Wien macht Schule - aber in Penzing zu wenig! SPÖ-Information aus dem letzten Wahlkampf

 

260 Wohnungen - maximal 45 Kinder !
Stadtrat Oxonitsch erläutert, welche "Erfahrungswerte" Wien ersparen sollen, in Penzing zusätzliche Plätze in Kindertagesheimen und Schulen zu schaffen!


Dass die Stadt Wien und der Wiener Stadtschulrat seit jeher keinerlei belegbare Schulraumplanungen anstellen, gehört für Schulexperten zu den verblüffendsten Einblicken in die Usancen der Wiener Stadtverwaltung! 
Fehlt an Schulstandorten irgendwo Platz, wird einfach ein Container aufgestellt. Fehlt in ein paar Jahren darauf neuerlich Platz, stapelt man halt auf den Container einen nächsten!
Wieso das so ist, blieb bislang in Wien völlig ungeklärt! Als ich zuletzt im Kollegium des Wiener Stadtschulrates die Kritik anbrachte, es hätte in Wien noch niemals ein Schulraumkonzept bestanden, hielt das der Abteilungsleiter für die Wiener Pflichtschulen eher für lobenswert: Daran sieht man eben, wie flexibel Wien ist!

Wiener – aber ganz besonders Penzinger – SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen können das allerdings keineswegs so entspannt sehen! Gerade Penzing ist nämlich unerklärlicher Weise der Spitzenreiter unter den Wiener Bezirken mit den meisten Schulraumdefiziten! Penzings überwiegend uralte Schulgebäude – zum Teil aus der Kaiserzeit stammend - sind zwar seit der Amtszeit der derzeitigen Bezirksvorsteherin tadellos baulich saniert, genügen aber keineswegs für den bestehen Bedarf und reichen vielfach keineswegs aus, wenn Unterricht zeitgemäß gestaltet sein soll! Insbesondere Freiflächen, Pausenräume und Spielflächen für eine Ganztagsbeschulung stehen nirgendwo ausreichend zur Verfügung! Ganztagsunterricht soll offensichtlich heißen, für Kinder und Jugendliche auch Nachmittags jene Sessel vorzusehen, die Vormittags immerhin für sie in ihrer Klasse bereit stehen!

In Penzing sind jedenfalls in den vergangenen Jahren in zahlreichen Schulen s.g. Container errichtet worden, die von Wien längst nicht mehr als Provisorium verstanden werden, obwohl sie ursprünglich als solche eingeführt wurden!

Für den Raumbedarf genügt das dennoch bei weitem nicht, - der Ruf nach Schulneubauten in Penzing ist hoch berechtigt. Zumindest ein weiterer Volksschulstandort und eine solcher für eine AHS fehlt seit Jahren dringend! Für den Bereich der Theodor-Körner-Kaserne in Breitensee war vor Jahren ein „Schulcampus“ geplant aber nie realisiert worden. Ersatz wurde mittlerweile zumindest für den AHS-Bereich – ressortzuständig sind Bundesdienststellen – in Hütteldorf gefunden: Im Bereich des Bahnhofs ist eine AHS in Planung! 

Für den Pflichtschulbereich sind allerdings weiterhin keinerlei Planungen bekannt, obwohl überall im Bezirk die zum Teil hoch veralteten Schulgebäude  aus allen Nähten platzen und obendrein zahlreiche Wohnbauvorhaben die Probleme nach meiner Abschätzung dramatisch verschärfen werden!  (So zeichnet sich als nächste Problemzone bereits Oberbaumgarten ab, wo auf dem Areal des Otto-Wagner-Spitals 600 Wohnungen geplant sind! )

Also habe ich vorerst aus Anlass des Wohnbauprojektes in der Stadt des Kindes  - 260 Wohnungen werden bis Herbst 2013 bezogen sein - mittels Anfrage in der Bezirksvertretung um Auskunft gebeten, für wie viele Kinder und Jugendliche zusätzliche Plätze in Schulen und Kindertagesheimen benötigt werden, nachdem derzeit gerade in Hadersdorf die Raumnot besonders drückend ist!

