
(Vermutlich)
unsubventionierte Faschingskultur im Sitzungssaal der
Bezirksvertretung
…’s ist mal bei mir so Sitte!
Eine
geringe
private
Empfehlung,
sollten Sie heuer Ihr Penzinger Kulturschaffen
subventioniert haben wollen !
Wer immer, wie ich, für das heurige Jahr den guten Vorsatz
gefasst haben könnte, sich mehr dem ordentlichen
Kulturschaffen hinzugeben, der/dem kann natürlich auch
heuer wieder die Penzinger Kulturkommission unterstützend
anempfohlen werden! Nutzen
Sie also Ihr gutes Recht, an diese Kommission der
Bezirksvertretung Penzing nötigen Falls ein „Subventionsansuchen“
für Ihr Kulturschaffen einzubringen!
Vorweg gleich eins: Sie brauchen dazu weiterhin wenigstens
einen ordentlich eingerichteten Verein, einen „Einkaufskreis“
oder sonst irgendwas, das gemeinnützig ist oder zumindest
so aussieht! Das klingt zwar vielleicht mühevoll, sollte
Ihnen aber die Sache wert sein. Als Vereinsgründer,
Präsident, Vizepräsident oder Schriftführer genießen Sie
– auch abseits der Subventionsfähigkeit – natürlich
hohes Sozialprestige allerorten, sind also schwer angesehen
und dauernd glückhaft fotografiert, die Zahl Ihrer
AdorantInnen wird ins Unermessliche steigen und Sie werden
dauernd Abends eingeladen, wo es ein Buffet gibt! (Wenn
Ihnen der Kulturgenuss davor zu zeitraubend ist, kommen Sie
erst reichlich verspätet – das fördert natürlich Ihren
nachhaltigen Eindruck, für Ihre Pflichten für das
Gemeinwohl aller Orten gebraucht und unermüdlich auch
anderswo unverzichtbar zu sein, es aber aufopfernd diesmal
doch noch zu dem Festereignis selbstlos geschafft zu haben!
) Mit ein wenig Chuzpe können Sie in rascher Folge Ihre
Reputation in Kunstkreisen möglicherweise bis nahe an den
Ruch des persönlichen Kunstermöglichers, Kunstvermittlers,
manchmal schier hin bis zum persönlichen Mäzenatentum
steigern, sodass als Folgewirkung nicht selten hohe ferner
Ämter, Würden oder gar die fantastischsten Titel in
Aussicht stehen! Der Weg zur Vereinspolizei ist daher keine
unnötige Last, sondern oft nur der erste gute Schritt zu
einem – nur beispielsweise - Ritter- oder Senatorentitel
auf Ihrer Visitenkarte!
Dürfen Sie also nun als braver Verein für das Gemeinwohl
wirken, so können Sie umgehend auch bei dem zuständigen
Penzinger Gremium für Subventionsvergabe, der s.g. „Kulturkommission“
um Subventionierung Ihres autochtonen Schaffens ansuchen.
(Vergessen Sie aber darüber hinaus nicht, dass man auch gut
kumulierend für sonstige Subventionen an Bund, Länder,
Gemeinden und natürlich sämtliche liquiden
Heuschrecken-Kreise des zeitgeistigen Wirtschafts- und
Gewerbswesens herantreten kann, - denn mehr Geld hat ja noch
niemals wirklich künstlerisch schaden können.)
Kleckern Sie ferner mit Ihrem Ansuchen auch keineswegs, wenn
Sie ein bezirksgemäßes Kulturprojekt subventioniert
brauchen! Klotzen empfiehlt sich nämlich allein schon
deshalb, weil nach dem Ansuchen Ihres Vereines folgendes
Prozedere in der Penzinger Kulturkommission seit Jahr und Tag zu
bedenken ist: Es
wird dem Gremium bekannt gemacht, dass ein jeweiliger Verein
ein Subventionsansuchen in bestimmter Höhe beantragt hat
und dass man – unter „man“ darf man sich den
prüfenden SPÖ-Kommissionsvorsitz vorstellen - eine Subvention in
dann exakt genannter, zumeist deutlich reduzierter Höhe
vorschlage. Über die reduzierte Summe wird dann einfach
abgestimmt. Ob zu solchen
Abstimmungen jeweils aussagekräftige Unterlagen über den
tatsächlichen Finanzbedarf eines Kulturschaffens vorliegen,
ob Ausmaß, Umfang des Kulturschaffens und die
Plausibilität der Unterstützungswürdigkeit geprüft wird,
entzieht sich natürlich völlig meiner Kenntnis , - ich persönlich
wüsste im Übrigen auch keineswegs, wie man
Subventionswürdigkeit von Kultur überhaupt gerecht
bewerten sollte.
Jedenfalls vermute ich schlüssig, dass die Penzinger
FPÖ in der Kulturkommission beispielsweise offenbar eine
leichte Aversion gegen Subventionsansuchen der „Sargfabrik“
plagen dürften, während SPÖ und GRÜNE sich diesen eher
geneigt zeigen.
Die Penzinger ÖVP wiederum hat noch nie ein
Subventionsansuchen für die musikalische Ausstattung eines
katholischen Hochamtes abgelehnt und ist – was eigentlich
schon per se Kulturschaffen in höchster Blüte darstellt
– ungeheuer zustimmungsfreudig zu Subventionen für
bizarre Kultur - Events in ÖVP-Kreisen! Unvergessen
diesbezüglich: Eine 7000€ (siebentausend Euro)-Subvention
für eine ganztägige „Adventveranstaltung“, die u.A. das
gewöhnliche Haarschneiden bei einem örtlichen Friseur und
gänzliche ähnliche Konsumationen kulturschaffend
unterstützt hat! In ähnlich gute Richtung geht
natürlich die Subventionierung der „Weihnachtsbeleuchtung
Einkaufsstraße Linzer Straße/Hütteldorfer Straße“!
