Jahrelang
hat die Penzinger
Bezirksvertretung - befaßt war seit 1992 eine eigene Kommission, die seither
nicht aufgelöst ist aber von ihrem Schaffen ruht - an der Erstellung der
nachstehenden "Leitlinien der Bezirksentwicklung" gearbeitet,
deren Endformulierung zuletzt ohne Möglichkeiten des Einspruchs die MA
21A vorgenommen hat und viel autokratisch Fabuliertes enthält.
Das Papier - dem die GRÜNEN natürlich nicht zugestimmt haben - ist jahrelang
unbemerkt in einer Rathaus-Schreibtischlade gelegen, ehe es auf unsere Nachfrage doch vom Gemeinderat zur Kenntnis genommen wurde. Inhalten
des Papiers, selbst Zahlengrundlagen, wurde von Dienststellen der Stadt
Wien bereits heftig widersprochen, - ein Wille zur Umsetzung von wesentlichen
Zielvorstellungen ist realpolitisch nicht erkennbar . Interessant ist das
Konvolut allemal dennoch ,- es zeigt, wie geduldig Hochglanzpapier ist und
daß in Wien Stadtplanung und -entwicklung primär nur auf diesem besteht, was bekanntlich so weit reicht,
daß auf Zuruf die MA 21 Flächenwidmungen verändert.
Folgerichtig wehrt sich das Wiener Rathaus auch hartnäckig mit
fadenscheinigen Ausreden gegen eine Veröffentlichung der "Leitlinien der
Bezirksentwicklung" Penzings in elektronischen Medien der Stadt. Es freut
sich also, auch hiezu aushelfen zu dürfen
Wolfgang Krisch am 26.3.2002
Vorwort
Richtlinien für eine bezirksspezifische Stadtplanung sind heute mehr denn je gefragt. Mit
den vorliegenden Leitlinien für die Bezirksentwicklung hat Penzing klare Vorgaben seine
Zukunft betreffend gemacht.
Penzing, ein Bezirk mit knapp 90.000 Einwohnern, so groß wie Klagenfurt also, ist ein
Bezirk, der sich durch Extreme charakterisieren läßt: viel Grün einerseits,
dichtverbautes Gebiet andererseits. Mit den Leitlinien 1998 soll versucht
werden,
stadtstrukturelle Maßnahmen in jenen Bereichen vorzunehmen, die verbesserungswürdig
sind: unzureichende Nahversorgung und Verkehrserschließung, bewußte
Grünflächenerhaltung, gezielte Betriebsansiedelungen. Zudem sollen auch Maßnahmen zur
Verbesserung der Parkraumsituation gesetzt werden.
Daß im Zuge der Erarbeitung dieser Bezirksleitlinien heftig diskutiert wurde, ist für
mich ein gutes Zeichen. Planung ist (soll) ein Prozeß (sein), der auf Entwicklungen im
unmittelbaren Lebens-Umfeld reagiert - Planung kann (muß) maßgeblich die zukünftige
Lebensqualität eines Bezirkes beeinflussen und heben.
Für den engagierten Einsatz aller möchte ich mich recht herzlich bedanken - mein
spezieller Dank geht auch an alle beteiligten Bürgerinnen und Bürger. Ihre Vorstellungen
und Ideen sollen auch hinkünftig konkret in Planungsprozesse einfließen. Wer mich kennt,
weiß, daß ich auf Bürgerbeteiligung besonderen Wert lege. Frei nach meiner Philosophie:
Planung geht uns alle an...
Dr. Bernhard Görg
Vizebürgermeister
Stadtrat für "Planung und Zukunft"
Vorwort
Penzing besteht zu 64% der Gesamtfläche aus Grünland, und dieser große Grünraum soll
auch in Zukunft den erholungssuchenden Wiener Bürgerinnen und Bürgern in diesem Ausmaß
zur Verfügung stehen. Neben diesem erhaltenswerten Grünland im Bezirk besteht Penzing
aber auch aus einem dichtbebauten Bezirksteil. Ein wichtiger Punkt ist die Attraktivierung
dieser Gegend und die damit verbundene Verbesserung der Lebensqualität für die dort
wohnende und arbeitende Bevölkerung.
