Fassadendetail am betroffenen Gemeindebau neben Erinnerungstafel an Bauherr Franz Jonas: Bullauge mit Wasserflecken, die aber sicher älter sind als der aktuelle Abwassereintritt


Oberbaumgarten: Wenn es aus dem Abwasserkanal in die Gemeindewohnung sprudelt…

... gäbe es für Wiens Verwaltung eindeutig mehr zu thematisieren als den Klimawandel!  Erste Übersicht über einen dicken Strang geringster Problemchen!

 

Einerseits kann man sich ja Dergleichen eigentlich selbst nur schwer vorstellen, andererseits – wer wollte das denn wirklich auch? Bei jedem der derzeit verheerenden Starkregengüsse bewachen mehrere Mieter einer kommunalen Wohnhausanlage in der Oberbaumgartner Pausingergasse mit mehr als gemischten Gefühlen die Abflüsse ihrer Waschbecken, Badezimmer und Spülen, sowie das WC, - denn von dort sprudelte zuletzt der Abwasserkanal in die Wohnung! Und der erreichte nicht nur eine Wohnung im Erdgeschoss, sondern schaffte es selbst bis in den 1.Stock! 

Wie die Räumlichkeiten danach aussahen und vorallem rochen, brauchte ich mir nicht bis ins letzten Detail beschreiben zu lassen, mir genügten Andeutungen, dass die Wohnungsmieter „aufwischen“ mussten und deren simple Frage: „Was hätten wir denn sonst tun sollen?“ 

Nun, für ein nächstes Mal –  welches das globale wie das Penzinger Klima  und  die MA 30 abhüten möge - habe ich natürlich die Betroffenen sehr ausführlich und in aller Komplexität rechtlich beraten können!  

Allerdings: „Was hätten wir denn tun sollen?“ , ist aber nun auch eine hoch aktuelle generelle Frage weit über die Pausingergasse hinaus, von der aus ein wahrlich dicken Strang komplexer Verwaltungsprobleme im Zusammenhang mit dergleichen Abwassereinbrüchen ergibt, -  zumal in Wohnungen sprudelnde Fäkalien, wie ich seit geraumer Zeit höre, keineswegs nur auf leichte Oberbaumgartner Hanglagen beschränkt sein dürften! Betroffen sind auch keineswegs nur MieterInnen von schwerst veralteten und hoch unsanierten Gemeindewohnungen, sondern auch PenzingerInnen mit besten Residenzen im privaten Eigentum! 


Eins gleich vorweg: Selbstverständlich sind seit einigen Jahren die katastrophalen Wettereignisse mit unglaublichen Niederschlagsmengen binnen kürzester Zeit für derartige häusliche Katastrophen primär  ursächlich, denn Starkregen wie sonst nur in subtropischen oder tropischen Klimabereichen waren bislang in unseren Breiten nicht zu registrieren!

Selbstverständlich aber sind im Zusammenhang sehr wohl kommunale Entwicklungen zu registrieren, die das seit mehreren Jahren abseh- und abschätzbare klimatische Grundproblem noch zusätzlich eindeutig schwer negativ beeinflussen!


Hauptübel dabei in den Penzinger Rand- und Steillagen:  Aberwitzige, und von der Verwaltung unsinnig geförderte massive und groß dimensionierte Wohnneubautätigkeit  ohne tatsächliche Berücksichtigung einer ausreichenden Infrastruktur, die mit der exzessiven Bau- und Siedlungstätigkeit nirgendwo zukunftssicher in Einklang zu bringen ist! Heißt also primär, dass nicht nur laufend und bis in die kleinsten Kleingartenanlagen Oberflächen versiegelt, also betoniert, werden und Niederschlagswasser kaum mehr irgendwo in Siedlungen anderswo abfließen kann als letztlich in der Kanalisation! Und die ist vielfach nicht nur allein schon deshalb hoffnungslos unterdimensioniert, weil der Wasserverbrauch heute generell laufend mit den Ansprüchen der Bevölkerung stark steigt, sondern weil auch bedenkenlos für jedes noch so abstruse, aber für Wiens Verwaltung völlig unbedenkliche, Wohnbauprojekt das zusätzliche Abwasser bedenkenlos dem nächstgelegenen bestehenden Abwasserstrang anvertraut wird! (Ich habe die Problematik zu einem besonderen Anlassfall am Wolfersberg über eine Anfrage zu bedenken gegeben, - die Antwort hat mich schlüssig erkennen lassen, dass im Regelfall erst hinterher ein Kanalprojekt dann in Gang kommt, wenn eh keiner mehr weiß, warum jetzt plötzlich so massive Kanalprobleme weithin rund um ein letztes Bauprojekt aufgetreten sind!)  


