"Kein Kind darf verloren gehen"!
Stimmige Worte in einer raren Sitzung des Gesamtkollegiums des Wiener Stadtschulrates am 20.12.07
Wie man weiß, darf man sich alles wünschen, und vor
Weihnachten ging daher als „Serviceleistung
außerhalb der Geschäftsordnung“ auch einmal ein großer Wunsch
aller (!) Fraktionen im Kollegium des Wiener Stadtschulrates in
Erfüllung.
In Erinnerung der nur mancherorts nicht vergessenen frühsommerlichen Beteuerung
von SSR-Präsidentin Dr. Susanne BRANDSTEIDL,
über den Stand der Wiener Dinge in Fragen der Schulentwicklung zu berichten, war
in einer letzten Präsidialsitzung neuerlich angeregt worden, das leider
zunehmend für alles unzuständige, demokratisch legitimierte Gremium des
SSR-Kollegiums doch bitte schön in einer anstehenden Dezember-Sitzung
informieren zu mögen.
Frau Präsidentin verwies nun also in dieser Sitzung zwar
dezent auf gänzlich mangelnde Einforderungskompetenz des andächtig lauschenden
vielköpfigen Gremiums (aus fast allen ExpertInnen der Wiener Schulpolitik, die
sich für ihr Kommen Zeit genommen hatten),
Berichte zu beantragen, fand darnach jedoch stimmige Worte:
Aus Wiens Rathaus sei der SSR mit der Erarbeitung eines Konzepts beauftragt
worden und habe seinerseits ein „Projektmanagementteam“
(anzunehmender Weise aus SPÖ- und ÖVP-VertreterInnen, jedenfalls aber aus allen
nötigen Fachabteilungen der SSR-Dienststellen; Anmerkung Krisch) mit der Durchführung
beauftragt. Nach harmonischer Arbeit in fünf Untergruppen – drei davon seien
zu pädagogischen Fragen befasst gewesen, die beiden anderen mit technischen
Prämissen (z.B. Raumbedarf, organisatorische Fragen zur Bewirtschaftung) habe
man „valide Möglichkeiten“ im Sinne
des „finnischen Modells“ erkannt, um
im höchstmöglichen Ausmaß Individualisierung und Differenzierung des
Unterrichtes mit dem Ziel anzustrengen: „Kein Kind
darf verloren gehen!“. (Mit diesem Ziel ist der Autor zu seinem
persönlichen Glück schon seit ca. 30 Dienstjahren einigermaßen
vertraut. Anmerk. Krisch)
Dazu habe „große Einigkeit“
geherrscht, der SSR habe sein Konzept „abgeliefert“. Nun werde in
Beachtung der „
Entwicklung auf Bundesebene“ „nach
Weihnachten“ in einer 2.Phase „mit
dem Bund zu verhandeln“ sein, was die
„ressourcenmäßige Bedeckung“ beträfe.
Ferner wurde in Beifügung zum Adverb
„selbstverständlich“ an einen
„ Rahmen möglicher
Konfliktfähigkeit“ (aber hallo!; Anmerkung Krisch!) erinnert und dass man bisher keine
Medienkontakte gepflogen habe, um nicht bloße
„Teilwissensstände“ in
„Kommunikationsprozesse“ einzubringen. Man wolle aber
„keine Berichte unterbinden“
(wozu mich für den Eigenbedarf persönlich tief interessiert
hätte, wie sich so was operativ endlich einmal auch verbindlich durchführen lässt!)
Nachfragen waren weder vorgesehen noch möglich, was schade war. Denn in der
1.Reihe des Gremiums wäre SPÖ-Kollegiumsmitglied
Kurt NEKULA bereit gesessen. Herr Nekula ist
aktuell Mitarbeiter der Frau Bundesminister für Unterricht, Kunst und Kultur und
war zuvor lange Jahr als kritischer Elternvertreter eher in Medien denn als Mitglied
des SPÖ-Klubs im Stadtschulratskollegium unsereins multifunktional in Erscheinung
getreten. Herr Nekula konnte schon vor Wochen anlässlich des Besuches einer
Abendveranstaltung des Zentralvereins der Wiener Lehrerschaft einer (nach
Eigendefinition) "freundschaftlich-kritischen LehrerInnengemeinschaft" in
Wien-Favoriten „die bis zu diesem Zeitpunkt
bekannten Fakten“ über die
„Neue Mittelschule“
erklären, wonach in öffentlich zugänglicher Form ordentlich Folgendes in Wiens
Schulen rundum gereicht wurde: Der „Schulversuch“
sei als „neue Schulform“
gesetzlich verankert
(§ 7a SchOG ), es gäbe eine
„Bestandsgarantie bis 2015“, es
müsse zu der neuen Schule „ noch alternative
Angebote geben“, die „Abstimmung
ist verbindlich für die gesamte Laufzeit“ und
„die
Inhalte ähneln ziemlich denen der Kooperativen Mittelschule in Wien“.
Inhaltlich ziemlich zu hoffen bleibt da sehr
freundschaftlich-kritisch bis auf Weiteres ungebrochen, dass da jetzt also
wirklich kein Kind verloren gehe!
Wolfgang Krisch, 21.12.2007