Mit der Erstellung der Leitlinien zur Bezirksentwicklung wurde von der Planungskommission
der Penzinger Bezirksvertretung im Jahre 1992 begonnen. Zuerst wurde unter Einbeziehung
der zuständigen Fachabteilungen eine nach Themen geordnete Bestandsaufnahme über die
aktuelle Situation im Bezirk durchgeführt. Nach Bewertung dieser erfaßten Daten wurde
gemeinsam mit der Magistratsabteilung 21A ein Problemkatalog erstellt, der als Grundlage
für diese Leitlinien diente. Diese vorliegenden Leitlinien sind Ergebnis eines langen,
intensiven Diskussions- und Entwicklungsprozesses zwischen Bezirkspolitiker/innen,
Fachleuten und der Bevölkerung. Während der Erarbeitung des Konzeptes wurde die
Bevölkerung durch zwei Ausstellungen (Grünraumvernetzung Hadersdorf -
Weidlingau und
Stadtteilplanung Inner-Penzing) informiert und konnte dazu Stellung nehmen. Die daraus
erarbeiteten Leitlinien für die Bezirksentwicklung von Penzing wurden von der
Bezirksvertretung mehrheitlich beschlossen und nun dem Gemeinderat zur Kenntnis gebracht.
Leitlinien sind aber nicht statisch und sind für die dynamische Weiterentwicklung von
Penzing eine wichtige Diskussionsgrundlage. Veränderungen der Bevölkerungsentwicklung,
geänderte Bedürfnisse sowie Veränderungen im politischen Verhalten, aber auch eine
andere Sichtweise mancher Dinge, lassen heute einige Punkte der Leitlinien in einem
anderen Licht sehen. Viele geplante Projekte wurden bereits verwirklicht, wie z. B. das
Erlebniswaldbad Penzing oder die U-Bahn-Linie U3, die Ende 1998 in Betrieb gehen
wird. Eine
Weiterentwicklung des Bezirks ist in Zukunft ohne die engagierte Mitarbeit und Mitsprache
der Bevölkerung undenkbar.
Jutta Steier
Bezirksvorsteherin
Inhalt
1. Stadtplanung geht uns alle an
2. Ein Bezirk mit Tradition und Vielfalt
3. Eine Stadt hat Ideen für die Zukunft ihrer Bezirke
4. Was grün und schön ist, soll erhalten bleiben
5. Neue Pläne für Hadersdorf - Weidlingau .
6. Was locker ist, soll locker bleiben
7. Das Burgtor liegt heute in Hütteldorf
8. Wird die Bebauung dicht, verdichten sich auch die Probleme
9. Was passiert, wenn sich diese Trends fortsetzen?
10. Große Handlungsspielräume sind nicht gegeben
11. Wohnen und Arbeiten sollen sich vertragen
12. Durch Handeln die Zukunft gestalten
1. Stadtplanung geht uns alle an
Stadtplanung bedeutet vor allem, notwendige Maßnahmen für die Stadt in einem Gesamtkonzept vorzubereiten. Zeit und Geld spielen dabei eine wesentliche Rolle. Am wichtigsten aber ist, einen gemeinsamen Weg zu finden.
Auch wenn manchmal hitzig diskutiert wird, sollte dabei nicht aus den Augen verloren werden, daß es letztlich um die Verbesserung des Alltagslebens aller in Penzing lebenden Menschen geht:
Drei Gründe gibt es, um verändernd in die Stadtentwicklung einzugreifen:
Darüber, was, wann und wo wichtig ist, gibt es immer wieder unterschiedliche Auffassungen. Deshalb ist auch eine breite Diskussion über die Fragen der Stadtentwicklung und der Bezirksentwicklung erforderlich. Die vorliegenden Leitlinien für die Bezirksentwicklung von Penzing sollen ein Beitrag und eine Grundlage für eine solche Diskussion sein.
"Stadtentwicklungspolitik muß einerseits allen helfen, die Chance der offenen Gesellschaft zu nutzen, aber andererseits jene unterstützen, die Opfer dieser Entwicklung zu werden drohen. Stadtentwicklungspolitik muß damit einen wesentlichen Beitrag zum Zusammenhalt einer urbanen Gesellschaft leisten"
(Dr. Hannes Swoboda, Stadtentwicklungsplan 1994).
