
Vorgeschlagene„Endlösung“ für Sozialbau-Mängel: Findlinge
Heinrich-Collin-Straße: Jahrelange
Spielplatzsuche erfolglos – dafür zwei zusätzliche Parkplätze in Sicht?
Wie leider zu wenig bekannt, erlaubt Wiens
Bauordnung die Errichtung riesiger Wohnhausanlagen ohne ausreichende
Freiflächen für Kinder und Jugendliche. Die SPÖ will das halt so!
Anträge, die das ändern wollen, werden seit Jahren im Wiener Gemeinderat
seelenruhig abgelehnt.
Die Folgen lassen sich natürlich bestens beobachten, sofern man simpelste Zusammenhänge erkennen kann: Kaum sind die Wohnungen bezogen, klagen Eltern mit Kindern, die den schon vorhandenen Sandkisten entwachsen sind, zu Recht über gänzlich fehlende Freiflächen. Alle anderen ohne Kinder klagen über den Lärm fremder Kinder, die vor ihren Fenstern herum lungern und rasch für Ärger aller Art sorgen, weil sie nicht – dem Rat einer schon vergessenen SPÖ-Kanzlergattin folgend – brav irgendwo Golf spielen, um auf keine blöden Gedanken zu kommen. (Und leider kann noch nicht jedes Kind idealer Weise durch Aufenthalt in einer Ganztagsschule der Öffentlichkeit weniger zur Last fallen!) Zuletzt klagen aber auch Ärzte und Krankenversicherungen: Über katastrophale Folgen von Bewegungsmangel! Verantwortliche PolitikerInnen und deren parteipolitische Wohnbauträger kratzt das alles natürlich nicht, - um solche „Privatsachen“ muss sich ja die Politik nicht auch noch kümmern!
Gelegentlich lohnt es aber, sich um das Aufzeigen dieses Nichtkümmerns
langfristig zu sorgen, was ich im Fall der üblich trüben Problematik am Beispiel
zweier Wohnhausanlagen der SOZIALBAU AG in der Heinrich-Collin-Straße
/Hütteldorfer Straße seit spätestens 1997 tue.
Damals klagten Jugendliche ohne geeignete Freiflächen, von SOZIALBAU -WohnungseigentümerInnen in der Heinrich-Collin-Straße besonders aggressiv weggescheucht zu werden, während auf der anderen Fahrbahnseite SOZIALBAU die nächste Wohnhausanlage (Hütteldorferstraße 130) zu errichten in Begriff war. Neuerlich wiederum ohne geeignete Freiflächen im dichtest verbauten Gebiet !
Also erkundigte ich mich mit Schreiben an
Vorstandsvorsitzenden Dr. Herbert LUDL persönlich nach seinem Freiflächenangebot
und über mögliche Unduldsamkeit seiner Sozialbau-Kundschaft. Herr
Vorstandsvorsitzender pries in seiner Antwort die „Saunaanlagen
im obersten Stockwerk“, Integration für
„geistig Behinderte“, drei
„Kleinkinderspielplätze“ und ganz
wichtig: „Schlechtwetter-Spielräume“!
Zudem bestünde in der Heinrich-Collin-Straße eine
„Schnittstelle zum Erholungsgebiet Wienerwald“ und damit
„ ein für Kinder und Jugendliche ausgesprochen
hervorragendes und vielfältiges Angebot an Freiflächen in der nächsten Umgebung“,
zudem – so Ludl - möge ich mich nicht abhalten lassen, für Verbesserungen
einzutreten, denn „wie die Wiener Kinderfreunde
jüngst trefflich feststellten, können Kinder nicht genug Freunde haben“.
Solche fanden sich allerdings nach
Vorstellung der Wiener Kinderfreunde In der ganz nahen Umgebung weniger ! Dafür
setzten - für jeden Vorstandvorsitzende/n vorweg absehbar -
heftigste Konflikte aller Art auf Grund der fehlender Spielflächen in den
Wohnhausanlagen ein! Dazu die nur geringste Zusammenfassung dieser SOZIALBAU-„
Schnittstellen“ - Problematik:
Kinder und Jugendliche spielten erst
notgedrungen auf der Fahrbahn der Heinrich-Collin-Straße, und zwar günstig
dort auf öffentlichem Grund,
wo die Wohnungseigentümerschaft auf eine Sackgassen-Lösung bestanden hatte. In
Wendehammern von Sackgassen ist Verkehr gering und herrscht Parkverbot , -
somit bleibt ein wenig Platz für dort unerlaubtes Spielen außerhalb der
Wohnhausanlage.
Wütende Protesten aus nahen Wohnungen der
Anlage beschäftigten dennoch sofort ( und nunmehr seit mindestens 6 Jahren)
Polizeidienststellen, alle betroffenen Dienststellen der Stadt Wien, die
Bezirksvertretung, Sozialarbeiter sowie Gott und die restliche Welt! Die
Fronten waren und sind bis heute unversöhnlich: Die einen wollen dort spielen
oder spielen lassen, denn anderswo gibt es in den SOZIALBAU-Anlagen noch
weniger Platz, geeigneten Platz aber überhaupt keinen. Die Anderen (das sind
meist Wahlberechtigte) wollen ihre Ruhe – und machen sich seit Jahren dabei
lautstark bei PolitikerInnen vernehmbar!
Also wurde ein „Käfig“ errichtet, bald
mit Flüsterbelägen versehen und mit Netzen gegen Anprallgeräusche geschützt.