Wenn man ferner bedenkt, dass für die längst erfolgte Umwidmung fast aller Penzinger Kleingartenanlagen für Ganzjähriges Wohnen allerweil ein eingebrachter Schimmelzettel genügt, auf dem ein/e Kleingartenvereinspräsident/in schlicht wie verlangt ausgefüllt hat, dass ein „Anschluss an das Kanalnetz besteht“, dann nimmt nicht wunder, wenn dieses plötzlich ganzjährig hoch überstrapaziert ist, - sobald im Kleingartenverein dann plötzlich ganzjährig geduscht, gebadet, eventuell auch im Gartenplanschbecken gepritschelt oder auf dem ausnahmsweise dort bewilligten Stellplatz das Auto sorgsam gewaschen wird!


Ebenso wenig wundert, dass danach alsobald aber der Ruf nach der öffentlichen Hand laut wird, das plötzlich jäh veraltete Kanalnetz aber ruckzuck aufzurüsten!  Und dieser Ruf ist natürlich dann verständlich, wenn die öffentliche Verwaltung wider besseres Wissen um die sich bald abzeichnenden Probleme die Überlastung der zum Teil ohnehin veralteten Abwasserstränge sehenden Auges zur Kenntnis genommen hat, obwohl die Bezirksverwaltung –  und diese, und nicht das maßgebliche Wiener Rathaus, muss das trotz notorisch zu geringer Geldmittel in Wien bezahlen –  jedwedes Kanalneubauprojekt nur bei langfristigster Planung peu a peu in Angriff nehmen kann, - wofür sonstige Vorhaben natürlich obendrein noch länger zurückstehen müssen! 

Auch im Umfeld der nicht gern fäkalbelasteten  GemeindemieterInnen in der Pausingergasse haben übrigens zuletzt Kleingartenanlagen die Erlaubnis zum Ganzjährigen Wohnen erhalten, -  und selbstverständlich hat auch gleich Wiener Wohnen den MieterInnen  auch mit diesem Faktum ihr  quasi hinzunehmendes Schicksal von Kanaleintritten ins traute Heim unverblümt erklärt! 


Natürlich hat aber Wiener Wohnen noch weit mehr erklärt, - vorweg das Meteorologische:  Die Niederschläge seien als Starkregen einzuordnen und damit als „besonderes Naturerereignis“ zu werten, wofür weder gegenüber dem Hauseigentümer noch gegenüber einer allfälligen Versicherung Anspruch auf Schadensersatz bestehe!

Auf dem „Kulanzweg“  (!) wolle man aber in jenen Wohnungen der gut abgestandenen Anlage (Baujahr 1955-57 unter Bürgermeister Franz Jonas), in der man feuchte Stellen als Kanalrückstandsproblemchen anerkenne (so eine Anerkennung fand bisher nur eine Wand eines WCs), neue Fliesen oder sonstwas zum gnädigen Bedecken der Chose verlegen!
Untersuchungen, inwieweit von der Ekelbrühe auch schon Mauern feucht sind und Krankheitskeime aller Art wuchern könnten, wie MieterInnen nicht unschlüssig zu denken Anlass haben, wird es  aber nicht geben, - das scheint wohl zu weit hergeholt! Und warum es in den betroffenen Wohnungen bei gar jedem Leichtregen eklig „ miachtelt “, wie man in Wien schön sagen würde, soll auch nicht erhoben werden! Und dass es bei den historischen Fenstern ganz ohne Beteiligung des Kanalwassers so hereinfeuchtelt, dass die Fensterbretter häufig auch innen nass sind,  ließ sich bislang natürlich auch noch nicht wirklich endgültig besprechen, weil herkömmlicher Regen von oben und „besondere Naturereignisse“ aus dem Kanal von unten ja wirklich zweierlei sind. Morsche Fensterrahmen haben mit veralteten Kanalrohren allemal nichts zu tun!
 
Jedenfalls glaubt man kaum, was Wiener Wohnen für originelle Vorstellungen hat, wenn sie das nicht in ihrem Einflussbereich liegende öffentliche Kanalnetz als „zu schwach“ weiß und stolz daran erinnert, 
 dass in diesem Fall ja ohnehin „nur 90 Prozent des für Kategorie A vorgeschriebenen Richtwertzinses“ verlangt werde:
Das temporäre Überfließen des WCs und anderer Abflüsse, so scheint man ernsthaft MieterInnen belehrt zu haben, stellten kein für den Vermieter relevantes Ereignis dar, sondern sei eben ein der Klimaveränderung geschuldetes Faktum, -  mit dem man halt leben müsse!


Na wui und wusch! Das glaubt natürlich gleich (und vorab weiterer viel besserer Neuigkeiten, die zu erwarten stehen) in seiner üblichen Einfalt jetzt wiederum eher vielleicht doch gar nicht so sehr

Wolfgang Krisch, am 22.7.09 und weit darüber hinaus!
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