Zum
unendlich weiten Feld von Schule und - mon dieu - Schulpolitik (!!) der - grosso
modo - üblichen Art, braucht für denkende Menschen nicht viel gesagt werden.
Beim Stand der Dinge reicht mir persönlich nachstehender Bericht, den ich 2005
verfasst habe. Er stimmt vollständig - und wird täglich richtiger. Sollte ich
zur Ansicht kommen, die Dinge würden sich irgendwo entscheidend zum Guten
wenden, würde ich das umgehend anmerken. Bis dahin ersuche um ein Absehen von
Protestmails, dass mein Website hier schwer veraltet sei.....
Wolfgang Krisch, 23.3.2007
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Bildung zwischen Markt und Staat,- wo immer „deppatere Kinder heraus kommen“!
Beklemmende Ergebnisse des 2.Internationalen Alfred-Dallinger-Symposiums in Wien
Beklemmende Ergebnisse erbrachte das von der Arbeiterkammer und dem Pädagogischen Institut des Bundes in Wien veranstaltete 2. Internationale Alfred-Dallinger-Symposium (vom 21.-23.11.2005, Arbeiterkammer Wien).
Sämtliche Fachreferate hochrangiger
ExpertInnen aus dem In- und Ausland belegten nämlich die eindeutige Tendenz der
industrialisierten Staaten, sich zugunsten privater Institutionen von der wohl
ureigensten staatlichen Kernkompetenz, jener für Erziehung und Bildung, zurück
zu ziehen.
Dazu wenige Zitate nur einiger
ReferentInnen, deren Zahl groß war:
“Bildung werde Ware“ – auf die „kein Rechtsanspruch“ der BürgerInnen an den Staat mehr bestehen wird, Haushalte würden gezwungen sein, dann ehemals staatliche „Leistungen anzukaufen“. Das Volumen eines neoliberal organisierten globalen Bildungsmarktes sei derzeit mit „2200 Milliarden Dollar“ pro Jahr errechenbar! (Allessandro PELIZZARI, Universität Freiburg).
„Schulischer Apartheit “ sei absehbar, als Folge der privaten Bildungsmärkte würden die Reichen begünstigt, quasi nach einem bildungspolitischen „Matthäusprinzip“ der Bibel („ Denn wer viel hat, soll noch mehr bekommen“, Matthäus 25). Das Schulsystem hierzulande funktioniere „ unfair“, im Ministerium habe man „Scheuklappen zum System“, „öffentlicher Diskurs“ stehe dringend aus, auch "Medien zeigten daran kein Interesse". (Karl Heinz GRUBER, Universität Wien)
„8-13%
der Gesamtbevölkerung“ seien in allen Industriestaaten bereits
als sekundäre Analphabeten anzusehen, wozu es aber
„keine Erhebungen
durch Regierungen“ gäbe. (Michael LUDWIG, Verband der Wiener
Volksbildung)
Die Gesellschaft sei generell „Anhängsel an den Markt geworden“, der „betriebswirtschaftliche Wahn“ habe die „ökonomische Lücke, die eingesparten Kosten nur abzuwälzen“, die „epochale Umbruchkrise“ schaffe eine Drei-Drittel-Gesellschaft, lediglich dem ersten Drittel gehe es gut, das zweite sei in ständig „ prekären Verhältnissen“ in einem Arbeitsleben „von Vertrag zu Vertrag“, das dritte Drittel sei gesellschaftlich „ auf Dauer überflüssig“ angesehen. Im gesamten Bildungsbereich sei dringend nötig, „Bildung vom Evaluierungswahn abzukoppeln“, da seien „Scharlatane am Werk“, deren „Rankings“ „Wahn“ seien, man „evaluiere nur, was man vorher schon wisse und was gut sei für die Verwaltung“. Evaluierung spiegle quasi ein betriebswirtschaftliches „ Just-in-time“-Konzept“, obwohl Bildung gleichsam nicht kommerzialiserbare „Vorratshaltung“ bedeute. Allein „verengte Menschen“ hätten nur den „Markt im Kopf“, der einen „Kulturverfall grandiosen Ausmaßes“ bedinge, was fataler Weise obendrein als „ Kulturgesetz hingenommen“ werde. Bildungsanspruch habe nichts zu tun mit einem von „außen geleiteteten Mensch“, der bloße Markchancen suche! Ziel sei der „von innen geleitete Mensch“, für den Bildung ein Weg zu „Würde, Autonomie und Persönlichkeit“ darstelle. (Oskar NEGT, Uni Hannover)
