
Geplanter Straßenneubau neben der A1: 500
Meter Länge - 1,5 Millionen Euro Kosten!
Neue Flächenwidmung für das Shopping - Center
- Auhof !
...damit SteuerzahlerInnen dem SCA-Betreiber 1,5 Millionen Euro für einen
Straßenneubau schenken dürfen!
Wieder einmal ist anschaulich zu sehen, was Wiens Verwaltung im Handumdrehen erledigt, wenn nur die Förderung des Autoverkehrs gefragt ist!
In der morgigen Sitzung des Penzinger Bauausschusses steht nicht nur die umstritten Steinhof-Widmung auf der Tagesordnung, sondern auch eine Änderung des Flächenwidmungsplanes im Auhof!
Dort soll nämlich – kaum ein Jahr, nachdem das Shopping-Center-Auhof zuletzt neuerlich erweitert worden war – für den Betreiber rasch eine neue Straße errichtet werden.
Der eindeutige Skandal daran, sieht man gleich davon ab, dass es sich neuerlich um eine Anlasswidmung für ein Bauprojekt handelt : Spätestens mit der jüngsten SCA-Erweiterung – vermutlich aber schon lange vorher - hat das Einkaufszentrum längst alle Dimensionen erreicht, die nach § 7 der Wiener Bauordnung vor einer allfälligen Erweiterung dem Betreiber ein Verkehrsgutachten abverlangt hätte. Das Einkaufszentrum mit über 100 (!) Shops hat längst eine Gesamtfläche von 2500 m² an Verkaufsflächen und solchen zur Erbringung von Dienstleistungen bei Weitem überschritten und müsste daher rechtlich eindeutig als „Großbauvorhaben“ gelten, für welche die Wiener Bauordnung (§ 7b/7) vorweg (!) umfangreiche Prüfungen der Verkehrsverhältnisse vorschreibt. Untersucht werden müsste ausdrücklich
1. die Anbindung an
öffentliche Verkehrsmittel;
2. die vorhandene Verkehrsfrequenz;
3. die örtlichen Verkehrsverhältnisse (Ampelanlagen, Kreuzungen, Einbahnen,
Parkverbote und dergleichen);
4. die Parkmöglichkeiten in der Umgebung des Großbauvorhabens;
5. die Auswirkungen auf den bestehenden Verkehr;
6. die Möglichkeit der Schaffung freiwilliger Stellplätze auf dem Bauplatz des
Großbauvorhabens oder in der Umgebung;
7. die Zufahrtsmöglichkeiten für die Feuerwehr und andere Einsatzkräfte;
8. die Kapazität der Straßen, vorhandene Stauräume und dergleichen.
All das hat die Stadt Wien dem Betreiber ersparen geholfen, nichts Dergleichen
wurde untersucht. Der Grund für diese Begünstigung und den klaren und bislang
ungeahndeten Gesetzesbruch durch die Behörde ist natürlich offensichtlich:
Derartige Verkehrsuntersuchungen sind nicht nur kostspielig, sie hätten in
diesem Fall auch ein negatives Ergebnis erbringen müssen, das die Behörde
gezwungen hätte, die Erweiterung zu versagen oder kostspielige Auflagen zu
verfügen.
Faktum ist aber nun, dass die
Verkehrserschließung des Einkaufszentrums, das von Wiens Verwaltung aber nach
wie vor nicht als Einkaufszentrum nach § 7c der Wiener Bauordnung behandelt wird
– völlig unzureichend ist, wie schon vor der Erweiterung bekannt und absehbar
gewesen ist.
Daher sollen nun die SteuerzahlerInnen – und keineswegs
der Nutznießer und Verursacher – zur Kasse gebeten werden. Und zwar in der Höhe
von schlanken 1,5 Millionen Euro für einen 500 Meter-Straßeneubau!
So viel soll die geplante Verlängerung der Johann Schorsch-Gasse in Richtung
Holzhausen-Platz kosten, wobei obendrein das Penzinger Bezirksbudget für dieses
Geschenk – gänzlich oder teilweise - aufkommen soll, obwohl der Eigentümer der
SCA für ein vorangegangenes Straßenprojekt zur Verbesserung der
Verkehrssituation (Ausfahrt in Verlängerung der Jakobsgasse) sehr wohl und
selbstverständlich selbst die Kosten getragen hätte!
Ein Steuergeschenk für die SCA in dieser Höhe würde allerdings dem Fass
endgültig den Boden ausschlagen, nachdem aus dem Bezirksbudget, das schon die
letzten beiden Jahre nicht ausgereicht hat, nicht einmal die regelmäßige
Nachmarkierung von Schutzwegen finanziert werden kann, - von zahlreichen
anderen Projekten für Kinder- und Jugendliche, das Radfahren,
Infrastrukturmaßnahmen usw. usf. ganz abgesehen, die von Jahr zu Jahr auf den
Nimmerleinstag verschoben werden!
Selbstverständlich ist nun leider von SPÖ, ÖVP
und FPÖ für jeden x-beliebigen Straßenneubau begeisterte Zustimmung zu erwarten!
Ich darf aber der SPÖ verbindlich garantieren, dass ich einem Bezirksbudget, das
durch den Straßenneubau belastet wäre, in gar keinem Fall zustimmen und mich,
wenn nötig, bemühen werde, dass sich der GRÜNE Klub meiner Haltung anschließt!
Nachdem ÖVP und FPÖ aber dem Bezirksbudget traditionell nicht zustimmen, würde
das zu einer mehrheitlichen Ablehnung des Bezirksbudgets führen, was einem
Wiener Bezirk ernsthafte Probleme verursacht.
Ich schlage daher neuerlich vor, dass die Stadt Wien erstens die rechtliche Situation des Einkaufszentrum SCA endlich umgehend und vollständig saniert – und die Kosten eines Straßenneubaus nicht die SteuerzahlerInnen sondern selbstverständlich den Betreiber und Verursacher tragen lässt.
Wolfgang Krisch, 8.9.2006
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