2. Ein Bezirk mit Tradition und VielfaltDer älteste Teil, der alte Ortskern von Penzing, stammt aus dem 9. Jahrhundert. Nicht viel später, im 12. Jahrhundert, wurden Baumgarten und Hütteldorf erstmals urkundlich erwähnt. Fast ein Jahrtausend hat es gedauert, bis sich aus den ehemaligen Gemeinden Baumgarten, Breitensee, Hadersdorf - Weidlingau und Penzing ein Bezirk mit fast 90.000 Einwohnern und mehr als 30.000 Beschäftigten entwickelt hat.
Entlang der Linzer Straße, der mittelalterlichen Fernverkehrsstraße vom Burgtor nach Westen, entwickelte sich so über die Jahrhunderte eine vielfältige und oft ganz unterschiedliche Siedlungsstruktur, die man auch heute noch da und dort ganz gut erkennen kann.
Baulich dominieren aber heute die Siedlungsstrukturen aus dem 19. und 20. Jahrhundert sowie die Westbahn und das regulierte Wienflußbett (1899). Die Westbahn hat überhaupt einen großen Einfluß auf die Siedlungsentwicklung und auf das industrielle Wachstum nördlich des Wientals im Anschluß an den Bahnhof Penzing ausgeübt. Die Betriebsstruktur, die sich dort entwickelte, war zum Unterschied von anderen Betriebszonen im Wiener Raum hauptsächlich von Mittelbetrieben verschiedenster Branchen bestimmt.
Inner-Penzing wird auch heute noch durch die Gebäude der Gründerzeit aus dem 19. Jahrhundert geprägt.
Breitensee wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts Standort für mehrere Heeresgebäude (Vega - Payer- Weyprecht - Kaserne, Biedermann - Huth - Raschke - Kaserne, General-Körner-Kommandogebäude), was heute als eine gewisse langfristige Flächen- und Grünraumreserve für das dichtbebaute Gebiet günstig beurteilt wird.
Auf der östlichen Gemarkung des ursprünglichen Zeilendorfs Hütteldorf setzte die Industrialisierung relativ früh ein, blieb aber auf einzelne Fabriken und Lagerhäuser beschränkt. Ende des 19. Jahrhunderts gewann hier die Wohnfunktion mit niedrigen Reihenhäusern die Oberhand.
Die verschiedenen Typen von Siedlungen im Westen des Bezirks erlangten vor allem in der Zeit der Ersten Republik eine große Verbreitung. Die Acker-, Kolonisten-, Rodungs- und Kleingartensiedlungen wurden allgemein als "wilde Siedlungen" bezeichnet, wie die Siedlung Kordon und Jägerwald, die erst 1929 flächenwidmungsmäßig anerkannt wurden. Die Siedlung Wolfersberg dagegen war von vornherein als Kleingartensiedlung geplant und angelegt und wurde später auch als eigener Siedlungsverband legalisiert.
Heute reicht Penzing von der "Krummen Eiche" und der Sofienalpe bis zur Ameisgasse und Reinlgasse, also vom Wienerwald bis ins dichtestbebaute Stadtgebiet. Bei so viel räumlicher und historischer Vielfalt hat auch die Stadtplanung keine andere Wahl, als die einer sehr differenzierten Vorgangsweise.
3. Eine Stadt hat Ideen für die Zukunft ihrer Bezirke
Stadtplanung hat in Wien seit mehr als hundert Jahren eine gute Tradition. Das erste räumliche Leitbild wurde vom Wiener Gemeinderat anläßlich der Eingemeindung der Vororte im Jahr 1890 erstellt und verabschiedet. Obwohl damals noch eine andere Bezirksgliederung als heute gegeben war, hat dieser Plan durch seine Unterscheidung zwischen höher und niedriger zu bebauenden Gebieten einen bis heute wirksamen Einfluß auf die Siedlungsentwicklung in Penzing gehabt. Ein weiteres wichtiges Datum ist das Jahr 1905, in dem die Entscheidung über die Festlegung eines Wald- und Wiesengürtels im Westen Wiens gefallen ist.
In den sechziger Jahren war es dann neuerlich möglich und auch erforderlich, sich mit einem Planungskonzept für ganz Wien zu befassen. Darauf aufbauend entstanden im Jahr 1972 die "Leitlinien für die Stadtentwicklung" und in der Folge der erste "Stadtentwicklungsplan 1984".
In diesem Stadtentwicklungsplan wurde erstmals in Wien das noch heute gültige Konzept der Siedlungsachsen entwickelt. Die bauliche Verdichtung und die innere Stadterweiterung sollen nach diesem Konzept vor allem im fußläufigen Einzugsbereich entlang von leistungsfähigen öffentlichen Verkehrslinien erfolgen. Penzing hat eine solche Siedlungsachse im Bereich des Wientales bis nach Hütteldorf.
