Exzessive
Sicherheitseinrichtungen am "Bedienungsweg"
Wienfluss „Rad- und Gehweg“: 1,04
Millionen € für die Errichtung, 144 400 € für den Betrieb – pro Jahr!
Verheerender Rechnungshof-Rohbericht zum Penzinger Radweg, der nicht einmal
einer ist!
Wenn man gelegentlich nachlesen kann, wo üppig Steuergeld geblieben ist, das in
einem der reichsten Staaten der Welt haufenweise sonst wo fehlt, tun sich
zumeist die üblichen Verwaltungsabgründe auf! So zuletzt im Wiener Umweltressort
von Maga. Uli SIMA zufolge eines Rechnungshof-Rohberichtes, aus dem
ein lang bekanntes Penzinger Kabinettstück nun unzweifelhaft ersichtlich wird.
Bei der Prüfung der Wienfluss-Revitalisierung, die nach überbordenden Ausgaben
für nie realisierte, ständig geänderte Planungen, mittlerweile gänzlich zum
Erliegen gekommen ist, war dem Rechnungshof (RH) auch ein im Frühjahr 2005
eröffneter Weg am Flusslauf zwischen Hütteldorf und Auhof untergekommen.
Wer dem RH diese kaum 1,5 Kilometer
lange Baulichkeit als „Rad- und Gehweg“
unterjubeln konnte, ist unbekannt – schlau überlegt war es allemal! Tatsächlich
handelt es sich nämlich rechtlich um nicht sonst als um einen „Bedienungsweg“
der MA 45, auf dem – zu bestimmten Zeiten – das Radfahren und Spazierengehen der
Öffentlichkeit durch die MA 45 gnädig erlaubt wurde, resp. erlaubt werden
musste.
Denn unter großem Druck der Penzinger GRÜNEN, denen seit bald zwei Jahrzehnten keinerlei wesentliche Maßnahme für das Radfahren im Bezirk wirklich untergekommen wäre – hatte sich Umweltstadträtin Maga. Uli SIMA zur Errichtung dieser nahe liegenden Radwegemöglichkeit entschlossen, war aber dabei sofort auf heftigen Widerstand der „Fachabteilung“ (MA 45) gestoßen. Deren ewiges Gebarungsprinzip seit Bestehen der Wienflussverwaltung stellte nämlich ein striktes Betretungsverbot des gesamten Flusslaufes und seiner Baulichkeiten dar, - mit schnöder Öffentlichkeit im beschaulichen Verwaltungsreich wollte man sich nun keineswegs abfinden!
Und da sich nun einfache Njets von
autonomiebewussten Magistratsabteilungen zu Vorgaben ihrer politischen
EntscheidungsträgerInnen noch immer nicht (gänzlich) durchgesetzt haben, dürfte
man in der MA 45 auf die Idee verfallen sein, die Fuß-Radweg-Vorgabe der
Stadträtin über ausgeklügelten, völlig aberwitzigen Kostenaufwand für
Sicherheitsmaßnahmen zu Fall zu bringen!
Dass die Stadträtin immerhin dennoch gerade noch in der Lage war, den (zudem
bewusst benutzerfeindlich angelegten) Radweg schließlich immerhin durchzusetzen,
ist für SteuerzahlerInnen allerdings ein ziemlich schwacher Trost! Frau
Stadträtin schaffte das Kunststück nämlich ohnehin nur, indem sie - wie der
Rechnungshof darstellt - Kostenanteile aus dem Gesamtaufwand "herausrechnen"
ließ, wodurch eine sonst obligate "Wirtschaftlichkeitsbesprechung" zu vermeiden
war. Mit einer solchen hätte die MA 45 vermutlich schlichtweg gewonnen - und ihr
Weglein am Wasser durch Publikum weiter ungestört hegen können!
Das Radwegestückerl, das jetzt durch kurioseste Sicherheitstechnik gegen jähe
Hochwasser besser ausgestattet ist als neueste Tunnelröhren für den U-Bahn- und
Eisenbahnbetrieb trotz dort erwartbarerer Katastrophen, sorgt nunmehr jedenfalls
seit der Eröffnung nicht nur durch unfallträchtige Bauschikanen
(großteils Grobpflasterung neben säumenden
Felsblöcken im Begegnungsverkehr, künstliche Absperrungen, Trage-Strecke über
Stufen usw.) für Furore.
