
Noch bestehende Tafel in der Anlage: Was wird aus dem
einstigen Ort "sozialer Begegnung" und "geistiger Verständigung" für Kinder und
Jugendliche?
Stadt des Kindes: Totalabbruch nicht mehr ausgeschlossen!
Alarmierende Vorzeichen für
einen weiteren Totalschaden der Wiener Privatisierungspolitik! BM Häupl ist
gefordert !
Eine alarmierende Wendung zum Schlechten scheint die unendliche Geschichte
der Stadt des Kindes nun demnächst zu nehmen!
Wie allseits berichtet, hatte sich die Stadt Wien nach Auflösung des städtischen
Kinderheims geweigert, in der Anlage zahlreich mögliche (im Bezirk ohnehin
fehlende) öffentliche Einrichtungen vorzusehen. Eine Sportanlage, ein Hallenbad,
eine Turnhalle, eine multifunktionale Veranstaltungshalle - wie keine zweite im
Bezirk vorhanden - und Vieles sonst gingen damit für die Öffentlichkeit sofort
unwiederbringlich verloren.
(Die dazu lächerliche aber oft strapazierte Standard-Ausrede „
schlechte öffentliche Erreichbarkeit“, galt natürlich nicht
bei der Unterstützung Wiens, im unweit entfernten „Industriegebiet Auhof“ ein
nach wie vor rechtlich inoffizielles Einkaufszentrum, das „Shoppping Center
Auhof“, ganz bewusst entstehen zu lassen, - gegen das sogleich entstandene
Verkehrschaos soll nun mit öffentlichen Geldern dem Betreiber obendrein noch
eine neue Straße errichtet werden.)
Wien SPÖ-Regierung entschied sich zur Stadt des Kindes jedenfalls für eine
vollständige Privatisierung der in vielfacher Hinsicht bedeutsamen Liegenschaft
mit bedeutsamer Bebauung: Das Kinderheim war zur Zeit seiner Errichtung nicht
nur aus architektonischer Sicht sondern auch auf Grund seines
sozialpädagogischen Konzepts ein Meilenstein der Wiener Stadtgeschichte!
Aber diese Zeiten sind längst dahin! In der Ausschreibung zur Nachnutzung legte
Wiens SPÖ-Regierung nämlich ihr Kardinal-Engagement auf den primär finanziellen
Gewinn, der als vorrangiges Ziel ausdrücklich ausgewiesen war.
Als Sieger des Ausschreibungs- und Auslobungsverfahrens - einer Jury gehörten
auch Penzings und Hetzings Bezirksvorstehung an - ging sodann eine
Bietergemeinschaft ARWAG/MISCHEK hervor, deren Ambitionen sogleich von allen
Befassten hellauf gerühmt wurden: Die Bausubstanz werde in Kooperation mit
Architekt Anton SCHWEIGHOFER geschont und erhalten, der öffentliche Zugang zu
Grünflächen, Hallenbad usw. bliebe natürlich bestehen, - allgemeine
Selbstzufriedenheit ließ sich günstig verbreiten!
Und sogleich zeichnete Wiens Stadtplanungsabteilung eine für die Nachnutzung
nötig neue Anlass-Flächenwidmung, die bis hin zu den Fußwegen für eine damals
aktuell bestehende Bauplan-Idee alles Nötige in Gesetzesform brachte. Der
Gemeinderat beschloss (wohl nach sorgfältiger eigenständiger Prüfung) - die
Flächenwidmung ist heute in Kraft und wird bald für ein neues Bauprojekt
ausreichen müssen.
Denn zu dem einstigen SPÖ-Selbstlob ist mittlerweile nicht der geringste Anlass
mehr zu konstruieren, - der Lack ist komplett ab, die Dinge stehen zum
Schlechtesten, die ehedem in der Sache federführend agierenden Damen und Herren
der Wiener Stadtverwaltung halten sich mehr als bedeckt!
Firma MISCHEK, deren Geschäftsführerin von der Stadt des Kindes seinerzeit als „ihr
Lieblingsprojekt“ geschwärmt hatte, zog sich alsbald und ohne bekannt
gewordene Begründung von einer Beteiligung zurück, eine erwartbar neuerliche
Ausschreibung unterblieb (für Wiens übliche Verhältnisse) selbstverständlich,
obwohl die unterlegenen Mitbieter mit Recht auf das Scheitern des
Ausschreibungsverfahrens hinwiesen und zu Folge der neuen Situation ein neues
Verfahren anregten!
ARWAG erwarb jedoch die Liegenschaft nun ganz allein, ließ „ gegen
Vandalismus “ das Areal fast vollständig einzäunen, zernieren und alle
Fenster der ehemals öffentlichen Einrichtungen (Schwimmbad, Turnhalle usw.) mit
Brettern verschalen. Damit ließ sich zunehmend vergessen machen, dass die nun
unsichtbaren Einrichtungen einst öffentlich waren, - kein Mensch weiß
schließlich noch was Genaues über ein hier einmal öffentliches Hallenbad, das
ohne Grund von SPÖ -VizBM Laska schon 2002 geschlossen worden war. (Und eine
nahe gelegene „Sporthauptschule“ teilt sich nun nach Verlust so verloren
gegangener Freiflächen bis heute völlig unzureichend ein zu kleines Areal mit
einer benachbarten Volksschule in Hadersdorf!)