Zwischen 1984 und 1994 hat sich die europäische Landkarte und auch die Stellung Österreichs in Europa nachhaltig verändert. Der neue "Stadtentwicklungsplan 1994" hat auf diese Veränderungen reagiert, das grundlegende Konzept der Siedlungsachsen aber beibehalten.
Für Penzing ergeben sich daraus vier große Gebietstypen:
In jedem dieser Gebiete gilt es, Probleme zu lösen, in manchen aber viel größere als in anderen. Für diese Gebiete sollen nun Leitlinien für die Zukunft gefunden werden.
4. Was grün und schön ist, soll erhalten bleibenPenzing hat fast 2.200 ha Grünland, das sind rund 64% der Gesamtfläche des Bezirks und um 15% mehr als der Wiener Durchschnitt. Knapp 2.000 ha entfallen auf den Wald- und Wiesengürtel. Damit hat Penzing eine enorme Verantwortung für die uneingeschränkte Sicherung dieser Erholungsflächen für die ganze Wiener Stadt.
"Alle großen Agglomerationen", heißt es im Wiener Stadtentwicklungsplan 1994, "die nicht rechtzeitig ihr großräumiges Freiraumgerüst gesichert haben, merken heute, welche Belastungen der Lebensqualität dadurch entstanden sind und wie allmählich auch ihre wirtschaftliche Attraktivität schwindet. Daher muß die Sicherung des übergeordneten Grün- und Freiraums als ein zentraler Infrastrukturbestandteil der Stadt- und Regionalentwicklung und als mindestens gleichrangig mit anderen Infrastruktursystemen verstanden werden. Die Stadt der Zukunft wird zusehends an ihren weichen Standortfaktoren gemessen, zu denen auch die landschaftliche Qualität und die Grünflächenversorgung gehören".
Das Landschafts- und Freiraumkonzept für den Westen Wiens, das vom Wiener Gemeinderat 1995 beschlossen wurde, forciert den Schutz, die Erhaltung und die Entwicklung der Grünraume. Im Westen des Stadtgebietes sind die Grünflächen im wesentlichen schon festgelegt. In Penzing geht es vor allem darum, die tatsächlich nutzbaren Grünflächen von den durchgrünten Wohngebieten, wie dies zumeist auch ganzjährig nutzbare Kleingartengebiete sind, abzugrenzen und sie als Grün- und Erholungsflächen zu erhalten und zu schützen.
5. Neue Pläne für Hadersdorf - Weidlingau
Erhalten allein genügt nicht, um einen Grünraum oder einen Ortskern zukunftsorientiert zu sichern. Ergibt sich die Gelegenheit, wie der Umbau der Westbahnstrecke und der Neubau der Hochleistungsstrecke der ÖBB (Lainzer Tunnel), dann soll dies auch gleichzeitig als Chance für eine Vernetzung der Landschaftsräume genutzt werden. In Hadersdorf - Weidlingau besteht eine solche Chance. Die angestrebte Vernetzung von isolierten, naturnahen Bereichen soll entweder durch die Schaffung neuer oder durch den Aus- und Umbau bestehender Grünelemente erreicht werden. Das ist nicht immer ganz einfach. Nahezu unüberwindliche Barrieren stellen die Westautobahn und die Westbahntrasse dar. Dadurch wird das Gebiet in Hadersdorf - Weidlingau in eine nördliche und eine südliche Hälfte geteilt und vom Lainzer Tiergarten getrennt.
Vernetzungen der beiden Areale können aber nur über die Revitalisierung der Flußläufe von Wienfluß und Mauerbach und deren Uferbegleitstreifen erreicht werden. Mit den Grünflächen in engem Zusammenhang stehen die Fuß- und Radwege, die in Abstimmung mit dem bestehenden Wegesystem zu einem durchgängigen Netz verbunden werden sollen.
