Gutes Programm seit Leopold Gratzens Zeiten (links) - Entree-Bereich der Wohnhausanlage (Mitte) - prototypische Architektur der mittleren Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts (rechts)


„Gesunde Wohnungen – glückliche Menschen“ in der städtischen Wohnhausanlage
Bravo, - allerdings: Wie geht das aktuell mit Schimmelpilz zusammen?




„Gesunde Wohnungen – glückliche Menschen“ steht im düsteren Zugangsbereich der städtischen Penzinger Wohnhausanlage Salisstraße 5 – 15 auf einer schmucken Tafel aus dauerhaftestem Granit in der Überschrift einer Botschaft zum Ruhm der Verantwortlichen für ein prototypisches soziales Wohnbau-Ergebnis unter Bürgermeister Leopold Gratz aus den Jahren 1974 – 76.


Seither sind 34-36 Jahre ins Land gegangen – und irgendwie scheint angebracht, die Granittafel-Botschaft in Zweifel ziehen zu müssen, wenn man mit inständiger Kunde aus dieser Anlage konfrontiert ist. Kern- und Angelpunkt der völlig schlüssigen Ausführungen, so wie auch aus mehreren anderen städtischen Wohnhausanlagen leider bekannt: Schimmelpilz en masse im trauten Heim!


Die Klagen in sämtlichen Fällen gleichen sich mehr oder minder aufs Haar (resp. wohl das Pilz-Myzel)  – das Grundproblem ist evident: Auch für Wiens Stadtverwaltung macht Verfall von Bausubstanz leider keine gefällige Ausnahme – und wie sehr Gemeindebauten in die Jahre gekommen sind, sieht man nicht nur beim Ablesen von Inschriften auf den Fassaden in Erinnerung an die längst gewesenen Bürgermeister.
Deutlich erkennbare Mängel an Wohnhausanlagen, die irgendwann einmal vor Jahren zu einer zeitgerechten Generalsanierung angestanden wären, dennoch aber für eine längst hoch verspätete noch keineswegs in konkrete Aussicht genommen sind, lassen sich an zahlreichen Wohnhausanlagen mit freiem Auge gut ersehen. (In Penzing musste aber wenigstens – anders als in Liesing – noch keiner städtischen Wohnhausanlage wegen akuter Baufälligkeit und Gefahr in Verzug  ohne weitere Faxen die Benützungsbewilligung entzogen und die MieterInnen evakuiert werden!)


Das umgangssprachliche Wiener Wort Faxen (d.h. „ sich zieren, Schwierigkeiten, Umstände machen“) ist allerdings das hoch Zutreffende für die Verwaltung von Wiener Wohnen in Reaktion auf die Schimmelpilz-Beschwerde ihrer Mieterschaft!


Nun ist Schimmelpilz allerdings – sieht man von seinen geschätzten Varianten des Edelschimmels auf Lebensmitteln (Käse, Salami und bei der s.g. „Weinfäule“) ab – keineswegs eine Bagatelle oder bloße optische Beeinträchtigung, sondern als definitives Allergen oder mehr bzw. minder schwerer Krankheitserreger bekannt!  Und Betroffene sind unweigerlich den Sporen des Pilzes durch das Einatmen ausgesetzt,  sofern sie keine Atemmaske tragen! Grundlage des Pilzbefalls ist in jedem Fall nichts als Feuchtigkeit, die natürlich vielerlei Quellen haben kann: Wasserleitungen (als solche, in Heizungen , Dachabflüssen, Regenrinnen),  schadhafte Dichtungen oder undichtes Mauerwerk (Eindringen von Regen- und Schmelzwasser), besondere Schadensfälle (aus Waschmaschinen, durch Lösch- oder Hochwasser) sowie – tatsächlich das Hauptproblem – durch Kondenswasser (oder Tauwasser).
Denn in Zeiten des selbstverständlich angesagten Energiesparens sind  Fenster baulich mittlerweile derart dicht ausgeführt, dass der Austausch zwischen (relativ) feuchter Raumluft und (relativ) trockener Außenluft nunmehr ganz gezielt und regelmäßig durch stark vermehrtes Lüften herbei geführt werden muss. Das mag im Winter durch MieterInnen möglicherweise zu gering erfolgen (der Volksmund sagt in dem Fall sinngemäß, man heize nur ungern die Straße), kann allerdings im Sommer – besonders in Kellerräumen – sogar den entgegengesetzten Effekt verursachen: Erhöhung der Raumluftfeuchtigkeit! In diesem Fall brächte dann theoretisch eher das Heizen (!!) Abhilfe – sofern man nicht an technische Entfeuchtungsverfahren dächte, die zu kaufen ja wohl schwerlich MieterInnen im Gemeindebau zuzumuten sein wird.


