


Gefährlicher Bedienungsweg? Alles dem Flüchten nachgeordnet!
Wienfluss-Auhof: „Bedienungsweg“ für mögliches Radfahren !
Erste Verbesserung für das
Radfahren im Bezirkswesten, mit allerdings zahlreichen Mängeln !
Nachdem seit wenigen Tagen nun auch die Durchfahrt durch
das bislang versperrte Betriebsgelände der MA 45
(Wasserbau) in Mariabrunn möglich ist, kann eine erste Beurteilung
des neuen Radwegs entlang des Wienflusses von Mariabrunn bis Hütteldorf
erfolgen.
Selbstverständlich ist die neue Verbindung - von den GRÜNEN seit Jahren als
Teil eines Radweges im Bett des Wienflusses bis zur Urania und an die Donau
verlangt - grundsätzlich positiv und erfreulich. Immerhin besteht nun eine
tatsächliche ernsthafte Möglichkeit, mit dem Rad von Hütteldorf aus die
westlichen Randsiedlungen und die Radwege im Umland zu erreichen, die
tatsächlich auch schon nicht nur von FreizeitradlerInnen sondern auch für
tägliche Besorgungen und Arbeitswege genutzt wird.
Probleme und Mängel bestehen allerdings zuhauf im Detail! Zum einen ist der Radweg gar nicht als solcher ausgewiesen. Schwerer Widerstand der MA45 hat dazu geführt, dass die Radverbindung rein rechtlich lediglich als „Bedienungsweg“ der MA 45 eingerichtet ist, dessen Benutzung „für Fußgänger und Radfahrer für die Dauer der Öffnungszeit möglich“ ist, wobei „den Anweisungen der Bediensteten der MA 45 Folge zu leisten ist“.
Dass dabei die „Öffnungszeiten“ nirgendwo bekannt gemacht sind, ist noch das
Positivste an der Groteske, die daher kommt, dass die MA 45 offensichtlich ihre
Verantwortung für – allseits ausgeschilderte - Hochwassergefährdung geltend
gemacht hat, um sich die RadfahrerInnen am Wienfluss nicht antun zu müssen.
Nachdem dies nichts genützt hat – der politische Druck auf einen Radweg war
eindeutig zu groß – musste nun ein aufwändiges Alarmierungssystem entlang des
gesamten Bedienungsweges auf beinahe 2 Kilometern Länge für den Hochwasserfall
installiert werden. An mehreren Stellen sind riesige Signalanlagen eingerichtet,
die im Hochwasserfall durch Blinken und Lautsprecher zum Verlassen des Weges
auffordern werden, zudem weisen eine Vielzahl von grotesken Hinweisschildern
einen Fluchtweg aus, - weit aufwändiger, als das wohl in den Tunneln der Wiener
U-Bahn der Fall ist. Die Steuerkosten dafür müssen enorm gewesen sein, die
Notwendigkeit steht mehr als in Frage und beschäftigt auch schon die belustige
Öffentlichkeit! (So findet beispielsweise ein Hütteldorfer nicht ohne
Berechtigung, dass man bei diesen Sicherheitsauflagen sogar aus dem
Wienflussbecken robben könnte ohne nass zu werden!) Jedenfalls beweist
der noch unbekannt hohe Finanzaufwand, dass in Wien der stets beteuerte
Geldmangel keine Rolle spielt, wenn der politische Druck der Öffentlichkeit oder
der Verwaltung nur groß genug ist!
Streng hält man es bei der MA 45 offenbar auch mit den zu befolgenden
Anweisungen der Bediensteten, wie mir schon berichtet ist. So drohte neulich ein
übel gelaunter Bediensteter der Wienflussaufsicht tatsächlich einem Bürger mit „Besitzstörungsklage“
und der Polizei, die „in zehn Minuten da ist“, wenn er vom Bedienungsweg
seinen Fuß in das Wienflussbecken setze!
Streng Verbotenes im Wienflussbecken!
Das sei nämlich gänzlich verboten, wie alle 100 Meter angebrachte Schilder vermelden! (Angesichts der Qualität des Wassers empfiehlt sich allerdings tatsächlich, Abstand zu halten! Schon der bloße Geruch erinnert überdeutlich an die Dringlichkeit des ausstehenden Wienflusssammelkanals, den die Stadt derzeit nicht glaubt finanzieren zu können!) Auch Hunde, die nicht an der „kurzen Leine“ geführt werden, erbosen die MA 45, die dafür hinweist, dass sich unterhalb der U4-Hütteldorf gar niemand an Hunden im Flussbett stört.
Tatsächlich sind aber Hunde, freilaufend oder an langer Leine, auf dem bereits
stark frequentierten „Bedienungsweg“ wirklich problematisch, was aber am Wegebau
liegt. Er ist nämlich ab der Höhe
des Retensionsbeckens reichlich schmal und obendrein ab dort auch nur auf halber
Breite asphaltiert, - die andere Hälfte bietet den RadfahrerInnen gediegenes
Kopfsteinpflaster! Ob dies das Training für den Radklassiker Paris – Roubaix,
der über Kopfsteinpflaster führt, ermöglich soll, ist zweifelhaft. Sicher ist
aber, dass im Begegnungsverkehr Ausweichen nur über das holprige Pflaster
möglich ist und dass daher grundsätzlich der Weg eher für Mountainbikes geeignet
ist.
Über
weite Bereiche
Kopfsteinpflaster
Zu
schmaler Durchlass bei den Zugängen
Eine Schiebestrecke über eine Brücke im Bereich der Wienflussaufsicht,
die sich tatsächlich nicht verhindern ließ, wird man als Nutzer akzeptieren
können, was aber keineswegs für fehlende Anschlüsse an weiter führende Radwege
gilt: So fehlt in Hütteldorf dringend eine Auffahrt zur Deutschordenstraße,
nachdem eine Rampe nur zur Brauhausbrücke führt, von wo man sich besser nicht
leichtfertig ins Verkehrsgewühl der Kreuzung Keißlergasse - Bergmillergasse
wagen sollte. (Auch die verschlammte Unterführung durch die Westbahn in den
Ferdinand-Wolf-Park ist wenig einladend!)
Die Alternative ist schrecklich unattraktiv: Am östlichen Ende führt der Weg
über das Gerinne und bergauf zum Hietzinger Kai auf den gläsernen Fußgängersteg.
Von dort müsste man das Rad über die Stiegen bergab tragen und durch den Bahnhof
Hütteldorf schieben! Neuerlich ist damit der Anschluss an das Hietzinger
Radwegenetz (Auhofstraße) bestens gelungen, während Penzing diesbezüglich keine
Überlegung wert war.
Zufahrt zum Bahnhof: Nach Hietzing hinüber über den Steg zurück - und schieben!
Sichere Anbindung an Penzinger Radwege fehlen!
Resümee: So begrüßenswert das geduldete Radfahren auf dem „Bedienungsweg“ ist,
so verbesserungsfähig sind die zahlreichen Details, die das Projekt noch
wesentlich attraktivieren werden, sofern der politische Wille dafür besteht! Die
Stadtverantwortlichen werden jedenfalls bald erkennen können, dass hoher Bedarf
an einem weiteren Ausbau des Wienflussbeckens für einen Radweg über die gesamte
Länge besteht!
Wolfgang Krisch, 20.7.05