Das Rückgrat für die großräumige Vernetzung sind die Rückbaumaßnahmen am Wienfluß und am Mauerbach. Entsprechend dem historischen Vorbild werden die beiden Flüsse im Verlauf wieder in ihre ursprüngliche Lage gebracht. Die Beton- und Steingerinne werden durch eine naturnahe Gestaltung ersetzt, die dem umliegenden Gelände angepaßt ist. Ziel ist es einerseits durch Veränderung der räumlichen Organisation eine Verbesserung der Hochwassersituation zu erzielen und andererseits die Rahmenbedingungen eines adäquaten Lebensraums für eine möglichst vielfältige Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen. Dabei ist von großer Wichtigkeit, die Gewässer nicht isoliert zu betrachten, sondern die Verbindungen zum Umgebungsraum herzustellen. Künstlich errichtet Barrieren, vor allem am Rotwassergraben , am Grünauerbach und am Hirschgraben können mit relativ geringem Aufwand beseitigt werden. Damit wäre die wichtige Süd-Nord-Vernetzung zwischen Lainzer Tiergarten im Süden und den Wienerwaldgebieten des Laudonschen Waldes und Augustinerwaldes im Norden hergestellt.
Durch die Planungen der " Neuen Bahn" ergibt sich auch die Möglichkeit , eine neue S-Bahnstation "Wolf in der Au" zu schaffen, die eine wesentliche Verbesserung der ÖV - Anbindung für die angrenzenden Siedlungsgebiete darstellt und als Park & Ride - Standort geeignet ist. Weiters kann auch ein die Bahntrasse begleitendender Rad- und Fußweg, der westlich von Hadersdorf Weidlingau in Richtung Purkersdorf schon besteht nach Osten verlängert werden und an die geplante Wientalpromenade anschließen.
Der alte Ortskern von Hadersdorf Weidlingau entlang der Hauptstraße soll durch die Festlegung einer Schutzzone erhalten werden. Dort soll auch die Funktion der Nahversorgung für die angrenzenden Wohngebiete gestärkt werden.
Das angrenzende Betriebsgebiet Auhof ist ein wichtiger Betriebsstandort für den westlichen Teil des Bezirkes, zumal am Stadtrand die Arbeitsplätze rar sind. Deshalb ist der Betriebsstandort Auhof zu intensivieren.
6.Was locker ist, soll locker bleiben
Die Siedlungen Wolfersberg, Bierhäuselberg, Jägerwald, Kordon, Hüttelberg und das Gebiet um die Baumgartner Höhe und den Flötzersteig haben eine Wohnqualität, die von den Bewohnern zu recht als sehr hoch geschätzt wird. Diese Wohnqualität soll auch erhalten bleiben. Probleme gibt es eigentlich nur im öffentlichen Verkehr, der Nahversorgung und der Umnutzung von Kleingärten.
Öffentlicher Verkehr
Die dünnbesiedelten Stadtrandgebiet können mit einem liniengebundenen und fahrplanmäßigen öffentlichen Verkehrsmittel nicht wirtschaftlich vertretbar bedient werde. Das Wiener Verkehrskonzept 1994 hat aber auch dieses Problem eine gute Antwort: Für solche Gebiete sollen flexible Betriebsmittel (Anrufsammeltaxi, Rufbus) erprobt und nach Auswahl des zweckmäßigsten Systems dauerhaft eingeführt werden.
In Penzing sind weite Bereiche mit höchster Priorität für eine solche Erprobung vorgesehen. Im Detail sieht das Konzept folgendes vor:
Nahversorgung
Rund ein Viertel der Penzinger wohnt in den dünn besiedelten Gebieten im Westen des Bezirkes. Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte ist auch die Zahl der Konsumenten, die Geschäfte und Einrichtungen nachfragen, geringer. Die Dichte an Nahversorgungseinrichtungen wird von der Wohnbevölkerung in diesen locker bebauten Gebieten als zu gering erachtet.
Besonders Geschäfte des Nicht- Lebensmittelsektors werden vor allem in den Siedlungsgebieten Am Ameisbach, Achtundvierzigerplatz, Flötzersteig, Jägerwald-Kordon und Wolfersberg, Bierhäuselberg in der Wohnumgebung vermißt (z.B. Schuhreparatur, Drogerie, Putzerei, Apotheke, Trafik etc.) Dies ist Ergebnis einer Erhebung , in der die Penzinger Haushalte zur Nahversorgung befragt wurden.
Der Wunsch nach einem Lebensmittelzustelldienst zur Abhilfe dieser Unterversorgung ist allerdings gering. Als Alternative dazu sollte man versuchen, in der Umgebung der bestehenden Nahversorgungseinrichtungen auch jene Geschäfte anzusiedeln, die besonders vermißt werden.
