Die
Hosenboden-Ratgeberin
Logische Folgen einer beliebigen
Kabinettsbildung, weil es „nötig ist“ !
Wenn große StaatenlenkerInnen ihre jeweiligen Kabinette ausklügeln, muss oft
präzisen persönlichen Kulturbedürfnissen ein wenig Unterricht und Bildung (über
Haus- und Nachhilfeunterrichts-Mäzenatentum hinausreichend ) für das simple Volk
nobel zurück stehen - wie HistorikerInnen gelegentlich zu mutmaßen Verdacht
schöpfen.
Und weil das grundsätzlich seit den toskanischen Zeiten des
Medici-Fürsten Lorenzo des Prächtigen auch hierzulande ab und an schlagend
geworden zu sein scheint, hat die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und
Kultur, Frau Dr. Claudia Schmied, als
veritable Expertin im Bank- und Kunstbetrieb nach sehr weisen
Personaldispositionen für die Wiener Staatsoper seit nunmehr über einem Jahr
jede Menge BeraterInnen zu den diversen Schulmiseren für ihre diesbezüglich
etwas nachgeordnete Gestion nötig bzw. nötig gehabt!
Unter den beratenden ExpertInnen für eine Reform des Pflichtschulwesens – darunter zahlreiche, deren berufliche Schulalltage Jahrzehnte gut zurück liegen – fiel unsereins besonders die pensionierte Schulleiterin einer deutschen „PISA-Sieger-Schule“ auf, nachdem ja das Obsiegen zu PISA-Vorgaben mittlerweile als humanistische Ikone des globalen zeitgenössischen Unterrichtsideals als irgendwie hochkonsensual ausgemacht gilt.
Frau Enja RIEGEL, Insidern durch völlig richtiges und bestens begründetes Eintreten für eine Gesamtschule der 10-16(!)jährigen bekannt, war zuletzt nicht nur in den hiesigen Hochqualitätsmedien (NEWS+Österreich u.a.) präsent, sondern – und das war live zu hören – auch in Ö1, wo man sie schon im letzten Frühjahr gebührend über ihre weithin bestaunte PISA-Siegerleistung 2002 befragte. Frau Rektorin i. R. ließ dabei erkennen (im natürlich gänzlich richtigen Ansatz höchstmöglicher Differenzierung und Individualisierung von Unterricht) eine Art HauslehrerInnen-Betrieb in ihre Schulorganisation implementiert zu haben, was zu dem hoch beachteten PISA-Erfolg geführt hatte. Zu erstauntem Nachforschen eines fachkundigen Moderators der Sendung, der etwas indirekt die zusätzlich aufgewandten Ressourcen für dieses gute Unterfangen in Erfahrung bringen wollte, reagierte Frau Direktor routiniert aber fast unmerklich indigniert! Sie habe von ihren LehrerInnen erwartet, was man auch könne, „sich auf den Hosenboden zu setzen“, und zwar, weil „es nötig ist“ (sic!). Und die hätten dem bald entsprochen, zudem sei ja dann auch die Zahl der „Krankenstände geringer“ geworden!
Alle nicht pensionierte LehrerInnen im gesamten PISA-Kosmos können somit bei solch richtungsweisenden TaktgeberInnen für das Wohl ihrer SchülerInnen und die eigene Profession natürlich für jetzt und immerdar beruhigt sein! (Abgesehen vielleicht von gerade einer einzigen Wiener Volksschuldirektorin, die ihren LehrerInnen das Niedersetzen auf deren Hosenböden durch Entzug der Sitzmöbel – einem charmanten Spleen folgend – im Unterricht konsequent untersagt und selbst privat mitgebrachte Bestuhlung ersatzlos entfernt.)
Denn wenn Unterricht im PISA-Sinn – und damit LehrerInnen auch weniger krank sind - nicht zusätzlicher Ressourcen, sondern bloß zusätzlichen Verbleibens auf den Hosenböden bedarf, weil es eben nötig ist, dann ist wohl der Weisheit letzter Schluss im Sinn des guten, wahren und schönen Unterrichts natürlich schon fast gefunden! (Klare Dinge, das kennt man aus der Erkenntnisphilosophie, zeichnen sich ja stets auch durch verblüffend simple Einsichten aus und sind stets leicht vermittelbar!)
Persönlich habe ich natürlich in Betrübnis über meine langjährigen Reallohnverluste (auch für 2008 wird ein solcher absehbar gut erreichbar sein) als noch immer mir unbegreiflicher Weise engagierter Wiener Hauptschullehrer mit vollster Lehrverpflichtung selbstverständlich aus dem schlanken Consulting durch die emeritierte Frau Rektorin vorerst einmal gleich den einfachsten und profansten Nutzen ihres Wordings realisieren können!
Denn bei meinem letzten Schuhkauf habe ich (selbst ohne den geringsten Ruhm eines Wirtschaftsministers) einen erklecklichen Rabatt mit dem bloßen Hinweis erhalten, dass dies „nötig ist“, auch mein Trafikant überlässt mir seit meiner einfachen Erklärung gebotener Nötigkeit meine Zeitung fast geschenkt! Und der Vermieter meiner Wohnung wird sich – er weiß es nur noch nicht – zumindest einmal die diesjährige Zinserhöhung (weit über monatlich 20 €) in der Einsicht abschminken, dass das eben „nötig ist“!
So leicht kann man also als Betroffene/r dessen, was hierzulande in große Schulreformen einzugehen gute Aussicht hat sowie gar noch als „Politik“ gilt, in den Genuss großer Gedanken von RatgeberInnen kommen und nebstbei auch sein persönliches Auslangen sichern, sofern man nur gut aufpasst, was die BeraterInnen einer Frau Minister gelegentlich frei heraus zum Besten geben, weiß verlässlich
Wolfgang Krisch, 31.12.2007