Dafür mutet Wiener Wohnen den MieterInnen gelegentlich offensichtlich dreiste Stücke zu, sobald man zur Besichtigung von wucherndem Schimmelpilz im allerbestens verwalteten Wohnrefugium vor Ort der Bescherung ist! Im Falle der Wohnhausanlage Salisstraße 5 – 15 wurden vor längerem lediglich die Fenster fugendicht erneuert, zum bald danach auftretenden Schimmelpilzbefall, wissen MieterInnen zu erzählen, wie Wiener Wohnen die Ursache der Problematik erklärt:

So einmal ganz gern durch ein kleines Aquarium im Kinderzimmer, häufig durch eine kaputte Waschmaschine oder eine lecke Badewanne, ein anderes Mal durch zu wenig Hygiene beim Hausputz oder zu viel Hygiene infolge zu häufigen Duschens, einmal sollen zu viele Möbel in der Wohnung Schuld haben, ein weiteres Mal zu seltenes Abwischen von Kondenswasser an den Fensterscheiben! Manchmal führt man ganz originell den „Überbelag der Wohnung“ an (z.B. durch 4 Personen in einer 108 m² großen Bleibe) oder ist abwechslungshalber nach bester Art des fröhlichsten Comedien-TV sogar nicht einmal gänzlich unhumoresk:   Wos waaaßn  i ,wohea des kummt, vileichd hot ihr Hund aun de Waund  pinkelt?“ ( So ein Werkmeister nach Darstellung einer Mieterin beim Anblick wuchernder Pilzkulturen unter der Tapete einer unverstellten Wand in einem kaum genutzten Abstellraum.


Den Betroffenen fehlt es natürlich vergleichsweise an derartigem Spaß-Management, besonders dann aber, wenn Wiener Wohnen bei angeregten Abhilfen der ernsthaften Gesundheitsgefahr weit weniger Einfallsreichtum hervorbringt:

So wurde in einer Wohnung in der Salisstraße Wiener-Wohnen-Pilzbekämpfung lediglich im Kinderzimmer der Tochter des Hauses „genehmigt“, wo der Pilz flächendeckend (!) auftrat. Das etwas weniger befallene Zimmer des Sohnes, dessen Dauerhusten jenem seiner Schwester glich, oder das elterliche Schlafzimmer blieben ausdrücklich unbehandelt!  Dafür bot Wiener Wohnen ersatzweise Volksbildnerisches an, - wie eine Belehrte zu berichten weiß: Ich sehe, Sie rauchen!“ so ein dozierender Pilz-Inspektör, also dann ist bei Ihnen der Schimmel auch schon egal, denn das Rauchen ist schädlicher als der Schimmel!“, sprach’s weise, ging leise - und ließ Schimmel Schimmel sein.


Die MieterInnen decken sich in ihrer Verzweiflung seit längerem daher mit allen möglichen Pilzbekämpfungsmitteln der Baubranche ein und versuchen nutzloser Weise Sanierung in Eigenregie! Das überdeckt zwar meist nur das Problem zu optischer Verbesserung, befördert aber wenigstens den Umsatz des Fachhandels vorteilhaft  und hilft Wiener Wohnen immerhin ein wenig sparen, und zwar selbst bei Ausreden: Nachmietern lässt sich dann nämlich ebenso gütig wie vertraulich erklären, dass die Schäden deshalb schicksalshaft seien, weil sie vom Vormieter kämen, der hier unsachgemäß "gepfuscht" habe!

Da und dort hat schon jemand resigniert im Gemeindebau Salisstraße und ist ausgezogen. Einer Nachmieterschaft hat ein leicht erstaunter Fachmensch von Wiener Wohnen zu gänzlich überraschend  auftretendem Pilzbefall binnen weniger Wochen im neuen Heim erklärt, dass  dieses Problem in dieser Anlage nur sehr selten“ auftrete. Bisher  sei es nur bei Mietern aufgetreten, die richtige Schweine (sic!) seien.

Ich vermute jetzt einmal, da wird  bald niemand mehr als „richtiges Schwein“ herhalten wollen, was  weiteren Beschwerden immerhin nicht unschlau vorbeugen könnte. (Als „allergrößte Obersau in unserm nagelneuen Bau“ mit Brief und Siegel im Zinsbuch oder Aushang in den Stiegen wird aber immerhin bisher noch niemand in irgendeiner Anlage durch Wiener Wohnen namhaft gemacht, - und da bin ich natürlich außerordentlich beruhigt! )

Das jüngste Bürger-Schreiben aus dem Gemeindebau Salisstraße endet mit dem guten Satz: „Er ist gut zu wissen, was Vertreter von Wiener Wohnen über ihre Kunden nicht nur denken, sondern auch offen sagen.“ Dem ist nichts hinzu zu fügen, - von ferneren Entwicklungen in der metaphorisch richtigen Schweine-Sache wird  hinkünftig mit Optimismus berichten


Wolfgang Krisch, 26.3.2010

P.S.: Auf sonstige Schäden in der Wohnhausanlage  Salistraße 5-15 angesprochen –  so teilt  man mir  glaubhaft mit - reagiert Wiener Wohnen ab und an nicht minder harsch, wagt man, auf etwas langfristig Hinniches hinzuweisen. Bauschäden im Stiegenhaus, unbetreute Grünanlagen, unvollständige Aufzugsverkleidung, - alles kein wirklicher Anlass zur Beschwerde. Es werde  dies und das sowieso wieder kaputt“, man brauche sich bei solchen MieterInnen nicht wundern,  dass es so ausschaut. Wenn man Glück habe,  wird vielleicht irgendwann einmal die Wohnanlage saniert  aber,  Contenance, bitte, denn: Außerdem gibt es noch schlimmere Zustände in Gemeindebauten“! Ich weiß selbst, dass das leider stimmt, - aber Wiener Wohnen muss es natürlich am allerbesten wissen!  

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