
Bücherbus-Station
Wolfersberg: Schon zuletzt verkürztes (!) Angebot am verordneten Halteverbot
ersichtlich - aber sowieso keine Ausleihe " falls die Haltestelle
verparkt" ist !
Wiens Bücherbus wird eingespart
nicht
aber die plumpen Ausreden dafür!
Das
Angebot der Wiener Büchereien wird im Bezirkswesten noch dürftiger!
Mit Ende Juni, so teilte die Stadt
Wien schon vor Wochen mit, werde der Wiener Bücherbus der Wiener Büchereien
eingestellt, eine „Institution“ gehe nach 50 Jahren in den „wohlverdienten
Ruhestand“.
Diese Entscheidung, die wohl noch auf die zuletzt in den überlang überfälligen
Ruhestand getretenen SPÖ-Vizebürgermeisterin Grete LASKA zurückgehen dürfte,
macht Betroffene einigermaßen sprachlos: Wenn
Kinder und Jugendliche (wie vielfach auch deren Eltern) immer weniger lesen,
wenn internationale Intersuchungen (PIRL, PISA) dementsprechend schwache
Lesekompetenz feststellen und damit die wichtigste Grundlage von jedwedem
Bildungserwerb behindert wird, -
ausgerechnet dann reduziert die Stadt Wien das Angebot der Wiener Büchereien,
und zwar aus bloßen Einsparungsgründen!
Denn selbstverständlich sind die Erklärungen der Stadt Wien für dieses
bildungspolitische Armutszeugnis bei genauem Hinsehen lachhaft:
Der „großer Bus“ sei „schon
sehr in die Jahre gekommen“, was „eine
prinzipielle Entscheidung über das Fortbestehen der Bücherbusse notwendig
gemacht“ hätte, heißt es als Erklärungsversuch der Stadt.
Auch „können
die Bücherbusse aus räumlichen und
technischen Gründen, wie auch der kurzen Aufenthaltsdauer in den Stationen die
Qualitätsansprüche zeitgemäßer Büchereiarbeit nicht mehr erfüllen“
und darüber hinaus seien „in den
letzten Jahren auch die Entlehnzahlen stark rückläufig gewesen“.
Dass
ein sehr in die Jahre gekommenen Bus einmal zu erneuern ist,
sollte für Wien allerdings keine elementare Überraschung dargestellt
haben, - ebenso hätte man auf die pfiffige Idee kommen können, die „kurze
Aufenthaltsdauer in den Stationen“ schlichtweg kundenfreundlich zu verlängern,
hätte man nicht sparen wollen!
Gänzlich dreist ist aber der Hinweis auf die „räumlichen“
Hinderungsgründe! Damit ist nämlich nur auf jene Halteverbote
angespielt, die bei den Haltestellen
der Bücherbusse natürlich zum Zentralproblem der Wiener Verwaltung, dem
gemeinen Parkplatzverlust, führten! Was natürlich ohnehin keineswegs
heißt, dass die Halteverbote (für die meist 2 verordneten Stunden) auch
beachtet wurden. Daher galt bei den Bücherbusstationen seit jeher die
sagenhafte Voraussetzung, dass der Bücherbus nur halten würde, wenn die
Station „nicht verparkt“ (!!) ist.
Wie häufig das bei der gängigen Disziplin der Wiener AutofahrerInnen der Fall
gewesen sein mag, lässt sich lebhaft vorstellen! Dann aber darüber zu klagen,
dass die Entlehnungen „rückläufig“
gewesen wären, ist ein starkes Stück an Demagogie! Aus fahrenden Büchereien,
die nicht halten, lässt sich nämlich nun einmal ganz schwer viel entlehnen!
Bücher
aus dem Bücherbus können im Übrigen auch ganze Volksschulklassen nicht mehr
entlehnen, die bisher das Angebot sehr gut angenommen hatten!! Dazu hatte Wien
angekündigt, diesen Klassen die „neuen AnsprechpartnerIn aus der nächstgelegenen
Zweigstelle der Wiener Büchereien“ samt einem „Animationsprogramm“
den Klassen vorzustellen! Das freut natürlich, denn Wiens Büchereien sehen
sich nach Eigendefinition als „Bildungsinstitution“
und „Dienstleisterin“.
Die „nächstgelegene“ Bücherei für Kinder aus dem gesamten Bezirkswesten
unter ganzen zweien (!) in Penzing liegt übrigens im Hugo-Breitner-Hof in
Baumgarteen und ist eine bloße „Thekenbibliothek“, in der NutzerInnen nicht
selbstständig stöbern können, sondern Bücher an der Theke vorgelegt
bekommen!
Die „nächstgelegene“
Freihandbibliothek findet sich in der Hütteldorfer Straße 130d in Penzing –
außerhalb jeder zumutbaren Reichweite für VolksschülerInnen!
Dass für über 90 000 Menschen in Penzing zwei ganze Büchereien – darunter
eine keineswegs zeitgemäße – ein mehr als dürftiges Angebot darstellen, ist
selbstverständlich seit Jahren evident. Ich habe daher schon vor etlichen
Jahren bei Stadträtin Grete LASKA die
Errichtung einer Bibliothek im Bezirkswesten natürlich ganz ergebnislos
beantragt, werde aber diesen Antrag bei ihrem Amtsnachfolger bei nächster
Gelegenheit mit Nachdruck erneuern!
Mein Eindruck ist jedenfalls, dass nicht nur der Bücherbus in den Ruhestand
getreten ist, - sondern weit eher
das Engagement der SPÖ-Stadtregierung im Bemühen um eine angeblich „zeitgemäße
Büchereiarbeit“!
Wolfgang Krisch, 11.6.09