

Prophetisches Grafitti im ehemaligen Kinderheim!
Hallenbad Stadt des Kindes: Öffentlich an „mindestens
einem Nachmittag im Monat im Rahmen eines Badevereins“
…sofern „Kundennachfrage besteht und sich
dieser Nachmittag kostendeckend gestalten lässt“!
Zur Zukunft des Hallenbades, - der nicht nur die SPÖ sondern
auch die ÖVP
zugestimmt hat!
Dass die Privatisierung der „Stadt des Kindes“ seit langem in vielfacher
Hinsicht für SteuerzahlerInnen und NutzerInnen der öffentlichen Einrichtungen
eine Zumutung darstellt, berichte ich seit geraumer Zeit. Dass die Stadt Wien
für die hochwertige, weiträumige Einrichtung mit diversen Sport- und
Freizeitangeboten - Fußball- und Tennisplatz, Leichtathletikanlagen,
Kleinkinderspielplatz, Einrichtungen diverser Vereine ( Judoklub,
Familienberatung, Keramikerwerkstätte etc.) Mehrzweckhalle, Sporthalle,
Hallenbad - nach der Absiedlung des Kinderheimes keine Verwendung mehr finden
wollte, ist schlimm genug, - fehlen doch derartige Einrichtungen sonst überall
in Penzing seit Jahrzehnten.
Schlimm ferner, dass die Stadt sämtliche Nutzungsvorschläge des Bezirks für die
Liegenschaft hartnäckig und listenreich ignoriert und es schließlich nicht
einmal gelungen ist, das Siegerprojekt einer öffentlichen Ausschreibung zu
realisieren, für das man längst vorsorglich die Flächenwidmung nach den
Bauplänen geändert hat.
Als klare Bedingung für die angestrengte „Veräußerung“ und „Umnutzung“ hatte die Stadt übrigens ein einen „ausgeprägt sozialen Anspruchs oder einer besonderen Dienstbarkeit für die Öffentlichkeit“ vorgegeben und verlangt, wonach als Sieger des Wettbewerbs eine Bietergemeinschaft ARWAG/MISCHEK eruiert wurde.
MISCHEK ist mittlerweile Geschichte, der
Wettbewerb somit gänzlich verfälscht aber keineswegs neu durchgeführt. Dem
Wiener Gemeinderat ist nun im heurigen Juni ein Verkaufsvertrag der Liegenschaft
mit der Bietergemeinschaft ARWAG-Wiener Heim „als
Siegerprojekt“ vorgelegt worden, der nun zeigt, was die Stadt
Wien vom Nachnutzer als „ ausgeprägt sozialen
Anspruch oder einer besonderen Dienstbarkeit für die Öffentlichkeit“
verlangt.
Völlig ausreichenden Einblick in den Geist des Vertragswerks bietet dazu das
Vertragsdetail zum Hallenbad der Anlage, für das Öffentlichkeit und
BezirkspolitikerInnen selbstverständlich öffentlichen Zugang erwarten, wie dies
mehrfach der Stadt Wien zur Kenntnis gebracht wurde.
Ergebnis: Die Stadt verlangt nun vom Käufer, dem die aufwändige Renovierung oder
gegebenenfalls der vollständige Neubau des Bades natürlich aus Steuergeld der
Allgemeinheit vertraglich zugesichert wird, die ausdrückliche Verpflichtung,
„ die Schwimmhalle zu betreiben und zwar als
Gemeinschaftsanlage im Sinn des MRG“ (Mietenrechtsgesetzes) für alle zu
errichtenden bzw. zu revitalisierenden Wohnungen sowie auch, auf Basis der
angebotenen, wertgesicherten Tarife, als Nutzung im Rahmen eines Badevereins zum
Zweck des Schulschwimmens von Schulklassen der Stadt Wien im Ausmaß von bis zu
7000 Personen pro Jahr a rund 45 Minuten, (was
für den Unterricht der nahen Sporthauptschule Hadersdorf unabdingbar ist!
Anmerkung Krisch) sowie an mindestens
einem Nachmittag im Monat auch als öffentliches Bad, sofern eine entsprechende
Kundennachfrage besteht und sich dieser Nachmittag kostendeckend gestalten
lässt.“
Damit ist nicht nur verschwiegen, wie hoch die
"wertgesicherten Tarife" des dubiosen
Badeklubs sein werden (bislang ist von 300 € pro Jahr die Rede!), die bald die "entsprechende
Kundennachfrage" in Zweifel ziehen werden, sondern auch bereits
der Weg zum Ausschluss der Öffentlichkeit im Vertragstext festgelegt, sollte
selbst die Preisbarriere nicht das gewünschte Ergebnis erbringen. Der Betreiber
braucht lediglich die Kostendeckung in Abrede stellen!
Wenn diese Zumutung die „hohe Dienstbarkeit für die
Öffentlichkeit“ darstellen sollen, muss ich das der SPÖ-Regierung
als nichts sonst als eine dreiste Provokation der Öffentlichkeit
nachsagen, die drastisch das soziale Engagement der SPÖ-Regierung dieser Stadt
zeigt! Schlimmere Verträge wären auch von keiner ÖVP-FPÖ-Regierung zu
befürchten!
Wir haben im Gemeinderat diesem Vertrag - der mit den Stimmen von SPÖ und
ÖVP (!!) angenommen wurde - natürlich heftig widersprochen
und erwarten selbstverständlich seine Korrektur im Sinne der Ausschreibung
ebenso wie Bemühungen von Frau Bezirksvorsteherin Kalchbrenner, SPÖ, die für
Penzing jener Jury angehört hat, die das Siegerprojekt zur Nachnutzung gefunden
hat.
Wolfgang Krisch, 7.7.05