
Flächenwidmung
beschlossen: Öffentlichkeit wird ausgesperrt
Stadt des Kindes : Bezirk beschließt Flächenwidmung für MISCHEK-Bauprojekt
Mehrheitsbeschluss
nach bemerkenswerter Debatte zur Praxis des Wiener Flächenwidmens !
Wesentlichster
Beschluss der Bezirksvertretung Penzing in der Sitzung am 18. 2. war die Änderung
der Flächenwidmung für das Areal der Stadt des Kindes in Hadersdorf.
Statt der bisherigen Nutzung für öffentliche Zwecke wird damit ein privates
Wohnprojekt der Firma MISCHEK möglich, - bislang der Öffentlichkeit zugängliche
Einrichtungen (Sportanlagen, Freiflächen, Hallenbad, Theatersaal etc.) werden dann
nur privat genutzt werden.
Meine
Ablehnung des neuen Planentwurfes begründete ich zum einen mit der
Anlasswidmung, die mittlerweile die übliche Praxis des Wiener Flächenwidmens
darstellt. Dass in Wien tatsächlich nach beliebigen Bauplänen (!) privater
Projektanten Flächen jederzeit bereitwillig umgewidmet werden, halte ich für
rechtlich undenkbar ! Flächenwidmungspläne sind nach meinem Rechtsverständnis
langfristige und verbindliche Vorkehrungen einer Stadt, die nach diversen
Zielvorstellungen der Stadt- und Raumplanung begründbar sein müssten. Wenn
aber Flächenwidmungen nur exakt so lange verbindlich gelten, bis der Stadt
Wien oder ihr nahe stehende Wohnbaugesellschaften eine Umwidmungen finanziellen
Gewinn bringt, führt dies genau genommen Flächenwidmungspläne gänzlich ad
absurdum!
Die Antworten darauf waren erstaunlich: Flächenwidmungen, so der Leiter der MA
28, ÖVP-Bezirksrat, Hofrat Dr. Herwig KLINKE,
seien de fakto „ immer
Anlasswidmungen“. Er käme gerade aus dem Rathaus, wo man zur Änderung
einer Flächenwidmung in Mariahilf aus konkretem Anlass beraten habe. Und
neulich wäre auch Fürst Schwarzenberg bei der Stadt Wien vorstellig geworden,
weil für eine baulichen Erweiterung eines Objektes, die er plane, die Flächenwidmung
nicht gepasst habe. Man hätte sich daher „hingesetzt
und geschaut, was man da machen“ könne, so Herr Hofrat in unverblümter
Offenheit, zu der ich ihm die Antwort ersparte , dass ich Dergleichen für
Amtsmissbrauch und einen eindeutigen Straftatbestand halte.
Erhellend
auch ein weiterer Hinweis von Bezirksvorsteher-Stellvertreter
Mag. Oliver DRAHOSCH (FPÖ). Der wusste zu berichten, dass Firma
Mischek von einem kompetenten Magistratsbeamten der Fachabteilung sogar
schriftlich (!) versichert sei, man werde für das Wohnprojekt die Fläche
natürlich umwidmen. Worauf ich die Bezirksvertretung aufmerksam machte, dass
offensichtlich der Wiener Magistrat nicht einmal mehr den Schein wahre, der gewählte
Wiener Gemeinderat würde Flächenwidmungen beschließen ! Beschlossen werde
diese offensichtlich von Magistratsbeamten, die schon vorweg wissen, dass die SPÖ-Mehrheitsfraktion
solchen Entwürfen ohne Widerspruch zustimmt! Eine derartige Praxis ist für
mich selbstverständlich aus Legitimitäts-Gründen undenkbar: Beamte haben
nicht mehr als Entwürfe vorzulegen und sollten vorab nicht wissen können, ob
diese Entwürfe im Wiener Gemeinderat eine Mehrheit finden!
Gänzlich
lächerlich war schließlich auch der geäußerte Hinweis, es könne ja jede/r BürgerIn
die Änderung eines Flächenwidmungsplanes vorschlagen oder beantragen!
Ganz abgesehen davon, dass BürgerInnen im Normalfall für ihre
Nutzungsabsichten von Flächen den gültigen Flächenwidmungsplan selbstverständlich
und erwartbar berücksichtigen, wäre ich herzlich für nur ein Exempel dankbar,
das die Umwidmung einer Fläche für einen Normalbürger belegen würde, der
sich mit dem gültigen Flächenwidmungsplan nicht anfreunden wollte.
Selbstverständlich sind derartige Umwidmungen allerdings genau dort Praxis, wo vorwiegend Wohnbaufirmen mit Nahbezug zur Stadt Wien oder die Stadt Wien selbst Möglichkeiten erkennen, durch Umwidmungen Millionengewinne zu lukrieren.
Als
keinesfalls schlüssig bezeichnete ich zum anderen auch das Argument, die
Stadt Wien müsse durch den Wegfall der derzeitigen Nutzung der Liegenschaft als
Kinderheim das Grundstück verkaufen! Das ist jedoch keineswegs der Fall: Die
Stadt Wien wäre selbstverständlich gut beraten gewesen, die Liegenschaft in
Entsprechung der bestehenden Flächenwidmung weiterhin für „öffentliche
Zwecke“ zu verwenden. Zahlreiche Möglichkeiten sind dazu denkbar, zumal im
Bezirk ohnehin überall Defizite bestehen: Penzing vermisst dringend eine AHS,
einen entsprechenden Standort für die Volkshochschule und eine Musikschule, es
gibt kein Jugendzentrum, kein Veranstaltungszentrum, sogar die gewählte
Bezirksvertretung hat ständig Raumprobleme bei öffentlichen Veranstaltungen
mit BürgerInnen. Für all diese Nutzungen wären in der Stadt des Kindes nur
geringe bauliche Adaptierungen nötig geworden! Ebenso fehlen
in Penzing überall dringend Frei- und Sportflächen für Kinder und
Jugendliche, die in der Stadt des Kindes bestehen, -
mit der neuen Nutzung allerdings obendrein wegfallen werden.
Besonders ärgerlich zuletzt: Selbst das öffentliche Hallenbad in der Stadt des
Kindes, das offenbar aus reinen Einsparungsgründen seit längerem gesperrt ist,
wird für die Öffentlichkeit verloren gehen ! (Für den vorgegaukelten
„öffentlichen Zugang, den die SPÖ glaubhaft machen möchte, wird nämlich
eine indiskutabel teure Mitgliedschaft in einem Badeklub nötig werden!)
Der
neue Planentwurf wurde jedenfalls mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP (und leider
auch ) von zweien der GRÜNEN beschlossen.
Resümee:
Abgesehen von einer überfälligen Debatte, wie in Wien seltsam und fragwürdig
Flächenwidmungen geändert werden, wird die demnächst im Gemeinderat wohl endgültig
beschlossene Nutzungsänderung der Stadt des Kindes einen herben Verlust für
den Bezirk bringen ! Die Stadt Wien hat einmal mehr die Möglichkeit zu
Verbesserungen der Infrastruktur im Bezirk verpasst und nichts sonst als
billigen Einmalgewinn im Sinn gehabt.
Wolfgang
Krisch, 21.2.04
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