

Reichlich prophetische Graffiti - Bemerkung
in der Stadt des Kindes im Juli 2003 -
und derzeitiger Anspruch der Stadt Wien für das "Objekt"!
Privatisierung der „Stadt des Kindes“: Größte Probleme und reichlich trübe Aussichten
… zur verlangten „hohen Dienstbarkeit für die Öffentlichkeit“ des ARWAG/ MISCHEK- Wohnbauprojekts !
Nachdem schon seit Monaten wesentliche Details der
geplanten Privatisierung der „Stadt des Kindes“ völlig ungeklärt sind, machen
nun aktuell diskrete Nachrichten aus Fachkreisen das bald einjährige Manko an
Information überaus plausibel! Die Privatisierung der Liegenschaft im Sinn der vorliegenden Ausschreibungskriterien dürfte nämlich vor dem Scheitern
stehen!
Wie erinnerlich, hat die Stadt Wien die Absicht, die exklusive Liegenschaft –
das Grundstück am Mühlberg ist über 50 000 m² groß – für ein MISCHEK/ARWAG
Wohnbauvorhaben zu privatisieren, das als Siegerprojekt eines
Ausschreibungsverfahrens hervor gegangen war. In diesem war für die Nachnutzung
des ehemaligen Kinderheimes auch eine hinkünftig „
besondere Dienstbarkeit für die Öffentlichkeit “ explizit
verlangt und von der Sieger-ARGE versprochen worden.
Diese „ besondere Dienstbarkeit für die Öffentlichkeit“ wurde zwar zuletzt noch jubelnd berichtet (von Wohnbaustadtrat Werner FAYMANN im März 2003! ), vorbereitet wurde aber das Gegenteil: Das zur allseitigen Gewöhnung seit Jahren unmotiviert geschlossen gehaltene Bad in dem ehemaligen Kinderheim soll nur über jährliche Mitgliedsbeiträge von 300 (dreihundert) Euro der Öffentlichkeit „ zugänglich“ bleiben, auch die Nutzung der Sportanlagen – das ist längst bestätigt – wird nicht mehr kostenfrei möglich sein. Und ganz unklar ist auch die sonstige Nutzung der Wald- und Wiesenflächen des Areals, so wie sie derzeit von HadersdorferInnen stark geschätzt ist.
Dennoch wurde die für das Projekt nötige Änderung der Flächenwidmung nach den
Bauplänen des MISCHEK/ARWAG-Projektes prompt im Wiener Gemeinderat mit den
Stimmen von SPÖ, ÖVP und FPÖ beschlossen, wonach das Vorhaben in der Penzinger
Bezirksvertretung nur mehr als lobende Randbemerkung des SPÖ -
Bauausschuss-Vorsitzenden, BR Peter URBAN, bis heute Erwähnung fand. (Herr URBAN
zeigte sich über das
Projekt wenig
überraschend höchst zufrieden!
Damit dürfte allerdings schon das Höchstausmaß an
Zufriedenheit rund um die Privatisierung des Kinderheimes ganz konkret umrissen
sein, - weit ausführlicher stellen sich nämlich folgende gravierende Probleme
dar:
Grundsätzlich schwere Probleme macht nämlich, dass vereinbart ist, die
erhaltenswerte, historisch bedeutsame Architektur des
Kinderheimes von Univ. Prof. Anton SCHWEIGHOFER in das neue
Wohnprojekt unter Begleitung des Architekten zu implementieren. Dies dürfte zu
nachvollziehbaren Konflikten mit jener Architektin geführt haben, die das
MISCHEK - Projekt realisieren sollte und mittlerweile sämtliche Lust zu der
Arbeit verloren haben dürfte. Was natürlich mehr als verständlich wäre, gälte es
nämlich somit, die Nutzungsabsichten des Bauwerbers, die Vorgaben der
erhaltenswerter Architektur und eigene gestalterische Ideen unter einen möglichst homogen
Hut zu bringen! ( Beim Stand dieser Dinge dürfte daher selbst die Frage in
Streit stehen, ob die Architektin vertraglich an Mischek gebunden ist bzw. war -
oder eher doch nicht! )
Außer Streit steht allerdings, dass eine derzeitige Nutzerin von
Räumlichkeiten der Liegenschaft – eine Keramikerin - nicht daran denken
dürfte, sich aus der Stadt des Kindes absiedeln zu lassen. Sie scheint sich in
einem Rechtsstreit mit der Stadt Wien auf ein erwirktes Gerichtsurteil verlassen
zu können und damit für das MISCHEK-Projekt eine zusätzliche Art von "Altlast"
darzustellen.