Das befriedigte die Gestörten wenig! Also wurden „Käfig-Sperrzeiten“ verfügt,
natürlich für das Wochenende, wenn Jugendliche zum Spielen Zeit hätten! Den
ausgesperrten Jugendlichen bzw. deren Eltern versprach man dafür am 2.4-2004
in der Bezirksvorstehung Penzing bei der Suche nach geeigneten Freiflächen
„ zu helfen“! Und auf meine Frage
konnte sich ein Vertreter der SOZIALBAU AG
sogar generös vorstellen, einen nicht genannten Finanzanteil für die neu zu
findende Freifläche „beizusteuern“ !
Das war enorm nobel aber von der
SPÖ-nahen Wohnbaufirma völlig gefahrlos zugesagt! Denn bis heute – drei Jahre
später – ist von einem Erfolg der Suchhilfe kein einziges Sterbenswörtlein
bekannt geworden. Freiflächen gibt es keinerlei neue, ( dafür mussten die
GRÜNEN langjährig und mühsam helfen, die Stadt Wien von der Zerstörung der
nächst gelegenen alten im Matznerpark und am Schützpark für zwei „Volksgaragen“-Projekte
abzuhalten! )
Abhalten ließ sich dennoch nicht, dass
die Jugendlichen in der Heinrich-Collin-Straße seit Jahren nun weiter auf der
Straße herum hängen und natürlich erst recht sehr grob stören! Polizei schritt
ein – von Drogenhandel war die Rede – man bemühte Streetworker der
„Aufsuchenden Jugendbetreuung“, die – als Kenner Wiener Zustände – nichts
auffällig fanden, allerdings auch nicht helfen konnten, eine geeignete
Freifläche zu finden.
Neuerdings ist nun aber nun endlich eine
so genannte „Endlösung“
in Sicht, wie ich dem neuesten Protokoll der Penzinger Kommission für
„Jugend-Senioren und Soziales“ entnehme!
(Diese sinnige Penzinger Kompetenz-Mischkulanz dürfte wienweit einzigartig sein,
- dementsprechend sind auch die Ergebnisse!). Wörtlich heißt es darin zum
Tagesordnungspunkt „Heinrich – Collin-Straße:
Maßnahmen zur Verhinderung der bespielbaren vorhandenen Fläche“.
„Am 6. Dezember 2006 fand … betreffend der bereits bekannten Problematik in der Heinrich-Collin-Straße eine Verhandlung statt, um vor Ort mögliche Lösungsvorschläge zu finden, um die vorhandene Fläche nicht mehr bespielbar zu machen.
Es könnte als Endlösung ein Projekt ausgearbeitet werden, bei welchem der Wendehammer vergrößert wird und somit die Spielfläche verkleinert. Vorteil bei einem solchen Projekt wäre die zusätzliche Schaffung von 2 Parkplätzen.
Selbstverständlich sprechen sich die Mitglieder einstimmig für die Ausarbeitung eines Projektes aus, als vorübergehende Maßnahme sollten die sogenannten Findlinge aufgelegt werden, um die Fläche unbespielbar zu machen. Nach Vorlage des Projektes, soll dieses in der Kommission präsentiert werden. Da einige Bezirksräte sich unter den sogenannten Findlingen nichts vorstellen können, soll bei der MA 42 nachgefragt werden ob es Fotos davon gibt…. Weiters liegt ja schon seit längerem die Problematik betreffend der Sperrung des Käfigs vor, was natürlich ergab, dass die Kinder und Jugendlichen somit vor dem Käfig spielten. Gespräche mit der Hausverwaltung haben erwirkt, dass seitens der Hausverwaltung Briefe an die Mieter gerichtet wurden, in welchen angeboten wurde, einen eigenen Schlüssel anzufordern. Natürlich haben sich auch jene interessierten Mieter an die festgelegten Öffnungszeiten zu halten. Die Mitglieder nehmen diese Information zur Kenntnis.“
Jetzt kann wiederum ich hilfreich sein, damit sich die Einigen auskennen: „Findlinge“
sind in der Geologie einfach große Steine, die von ehemaligen Gletschern oder
deren Moränen glatt geschliffen wurden (dies im Unterschied zu „Restlingen“, das
wären dann große Steine, s.g. „Ergussgesteine“, die nach sonstiger Verwitterung
- z.B. Wollsackverwitterung der Waldviertler „Wackelsteine“ – so ähnlich
gerundet ausschauen wie „Findlinge“, aber eben anders entstanden sind).
In Wiens kinderfreundlicher Verwaltung aber scheinen Findlinge ganz einfach als Endlösungs-Abwehrblöcke der MA 42 gegen spielende Kinder und Jugendliche zu entstehen, damit man z.B. gleich „ zwei zusätzliche(!) Parkplätze schaffen“ und sich weiterhin Freiflächen in der Wiener Bauordnung zum finanziellen Gewinn der üblichen Wohnbauträger ersparen kann!
Ehe nun aber gewiss ist, ob jetzt „Findlinge“ – was ich nicht wirklich glaube – tatsächlich wie geplant in die Heinrich-Collin-Straße finden, hoffe ich einmal, dass nicht Penzings Verkehrskommission auch noch erfährt, dass man mit solchen Wundersteinen „ zwei zusätzliche Parkplätze“ schaffen kann…
Wolfgang Krisch,13.4.07
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