Die Geschäfte, die über die Versorgung des täglichen Bedarfes hinausgehen, werden in den locker bebauten Gebieten wenig wirtschaftliche Überlebenschancen haben. Vielmehr sollte man den Zugang zu den übergeordneten Geschäftsstraßen im Bezirk mit öffentlichen Verkehrsmitteln fördern und verbessern. Jener Förderinstrumente, die in den neuen Wiener Stadtteilen oder bei der inneren Stadterweiterung angewendet werden, sollen entsprechend auch in Penzing Anwendung finden.
Kleingärten
Die ganzjährige Nutzungsmöglichkeit von Kleingärten ändert die ursprüngliche Funktion der Gärten als Grünraum in eine als Wohngebiet. Diese Veränderung bedingt allerdings auch einen neuen Bedarf an Wohnfolgeeinrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Nahversorgungseinrichtungen, für die erst Flächen gefunden werden müssen. Weiters benötigen diese Gebiete auch eine Lösung für die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Aus diesem Grund sind bei jedem Kleingartengebiet, das auf ganzjähriges Wohnen umgewidmet werden soll, diese Faktoren vorher zu prüfen."
7. Das Burgtor liegt heute in Hütteldorf
Was im Mittelalter das Burgtor für die Linzer Straße war, ist heute Hütteldorf für die Westeinfahrt Wiens. In Hütteldorf werden nicht nur lokale, sondern auch regionale und überörtliche Verkehrsbeziehungen abgewickelt.
Im Kerngebiet von Hütteldorf treffen die unterschiedlichsten Nutzungsinteressen aufeinander: Wohngebiete, Einkaufsbereiche, der Bahnhof Hütteldorf als Anziehungspunkte für nahezu alle Verkehrsarten und das Hanappi Stadion.
Daraus ergeben sich eine Reihe bekannter, aber um so wesentlichere Probleme:
Alles in allem ist dies eine Situation, die ein verkehrsplanerisches Eingreifen dringend erfordert. Die grundlegende Richtung, in der die Probleme gelöst werden sollten, ist durch das Wiener Verkehrskonzept 1994 vorgegeben.
Die wesentlichen Ziele des Verkehrskonzeptes sind:
Sind diese Ziele klar, kann versucht werden, diese in wirksame Maßnahmen umzusetzen. Folgende Maßnahmen sollen künftig zur Bewältigung der Verkehrsprobleme im Raum Hütteldorf ergriffen werden:
Öffentlicher Verkehr
Motorisierter Individualverkehr
Damit soll eine Bündelung des Kfz-Verkehrs auf hochrangigen Straßen, eine Verbesserung der Verknüpfung des hochrangigen Straßennetzes sowie eine Verdrängung des Durchgangsverkehrs aus den Wohngebieten durch gleichzeitige flächendeckende Verkehrsberuhigung, erreicht werden.
Diese Maßnahme läßt sich schon allein der Kosten wegen nicht von heute auf morgen verwirklichen und bedarf noch einer breiten Diskussion.
Radverkehr
8. Wird die Bebauung dicht, verdichten sich auch die Probleme
Gemessen an seiner Gesamtfläche entfallen in Penzing nur 10% des Bezirks auf das dichtbebaute Stadtgebiet. Das heißt aber nicht, daß in Inner - Penzing auch nur 10% aller Probleme auftreten.
Auf diesen rund 280 ha des dichtbebauten Stadtgebietes leben knapp 57 000 Einwohner oder mehr als 70 % der Bezirksbevölkerung. Dazu kommen über 16.000 Arbeitsplätze, mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze im Bezirk.
Nicht allein die hohe Dichte macht die Situation kompliziert, sondern auch die Mischung von oft ganz unterschiedlichen Vierteln und Nutzungen. Auch wenn die Vielfalt im allgemeinen den Reiz einer Stadt ausmacht, ist nicht immer gesagt, daß im besonderen Fall diese unterschiedlichen Nutzungen auch konfliktfrei auf kleinem Raum nebeneinander bestehen können.
Charakterisierung der dichtbebauten Gebiete von Inner-Penzing:
Die starke Zunahme der Wohnbautätigkeit in den letzten Jahren hat zwischen 1984 und 1997 zu einem Einwohnerzuwachs von fast 7,5 % geführt, höher als im Wiener Durchschnitt. Die Arbeitsplätze haben demgegenüber mit knapp 10% doppelt so stark abgenommen wie im Wiener Durchschnitt.