Selbstverständlich sind auch die ungebrochen hohen Erwartungen der Öffentlichkeit auf weitere öffentliche Nutzung der Liegenschaft eine ähnliche Hypothek! Gegen Einschränkungen aller Art – zuletzt war im vorigen Sommer plötzlich der stark frequentierte Fußballplatz mit Eisenketten versperrt und scharfen Hunden bewacht worden – ist man in Hadersdorf ebenso allergisch wie in der Penzinger Bezirksvertretung! ( So hatten sich an einem der heißesten heurigen Julitage zur Mittagszeit reichlich HadersdorferInnen bei der Stadt des Kindes eingefunden, die von Penzings Bezirksvorsteherin, Frau Andrea KALCHBRENNER, gezeigt haben wollten, wo im s. g. „Konsumwald“ ein neu anzulegender Fußballplatz ersatzweise angedacht ist! )
Hinzu kommt, dass in Architektur-Fachkreisen die „Stadt des Kindes“ mittlerweile eindeutig als Baudenkmal angesehen und dessen Unterschutzstellung strikt gefordert wird. Das scheitert im Moment allerdings nicht zuletzt daran, dass für das extrem konservativ agierende Bundesdenkmalamt zeitgenössische Baudenkmäler offenbar nur in Ausnahmefällen überhaupt vorstellbar erscheinen! ( Die Entstehbarkeit amtlicher Baudenkmäler dürften dem Amt kurz nach der Barockzeit aufgehört haben! ) Allfällige Auflagen aus Gründen des Denkmalschutzes würden außerdem die Baukosten für eine erweiternde Neunutzung dramatisch erhöhen, - und dergleichen Plage denkt man privaten BauwerberInnen amtlicherseits natürlich keinesfalls zuzumuten.
Dafür mutet die MA 69 - sie verwaltet das Grundstück bis zum geplanten Verkauf - der Öffentlichkeit scheinbar ernsthaft die unglaubliche Erklärung zu, die Stadt Wien hätte keinerlei weitere öffentliche Nutzungsmöglichkeit für die Liegenschaft erkennen können und wäre daher zu einem Verkauf streng gezwungen, was ein starkes Stück ist! Man wird dem dortigen Herrn Senatsrat nur die gesammelten – sinnvollen - Vorschläge aus Penzing übermitteln müssen, die ihm selbstverständlich bekannt sind. ( Seit Jahrzehnten fehlen in Penzing für zahlreiche Infrastruktureinrichtungen Grundflächen und Räumlichkeiten dramatisch, was primär nur daran liegt, dass die Stadt Wien im Bezirk nur ja nichts finden will, was sie finanzieren müsste! )
All diese Vorgänge machen jedenfalls erklärlich, warum in Penzing das weitere
Schicksal der Stadt des Kindes seit fast einem Jahr substanziell unbesprochen
ist und warum die öffentlichen Aussichten als zunehmend trübe
einzuschätzen sind. Sollten nämlich die erwartbare „
hohe Dienstbarkeit für die Öffentlichkeit“ und Ansprüche zu
erhaltbarer Bausubstanz dem Verkauf der Liegenschaft an ARWAG/MISCHEK
entscheidend behindern,
so ist lediglich damit zu rechnen, dass die Stadt Wien zu allen möglichen
Abstrichen von ihren eigenen Vorgaben bereit ist! Das ließe sich im übrigen
leicht öffentlich darstellen, sollte MISCHEK – auch darüber wird gemutmaßt - vor
den gehäuften Problemen überhaupt kapitulieren und ARWAG eine alleinige
Verfügung über die Liegenschaft in Anspruch nehmen wollen.
Ich werde jedenfalls dafür Sorge tragen, dass die Penzinger Bezirksvertretung und die Bezirksöffentlichkeit ehestens über die Vorgänge rund um den missglückten Privatisierungsversuch der Stadt des Kindes durch den verantwortlichen SPÖ-Wohnbaustadtrat Werner FAYMANN transparente Informationen erhält.
Die Stadt des Kindes kann nämlich von der Stadt Wien
nicht wirklich aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens der Republik Österreich
für ein engagiertes Sozialprojekt ( gänzlich
utopische Motivlage nach heutigem SPÖ-Standard übrigens !) erbaut worden
sein, um bis zum fünfzigjährigen Bestehen des österreichischen Staatsvertrages
im nächsten Jahr unengagiert, auf bloßen Gewinn bedacht und ohne Rücksicht auf
Verluste irgendwie verhökert zu werden !
Wolfgang Krisch, 8.8.04