burgtheater bildungsbeflissen in voller Länge einzuziehen, höchst unvermutet in den gerechten Schlaf des gerecht erschöpften Hauptschullehrers versunken und bald darauf just eben in jenem dramatischen Moment der Star-Inszenierung genickstarr aufgeschreckt, als Gerd Voss himself als hochdero König Lear in dessen Hochblüte seines Wahnsinns einer Ratte den Garaus machte, indem er ihr, diese am Schweif hochhaltend, beherzt in Kopf oder Genick biss – das sah man nicht so recht – um darnach das entseelte Nagetier mit Elan auf jene Bretter zu schmettern, welche nun einmal die Welt bedeuten (sofern man halt nicht doch vielmehr ein bedeutsamer Wiener Bezirksvorsteher-Stellvertreter wäre).

Gleich musste ich da irgendwie unvermutet an Franz Lerch denken, der ohne Shakespeare, ohne Burgtheater, ohne Wahnsinn und ganz ohne Königskrone im Reinlpark der Ratte Herr wird, ohne auch nur ein einziges Bisschen machen zu müssen, - wie ich fest vermute und bestätigend irgendwann einmal zu erfahren hoffe, sofern ich sonst nichts Besseres in jenem ferneren Moment zu tun hätte.

Wolfgang Krisch, 24.4.08
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