Mittlerweile ist somit nun bestes Gras über die gut abgelegene Skandalgeschichte
gewachsen, - die unbetreute Bausubstanz sehr gefällig für einen „Neubeginn“
verfallen, ein Finale furioso scheint unmittelbar bevor zu stehen!
Denn nunmehr heißt es, dass die Sanierung der Bausubstanz in der Stadt Kindes
nach den geltenden Energierichtlinien der EU zu Kosten, die sich ARWAG leisten
kann oder mag, einfach nicht möglich sei. Dies habe die Arbeit dreier
Architektenteams ergeben, die von ARWAG zu Sanierungsvorschlägen eingeladen
worden waren!
Schlimme Konsequenz daher, von der Insider berichten: ARWAG plane einen
weiteren Wettbewerb auszuschreiben, der ausdrücklich
die Einhaltung von Kosten- und Energieobergrenzen verlange, was
auf einen Komplettabriss der gesamten Bausubstanz
hinaus laufen dürfte. Und zwar praktischer Weise bei dann
unwiderlegbarer Beteuerung des Eigentümers, dies sei unumgängliche Konsequenz
eines ExpertInnenverfahrens, die eigenen Hände wären gebunden, EU-Vorgaben
müssten eben beachtet werden.
(Dass die
ökologische Bilanz einer Sanierung jedenfalls besser wäre als ein Neubau,
scheint die Juristen nicht zu kümmern. Auch ohne Einhaltung der EU-Richtlinien
würde die Sanierung eine deutliche Verbesserung des laufenden Energieverbrauchs
bringen, - zudem wäre sehr wohl Energie zu sparen! Und zwar en masse für die
Erzeugung der andernfalls nötigen neuen Baustoffe sowie für die Entsorgung der
Altmaterialien!)
Damit scheint am Penzinger Mühlberg demnächst ein ganz ordinäres hochpreisiges
Wohnbauprojekt anzustehen, dessen Kubatur zudem weit über den derzeitigen
Baubestand hinaus reichen wird! (Die aufgelockerte Struktur des Bestandes könnte
entfallen!)
Also wäre in der langen Historie der geschichtsträchtigen Immobilie ein weiteres trübes Kapitel zeitgeistig aufgeschlagen - sofern nicht Wiens SPÖ-Regierung zu einem Umdenken bereit ist, für die in Anbetracht der weit überregionalen Bedeutsamkeit jedenfalls Bürgermeister HÄUPL Zuständigkeit entwickelt sollte. (Wohnbaustadt Dr. Ludwig soll einen Abriss ARWAG gegenüber zwar strikt abgelehnt haben, - ob dies aber ausreicht, scheint in Anbetracht der nunmehrigen Eigentumsverhältnisse äußerst fraglich! Denkmalschutz für die Anlage, die in denkenden Fachkreisen ob ihrer historischen Bedeutung jedenfalls mit dem Karl-Marx-Hof verglichen wird, ist vom Bundesdenkmalamt ausdrücklich verneint worden, - obwohl de fakto jeder abgewohnte Wiener Gemeindebau sehr wohl vom Denkmalschutz behütet ist!)
Womit sich folgender ganz profaner Schlusspunkt der
glamourösen Immobilie abzeichnen würde:
Vom einstigen barocken Landhaus mit weitläufigen Prachtgarten (bis 1715
von niemand Geringerem als Johann Bernhard Fischer von ERLACH erbaut ) des
Easmus von HULDENBURG, kurfürstlicher Gesandter von Braunschweig-Lüneburg ,
wo Maria Theresia 1765 Maria Josepha, tragische zweite Gattin von JOSEPH II.
eingeholt und wo 1770 für die nach Frankreich abreisende Marie Antoinette ein
Abschiedfest zelebriert worden war, würden bis auf weiteres letzte Mauerreste im
Innenhof des Penzinger Bezirksmuseums neben Kfz-Abstellplätzen herum kugeln, im
Stiegenhaus drei allerletzte Groteskfiguren aus dem Barockgarten!
Und von den nunmehrigen Überresten der einst für Europa beispielgebenden
Sozialeinrichtung der „Stadt des Kindes“ – 1968 aus Anlass der
50-Jahr-Feiern der Republik Österreich vom Wiener Gemeinderat beschlossen,
1970-74 von Anton SCHWEIGHOFER gebaut, zuletzt aber mangels Engagement der Stadt
geschlossen, könnten demnächst bald nur mehr Fotos Aufschluss geben, - in der
Hauptsache vermutlich auf der Festplatte eines Computers von Bezirksrat Krisch.
Was aber politische Insider nicht weiter verwundern würde: Stadtplanung und Kultur dieser Stadt sind in unseren Tagen mittlerweile halt einmal in jeder Hinsicht den blanken Renditen von Privaten und den ihnen nahe stehenden EntscheidungsträgerInnen in Politik und öffentlicher Verwaltung vollständig nachgeordnet, konstatiert einmal mehr
Wolfgang Krisch,27.5.07
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