Die Gefahr besteht darin, daß Penzing zunehmend ein Wohnbezirk ohne Beschäftigungsmöglichkeiten wird.
Der rasche Bevölkerungsanstieg hat darüber hinaus auch zu Engpässen bei verschiedenen sozialen Einrichtungen geführt. Derzeit fehlen rund 13 Kindertagesheimgruppen, 7 Hauptschulklassen und über 50 AHS - Klassen im dichtverbautem Gebiet von Penzing. Das heißt, daß viele Kinder und Eltern gezwungen sind, auf die Nachbarbezirke auszuweichen, in denen die Verhältnisse aber auch knapp sind.
Am deutlichsten werden die Defizite, wie auch sonst im Wiener dichtverbauten Stadtgebiet bei der Grünraumversorgung im Wohnungsnahbereich. Hier fehlen fast 18 ha und es wird schwierig werden, diese Flächen aufzutreiben.
Die verkehrliche Situation ist demgegenüber in diesem Bezirksteil relativ gesehen nicht so schlecht. Selbstverständlich sind die Hauptverkehrsstraßen belastet, aber sicher nicht mehr als in anderen, vergleichbaren Gebieten der Stadt.
Ähnlich ist es im öffentlichen Verkehr. Der überwiegende Teil des Gebietes ist gut erschlossen. Dazu kommt die Verfügbarkeit der Schnellbahn und der U4. Mit der Fertigstellung der U3-Stationen in Penzing verbessert sich die Anbindung Penzings an leistungsstarke öffentliche Verkehrsmittel noch mehr. Die U3 wird auch Impulse für die Geschäftsfunktion der Hütteldorfer Straße bringen.
Ein Problem ist die Stellplatzsituation insbesondere durch das Fehlen von entsprechenden Sammelgaragen.
9. Was passiert, wenn sich diese Trends fortsetzen ?
Die Bevölkerung wird in Inner - Penzing bis zum Jahr 2001 weiterhin zunehmen.
Eine weitere Umwidmung von Betriebsflächen in den gemischt strukturierten Gebieten für Wohnzwecke und die Ausnutzung von anderen Bebbauungsreserven könnte im Zusammenhang mit den bereits angeführten Veränderungen zu einem Gesamteinwohnerzuwachs von ca. 8000 Personen oder einem Plus von mehr als 12 % führen.
Trotz eines weiter anhaltenden Trends der Abnahme von Arbeitsplätzen
( 1981 bis 1991 18%) wird durch die vorher angeführten Maßnahmen ein Zuwachs von ca. 550 Arbeitsplätzen oder +3,1 % von 1991 bis zum Jahr 2001 geschätzt. Das Verhältnis von Einwohnern zu Arbeitsplätzen würde sich sonst weiter verschlechtern.
Nimmt die Bevölkerungszahl in diesem Maße zu, dann werden die teilweise bereits heute bestehenden Defizite in der Versorgung mit sozialer Infrastruktur noch deutlich verschärft werden. Neue Flächen für Kindertagesheime, Volksschulklassen, Hauptschulen und AHS in einem Gesamtausmaß von rd. 30 000 m² müßten beschafft werden. Das Grünraumdefizit im dichtverbauten Gebiet würde sich von 18 ha auf 22 ha steigern ( 5m²/Einwohner).
10. Große Handlungsspielräume sind nicht gegeben
Verschiedentlich wird die Auffassung vertreten, daß im inneren Teil von Penzing große Handlungsspielräume gegeben wären, um Flächendefizite abzudecken. Ins Spiel gebracht werden in erster Linie die Kasernenareale und das Gelände des Frachtenbahnhofs Penzing.
Bei den Kasernen handelt es sich um teilweise hochinstallierte Gebäude und militärische Anlagen, die ohne einen entsprechenden Ersatz nicht so leicht freigemacht werden können. Seitens des Bundesheeres werden keinerlei Absichten gezeigt, die eine Bereitschaft zur Absiedlung erkennen lassen.
Es sollte auf Bundesebene die Zukunft der innerstädtischen Heeresflächen abgeklärt werden. Der Bezirk Penzing befürwortet die Nutzbarmachung der Flächen für zivile Zwecke. Mittel- bis langfristig wäre eine teilweise Öffnung der weitläufigen Grünflächen vorstellbar, oder die Abtretung eines kleineren Bauplatzes für eine Bundesschule.