Für 2011 sind – wie schon 2010 gehabt – 20 000
(zwanzigtausend) € Subvention vorgesehen, - für begehbare
Lichtinstallationen dieser Größe und Länge natürlich ein
Bettel! (Als Subventionsnehmer war im Vorjahr ein s.g. „Einkaufskreis“
verbucht, der als Vereinsäquivalent auch angehen dürfte,
sollten Sie für Ihr Ansuchen doch nicht als „Verein“
auftreten wollen, sondern eher einen nobler klingenden „Kreis“
preferieren !)
Somit also für 2011 rasch um Subventionen ansuchen, - denn
gut 17 % des Penzinger Kulturbudgets sind also allein schon
für Weihnachtsbeleuchtung so gut wie ausgegeben! Außerdem
Achtung: Die ÖVP hat aktuell auch schon für Hütteldorf
eine Weihnachtsbeleuchtung in die Kulturdiskussion
eingebracht, - das könnte Ihrer Subventionsnahme noch
engere Grenzen setzen!
Vor kulturellen Schaffensschüben von wirklich
größeren finanziellen Horizonten möchte ich allerdings
auch gleich dringend warnen, denn für „laufende
Transferzahlungen an private Organisationen ohne
Erwerbszweck“
(so nennen sich die Subventionen hübsch
verwaltungstechnisch) sind im heurigen Voranschlag des
Bezirkbudgets insgesamt 115 000 € festgeschrieben.
Sollten Sie daher z.B. rasch
einmal 7,5 Millionen € benötigen, um ein Museum für
Phantastischen Realismus zu kreieren, könnte das in Penzing
jetzt schon einmal ziemlich schwierig werden. Den letzten
diesbezüglichen Anlauf unternahmen – wie bekanntlich in
die jüngere Bezirkshistorie einging – zwei Söhne des
Malerfürsten Ernst Fuchs, von einem Doyen der Wiener
Obersenatsräte im Vorsitz einer eigens dafür
eingerichteten Stiftung irgendwie begleitet. Die von der
Hypo-Alpe-Adria illegal ausgezahlten 7,5 Millionen € sind
jetzt seit mehreren Jahren ungeklärt verschwunden, die
Malerfürstensöhne ebenfalls, und Frau
ÖVP-Justizministerin Bandion-Ortner hat zur Frage nach
einem langjährig ausstehenden Haftbefehl auf tatsächlich
schon auf laufende Ermittlungen hingewiesen, während für
die fehlenden 7,5 Millionen der jetzt verstaatlichten Bank
mittlerweile wenigstens die greifbaren SteuerzahlerInnen
letztlich haften. Dennoch darf ich natürlich auf die
Unschuldsmutmaßung für alle beteiligten Künstlersöhne
und gegebenenfalls involvierten pensionierten Beamt/inn/e/m
und PolitikerInnen der Stadt Wien verweisen, sowie übrigens
auch auf einen dennoch guten Hoffnungsschimmer für die
museale Gesamtdarstellung des Phantastischen Realismus!
Denn ÖVP-Bezirksvorsteher-Stellvertreter (sic, - wenn man auf
seiner aktuellen Webpräsenz liest) Senator Franz E.
Lerch ist nach eigenen Angaben (nach Mitbegründungen
des Kulturvereins ARTEeFIX sowie der KIKUWE
Kinderkunstwerkstatt 2003 bzw. der Eröffnung der
Erlebnisgalerie ARTPOINT 222 im Jahr 2004) „seit 2010“ mit dem „Aufbau des VIENNA
ARTFORUMS als Kunstvermittlung“ befasst und hat
darüber hinaus seine
„Initiative zur Schaffung eines Museums für
Phantastischen Realismus in Wien“ bekannt
gemacht. Auf daher nun ganz Großes hoffen dürfend, drückt
ganz Penzing kulturbewusst die Daumen
Wolfgang Krisch, 16.1.2011
P.S. Wer bis dahin die Wartezeit kulturell überbrücken
möchte, hier ein Kulturtipp: Nach dem großen Erfolg einer
ersten derartigen Veranstaltung des Vereines „Artefix“
(Schriftführer dort: Penzings ÖVP-Klubobmann Franz E.
Lerch) im letzten Herbst (subventioniert mit 3000 € als
1.Galanacht der Operette) findet am 25.Feber 2011 in der
Orangerie des Europahauses die nächste Galanacht statt. Titel der diesmaligen
im Sinne des Grafen Orlofsky aus Johann Straußens
Fledermaus: „ 's
ist halt bei mir so Sitte“.
Wie Sie wissen, geht es in diesem Opus der modernen
Avantgarde um Lustiges zu einer Haftantrittssache – und
erlaubt Ihnen sicher beste Reflexion zum jüngeren
Polit-Zeitgeschehen einer zum Glück verwichenen
Koalitionsregierung! Vorweg erwartet Sie das „Geleit zu Tische durch
unser Prinzessinnen und Prinzen“, danach
„zwischen den wundervollen
kulinarischen Gängen“ der „zweite Akt der Fledermaus“, während „für Ihr
leibliches Wohl vom Feinsten“ die „Schlossküchenmeister und die Bediensteten des
gleichlautenden Etablissement zu Hütteldorf“ sorgen!
Nützen Sie Ihre Chance für diesen Penzinger
Kulturhöhepunkt, der Ihnen als so genannten „Unkostenbeitrag“
lediglich anzuweisende 49 € kostet. (Aus Ihren
Steuermitteln sind bisher nur 3900 € Subvention
beantragt.)
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