Eine erhellende Antwort ging mir von SPÖ-Stadtrat Christian Oxonitsch zu.
Konkrete Zahlen, so das zuständige Regierungsmitglied wie viele Kinder welcher Alterstufe in der neuen Wohnbebauung wohnhaft sein werden seien schwer vorhersehbar"! Nach Erfahrungswerten seien in den ersten Jahren nach der Erstbesiedlung ca. 20 bis 25 Kinder im Vorschulalter und ca. 15 bis 20 Kinder im Volksschulalter zu erwarten.“ Nach diesem stadträtlichen Erfahrungswert soll es also in 260 (zweihundertsechzig) neuen Wohnungen maximal etwa 45 (fünfundvierzig!)  Kinder geben, über deren Kindergarten- und Schulplätze sich Wien Gedanken machen sollte! Herr Stadtrat liefert aber gleich auch eine fantastische Erklärung, warum in der schnieken neuen Wohnsiedlung so wenig Kinder ins Gewicht fallen sollen! Es sei davon auszugehen, dass die erwartende Zahl an Kindern durch den Anteil der freifinanzierten Wohnungen geringer sei! Offensichtlich können sich die SteuerzahlerInnen fast glücklich schätzen, dass Wien die ehemals öffentliche Einrichtung  (für deren Nachnutzung die hohe Dienstbarkeit für die Öffentlichkeit per Ausschreibung ausdrücklich verlangt war)  hoch subventioniert an einen Bauträger verscherbelt hat, dessen Wirken nun auf überwiegend kinderlose Nutzung angelegt scheint, sollte Herr Stadtrat recht haben!

Andernfalls aber – und davon gehe ich auf Grund besserer Erfahrungswerte aus - droht ab dem Schuljahr 2013 ein katastrophaler Engpass an Kindergarten- und Schulplätzen in Hadersdorf!  
Simple „Lösung“ aus Sicht des Stadtrates:
Um den steigenden Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen abzudecken ist ein 8-gruppiger Kindergarten am Standort in 1140 Wien, Waidhausenstraße 30 geplant ( der aus Hadersdorf in eh nur 20 Minuten Fahrzeit mit dem Auto erreichbar ist!) 
Und:
Hinsichtlich des Volksschulbereiches wurde seitens des Stadtschulrates für Wien bereits in der Vergangenheit hingewiesen, dass … eine beengte Raumsituation besteht….. Man habe daher schon qualitative Verbesserungen geschaffen,  - zu nennen wären zusätzliche Pavillons oder die Adaptierung des Speisesaales“. 

Somit ist immerhin rührend, dass Herr Stadtrat durch seine eigenen Dienststellen schon in der Vergangenheit auf das Fehlende hingewiesen (!) wurde! Jetzt müsste ihn nur noch irgend jemand drauf hinweisen, dass man nach dem nützlichen Hinweis aus der Vergangenheit auch konkret was für die Zukunft tun müsste, sofern der Hinweis selbst nicht schon als Gesamtumfang an Problemlösung gelten soll!  Derzeit, so der Stadtrat werde durch die MA 56 geprüft, welche "weiteren Maßnahmen" gesetzt werden können! 

Ich darf zu der Prüfung konstruktiv zweierlei beitragen: Erstens,  dass ein Schulbau für Ausschreibung, Planung und Bauzeit mindestens drei bis vier Jahre Zeit braucht, in Penzing – und besonders nicht in Hadersdorf – allerdings bis dato keinerlei (!) geeignete Flächen für einen Schulneubau erkennbar sind! Für tatsächliche Maßnahmen ist es somit leider schon entschieden zu spät!
Zweitens aber fordere ich, dass sich endlich auch die Penzinger Bezirksentwicklungskommission mit derartigen Planungsfragen beschäftigen sollte! Obwohl die Problematik für Penzings Bevölkerung von enormer Bedeutung ist, ist das Thema noch niemals auf eine Tagesordnung der Bezirksentwicklungskommission geraten!  Wie man also sieht, ist Stillstand nicht nur auf die Bundespolitik beschränkt, weiß zuverlässig

Wolfgang Krisch, 7.10.11
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