Die Westbahntrasse und besonders die Flächen des Frachtenbahnhofs Penzing sind ausgedehnt und stellen im Herzen des Bezirkes eine Barriere dar. Durch zusätzliche Querungen ist diese Barrierewirkung der Bahnanlagen zu verringern.
Eine Überbauung des gesamten Bahnhofsbereiches ist aus Kostengründen, wie Untersuchungen gezeigt haben, derzeit schwer realisierbar, besonders nicht für jene Nutzungen, die in dieser Umgebung Flächendefizite aufweisen (z. B. wohnungsnahe Grünflächen, soziale Infrastruktur, tertiäre Betriebsflächen). Demgegenüber ist eine Intensivierung der betrieblichen Nutzungen im Randbereich der Bahnanlagen durchaus vorstellbar und zweckmäßig.
11.Wohnen und Arbeiten sollen sich vertragen
Wie in vielen anderen dichtbebauten Gebieten Wiens gibt es in Inner - Penzing die Tendenz, daß Betriebe absiedeln oder zusperren und statt dessen Wohnbauten entstehen. Aus den ehemals gemischt genutzten Gebieten entstehen reine Wohngebiete mit all jenen Nachteilen, die die strikte räumliche Trennung von Wohnen und Arbeiten bewirken (lange Wege, hohe Verkehrs- und Umweltbelastungen, ineffiziente Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, schlechte Nahversorgung etc.).
Der Wiener Stadtentwicklungsplan 1994 zeigt Lösungsansätze für das dichtbebaute Stadtgebiet, wie die Nutzungsvielfalt erhalten werden kann. Für Betriebsnutzungen, die in Wohngebieten verträglich sind, sollen Anreize und Hilfestellungen für die Erhaltung gegeben werden:
Wenn die noch bestehenden Flächenreserven im dichtbebauten Gebiet verbaut werden, dann soll ohne Verdrängung der bestehenden Betriebsnutzungen Wohnraum geschaffen oder modernisiert werden. Dies kann beispielsweise im Rahmen der Blocksanierung erfolgen, die die Nutzung eines Bauplatzes im Zusammenhang mit den umliegenden Nutzungen und deren Defiziten betrachtet (Belichtung, Freiflächen, Versorgung, verträgliche Arbeitsplätze) und darauf aufbauend eine Lösung vorsieht.
Nach Absiedlung von emittierenden Betrieben oder Betriebsstillegungen sollten die freiwerdenden Flächen auch für die Ansiedlung von wohngebietsverträglichen Arbeitsplätzen verwendet werden. Umwidmungsanträge von Betriebsbaugebieten sollten dahingehend geprüft werden.
Nach Absiedlung von emittierenden Betrieben oder Betriebsstillegungen sollten die freiwerdenden Flächen auch für die Ansiedlung von wohngebietsverträglichen Arbeitsplätzen verwendet werden. Umwidmungsanträge von Betriebsbaugebieten sollten dahingehend geprüft werden.
Die "vertikale Nutzungsmischung" soll bei Widmungs- und Bebauungsbestimmungen angewendet werden. Das heißt, daß im Erdgeschoß Geschäfte und nicht störende Gewerbebetriebe, darüber Büros und Wohnungen errichtet werden.
Die Auflagen bei Betriebsanlagenbewilligungen sollen auf unbillige Härten und auf ihre Zweckmäßigkeit hinsichtlich der angestrebten Nutzungsmischung überprüft werden.
Die Nutzungsvielfalt von Wohnen und Arbeiten zu erhalten ist eine kostspielige Sache. Sie liegt aber im gesamtstädtischen Interesse, weil sie zu urbanen Lebensformen und zur Wohngebietsqualität beiträgt. Durch die räumliche Nähe der verschiedenen Funktionen Wohnen, Arbeiten, Besorgungen können auch die Wege verkürzt werden.
12. Durch Handeln die Zukunft gestalten
Maßnahmen gegen den einseitigen Wohngebietsausbau
Maßnahmen zur Sicherung von Flächen für soziale Infrastruktureinrichtungen
Maßnahmen zur Gebiets- und Wohnbausanierung
Maßnahmen zur verstärkten Betriebsansiedlung
Maßnahmen zur Verbesserung der Nahversorgung
Maßnahmen zur Verbesserung der Parkraumsituation