Schlichte 1,04 Millionen Euro
soll nämlich nach Ermittlungen des Rechnungshofes allein die Errichtung des
Weges gekostet haben, - weitere 144 400
Euro der Betrieb!
Und zwar
jährlich wohlgemerkt –
und dies, obwohl der Weg gerade einmal zu „30
Prozent des Jahres“ durch die Öffentlichkeit überhaupt nutzbar
ist!
Lapidarer Vermerk somit in dem Bericht: Der Weg stelle daher
„eine sehr eingeschränkte Alternative für den
Berufsverkehr dar“. Zu dem ursprünglich geplanten „Wiental-Highway“
für Radfahrer zwischen Auhof und dem Donaukanal im Wienflussbett
empfiehlt der RH zudem eine Realisierung nur bis zur Kennedybrücke, - ohne dass
die Stadt Wien derzeit nur im Schlaf daran denken dürfte, überhaupt nur einen
einzigen zusätzlichen Meter Radweg im Wienflussbecken hinkünftig tatsächlich in
Angriff zu nehmen! (Kein Wunder fast, wenn man als Stadträtin eine derartige MA
45 im Genick hat!)
Nachdem zu Rohberichten des Rechnungshofes
die geprüften Dienststellen die Möglichkeit haben, Stellung zu nehmen, wird
Stadträtin Sima (vermutlich umgehend) klarstellen, dass diese MA 45-Pretiose
natürlich überhaupt keinen „Radweg“
darstellt!
Daher kann „Berufsverkehr“
natürlich ausschließlich für jene beiden MA 45-Mitarbeiter vorgesehen sein, die
auf und in nagelneuem Mountainbike-Equipment (neueste Räder, Kleidung, Helme,
selbst Radcomputer der gehobenen Preisklasse) auf der Wege-Kostbarkeit
patrouillieren, um das Publikum dabei zur Ordnung zu rufen, dabei aber offenbar
keinen Auftrag haben, gröberen Mist (im Moment z.B. ganze Stapel übrig gebliebener
Gratiszeitungen „Österreich“ ) aus dem Fluss entfernen zu lassen, in
den selbst Kinder - der MA 45-Ordnung halber – eigentlich nicht eine einzige
Zehe setzen dürfen - vermutlich, um renaturierten Dreck und Algen in ihrer übel
riechenden Existenz nicht zu stören!
Damit es aber nicht wieder heißt, ich würde immer nur die bemühte Wiener Verwaltung kritisieren, kann ich selbst in diesem schlimmen Fall zu guter Letzt Positives vermelden: Denn die MA 45-Kontrollore verscheuchen seit einer Anfrage meinerseits Publikum nun keineswegs mehr mittels plärrender Endlos-Tonbanddurchsagen bei „Betriebsschluss“ des „Bedienungsweges“ - was seinerzeit zu Recht als Lärmterror beklagt worden war.
Schon durchaus höflich weisen sie
persönlich auf nötiges Verlassen des „Radweges“
hin – und erklären gern, macht man sie auf ihren Irrtum aufmerksam, es handle
sich doch nur um einen „Bedienungsweg“ und nicht um einen „Radweg“, das sei
nicht ganz so, - man befinde sich hier jetzt auf einem „Bedienungsweg,
in Klammer (sic!) Radweg“! Und
selbst Nationalrat Andreas SCHIEDER springt mittlerweile bei der Begrenzung des
Schadens hilfreich seiner Stadträtin bei: In einer jüngsten Werbezeitung der
SCA (Shopping- Center-Auhof) brachte er in einem Editorial glatt den "stark
angenommenen" Radweg ins Gespräch, - offensichtlich gilt das
Wegerl nun gar schon als Ersatz für Verkehrsgutachten und ausreichende
Verkehrserschließung des Einkaufszentrums im Auhof, - der Weg scheint
neuerdings Karriere zu machen!
Schön immerhin, wenn schon bloße
Rohberichte des Rechnungshofes zu Gunsten Steuer zahlender BürgerInnen fürs
Erste wenigstens zu semantischen Bemühungen führen, meint
Wolfgang Krisch, 26.6.07
Bisherige Berichte:
Wienfluss-Auhof:„Bedienungsweg“ für mögliches Radfahren !
Erste Verbesserung für das Radfahren im Bezirkswesten, wenn auch mit zahlreichen Mängeln !
20.7.05