Bildungs-Ligenden!

Wenn unsereiner bei sonntäglicher Korrektur von Deutschhausübungen üblich ambitionierter PflichtschülerInnen eine Vollerschöpfungspause einlegt, nimmt er diese gerne fußläufig und steht dann z.B. in Purkersdorf vor einem Geschenkartikelladen.


Die Prinzipalin präsentiert dort an der Türe stolz all ihre zahlreichen Promi-Kunden auf Fotos und erläutert darunter handschriftlich, wer auf den vielen Bildern an ihrer Seite zu sehen ist. Auf einem soll eine „Piano-Ligende“ beeindrucken, vermutlich ist ein legendärer Pianist gemeint. Unweit davon vermeldet ausgerechnet an der Tür der bestsortierten, sehr sympathischen Buchhandlung des Ortes ein Plakat eine mehrtägige Betriebssperre wegen „Reperraturarbeiten“, am Fenster nebenan steht das alles fast genau so noch einmal, nur die „Reperratur“  kommt nur mit einem r als„ Reperatur“ zur Vermeldung. Inhaltlich war aber an beiden Ladentüren immerhin alles verständlich, - zudem schrieb man ja auch in der Barockzeit weithin, wie man gemeinhin redete und/oder erlauscht hatte resp. erlauscht zu haben glaubte.

Dagegen schaffte Wiens versammelter SPÖ-Gemeinderats- und Landtagsklub dieser Tage in einem umfangreich begründeten Antrag für nötige schulorganisatorische Reformen keineswegs darzulegen, welche Schulform in einer Modellregion erprobt werden solle. In dem Antrag stand weder Gesamtschule noch Schule der Vielfaltoder "Schule der 10 - 14jährigen", auch sonst kein Mucks über die Zielgruppe, - nur auf Modellregion für nichts Näheres bestand man schriftlich! (Immerhin ist aber  wenigstens zu parlamentarischen Anträgen noch kein Deutschlehrer zu einer Benotung von Inhaltsleere verpflichtet!)

Zum Trost jedenfalls für alle bis aufs Blut stumpfsinnig ge-PISA-kte SchülerInnen, die auf omnipräsente Bildungsergebnisse ihrer erwachsenen Eltern- und Großelterngeneration neidvoll staunend emporblicken müssen, sei somit versichert, dass ihre heutigen juvenilen Schulleistungen für wohl wirtschaftende Geschäftsleute oder ganze Gemeinderatsklubs später einmal völlig ausreichend sein werden, zeigt sich als Deutschlehrer sähr obtimißtisch

Wolfgang Krisch, 6.5.07
Schwamm drüber