Wiener Linien raten: 2 Stunden vorher anrufen, wenn man wissen will,
wann ein ULF vorbei kommt!

Kunden sollen selbst telefonisch recherchieren, wann behindertengerechte Garnituren verkehren!

 

Manchmal glaubt man ja wirklich nicht, mit welchen Zumutungen BürgerInnen konfrontiert werden, die sich mit berechtigten Anliegen an Ämter, Behörden oder Betriebe wenden! Der Einfallsreichtum, mit dem BürgerInnen im Stil des sprichwörtlichen Salzamtes gepflanzt werden, ist jedenfalls schier unerschöpflich!

Das jüngste Beispiel stammt einmal mehr von den in dieser Hinsicht besonders ideenreichen Wiener Linien.  An diese wandte sich eine Penzingerin, deren betagte Mutter im Pensionistenheim Gustav Klimt wohnt und gehbehindert ist mit folgendem Anliegen:



Sehr geehrte Damen und Herren!

Meine Mutter wohnt im Pensionistenheim Gustav Klimt, Felbigergasse 81. Da ich meine Mutter öfters zu div. Ärzten, med. Behandungen, Zahnärzten dgl. begleiten muß, da sie mit einem Stock geht, haben wir ein großes Problem.

 Ich habe festgestellt, dass ULFS auf der Linie 49 nur sehr spärlich eingesetzt werden und man oft 30 bis 40 Minuten warten muß, obwohl ein Geriatriezentrum, ein Pensionistenheim und zwei Spitäler nur mit der Linie 49 erreichbar sind. Wie soll man einen Arzttermin rechtzeitig einplanen, wenn man nicht einmal weiß, ob man rechtzeitig vom Wohnort wegkommt? Wir haben beide eine Jahreskarte, aber es wird für ältere Menschen immer schwerer,die Wr. Linien zu benützen…. Es müsste doch möglich sein, diesen Missstand zu beheben und auch auf alte und behinderte Menschen Rücksicht zu nehmen…


Fantastische Reaktion der Wiener Linien: Man riet der Frau, sie möge „2 Stunden, bevor man plane wegzufahren, beim Kundendienst anrufen, um zu erfahren, wann eine ULF-Garnitur die gewünschte Station anfährt!“  


Wieso die Wiener Linien diese Auskunft nicht auf den Fahrplänen bei den Stationen a priori bekannt machen können, werde ich jetzt umgehend als Mandatar anfragen, ehe der Vorschlag Schule macht und die Kunden der Verkehrsunternehmen generell auf eigene Kosten vor jeder Fahrt recherchieren dürfen, wann das Unternehmen zu einer vorab teuer bezahlten Leistung auch tatsächlich bereits ist, diese zu erbringen - aber nicht in der Lage ist, das von selbst bekannt zu machen!


Der Vorschlag ist auch deshalb eine veritable Zumutung, weil die Wiener Linien generell ohnehin nirgendwo angeben können, wann Straßenbahnen bei Stationen pünktlich eintreffen. Im Fall der Linie 49 sind die elektronischen Geräte, die bei manchen Stationen die Wartezeit auf eine nächste Garnitur erkennen lassen, häufig defekt und völlig unbrauchbar, - und die ausgehängten Fahrpläne überhaupt zu vergessen! Da ist nämlich – fernab jeder Realität – tagsüber ein Intervall von 3-6 Minuten angekündigt, - die tatsächliche Wartezeit macht gut und gern das Doppelte aus! (Was im Übrigen auch für die U-Bahnen gilt, die häufig längere Intervalle haben, als im Fahrplan angegeben, für die aber natürlich die übliche Ausrede nicht gilt, dass der böse Autoverkehr die Einhaltung des guten Fahrplanes verhindert!)


Dass die Wiener Linien die Bürgerin aber in Wirklichkeit nicht seriös beraten – der Vorschlag könnte ja für unbedarfte Menschen als Ansatz von Kundenfreundllichkeit durchgehen - sondern in Wirklichkeit dreist gepflanzt haben,  bewies aber zuletzt die Auskunft, wer für den Missstand zuständig sei.

Der Bürgerin wurde nämlich allen Ernstes erklärt, dass es „Sache der Bezirksvorstehung“ (!!) sei, sich des Problems anzunehmen, was es mitnichten ist. Dass das Wagenmaterial der Wiener Linien behindertengerecht zu sein hätte,  bei weitem aber davon keine Rede sein kann, ist lediglich Sache der Wiener Linien – und sonst natürlich nur der Wiener Stadtregierung. Die hat allerdings vor Jahren die betagten Wiener Straßenbahngarnituren im Rahmen steuersparender so genannter „Cross-Border-Leasing“ - Geschäfte an amerikanische  Investoren (State Street Bank&Trust Company) verleast.  Wiens Straßenbahnen gehören seither nicht mehr der Stadt. Und weil die Amerikaner, von denen die Wagen umgehend zurück geleast wurden, natürlich keinerlei  Interesse haben, dass die überalteten Garnituren ausgemustert werden und Kosten für neues Material anfällt, sollen diese Uraltgarnituren der Wiener Straßenbahnen bis 2016 (!!!) in Betrieb sein und dann ihr 50jähriges Betriebsjubiläum feiern dürfen!   

Und bis dahin werden sich die Wiener Linien wohl weiterhin irgendwelche Ausreden und Zumutungen für Fahrgäste ausdenken müssen, die wissen wollen, wann endlich eine ULF-Garnitur die behindertengerechte Benützung der Straßenbahn ermöglicht!

Wolfgang Krisch, 17.4.09

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