Bodenständiger und alltagspolitischer gerieten
hingegegen Stellungnahmen auch hochrangiger österreichischer PolitikerInnen, die
zu allermeist die Fachreferate nicht hatten verfolgen können, dafür aber mit
ihren höchst profanen Aussagen jedenfalls auch in Bildungsfragen für demnächst
eine große Koalition in Österreich einmal mehr als angelegt erkennbar machten:
„Größtmögliche
Förderung“ von Kindern sei gesellschaftliches Ziel
„von Anfang“
- also vom Kindergarten - an, „
ob kostenlos oder mit
Beitrag“ sei ihr „im
Moment einmal vollkommen wurscht
“ (Wiens VizeBM, Grete LASKA, SPÖ)
„Privatuniversitäten,
Privatschulen, konfessionelle Schulen“ leisten in Österreich, was
sonst der Staat leisten müsste, Österreichs Schule funktioniere vergleichsweise
gut, ein „Mischsystem“
zwischen privaten und öffentlichen Bildungseinrichtungen habe sich bewährt, -
und ferner würden sich eben „
Im Spiel der Kräfte
Ideologien abbilden“ (Gertrude BRINEK, Wissenschaftssprecherin
der ÖVP).
Kernfrage sei „wie
viel Prozent aller Kinder ein bestimmtes Bildungsniveau schaffen“
(Alfred GUSENBAUER, SPÖ- Vorsitzender), er sei
„ kein Gegner von
Elite-Unis“, die sollten aber nicht national, sondern z.B.
von der EU finanziert werden, 10-12 Standorte wären aus EU-Mitteln finanzierbar,
würde man z.B. die „unsinnige französische
Landwirtschaftsfinanzierung“ dazu verwenden.
(Auf meine Frage, ob unter einem Kanzler Gusenbauer zumindest einmal der
praktizierte „Evaluierungswahn“ des
österreichischen Bildungsdokumentationsgesetzes, die „bildungspolitische
Rasterfahndung Österreichs“, die obendrein Bürgerrechte
beschädige, ersatzlos gestrichen werde, blieb Gusenbauer pragmatisch. Er einigte
sich zwar mit mir auf den Begriff „
Subkultur“
für die allgegenwärtigen PISA- und Evaluierungshysterie, fand aber
„man
könne schon einmal evaluieren“ und blieb trotz Nachfrage
milde lächelnd jede Antwort über die Zukunft des Bildungsdokumentationsgesetzes
schuldig.
Als durchaus ministrabel wird übrigens
SPÖ-Stadtschulratspräsidentin Susanne BRANDSTEIDL gehandelt, deren Statement den
Symposium-TeilnehmerInnen wohl besonders in Erinnerung geblieben sein dürfte.
Schule könne „alles,
was gewollt wird, das die Schule kann“, so Brandsteidl mit
offenbaren Omnipotenz-Ideen von Schulverwaltungen. Es sei aber z.B.
„
gewollt, dass Kinder nicht sinnerfassend lesen können“,
man solle sich „nicht
mit Peanuts beschäftigen, sondern schauen, was dahinter steckt“.
Man „könne
sich die Wirtschaft als Partner nehmen“ (sic!),
doch "wenn z.B. in Wien
700 Lehrer und Unterrichtsstunden gekürzt worden" seien, dürfe
man sich nicht wundern, wenn (so wörtlich)
„
bei PISA immer deppatere
(sic!)
Kinder heraus kommen“.
Zuletzt: In Österreich gebe es „viele
Bildungssprecher aber wenig – denker“ (Karl Heinz GRUBER) und:
Alle PolitikerInnen würden den Wert der Bildung betonen,
„tun aber
nichts!“ (Oskar NEGT).
Beiden Sätzen scheint es in Österreich nicht an gewisser Berechtigung zu
mangeln, vermutet einmal
Wolfgang Krisch, 27.11.05